Archiv für den Monat April 2013

Admingate und prominente Austritte

Selbstzerfleischung ist piratiger Sport, und er wurde auch in den letzten Tage wieder mit voller Leidenschaft betrieben. Was ist es dieses Mal? Nun, Admins des Forums fanden es sinnvoll, einen Filter einzurichten, der Binnen-I und Gendersternchen aus Texten herauskorrigiert. Ein paar Menschen beantragten, dass dieser Filter gefälligst wieder zu deinstallieren sei, und dieser Antrag wurde gar nicht dem Bundesvorstand zugetragen, sondern schon in einer Art Vorauswahl von der Bundesschatzmeisterin, in deren Bereich das Forum wohl fällt, abgelehnt.

Natürlich ist dieser Filter Bullshit. Wir haben ja so was wie Ideale, und zu diesen Idealen gehört Plattformneutralität, auch sind wir gegen Zensur und wollen, dass der freie Zugang ohne Filterung besteht. Jetzt ist es schon kaum verständlich, dass sich jemand, der piratigen Ideen anhängt, einen solchen Filter überhaupt will. Warum sich freiwillig zensieren lassen? Wie Admins auf die Idee kommen, einen solchen Filter einzubauen, das kommt mir schon gar nicht in den Sinn, denn das ist ein Stück weit verantwortungslos.

Aber ich bin ja nicht naiv. Hier ging es ja weder um einen Service, wie das einige sagten, noch sonst etwas vernünftig Begründbares. Der Beweggrund dahinter ist durch und durch politisch. Da haben sich einige Admins gedacht, hey, wir richten diesen Filter ein, damit der feministische Flügel sich so richtig aufregt, wir setzen ein Zeichen gegen diese Abweichler gegen unsere Meinung. Und das ist erstens natürlich keine vernünftige Art von politischer Auseinandersetzung, das ist zweitens auch ein Schlag unter die Gürtellinie und drittens offenkundiger Machtmissbrauch. Wer ein Amt, und wenn es auch nur der Admin irgendeiner parteilicher Software ist, ausnutzt, um politische Gegner innerhalb der Partei zu bekämpfen, der macht genau das, was wir an dem Intrigenspiel der etablierten Parteien so verabscheuen, zu Recht verabscheuen.

Dass sich der so bekämpfte Flügel wehrt, und Anträge dagegen stellt, ist nur vernünftig und verständlich. Wir müssen hier ja auch nicht drumherum reden, die Einrichtung dieses Filters war eine billige Provokation und ein halbes Jahr vor der Bundestagswahl ziemlich parteischädigend. Man hätte durchaus weitgreifendere Anträge stellen können, also nur den, diesen bescheuerten Filter wieder zu deaktivieren. Ich möchte noch weiter gehen, dieser Filter ist diskriminierend. Er verfälscht Aussagen, und da ist es dann auch egal, ob der Filter freiwillig ist, oder nicht, hier werden Menschen angegriffen und diskriminiert, weil sie anders denken und schreiben.

Die Reaktion der Bundesschatzmeisterin war dann allerdings auch der eine Tropfen, der ein paar Fässer zum Überlaufen brachte. Erstens ist unverständlich, wie ein Antrag, der an der Bundesvorstand gestellt wird, von nur einem Mitglied dieses Vorstandes abgelehnt werden kann. Ja, sie ist für das Forum verantwortlich, aber genau deswegen natürlich auch betriebsblind und zu den Admins des Forums vermutlich auch loyal – also ungefähr die letzte, die eine solche Entscheidung sinnvoll treffen kann. Aber ganz prinzipiell mögen wir Piraten ja auch eine gewisse Machtverteilung. Solche Entscheidungen sollten einfach nicht von einer Person getroffen werden. Und nicht zuletzt wundert es mich sehr, und leider nicht zum ersten Mal, dass Vorstände es schaffen, die Tragweite eines gateträchtigen Problems überhaupt nicht zu überblicken. Ist Kurzsichtigkeit eigentlich ein Merkmal, ohne das wir keine Vorstände wählen?

Im Nachklapp dieser relativ katastrophalen Entscheidung sind engagierte Piraten ausgetreten. Wieder Piraten weniger, die einiges für die Partei geleistet haben. Wir haben da ein Problem! Wir machen uns gegenseitig kaputt. Ich dachte, wir sind angetreten, um Politik menschlicher zu machen, und dann diskriminieren wir Leute aus der Partei? Im Ernst?

