Archiv für den Monat September 2013

Reading King: ES / IT

Beim letzten Mal habe ich über ein relativ neues Buch geschrieben, jetzt komme ich mit dem Klassiker daher. Es geht nach Derry, Main, es geht zu dem Buch, dass ich so gut kenne, wie definitiv kein anderes. Schon vor zwanzig Jahren habe ich eine Wette gewonnen, dass man mir nur einen Satz aus dem Buch vorlesen muss, damit ich sagen kann, was gerade passiert und an welchem Strang wir gerade sind. In der Zwischenzeit habe ich das Buch fast jedes Jahr noch mal gelesen, inzwischen auch mehrfach als Hörbuch gehört, auch im Original.

Was passiert: In Derry bringt ein Monster alle 27 Jahre Kinder um, dazu kommen am Anfang seiner Wachzeiten gerne mal besonders auffällige Gewaltausbrüche, und den einen oder anderen Ritualmord am Ende, um ES zu besänftigen. ES lebt nicht von den Kindern, die ES manchmal durchaus auch anknabbert, ES lebt von ihren Ängsten.

Im Jahr 1957 treffen sieben Kinder zusammen, die offenbar von einer magischen Macht zusammengerufen, gegen ES ins Feld ziehen. 27 Jahre später werden die sieben nun Erwachsenen wieder zusammen gerufen, denn 1957 hat ES wohl überlebt.

Als ich ES mit 12 Jahren das erste Mal gelesen habe, waren die ersten knapp sechzig Seiten nicht einfach für mich. Es geht erst um den Mord an George Denbroguh, einen Fünfjährigen, der einen Clown im Gulli sieht, der ihm dann den Arm abreißt – und um dessen Bruder „Stotter-Bill“ William Denbrough, der bald der Anführer des Clubs der Verlierer wird, wie die sieben Kinder sich nennen. Nach dem Mord an Georgie geht es um den 27 Jahre später an Adrian Mellon, einem kindlichen Mann, einem glitzernden Homosexuellen, der von Jugendlichen in den Fluss geworfen wird, wo ES schon auf ihn wartet. Beide Morde sind einigermaßen unappetitlich und waren damals für mich recht unangenehm. Ich habe jahrelang bei King immer wieder über die ekligen Stellen weggelesen, mache das auch heute zeitweise noch.

Aber auch auf diesen ersten sechzig Seiten hatte King mich schon eingefangen und begeistert. Das letzte Gespräch von Georgie und Bill ist niedlicher Klamauk und genaue Beobachtung von Kindern, genaueste Beobachtung von geschwisterlicher Liebe. Die kleinen eingestreuten Momente von Derry als einer auch selbst monströsen Stadt, die im Fall Mellon herauskommen, man mekrt in dem gemächlich erzählten Beginn, wie man in etwas Großes reingezogen wird.

Und dann gelingt King das eigentlich Meisterstück. Er wechselt immer wieder die Zeitebenen, lässt die Erwachsenen sich an die Dinge aus ihrrer Kindheit zurückerinnern, die offenbar alle in ihnen ausgeblendet waren. So lernen wir Ben kennen, den dicken, klugen Jungen, der sich erst mal mit einer sehr wirklichen Gefahr herumschlagen muss, mit dem Schulbully Henry Bowers, der ihn in die Mangel nehmen will. Wir lernen Bill besser kennen und seinen hypochondrischen Freund Eddie. Bald kommt Großmaul Richie Tozier dazu, der als einer der wenigen Brillenträger und jemand, dessen Mund sich zu falschen Zeitpunkten von selbst öffnet, ebenfalls hier und da Probleme mit den älteren Jungs hat. Dann kommt noch der jüdische Junge Stan dazu, und Beverly, das einzige Mädchen, das Mädchen, das Ben liebt, auch wenn er mit seinen elf Jahren noch nicht so richtig weiß, was das ist. Bev kommt aus ärmlichen Verhältnissen und wird von ihrem Vater geschlagen – Problemkinder sind sie nun mal alle irgendwie. Als letztes Glied in der Kettestößt auch Mike zum Club, der damit auch das einzige schwarze Kind in dieser Stadt in Neuengland als Mitglied hat.

Wenn man das so beschreibt, dann ist diese Zusammenstellung irgendwie platt, aber im Buch wirkt es nie so, da ist nämlich die großartige Charakterzeichnung vor, die aus den sieben Problemkinder sieben unverwechselbare und starke Persönlichkeiten macht. Unverwechselbar ist der Humor, der zwischen den Kindern herrscht, der immer sagt, „Leute, ich mag euch, ich bin gerne mit euch, ich liebe euch sogar!“ Und dann ist es auch kein bisschen platt, wenn sie es irgendwann aussprechen. Dieses Buch ist eine große Feier der Kinderfreundschaft.

ES ist auch eines der ganz optimistischen King-Bücher, obwohl sein Ende – das besser funktioniert, als viele andere Enden Kings, es ist nicht seine Sache, zu einem Ende zukommen – durchaus auch viel Melancholie hat. Das Buch glaubt an eine weiße Magie, daran, dass es doch meistens am Ende gut geht, daran, dass die Schwachen auch aufstehen können, und dass das Böse mit Fantasie und Lachen besiegt werden kann.

