Archiv für den Monat Mai 2013

Bitte was? – Solingen

Von absoluten Mehrheiten und der Show als solcher

Am Sonntag gehörte ich zu den Piraten, die sich aufgemacht hatten, um Herrn Raab und seine „Absolute Mehrheit“ zu sehen, und natürlich für Cornelia Otto zu jubeln, das ist ja Ehrensache, denn es ist ja nicht falsch, zu jubeln, wen jemand etwas Gutes sagt.

Nun gut, also die üblichen Fernsehshow-Präliminarien über sich ergehen lassen, so mit Abtasten so, und mit kein Handy bei sich haben – was für Piraten wirklich schwierig ist, wir hätten natürlich gerne von der Tribüne aus getwittert. Und dann kommt das Aufwärmen mit Stefan Raab, und der macht ein paar Mätzchen, hat Spaß, und vor allem, er bringt das Publikum, egal aus welchem Bereich es jetzt kommt, auf seine Seite. Er spielt mit seinem Image, zeigt, dass er ja eigentlich harmlos ist und nur spielen will, und es wirkt auch noch so, als ob er das meint – was eigentlich ein ganz gutes Zeichen ist. Als er dann wirklich mit der Show beginnt ist der Applaus ziemlich ehrlich.

Nun gut, wer ist alles dabei, ein Sportreporter, den ich nicht kenne, dessen Stimme mir auch nicht bekannt ist. Er wird im Verlauf der Sendung ein bis drei Mal ganz kluge Sachen sagen, aber er fällt natürlich gleich raus. Nicht vergessen, wir haben hier einen Wettbewerb. Dann sitzt da NRW-Innenminister Duin, der später beim Thema BGE in panische Schnappatmung verfallen wird – wenigstens merkt man, wovor die Etablierten so richtig Angst haben. Auch er wird bald rausfallen, nach Runde zwei ist er nicht mehr im Rennen. Dann Lasse Becker von den JuLis. Offenbar das privilegierte Bürschchen, was man sich bei der FDP so vorstellt, aber in Teilen geistig satisfaktionsfähiger als man das auf Anhieb erwarten würde.

Und dann vom Zuschauer aus auf der linken Seite von Raab sitzen Cornelia Otto, unsere Spitzenkandidatin auf der Berliner Liste für den Bundestag und der ehemalige Vorsitzende der Linken Klaus Ernst. Letzterer hätte den Abend offenbar gerne allein bestritten und ja, auch als Pirat kann ich oftmals nur feiern, wenn er die Idiotien der FDP und SPD mit scharfer Zunge geißelt – der Mann ist ein Wadenbeißer, der hat für diese Sendung trainiert, der weiß, wie man sich das Wort ergaunert – ein Alphamännchen, der sich Duin als Gegner aussucht und ihn dann auch nach allen Regeln der Kunst filettiert. Ja, der Mann kann Show und er hat sich für diesen Abend etwas vorgenommen – und gibt Cornelia Otto allemal die Möglichkeit, sich als Stimme der Vernunft zu etablieren, schließlich wirkt Ernst zwischendurch so, als müsste er in der Werbepause ins Sauerstoffzelt.

Nun, wie schlägt sich Cornelia Otto, die im Netz auch als Tikkachu bekannt ist? In der ersten Runde, als es um Fußball geht, kommt sie ins Stottern, als Raab ihr die relativ blöde Frage stellt, welchem Bundesligaverein die Piraten ähneln. Die ehrliche Antwort, dass sie sich nicht so mit Fußball auskennt, ist völlig in Ordnung. Ja, man hätte hier lustige Antworten finden können, so was wie: „Kennen Sie einen Bundesligaverein, bei dem jeder mitspielen darf? Oder der seine Taktik öffentlich im Internet diskutiert?“ aber das ist schon okay. Sie punktet mit dem Ansatz, dass es in der Politik auch cool wäre, wenn jeder seine Sponsoren offen auf der Kleidung tragen würde. Aber vermutlich müsste Fipsi Rösler dann noch ein Schild mit Sponsorennamen hinterhergetragen werden, weil er einfach nicht genug Fläche gibt.