Die Reaktion der Ausgetretenen ist prinzipiell nicht gut. Denn wir haben doch gemeinsame Ziele, wir können etwas ändern, etwas bewegen, da ist Austreten einfach keine gute Idee. Aber ich kann das schon verstehen. Es ist doch immer die Frage, ob man die gemeinsame Basis noch sieht. Schlicht unnötige Provokationen und unsensible, lapidare Entscheidungen von Vorständen können dazu führen, dass man sich nicht mehr in der Partei heimisch fühlt. Wir müssen das ändern, und bitte schnell. Wir sollten uns alle bewusst darüber sein, dass es völlig in Ordnung ist, wenn wir verschiedene Strömungen haben, und dass Machtkämpfe und provokative Spielereien niemanden weiterbringen. Das geht aber nur, wenn unsere Vorstände das auch im Auge haben.

Die Bildzeitungspartei ist da!

Uih, es gibt eine neue Partei. Naja, das ist eigentlich keine große Nachricht wert, Parteien gibt es immer mal wieder neue, eine Parteiengründung ist auch gar nicht so schwer. Aber diese Partei bekommt viel Öffentlichkeit, was kleinen Parteien bei ihrer Gründung nur selten so passiert.
„Alternative für Deutschland“, ein großer Name, und wie so oft in der Geschichte der deutschen Parteien, hat dieser Name mit dem Inhalt wenig zu tun. Kennt ihr schon, oder? Bei der CDU hört man nicht viel vom christlichen Armutsideal, die Freien Demokraten finden eine Befreiung von der Geldherrschaft lästerlich und ganz und gar gegen ihre Prinzipien. Und die Piraten haben noch nicht mal Schiffe in einer einigermaßen angemessenen Zahl.
Genauso hat die AfD natürlich nichts mit dem schönen Wort „alternativ“ zu tun. Alternatives Denken gibt es da nicht, da gibt es Stockkonservative und gut angezogene Nationalisten, deren Glatzen nicht rasiert sondern echt sind. Was aber nicht über gedankliche Ähnlichkeiten hinwegtäuschen sollte.
Die wichtigen Leute dieser Partei sind dann auch gleich in größerer Nähe zu den nationalistischen Schlagzeilen der Bildzeitung, als sich das selbst schwarz-gelb traut. In lustiger Verkennung der Sachlage wird da auf Griechenland geschimpft und – ohne die Klischees geht es ja nicht – davon gesprochen, dass man ja nicht die korrupten Griechen finanzieren wolle. Wir als deutscher Staat finanzieren übrigens nicht Griechenland, wir finanzieren die Gewinne unserer Banken, die dort alles dem Boden gleich machen. Aber was versuche ich es mit Argumenten? Die AfD hat das mit den Argumenten sicherlich nicht vor. Da geht es nur um eines, mit den nötigen Klischees Ressentiments zu bedienen und die öffentliche Meinung weiter in Richtung Nationalismus zu verschieben.
Dabei ist das Prädikat „Anti-Euro-Partei“, was sich die AfD ja auch selbst aufgebaut hat, nicht nur ein Klischee – hier haben wir auch ein Dogma. Und das steht natürlich dem etablierten Dogma gegenüber. Die Alternativlosigkeit, die schwarz-gelb dem Euro unterstellt, steht der „Alternative“, dass wir zu der guten alten D-Mark zurück müssen. Da wird dem Dogma der Neunziger das Dogma der Siebziger gegenübergestellt. Und was hilft uns das? Natürlich gar nichts. Nur undogmatisches Denken hilft uns weiter. Und natürlich muss man über verschiedene Szenarien sprechen, natürlich darf man auch kein Denkverbot darüber aufstellen, keine zwei Pfade zementieren, wenn es vielleicht noch ein paar andere Möglichkeiten gibt. Ja, wir müssen von der Alternativlosigkeit weg, aber von der aus nach vorn, nicht ganz weit nach hinten!
Heute wurde nun das Zitat von einer dieser AfD-Mumien bekannt, wo dann auch mal Gesicht gezeigt wird, Gesicht gegen Menschenrechte: Eienr der Vorständler hat gefordert, dass Arbeitslosen das Wahlrecht aberkannt wird. Das Zitat ist ein paar Jahre alt, aber da Dummheit üblicherweise eine lange Halbwertszeit besitzt, können wir sie ja an solchen undemokratischen Ideen und Worten erkennen: Wir sprechen hier nicht von einer demokratischen Partei mit Bekenntnis zu Menschenrechten. Die AfD ist eine Ansammlung von undemokratischen Rechten.

