Archiv für den Monat Februar 2013

Quick – KinderServer – Wie das Internet nicht funktioniert

Wenn unsere Bundesfamilienministerin Schröder was vorstellt, dann kann man eigentlich ja schon vorher nur skeptisch sein, heute also kommt der KinderServer. Völlig zu Recht bekommt man da schon vom Klang des Wortes Ausschlag.
Was soll das sein? Ah, ein Proxy, der Kinder nur auf Seiten lässt, die in eine Whitelist aufgenommen wurden. Jetzt könnte ich ja schon an die Decke gehen, weil ich es nicht leiden kann, wenn man Kinder bevormundet und sie für doof hält. Kann ich nicht ab, finde ich schrecklich. Eine Whitelist, die nur Angebote beinhaltet, die eine Art Jugendschutzsiegel tragen – das ist pädagogisch einfach so eine katastrophale Idee, weil man Kindern damit die Verantwortung nimmt. Und nichts ist für ein gutes Aufwachsen so wichtig und spannend, wie Verantwortung.
Aber da könnte man ja auch gerne noch stundenlang drüber philosophieren, also zum Beispiel darüber, welch Seiten gehen und welche nicht gehen. Oder ob es überhaupt Sachen gibt, die man wegsperren sollte. Oder ob es ethisch überhaupt vertretbar ist, Inhalte zu zensieren – denn ist das etwa keine Zensur mehr, nur weil es Kinder sind, die davon betroffen sind?
Aber das ist alles total egal, denn dieser KinderServer zeigt vor allem, dass man das Internet nicht verstanden hat. Das Internet ist nicht Fernsehen, wo ich Inhalte unterschiedlich ausweisen kann. Nicht Internet gucken! Internet ist ein Ort zum Machen. Und wie sollen Kinder jetzt mit so einem doofen Proxy-Server ihre eigenen Blogs basteln? Wie sollen sie die baulichen Mängel ihrer Schule ins Internet stellen? Oder ihr Schulessen fotografieren?
Ach, das sollen sie gar nicht? Sie sollen Internet brav konsumieren, aber nicht selbst machen? Bloß nicht eventuell kritisch werden? Auf keinen Fall etwas hinterfragen?Ah, der KinderServer ist also eine künstliche Bullerbü-Welt? Sorry, der KinderServer ist nur eines, völlig überflüssig.

Les Miserables – Film

Irgendwie konnte und vor allem wollte ich diesen Film nicht verpassen. Dafür bin ich zu sehr von Kind an von Musicals und dem Musiktheater an sich begeistert, und dafür ist mir dieses epische und wuchtige Musical mit seinen großen Bildern (nicht nur im Film, sondern auch auf der Bühne) und der oft einigermaßen dramatischen Geschichte zu sehr ans Herz gewachsen. (Spoilerwarnung, wer den Film noch nicht kennt, sollte sich sehr genau überlegen, ob er oder sie weiterlesen will!)

Nun also Les Miserables im Kino, und gleich die Eröffnungsszene ist ein optischer Wahnsinn. Hunderte Sträflinge ziehen ein großes Kriegsschiff mit Muskelkraft in ein Trockendock. Kurzzeitig fragt sich meine Logikabteilung, ob es solche Docks für Schiffe mit mehreren Kanonendecks wirklich gab, aber gut, das Bild ist groß!

Und solcherlei Bilder schafft der Film immer wieder. Javert am Abgrund, die Barrikade, Valjean, noch fast am Anfang, an einer Klippe an der Friedhofsmauer. Große Bilder. Und reden wir nicht von dem Schlussbild, das ist natürlich over the top, aber einfach gut.

Aber es geht auch um andere Bilder, und die finde ich teilweise deutlich weniger gelungen. Regisseur Tom Hooper stand natürlich vor dem Problem, dass jeder Regisseur von Musiktheater hat. Was mache ich denn, wenn die Arie kommt, also der große Einzelsong, wir sind ja beim Musical. Und Hooper fällt da selten mehr ein, als den Opernregisseuren, die ihre Sänger immer noch an die Rampe schicken und da ihre Töne absondern lassen.