Und nach diesem vielversprechenden Anfang wurde es dann leider schwächer.  Und das bei Themen, die uns doch so sehr liegen. Das BGE und die Politikverdrossenheit, und da kam dann so wenig. Selbst Klaus Ernst als Gegner des BGE hat einen Hauch klarer machen können, warum BGE sinnvoll ist, als Cornelia, die sich verteidigte, statt anzugreifen. Warum? Mit dem Thema BGE sollte man angreifen. Man sollte einfach einem Lasse Becker um die Ohren hauen, dass das BGE eine urliberale Forderung ist, die Befreiung von der Geldherrschaft. Was könnte denn liberaler sein? Was könnte denn weniger Herrschaft versprechen als das? Und das ist doch die Idee hinter liberal, dass es weniger Herrschaft gibt, das hat der junge Liberale doch sicherlich auch noch nie bedacht. Oder wenn der Duin dauernd davon faselt, dass das ja alles unbezahlbar ist, warum dann verteidigen? Warum nicht abspeisen damit, dass es natürlich finanzierbar ist, dass sogar Börsengurus sagen, dass es natürlich bezahlbar ist, und dann sagen: Wir kommen damit aus der Demutsspirale heraus, die die SPD mit ihrer verfickten Hartz-Gesetzgebung angefangen hat. Wir hören auf, Leute zu stigmatisieren, wir nehmen ihnen das Gewicht von den Schultern, dass sie zu kleinen Leuten macht. Wir machen das mit der Menschenwürde, die ja eigentlich im GG steht, wovor die etablierten Parteien aber gerne die Augen verschließen.

Und bei der Politikverdrossenheit, wo war da das „Ihr werdet euch noch wünschen, wir wären politikverdrossen?“ Wo war die Richtigstellung, dass es gefälligst Politikerverdrossenheit zu heißen hat. Noch nicht mal die Vorlage wurde genutzt mit den leeren Parlamenten. Denn man schaue zum Beispiel mal, was los ist, wenn im NRW-Landtag Plenum ist, unter 15 von 20 Piraten habe ich da bisher eigentlich nie gesehen. Wenn man das will, dann geht das. Ist eine Sache von Prioritäten. Und die liegt bei den Etablierten spürbar nicht bei Politik. Und hier hätte man übrigens auch mal den Klaus Ernst an seinen kräftigen Hörnern fassen können, und mal ganz klar sagen, wie wenig demokratische Strukturen seine Partei hat, und dass auch das ein Grund sein könnte, dass die Linke eben nicht mehr Stimmen bekommt, obwohl ihre Themen alle angehen und die Etablierten doch jeden Tag aufs Neue demonstrieren, dass soziale Themen für sie völlig irrelevant sind.

Insgesamt war Cornelias Auftritt charmant, aber zu defensiv. Wir wollen ja nicht die netteste Partei sein, wir wollen unsere Ideen verbreiten. Das geht nur mit ein bisschen mehr Attacke. Aber aus diesem Auftritt kann man eine Menge lernen, hoffentlich passiert das, und damit meine ich bei weitem nicht nur Cornelia.

Quick – Beschützen wir Kinder bitte nicht vor ihren Gefühlen!