Quo Vadis, oder so was …

Na, ist schon alles vorbei? Alle Chancen aufgebraucht? Die Piratenpartei ist überflüssig? Die kriegen eh nix auf die Kette? Ja, so sieht das ein bisschen aus. Und ja, so fühlt sich das auch an manchen Tagen an, wenn man zu dieser Partei gehört.
Aber wir sind nicht überflüssig, wir sind nötiger als je.Ihr findet es nicht in Ordnung, wenn die Behörden unproblematisch an eure Passwörter kommen? Ich find das nicht in Ordnung, und das ist ein Grund, warum es Piraten braucht.
Ja, mögt ihr sagen, Kernthemen und so. Aber gibt es nichts Wichtigeres? Haben wir nicht genug Schwierigkeiten mit dem Euro und so? Ja, da ist was dran. Die wirtschaftlichen Katastrophen und Fast-Katastrophen, die letztlich dazu führen werden, dass es Umwälzungen geben wird – der Druck steigt und steigt, muss man doch kein Prophet für sein, oder? -, diese Katastrophen sind ja da. Und habt ihr im Moment das Gefühl, dass da irgendeine Partei eine Antwort drauf hat? … So, genug Bedenkzeit, richtig, die etablierten Parteien haben keine Konzepte und Ideen, und wenn sie doch welche haben, dann sind es welche, die das eine oder andere Jahrzehnt zu viel auf dem Buckel haben. Die etablierten Parteien, soweit sie das Denken noch nicht völlig den Lobbyisten überlassen haben – richtig, in der jetzigen Regierung denkt traditionell niemand mehr selbst -, denken in Formen, die mit der heutigen Zeit nichts mehr zu tun haben. Da sind Nationalstaaten wichtig, Erwerbsarbeit als lebensbestimmendes Merkmal, Sicherheit durch Verbote, also durch Gewalt, eine Verdummung durch BWL – und nicht zuletzt werden Entscheidungen von Moralvorstellungen geleitet, die ein bis zwei Jahrtausende alt sind – anstatt sich ethischen Überlegungen zu stellen.
Und ihr glaubt wirklich, dass wir Piraten nicht gebraucht werden? Ganz sicher?
Ich kann euch sagen, warum wir in den letzten Monaten nicht wirklich gut aussahen. Ja, wir haben mit gewaltigen Wachstumsschwierigkeiten zu tun, und wir machen das wirklich mit der Demokratie, nicht wie die etablierten Parteien, deren Strukturen noch aus monarchistischen Zeiten überkommen sind, und bei denen Demokratie doch nur Tünche ist. Und weil wir das offen und demokratisch machen, deswegen könnt ihr das auch alle sehen, wie wir uns zerfleischen. Das ist nicht schön, und glaubt mir, ich finde das oft extrem schmerzhaft. Aber das ist halt der Preis der Demokratie. Die anderen versuchen das doch schon seit Jahrzehnten nicht mehr.
Wir sind eine Alternative, wir müssen nur jeden Tag selbst dran denken. Wir müssen uns jeden Tag klar machen, dass die Menschen nicht wissen, was wir wissen. Dass wir uns aufregen müssen, jeder für sich, und es nicht reicht, unseren Vorständen und Presseabteilungen die Arbeit zu überlassen. Also regt euch auf, bloggt und macht, schreit es heraus und verbreitet eure Fassungslosigkeit über das, was in der Politik jeden Tag passiert. Nur wenn wir uns aufregen, können wir auch etwas ändern. Und verdammt, meint ihr echt nicht, dass es genug gibt, was wir ändern müssen?

PS. Das ist übrigens auch ein Blogpost für mich selbst. Ich habe es auch manchmal einfach über, mich aufzuregen, ich kann manchmal nicht mehr. Und wenn ich jetzt wirklich glauben müsste, dass wir nicht ändern können, was sollte ich dann noch tun? Zum Resignieren bin ich doch hoffentlich noch nicht alt genug.

Bitte was? – Sportunterricht …

Wenn ich mich aufrege, mach ich ein Video, hier war es wieder so weit:

#Gutachtengate

Ich bin wütend, ich bin wirklich wütend. Ich bin auch traurig und bestürzt, ich bin darüber erschreckt, dass man wohl scheinbar nichts ändern kann. Dass Strukturen und Muster wohl in allen Parteien irgendwie gleich sind – und dabei wollten wir es doch anders machen.