Die filmische Entsprechung ist die ungeheure Vergrößerung einer Briefmarke. Wie bei einer Briefmarke gibt es nämlich bei mehreren Arien ein Portrait mit unscharfem und vernachlässgbarem Hintergrund. Das ist nicht nur langweilig und einfallslos, es lenkt auch viel zu viel Aufmerksamkeit darauf, dass Schauspiel sich gerne mal mit erlernter Gesangstechnik beißt. Man kann zwar sehr schön Studien betreiben, über wie viel Technik die diversen Castmitglieder verfügen, aber das ist doch wohl eher nur ein Spaß für Gesangslehrer und Logopäden. Ich persönlich möchte nicht jedes Zucken eines Mundwinkels sehen.

Es verstärkt auch den Eindruck der Künstlichkeit, weil ich eben nicht volltönend singe, wenn ich gerade versterbe, oder wenn ich verzweifelt bin, oder … ach, Ihr habt den Punkt vermutlich verstanden. Also kurz, bitte keine Großaufnahmen bei der Tonproduktion. Da ist es oft auch einfach gut, dass man bei den Bühnenversionen so weit weg sitzt, dass so genaue Einblicke gar nicht gegeben sind.

Ich könnte noch wegen ein paar anderer Sachen meckern, natürlich kommt das Musical mit einem Gesellschaftsbild daher, dass Jahrhunderte alt ist. Natürlich ist das Ganze ein christliches Schicksalsmärchen, was man auch ein bisschen weniger hätte herausarbeiten können. Geschenkt. Ich erwarte bei einem Musical auch eher selten fortschrittliches – auch und gerade nicht bei einem über dreißig Jahre altem Musical nach einer Vorlage von Anno Dunnemals. Ist ja auch alles in Ordnung.

Aber ich finde es viel interessanter, zu schauen, wo eine Bühnenversion stärker ist, als der Film. Zum Beispiel bei dem Eherpaar Thenardier, das schon verdammt cool besetzt ist mit Sacha Baron Cohen und der großartigen Helena Bonham Carter – deren toller und witziger Song „Master oft he House“ bleibt aber hinter diversen Bühnenversionen weit zurück. Ich habe mich gefragt, warum das so ist. Ich vermute, weil es sich eingebürgert hat, dass auf der Bühne ganz klar das Publikum angesprochen wird. Und direkte Ansprache hat halt doch seine Vorteile. Oder „Empty Charis at empty Tables“ – Marius besingt seine toten Freunde, und in der üblichen Bühnenregie tauchen die geisterhaft im Hintergrund auf – mit nettem Gruseleffekt, sehr klassisch. Was fällt da dem Herrn Hooper ein? Richtig! Briefmarke … schade …

Nun gut, Fans des Musicals kommen auf ihre Kosten. Es gab mehrere Momente, die ich großartig fand. Aber ein bisschen ist das auch eine vertane Chance, nochmal schade.

Nachtrag zum Thema Wahlparteitag

Gestern Abend meine Initiative im Liquid Feedback NRW zu Ende gegangen, in der ich den Vorstand aufgefordert habe, den nächsten LPT zu einem WahlLPT zu machen. Man findet die Ini hier: https://lqpp.de/nw/initiative/show/346.html

Einerseits gefällt es mir, dass das Votum sehr eindeutig ist. 91 Prozent, wie deutlich kann denn ein demokratisches Votum noch sein? Allerdings die Wahlbeteiligung, ja, die war eher noch nicht befriedigend. Ich hätte gerne zehn Prozent der im LQFB angemeldeten NRW-Piraten abstimmen gesehen. Das wären 145 gewesen, es waren aber nur 129, ist also knapp vorbei. Für ein Schnellverfahren im NRW-Liquid ist das immer noch eine wirklich gute Zahl, aber vermutlich wird wie immer die Antwort vom Vorstand kommen, dass das zu wenige sind, die abgestimmt haben, und deswegen ist ihnen die Abstimmung egal.