In meiner Twittertimeline tauchte heute eine Kolumne von Rochus Wollf auf, man findet den Artikel hier: http://www.kino-zeit.de/news/macht-der-erzaehlung
Ich möchte darauf ein bisschen antworten. Oder einfach die Geschichte erzählen, die mir dazu eingefallen ist.
Meine erstes filmisches Erleben ist mit einer kurzen Serie verbunden, die für einen vierjährigen sicherlich eigentlich zu heftig war. Ich war bei Erstausstrahlung von den Brüdern Löwenherz viereinhalb. Und ich war begeistert, ja, ich hätte vermutlich die halbe Stadt zusammengeschrien, wenn ich davon eine Folge hätte verpassen können. Und ja, ich habe geweint, als Mathias starb, und ich hatte Angst vor Katla, echt jetzt, natürlich war das nur Fernsehen, aber ich hatte trotzdem Angst vor Katla, und vor allem Angst um Karl und Krümel. Ich habe die Brüder Löwenherz mit meinem Bruder zusammen geschaut, hinter dem ich mich vielleicht verstecken konnte, ich weiß das nicht mehr, aber ich hatte keine Rundumbetreuung von meinen Eltern und sie haben sich da vermutlich noch nicht mal auch nur Sekunden Gedanken drum gemacht. Kinderfernsehen war Kinderfernsehen, wird schon okay sein.
Meinem Gefühl nach wäre so ein Film heute nicht mehr machbar. Auch Ronja Räubertochter wäre heute nicht mehr so machbar. Und ich halte diese Klassiker von Astrid Lindgren für zwei der wahrscheinlich besten Kinderfilme aller Zeiten. (Natürlich gilt das genauso für die Bücher, die ich großartig finde, die ich heute noch mit großer Freude lesen kann, und es ist leider schon lange her, dass ich ein Kind war.)
Warum sind solche Filme heute nicht mehr machbar? Na, weil sie erstens den Tod nicht ausklammern, bei den Brüdern Löwenherz ist der Tod sogar das eigentliche große Thema des Films/Buchs. Das geht schon lange nicht mehr, und vielleicht hat auch nur Frau Lindgren es überhaupt geschafft, dieses Thema gut in Kinderliteratur zu integrieren.
Aber vor allem gingen diese Filme Risiken ein und luden die Kinder ein, diese Risiken zu teilen. Und ich glaube, einige Generationen von Kindern haben das inzwischen gemacht. Und ich glaube, diese Filme, diese Bücher haben in diesen Kindergenerationen die Faszination für Film und Literatur geweckt.
Ich hatte auch schon im Alter von vier Jahren die Erfahrung gemacht, dass Filme – zumindest die, die ich sehen durfte – gewisse Grenzen nicht überschritten. In Kinderfilmen fließt kein Blut, in Kinderfilmen stirbt niemand, in Kinderfilmen trägt man keine echten Waffen. Ich kann heute nicht mehr sagen, ob in dem Film Blut floss, ich weiß aber, dass Mathias an einem Speer starb, der ihm im Bauch steckte. Die Erstausstrahlung ist immerhin 34 Jahre her, meine Erinnerung ist da nicht mehr so klar.
An den Speer erinnere ich mich. und in der Rückschau iost da eine Erkenntnis reinprojiziert. Vermutlich ist das später dazugekommen, aber das Gefühl war sicherlich damals schon da: Es geht hier um was!
Das hat mich gepackt. So sehr, dass ich heute noch Gänsehaut bekomme, wenn ich die Titelmelodie der Serie höre. Stark, oder?
Erkenntnis daraus? Kinder mit Horrorfilmen konfrontieren? Nein, das ist Quatsch. obwohl ich von vielen weiß, die ihre ersten Horrofilme mit Acht gesehen haben, Mutprobe und so – ich habe damals eher um Winnetou geheult, war mir Schrecken genug. Nein, unsinnige Gewalt und totale Suspense muss nicht sein. Aber bitte, es soll doch um was gehen, oder? Ich mag bis heute keine langweiligen Filme, ich habe bis heute gerne etwas auf dem Spiel stehen, ich möchte an meinen Emotionen gepackt werden, schließlich geht es bei Kunst doch genau darum, oder?
Wenn ihr eure Kinder vor ihren Emotionen bewahren wollt, dann habt ihr den Sinn von Geschichten nicht verstanden. Wir brauchen die Märchen und Geschichten, weil wir mit der Welt klar kommen müssen. Wir können unsere Gefühle mit der Fiktion ausprobieren, können lachen und weinen, können wüten und eine Scheißangst bekommen. Und das geht alles während wir im Bett liegen und eine Geschichte vorgelesen bekommen, oder im Kino mit Popcorn in der Hand. Verdammt, wie geil ist das denn? Wenn es das nicht gäbe, man müsste es erfinden.
Ich würde mir wünschen, dass Eltern ihre Kinder vor den Gefühlen nicht beschützen, und die Pädagogen auch nicht. Und das hat noch nicht mal mit der Frage nach eventuellem Verzärteln zu tun, mit Ernst des Lebens oder sonstwas. Aber erstens sollen Kinder erleben, wie wunderbar die Fiktion ist, was für Schätze sie birgt, und zweitens machen wir die Kinder damit stark. Leute, es gibt genug Versuche, die Kinder schwach zu machen, bitte macht da nicht mit!

Nachtrag: Hier hatten @ThoroughT und ich über das Thema gepodcastet: http://carpenoctem.podspot.de/post/carpe-noctem-podcast-21-kultur-fur-kinder/

Biite was? Audienz

Die 1000 Euro Frage! – Guerilla-Wahlkampf

Ich hätte da gerne mal ne Idee gehabt! Genauer gesagt, ich will etwas:  Ich hätte gerne tausend Videos zu der 1000 Euro Frage. Was ist die 1000 Euro Frage? Schaut hier:

Was fängt man damit an? Man nehme einfach ein Handy, filme sich, wie man diese Frage beantwortet und packe das im Moviemaker oder jedem anderen Programm hinter dieses Video. Dann verteile man brav über YouTube oder jede andere Social Media! (Wer das Video nicht aus YouTube saugen will, kann es auch einfach hier laden: https://dl.dropboxusercontent.com/u/32839768/hey%20du.mp4
Und wenn ihr mir dann auch noch alle Videos verlinkt, entweder über hollarius@piratenpartei-nrw.de oder an @hollarius auf Twitter, dann richte ich auch noch eigenhändig einen Tumblr ein und sammel die da drin, na, ist das nix?

Nein, das ist keine Aktion irgendeiner Wahlkampfkoordination, nein, es ist mit keinem Vorstand abgesprochen, es ist einfach eine Guerilla-Wahlkampf-Aktion. Wenn ihr also Bock auf Wahlkampf habt, dann macht mal mit! Ihr könnt übrigens die Frage auch zehn anderen Menschen stellen und deren Nasen online stellen. so have fun!

Bitte dringend um breite Verteilung. Die Idee BGE soll damit in möglichst viele Köpfe gepflanzt werden, verbunden mit der einzigen Partei, die nicht mehr über das OB, sondern nur noch um das WIE streitet. (Den Spruch habe ich aus nem Tweet geklaut, weiß nicht mehr von wem, schreibt bitte die Credits in die Kommentare! 😉 )