So, nach diesen wirren Anfangsworten, was will der lustige dicke Mann mit dem Blog? Also von vorne. Es geht dann noch mal um das Gutachtengate, dass den Landesverband NRW der Piratenpartei seit einer Woche lähmt. In Folge dieses Gates ist gestern Alex Reintzsch, Beisitzer im Vorstand, aus der Partei ausgetreten.   Und damit zwingt er mich quasi, diesen Blogpost zu schreiben.

Ich bin mir im Moment nicht sicher, ob ich zu idealistisch bin, ich weiß es nicht, aber ich stand in den letzten Tagen sicherlich auf der anderen Seite. Ich gehörte zu den Leuten, die gesagt haben, dass Konsequenzen gezogen werden müssen. Ich habe gesagt, dass wir schlicht nicht mehr nach Transparenz rufen können, wenn es keine Konsequenzen gäbe, weil wir uns dann lächerlich machen.

Und vermutlich gehöre ich damit jetzt zu den Trollen, die einige ausmachen. Zu den Hexenjägern. Das Problem ist: Ich bin mir auch jetzt noch sicher, dass ich mit meiner Argumentation absolut Recht habe.  Das andere Problem ist, dass ich Alex mag und er mir wichtig ist. Ausgerechnet auf ihn schießen zu müssen, hat mir Schmerzen bereitet. Und jetzt verstehe ich die Sache mit den Krähen, die anderen Krähen und so weiter. In anderen Parteien sozialisiert hätte ich vermutlich anders gehandelt, hätte mich hinter Alex gestellt, weil Freundschaften mehr zählen als Ideale. Ich habe, man kann es in meinem letzten Blogpost lesen, versucht, die Sache auf eine sachliche Ebene zu bringen. Ich wusste, es gibt Leute, die gegen Alex schießen, weil es Alex ist – und habe mich ein paar Aufforderungen, mich an dieser oder jener Aktion zu beteiligen, verweigert.

Das ändert nichts daran, dass meine Worte sehr klar waren, vielleicht sogar schmerzhaft klar. Worte haben Macht, sie können verletzen, das sind Binsenwahrheiten. Ich habe keine Ahnung, wie wichtig ich in dieser Sache war, ich halte mich selbst nie für besonders wichtig, und gehe auch in diesem Fall davon aus. Ich bin mir sicher, dass ich es nicht war, der Alex zu diesem Schritt bewegt hat, aber vielleicht habe ich beigetragen.

In den letzten Tagen ist vieles erklärt worden, und viele haben sich sehr zerknirscht gegeben. Das ist alles angekommen, aber ich bin immer noch erschreckt darüber, wie ähnlich wir den Etablierten sind, wenn es darum geht, dass bei uns Fehler gemacht werden. Nein, ich bin nicht erschreckt darüber, dass es laute Stimmen gab, ich bin nicht erschreckt darüber, dass es auch Neider gab, die auf den Zug aufspringen – mit so einem Mist muss man leider leben. Ich mache erschreckend etabliertes Denken an ein paar Punkten aus, und ich finde sie bei Alex und ich weiß, dass er wirklich Pirat ist. Ich bin mir einfach nicht mehr sicher, ob unser Projekt es anders zu machen, nicht zum Scheitern verurteilt ist.

Die Panne mit den verspäteten Einladungen ist menschlich, ich kenn das sehr gut, ich habe grundsätzlich auch einen Hang Sachen vor mir herzuschieben, speziell passiert das schnell, wenn man eh den Schreibtisch voller hat, als einem das lieb ist. Die Entscheidung, auch nur die Idee, das Gutachten vorerst nicht zu veröffentlichen, mag menschlich sein, ist aber gegen alles, was wir uns vorgenommen haben. Es ist argumentiert worden, dass wir den Vorstand gewählt haben, damit er auch Entscheidungen für uns trifft – das ist richtig und wichtig, es schließt aber eben nicht ein, dass Daten, die Entscheidungen beeinflussen oder auch nicht, in eine Schublade kommen. Und an der Stelle kann ich noch so sehr verstehen, dass sich einige im Vorstand dachten, komm, wenn das jetzt öffentlich wird, obwohl es wahrscheinlich fehlerhaft ist, dann wird nur der Rummel groß, und vielleicht müssen wir dann deswegen eine weitere AV veranstalten und das finanzielle Risiko wollen wir nicht, wir wollen das dem Landesverband nicht antun. JA, guter Vorsatz, aber leider immer noch Kacke. Wir sind die mit der Demokratie, wir sind auch die, die sagen, wir machen es anders. Wir sind die, die ein neues Vertrauen zu Politik schaffen wollen, und zwar in dem wir sie transparent machen – ich könnte an dieser Stelle lange weiter machen, ich hoffe und denke, ihr habt es schon verstanden. Wir hätten das Gutachten aushalten müssen, wir alle, und wenn es eine AV mehr gekostet hätte, dann wäre das der Preis der Demokratie gewesen. Ist nicht schön, aber leider richtig. Das Verheimlichen ist die Politik der etablierten Parteien, es ist etabliertes Denken.