Dass ihnen die Abstimmung egal war, das haben sie ja auch schon beeindruckend gezeigt. All die Vorstandsmitglieder, die vor wenigen Tagen noch vehement den Programmparteitag verteidigt haben, haben sich in der Abstimmung nicht blicken lassen. Ich gehe davon aus, dass allen die Abstimmung bekannt war. Ich geh auch davon aus, dass der gesamte Vorstand im LQFB angemeldet ist – ich habe es aber nicht überprüft, da könnte es noch Überraschungen geben.

Interessantes Detail: Das einzige Vorstandsmitglied, dass überhaupt teilgenommen hat, war der Landesvorsitzende. Der Fizz hat seine und zwei weitere Stimmen an MdL Dave-Kay delegiert, der für den Wahlparteitag gestimmt hat. Und das war wohl kein Zufall, sondern für dieses Thema speziell. Als ich das gestern Abend auf Twitter ansprach, kam ein lapidares: „Ups“ Interpretiert das selbst!

Dass der Restvorstand sich nicht beteiligt hat, zeigt mir ein deutliches Desinteresse an LQFB – nicht zum ersten Mal – und eine Art Totschweigetaktik – quasi Kohl’sches Aussitzen. Es geht hier ja um Demokratie, und da wäre es völlig richtig und sinnvoll gewesen, auch von Seite des Vorstandes, der ja so einstimmig (ups?) den Programmparteitag will, für Abstimmungen zu werben. Sie hätten ja gerne auch dafür werben können, dass ihre Meinung sich durchsetzt, wäre ja völlig okay. Man hätte auch eine Gegenini starten können und und und …

Nein, man sagte gar nichts. Was natürlich nicht so weit reicht, wenn mehrere MdLs ihre Twittermacht nutzen, um die Abstimmung zu pushen. Ganz nebenbei geht es hier auch einfach um rationale Argumente, und die sprechen eigentlich alle für einen Wahlparteitag. Ich habe immer noch das Gefühl, dass es da Vorstände gibt, die ihrer Wiederwahl nicht trauen und an ihren Ämtern kleben. Ich bin mir aber sicher, dass, wer gute Arbeit macht, wiedergewählt wird. Und ich bin mir für mich auf jeden Fal sicher, dass ich die Ini nicht wegen dem Gedanken, ich will jemanden abwählen, gestartet habe, sondern weil die Idee eines Programmparteitages zum jetzigen Zeitpunkt einfach keine gute ist.

Idee – Ändern –Der Song

Ich habe eine Grundidee, keine Ahnung, wie stark die trägt, aber ich hau sie einfach mal raus:

Wir brauchen für den Piratenwahlkampf einen coolen Song, muss aber nichts musikalisch hochwertiges sein. Ich habe an die goldenen Achtziger zurück gedacht, und Erfolgssongs dieser Tage wie „Berlin, Berlin“ oder „Okay“. Das war die Verbindung von Film- und Fernsehzitaten, unter die ein Beat gelegt und das Ganze dann mit einem Refrain versehen wurde – fertig war die Laube.

Und da setzt meine Idee an. Man stelle sich folgendes vor. Wir machen eine Sammlung von Videosplittern, in denen die Etablierten das sagen, was sie immer sagen. Also Luftblasen und wie böse das Internet ist und dass man „die Märkte“ nicht erzürnen dürfe. Wie macht man so eine Sammlung? Naja, wir verbreiten auf Twitter, G+ und einer Seite, deren Namen ich nicht nenne, dass wir solche Splitter brauchen. Und dann sammeln wir die Klamotten – wahrscheinlich in einem Pad.

Dann braucht es eine fertige musikalische Grundlage – ich gehe davon aus, dass jemand so was auf einer Festplatte rumliegen hat – und einen Refrain, den man dazwischen haut. Dann werden die Splitter zurecht geschnitten und eingefügt – vielleicht kann man das auch in einer Art Baukastensystem machen, dass es eine Menge verschiedener Zusammenstellungen gibt, vielleicht auch als 20-Minutenmegaversion, weil man verschiedene Versionen aneinander klebt.