ES begleitet mich schon fast seit dem Alter, in dem die Verlierer 1957 sind bis heute, wo cih selbst in dem Alter der Verlierer 27 Jahre später bin. Ich habe immer wieder anderes, immer wieder Neues für mich entdeckt, ich lache immer noch bei so manchem Spruch, oder wenn Belch Huggins sich aufs Clubhaus setzt. Ich verstehe heute die erwachsenen Verlierer fast zu gut, und ich warte immer noch auf die Zwischenspiele, die aus der Vergangenheit Derrys erzählen. Liebe ich dieses Buch? Ja, verdammt, piep piep Richie, und nein, die Schildkröte konnte uns nicht helfen!

Für die King Fans: ES verweist wenig auf andere Bücher von King, es wird gerade mal irgendwo auf eine Bahnverbindung nach Castle Rock hingewiesen, und in einem Zwischenspiel taucht ein junger Militärkoch namens Dick Hallorann auf, den wir natürlich als alten Hotelkoch aus Shining kennen. ES ist immer noch ein so frühes Werk Kings, dass die meisten Hinweise später auf Derry und ES verlinken. Insbesondere natürlich Bücher, die in Derry spielen. Herausragende Beispiele sind „Dreamcatcher“, wo die Verlierer eine Mahntafel haben aufstellen lassen und es ein Graffito gib:t „Es lebt“ Und „11/22/63“, wo der Protagonist auf die vierzehnjährigen Versionen von Richie und Beverly trifft.

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Leserbrief zu 10 Jahre Tafel Oberberg-Süd

Wie die Überschrift es andeutet, gab es in der heutigen Lokalzeitung einen Artikel, der das zehnjährige Bestehen einer Tafel feiert. Ich habe diesen Artikel mit ein bisschen Schrecken gelesen und mir viel etwas dazu ein.

 

„Seit zehn Jahren gibt es die Tafel in Waldbröl, und die Mitwirkenden dürfen sich zu Recht auf die Schultern klopfen, denn sie helfen Menschen. Gleichzeitig sind diese zehn Jahre aber auch zehn Jahre zu viel. Zehn Jahre Tafel bedeutet zehn Jahre völliges Versagen des Sozialstaates, und somit zehn Jahre Versagen der politischen Klasse, die Armut als alternativlos darstellt.

Ein vernünftiges Auskommen ist ein soziales Grundrecht, und dieses Grundrecht als Staat zu garantieren, das sollte für Politiker, denen das Wohl der Menschen am Herzen liegt, alternativlos sein.

Zehn Jahre Tafeln sind kein Grund zu feiern. Der Tag, an dem die Tafeln nicht mehr nötig sind, wird ein Tag zum Feiern sein.“

Der schwarze Sonntag

Es war Wahl, es waren sogar mehr da, als bei der letzten – aber 73 Prozent Wahlbeteiligung ist immer noch kein Brüller – und was dabei rausgekommen ist, ist schon ein großer Schlag in den Magen. Es war zwischendurch sogar von der absoluten Mehrheit der CDU die Rede, und nun sieht es so aus, als ob eine große Koalition unausweichlich ist, die dann mit der Möglichkeit zur Verfassungsänderung – ich persönlich kriege da ein bisschen Angst. Noch mehr bestürzt mich aber, dass, wenn man sich die Fünf-Prozent-Hürde mal kurz wegdenkt, es eine annähernde absolute Mehrheit von neoliberalen und nationalistisch-konservativen Parteien gibt. Kein Wunder, dass gestern viele davon sprachen, ob man sich nicht einen guten Ort zum Auswandern suchen könnte.

Jetzt könnte ich mich hier ja wie Bolle darüber freuen, dass die FDP aus dem Bundestag geflogen ist. Gut, es ärgert mich auch nicht wirklich, und sie haben ja wirklich alle da angestrengt dran gearbeitet, dass sie auf jeden Fall nicht wiedergewählt wurden – aber die Freude ist getrübt vom eigenen Wahlabschneiden, und dass wir Piraten nicht mal die Hälfte der Stimmen der FDP haben, zeigt, dass persönliche Freiheit offenbar kein Thema der Politik ist, ach was, es zeigt unter anderem auch, dass Themen überhaupt nicht interessieren – denn wir haben Themen gebracht, und waren damit neben der Linken so ziemlich die einzige Partei. Von der SPD hat man kaum etwas gehört, die Grünen haben sich fast versteckt und was hat die CDU plakatiert? Eine ziemlich hässliche Variation von Dürers Betenden Händen. Inhalt? Nein.

