Macht die Fresse auf!

Seit Monaten, so fühlt es sich an, macht man von allen Seiten Werbung für die Piratenpartei. Die Telekom, weil sie drosseln will, die bayrischen Abgeordneten, weil sie für tausende Euros ihre Kinder anstellen, die Frankfurter Polizei, weil sie die Blockupy-Demo in Polizeistaatmanier misshandelt hat, und PRISM, was für eine Steilvorlage, und die Sache mit den Bestandsdaten, hey, die Kernis sollten eigentlich seit Wochen durchfeiern.

Ganz ehrlich, das wäre eine Erklärung. Weil sonst die weitgehende Stille in unseren Reihen einfach nur peinlich sein kann. Hier in NRW haben wir so vier Kandidaten, die bei fünf Prozent sicher drin wären, die in Sachen Datenschutz was sagen können, zumindest, wenn man deren Vorstellungsreden im Hinterkopf hat. Eigentlich, so würde ich erwarten, müssten diesen Kandidaten die Tastaturen glühen. Eigentlich müsste inzwischen alles, was PRISM für uns bedeutet, für Europa bedeutet, für die Welt bedeutet, genau beleuchtet sein. Wir als Piraten müssten das den Menschen erklären. Aber das predige ich seit Monaten, dass genau das unsere Aufgabe ist, Politik zu erklären. Vielleicht bin ich ja nur einer dieser armen Irren, die mit Schildern in Fußgängerzonen stehen, vielleicht habe ich einfach Unrecht, und es ist sinnvoller, sich hinter Strategien zu verschanzen, oder hinter der Frage, wer wofür verantwortlich ist – und dann wieder den sicheren Weg zu gehen und nichts zu tun.

Ja, ich weiß, es gibt Pressemitteilungen. Ja, es gibt Pressemitteilungen, und manche von ihnen haben auch eine gewisse Qualität. Und wie sehr werden diese Pressemitteilungen von der Presse aufgenommen? Ich vermute, man druckt sie aus und dann schmeißt man sie weg. Denn in der Presse sind unsere Themen, aber man liest kein Wort über die Piratenpartei.

Und wie sehr kotzt es mich an, dass die clever gemachten Filmchen über die Drosselkom nicht von uns kommen, sondern von den NGOs, wie sehr geht es mir auf den Keks, dass inzwischen der Virus der Professionalisierung, der Konzepte und der ach so wichtigen Strategiesitzungen und Theorien bei uns eingefallen ist. Alle wollen alles so toll machen, dass dann gar nichts passiert. Hier in NRW muss der Virus aus der Fraktion gekommen sein, die das mit PR 2.0 auch immer noch nicht so richtig auf die Reihe bekommen, immerhin gibt es da immer mal wieder Videos, was schon mal ein Fortschritt ist.

Wenn ich Menschen erreichen will, dann muss ich das auf ihrer Ebene tun, dann muss ich klar sein, aber auch authentisch und den Menschen zugewandt. Liebloses Beamtendeutsch, das machen die Etablierten schon. Das brauchen wir nicht nachziehen. Wer sich noch an das in Neumarkt entschiedene Wahlprogramm im Hinterkopf hat, der sollte doch eigentlich wissen, dass wir das beste aller Programme haben, dass wir als Partei deutlich mehr Arsch in der Hose haben, als die anderen es sich auch nur zu Träumen wagen dürften. Und verdammt, wir verschwiegen es viel zu oft.

Ich hätte gerne wieder das mit dem piratigen Mandat. Und vor allem erwarte ich das von jedem, der wirklich in den Bundestag will. Es kann nicht sein, dass wir die Fresse halten, es kann auch nicht sein, dass wir darauf warten, dass uns jemand auffordert oder uns etwas erlaubt. Wir sind Piraten. Haben wir das vergessen? Wer Politiker sein will, der muss problemlos in der Lage sein, schnell und unkompliziert Texte zu produzieren und das, was in der Politik passiert, den Menschen zu erklären. Dafür sind wir da.

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Über Hollarius

Ich bin in den Siebzigern geboren, halte mich voll Hybris für einen Künstler und meine auch noch, alle müssten lesen, was ich so meine ...

Veröffentlicht am Juni 13, 2013 in Piraten und mit getaggt. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 4 Kommentare.

  1. Die Presse reagiert nicht auf uns, weil die Pressearbeit von unserer Vollzeit bezahlten Bundespressesprecherin Anita Möllering eine Katastrophe sondergleichen ist. Eine Mitarbeiterin, auf die Herr Schlömer trotz eindeutiger Unfähigkeit unbedingt besteht. Obwohl sie mindestens zwei Mal öffentlich in Artikeln von Journalisten lächerlich gemacht wurde (Zeit, Süddeutsche)

    Ein Schelm, wer böses dabei denkt.

    • Dem würde ich so nicht zustimmen wollen. Meinem Gefühl nach kämpft Anita auch des Öfteren gegen Windmühlen, aber ich habe in die Bundespresse auch nicht so viel Einblick.

    • Das auf eine Person herunterzubrechen, ist etwas zu einfach. Außerdem passiert zumindest auf Bundesebene etwas mehr, Katta ist jetzt zwei-/dreimal in überregionalen Zeitungen erschienen (Prism, BDA, Rentenreform). Aber sie kann auch nicht die Alleinunterhalterin spielen.

      Was definitiv stimmt: die Steilvorlage Prism wird von der Piratenpartei, speziell den (Spitzen-)Kandidaten bzw. Fachleuten in allen Bundesländern, nicht gewürdigt. Eine Totsünde!

  1. Pingback: Macht die Fresse auf! | Der Souverän

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