So, jetzt überlegt bitte an der Idee weiter, ich schreib da auch textlich nen Refrain für, ich sing sogar, wenn kein anderer will … aber ich bin ansonsten kein Musiker und von Studio verstehe ich auch nicht so viel … gibt es vielleicht ein paar Leute, die mit an dieser Idee arbeiten wollen?

Die Kindheit des Dr. M – Theaterstück

Ich habe in der Vergangenheit ein paar Theaterstücke geschrieben, ich werde die nach und nach hier veröffentlichen, will heißen, das Stück selbst ist als PDF bei Archive.org hochgeladen, hier rede ich ein bisschen drüber, und natürlich verlinke ich auch. Also HIER.

Manche, die alte Krimis mögen, die können schon drauf gekommen sein, hinter dem Kindertheaterstück steckt eine sehr freie Interpretation des „Dr. Mabuse“ von Norbert Jaques, unsterblich gemacht durch Fritz Lang.

Irgendwann erinnerte ich mich an die fast schon mythisch überhöhten Filme der Sechziger zum Thema, die ich selbst als Kind gesehen hatte. Ziemlich gruseliger Stoff, und etwas, was ich als Kind ziemlich stark fand. Nun, heute find ich die Filme nicht mehr stark, und auch mit dem Buch konnte ich gar nicht so viel anfangen. Aber andererseits war der Mythos in meinem Hinterkopf, und ich wollte damit mal irgendwas machen. Und dann kam es, dass ich für eine Kindergruppe ein Stück brauchte, und plötzlich hatte ich eine Verbindung.

Also begann ich zu recherchieren, merkte, dass ich nur ein paar Motive wirklich spannend fand, benutzte die aber, um darauf eine kleine Geschichte aufzubauen. Dr. M, mit dem schönen Vornamen Marcus-Max versehen – oder doch Max-Marcus? Die Rollen verwechseln das im Stück immer mal wieder – hat eine kleine Untergrundorganisation aufgebaut. Allerdings ist erst zwölf, und auch seine Handlanger sind so in dem Alter. Allerdings kommt ihm eine Gruppe um die leicht snobistische Geraldine hier und da in die Quere. Dabei hat Marcus-Max bei seinen durchaus skrupellosen Machenschaften ja sogar ein gar nicht so verbrecherisches Ziel: Eine Schule nur für Kinder, ganz ohne Lehrer. Und es gibt noch ein paar andere Ideen, die gar nicht so übel klingen. Aber ich will ja neugierig machen, also erzähl ich mal nicht so viel mehr.

Es handelt sich um ein Kinderstück, in dem es auch um Kinder geht – denn die Kinder spielen und streiten wie Kinder, auch wenn die Zusammenhänge manchmal etwas märchenhaft werden. Es gibt auch einige recht witzige Momente, sowohl die humoristisch etwas gröbere Kelle, die von Kindern allgemein bevorzugt wird, als auch ein paar kleinere Ironien, damit auch Eltern und Großeltern was zu schmunzeln haben. Idealer Einsatzort sind Kindertheatergruppen und Schulklassen, so irgendwo zwischen neun und dreizehn Jahren. Ein paar der Rollen, speziell in den Reihen der M-Anhänger, können auch von weiblich auf männlich umgeschrieben werden – die Verteilung entspricht schlicht der Gruppe, für die ich das Stück geschrieben habe.

Das Stück dauert eine gute halbe Stunde, auch eine Dreiviertelstunde ist machbar, kommt auf die Inszenierung an. Das ist auch eine Zeit, die Schauspieler in dem Alter problemlos hinbekommen. 13 Rollen, der Schreibung nach elf Mädchen und zwei Jungen, aber das ist anpassbar. Viel Spaß beim Lesen, und wenn es jemand spielen will, einfach mal anfunken, Danke!