Zwei Texte …

Ich habe in den letzten Tage mal auswärts geschrieben, nämlich für den NRW-Landesverband, und wollte die Texte hier mal rebloggen, falls sie irgendwer noch nicht gesehen hat. Der erste entstand auf meine Anregung hin und ein Absatz stammt von Manfred Schramm, einige weitere Ideen sind von Wilk Spieker – somit ist der Text ein Gemeinschaftsprojekt des AK Bildung NRW. Der zweite Text war das 23. Türchen unseres Adventskalenders:

 

Inklusion für ein Jahr exkludiert!

Inklusion verschiebt sich um ein Jahr? Wohl eher um ein Jahrzehnt! Die Landesregierung hat den Rechtsanspruch auf Inklusion um ein Jahr verschoben. Eigentlich müssten wir das begrüßen, forderte der AK Bildungspolitik der NRW-Piraten doch schon im Januar, dass man Inklusion unbedingt machen sollte, aber richtig und nicht im ruinösen Schnellverfahren.

Mit der 9. Schulrechtsänderung will Rot-Grün mit möglichst geringen Änderungen im Schulsystem in die Inklusion starten. Das ist ein guter Gedanke, aber er sollte nicht dazu führen, dass für Eltern und Schüler freie Schulwahl und Rechtssicherheit Fremdworte werden. Und noch weniger kann es im Interesse einer Inklusion sein, dass Anträge auf Überprüfung von Förderbedarf einfach großflächig abgelehnt werden, um den Rechtsanspruch auf Förderung zu nehmen, und letztlich damit eine Menge Geld zu sparen. Das passiert jetzt schon, und man fragt sich, ob Schulämter das aus eigenem Interesse oder nach Weisung machen.

Das ist eine “kalte Inklusion”: Kommunen füllen leere Schulen mit Förderschülern ohne die Finanzierung eben der Förderung sicher zu stellen. Dazu passt, dass Kommunen und Kreise schon jetzt Förderschulen zusammenlegen und somit reduzieren, obwohl nach wie vor die Landesmittel für die Inklusion fehlen. Der Ausschluß von Teilhabe an Bildung und somit die Entrechtung ist für viele betroffene Kinder die zwangsläufige Folge.

Besonders perfide ist die Folge für einen ganzen Jahrgang betroffener Kinder, die in 2013 zur Förderschule gewiesen werden: sie müssen auch nach einem möglicherweise in 2014 endlich geltenden Rechtsanspruch auf inklusive Schule weiterhin die Förderschule besuchen. Ein Recht für Eltern und Schüler auf einen Wechsel nach der Einschulung in die Förderschule ist auch im nun aufgeschobenen Gesetzentwurf nicht vorgesehen. Jugendamt und Schulaufsichtsbehörde hingegen haben das Recht, einen Schulwechsel in beide Richtungen durchzusetzen, notfalls gegen den elterlichen Willen mit drastischen Folgen bis hin zum Entzug des elterlichen Sorgerechts. Man möchte sich nicht vorstellen, welche Auswüchse hier denkbar sind.

Insgesamt erscheint die Schulsituation in NRW damit verworrener, als man sich das mit normaler Schulbildung vorstellen kann. Inklusion wird nicht nur um ein Jahr verschoben, es ist bisher ja weder angestrebt noch gar gelungen, die Schüler ohne Förderbedarf zu inkludieren. Wie überall in Deutschland, wird auch in NRW sozial ausgegrenzt und aussortiert, was das Zeug hält. Erkenntnisse der pädagogischen Forschung, der Hirnforschung und der Psychologie werden systematisch übergangen, Inklusion wird eher als Sparmaßnahme gedacht, denn als eine wirkliche Chance für unsere Gesellschaft.

Etablierte Bildungspolitik spart sich den Gedanken, dass eine Investition in die Bildung in der Zukunft Früchte tragen würde, verwaltet lieber den Notstand und arbeitet sich an alten Ideologien ab!

Autoren: Holger Hennig/Manfred Schramm

 

Was Netzneutralität und BGE gemeinsam haben

Für manche ist es immer noch überraschend, aber wenn man die Politik der Piraten zu Ende denkt, dann kommt man immer mal wieder auf dieses Wort „Plattformneutralität“. Was steckt dahinter?