Das so deutlich verspätete und unkommentierte Hochladen des Gutachtens machte die Sache dann nicht besser. Bisher hatte ich eigentlich immer gehofft, der Spruch vom Verstecken der Informationen im Wiki wäre eher so Spaß. Das ist eben auch so etabliert, dieses: Ich lad das mal hoch, sag das nicht, und mit ein bisschen Glück, merkt das niemand. Das ist das, worüber wir bei Vogonen schmerzverzerrt lachen. Ja, das hat doch im Büro 137 von 13:17 Uhr bis 13:25 Uhr  ausgelegen, warum haben Sie das denn nicht gelesen?

Und dann kam das FAQ, und die Antworten darin waren Geschwurbel, waren  Politsprech, und ich weiß nicht, was da in Alex gefahren war, der das wohl hauptsächlich geschrieben hat. Ich habe das nicht verstanden, ich verstehe es bis jetzt nicht. Ich mein, ich weiß natürlich, wie schwer es ist, Fehler einzugestehen. Hey, ich bin nicht mehr so weit von der 40 weg, ich habe schon manchen Fehler eingestehen müssen. Aber genau an der Stelle weiß ich eben nicht, ob da nicht die Sollbruchstelle unserer Ideen ist. Bin ich jahrelang ein wichtiges Mitglied meiner Partei, im Vorstand  und Kandidat, kann ich dann einfach so sagen: Hey Leute, ich hatte Probleme es einzusehen, aber ich habe da Scheiße gebaut, es tut mir wirklich leid und wie kann ich jetzt mit eurer Hilfe aus dieser Scheiße wieder raus? Auch, wenn mir klar sein muss, dass das meine Position völlig verändert? Und das in einer Weise, die ich mir natürlich nicht wünsche?

Ich kann verstehen, dass Alex verletzt ist, ich kann verstehen, dass er irgendwann die Reißleine gezogen hat und einen Schlussstrich. Aber diese Form, nicht irgendeinen Fehler einzugestehen sondern „einfach“ – ich weiß, dass ihm das nicht leicht gefallen sein kann – auszutreten, die macht mich wütend. Erstens, weil es einige, auch mich, jetzt in Augen anderer zu Hexenjägern macht.  Ich halte mich nicht für einen Inquisitor. Zweitens, weil es eben keine Aufarbeitung ist. Es ist eben nicht die Konsequenz, die ich gewollt habe. Ich wollte nur, dass der Vorstand die Krise vernünftig angeht und löst. Ja, vielleicht mit dem einen oder anderen Rücktritt, wenn man das als unumgänglich ansieht, aber hauptsächlich mit einem Lernschritt, und der muss heißen, dass man auch im Tagesgeschäft immer mal wieder über unsere Grundsätze nachdenkt, und einem dann so eine Nummer nicht passiert.

Die Frage, die sich stellt: Wird uns das allen passieren? Dass wir die Fehler nicht merken? Dass wir uns hinter Politsprech verstecken? Werden wir so enden, wie die Grünen?

Alex war der erste Pirat, mit dem ich zusammengesessen habe, als ich in diese Partei eintrat. Und mir ist egal, ob er nun seinen Austritt verkündet hat oder nicht, für mich wird er immer Pirat sein. Ich habe ihn in den Vorstand gewählt, ich habe ihn auf die Liste gewählt, und ich habe das gern gemacht und ich war mir sicher, dass ich richtig gehandelt habe. Und jetzt sitze ich hier und mir fällt kein Schluss ein … höchstens der hier: Ich werde ihn vermissen. Und ich könnte heulen, echt jetzt …