Zunächst klingt es verdächtig nach Netzneutralität – und ja, das hilft uns auch weiter: Netzneutralität beschreibt den Zustand, dass jede Information, jedes Datenpaket von den Providern in gleicher Geschwindigkeit und Qualität beim Nutzer ankommt. Also dass der Tweet vom Papst, die Rede von Frau Merkel und der neueste Upload bei der Pornoseite Eures Vertrauens unzensiert und unsortiert bei Euch ankommen, wenn ihr das wollt. Alles mit den gleichen technischen Voraussetzungen – ein Kernanliegen unserer Partei, darf auch gerne Verfassungsrang bekommen.

Und diese Gleichheit, mit der Datenpakete ankommen, wollen wir auch auf anderen Plattformen installieren. Zum Beispiel haben wir keinen Bock darauf, dass christliche Datenpakete immer noch viel schneller in die Köpfe der Menschen geschickt werden, als die anderer Religionen, oder noch schlimmer, als die Datenpakete der Aufklärung und des Humanismus. Also wollen wir echten Laizismus, eine echte Trennung von Staat und Kirchen – ja, ist ein Fernziel.

Oder in Sachen Bildung: Kein Schulsystem selektiert so stark wie das deutsche. Und das hat noch nicht mal mit irgendeinem Bundesland zu tun, das gilt für alle. Wir wollen aber die guten Schulen eben nicht nur für die, die es sich leisten können, das Abitur nur für die, deren Eltern es auch schon hatten. Die Datenpakete mit der Bildung, die so wichtig ist, sollten bei allen gleich ankommen. Das letzte, was wir brauchen, sind Barrieren!

Apropos Barrierefreiheit. Genau darum geht es eben auch. Piraten sind im Internet sozialisiert. Optimalerweise haben wir erfahren, dass wir ohne Ansehen der Person behandelt wurden, uns eine Welt geschaffen haben, die uns keine Barrieren in den Weg gestellt hat. Wir wollen das auf allen Plattformen. Deswegen fühlen sich Menschen aus dem Transgenderbereich bei uns eben so wohl, wie Menschen mit Behinderungen, deswegen gibt es bei uns echte Fortschritte in der Politik, die solche Minderheiten angehen.

Aber das ist auch der Hintergrund für unseren Traum vom BGE. Es geht nicht darum, dass Menschen fürs Nichtstun bezahlt werden – das nennt man Zinsgewinne, dafür ist die FDP zuständig. Es geht darum, dass alle Menschen einen gleichberechtigten und barrierefreien Zugang zur gesellschaftlichen Teilhabe bekommen. Eine durch und durch liberale Forderung, die Befreiung von der Herrschaft des Geldes.

Und wenn wir nun über Probleme nachdenken, für die wir noch keine Lösung haben, dann denken wir an Plattformneutralität und finden einen anderen, einen neuen Zugang zu Problemen, und lösen sie auf piratige Art.

 Autor: Hollarius
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Über Hollarius

Ich bin in den Siebzigern geboren, halte mich voll Hybris für einen Künstler und meine auch noch, alle müssten lesen, was ich so meine ...

Veröffentlicht am Dezember 26, 2012 in Piraten, Politik und mit , , getaggt. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. Ein Kommentar.

  1. Interessant ist folgendes: Es gibt massig A13-Beamte-Auf-Lebenszeit-Stellen an Grundschule für Grundschullehrer, die sich verpflichten müssen ein Aufbaustudium Sonderpädagogik zu absolvieren. Angesichts des manchmal etwas kritischen Stellenmarktes an Grundschulen (wenig Planstellen, viele Vertretungsstellen) möchte man meinen, dass das interessant ist.

    Die Stellen können aber kaum besetzt werden, weil die extrem unattraktiv sind. Die meisten Grundschullehrer wollen irgendwann eine Klassenlehrertätigkeit übernehmen bzw. normalen Unterricht machen. Gerne auch mit Förderschülern.

    Aber: Die o.g. Stellen sind ausschließlich für die individuelle Förderung. Nehme ich eine solche Stelle an, was in der Regel kein Problem ist, mache ich mein Leben lang individuelle Förderung und werde nie normalen Unterricht machen. Dazu kommt, dass die GU-Schüler auch ungerne von vielen Lehrern aus dem normalen Unterricht herausgegeben werden, weil gerade z.B. etwas neues gemacht wird.

    Also etwas überstürzt von unserer rot-grünen Landesregierung (wie so vieles)

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