Und gibt es nichts, wo man Inhalte braucht? Mit einer kaum noch vorhandenen Bildungspolitik, mit Hartz 4-Opfern, die sich in die Depression ergeben, oder den schnellen Ausweg suchen, mit einer katastrophalen und äußerst verlogenen Rüstungspolitik, mit Infrastruktur, die vor die Hunde geht? Die Regierungszeit von Frau Merkel ist mit Opfern übersäht, diese Regierung hat kein Problem angefasst, keinen Mut bewiesen, ihre eigenen programmatischen Ideen mit Füßen getreten – dafür bekam die CDU nun über vierzig Prozent der abgegebenen Stimmen. Wenn wir davon ausgehen, dass Menschen eher gut sind, auch freundlich und klug, dann ist das Ergebnis eigentlich nicht zu erklären. Dann kann das eigentlich nur bedeuten, dass der Aufklärungsgrad erbärmlich gering ist, dass die Bildungspolitik auf ganzer Linie versagt hat, oder vielleicht auch gerade nicht. Vielleicht ist das auch genau so gewollt – „macht sie bloß nicht zu intelligent, dann wählen sie uns nicht mehr!“

Nun gut, das Endergebnis sagt dann aber etwas anderes aus, als die eigentliche Frage nach dem Wahlsieger. Die CDU hat alleine keine Mehrheit, sie braucht Hilfe. Und verdammt, jetzt sollten Grün und Rot endlich mal so ein bisschen Rückgrat herauskramen und nein sagen. Und dann einfach mal genauso machtbewusst sein, wie das Frau Merkel schon immer ist. Die Sache mit Rotrotgrün machen, gemeinsam flächendeckende Mindestlöhne einführen, gemeinsam die verdammten Hartz4-Sanktionen in den Mülleimer werfen, all das regeln, was in den letzten Jahren nicht geregelt wurde. Ich glaube nicht, dass es dazu kommt, denn das System Merkel, so zerstörerisch es für ihre Partner bisher war, scheint ja auch eine gewisse Anziehungskraft zu besitzen. Die FDP vermisst die Wärme auf jeden Fall schon.

Heute hat dann das große Aufräumen begonnen, natürlich ist bei der FDP Rücktrittszeit, auch die Grünen machen vielleicht das mit dem Generationswechsel, da wäre das ja durchaus nicht unangebracht. Aber es gibt viel interessantere Fragen. Zum Beispiel, was mit der FDP wird? Nein, ich glaube nicht, dass die FDP weg ist, entsorgt und so obsolet, wie sie sich selbst gemacht hat. Nein, die FDP wird wiederkommen, von der Industrie gehätschelt und finanziert. Da gibt es eine funktionierende Parteistruktur, die Programme hat das Geld auch schon geschrieben, wäre doch blöd, wenn man das einfach verkommen lassen würde. Apropos Geld, was ist denn eigentlich mit der AfD? Mit diesen Rechtsauslegern, die so gerne von „Entartung“ und so reden? Die wird es in vier Jahren nicht mehr geben, oder wenn doch, dann nur als eine Splitterpartei von einem halben Prozent. Weil sie halt keinerlei Substanz hat. Das, was uns Piraten 2011 fälschlicherweise nachgesagt wurde, hatten wir schon 2010 erledigt, wir haben ein Programm, wir haben auch Grundsätze und so was. All das gibt es bei der AfD nicht. Da gibt es auch keine tieferen Strukturen, da gibt es nur sehr viel Geld, und ein paar Leute, die wirre nationalistische und menschenfeindliche Ideen durcheinanderwerfen. Das reicht sicherlich nicht für längere Zeit, man wird sich über Sachen zerstreiten, all die reichen Gönner werden jetzt sehen, dass sie gar keine Rückleistung empfangen, und die Luftnummer AfD wird eben wieder zu Luft werden.

Was mit den Parteien passiert, die jetzt im Parlament sind, nun, das entscheiden sie selbst in den nächsten Wochen und in ihrer Regierungsbildung. Aber was ist eigentlich mit uns Piraten? Verlassen wir jetzt das sinkende Schiff? Nein, wir sind auf unsere Stammwähler zurechtgestutzt worden, so gut zwei Prozent der Wähler mögen uns und unsere Ideen so sehr, dass sie uns vermutlich auch weiterhin wählen werden. Darauf kann man aufbauen, darauf muss man auch aufbauen. Und was wichtig ist, wir müssen uns beweisen, müssen vor Ort arbeiten, dort arbeiten, wo wir jetzt sind, und wir müssen Aufklärung und Überzeugungsarbeit angehen. Wir haben schließlich immer noch die besten Ideen. Wie das geschehen kann und soll, ist ein anderer Blogpost und wahrscheinlich nicht nur einer.

Zwei Wochen in einer anderen Welt

Grußlos bin ich vor gut zwei Wochen verschwunden, nun melde ich mich in einem Blogbeitrag zurück, bei dem es um genau diese zwei Wochen geht. Ich wollte neue Erfahrungen sammeln, und sogar ein kleines Trauma überwinden. Und ich glaube, beides ist voll in Erfüllung gegangen.

Was also habe ich getan? Ich bin als Betreuer bei einer Freizeit für geistig Behinderte mitgefahren. Es ging ins Languedoc, also ins südliche Frankreich, und ich habe dabei so viel Farbe gesammelt, wie zuletzt wohl 1996. Die körperlichen Auswirkungen ansonsten sind große Müdigkeit und leichtes Frösteln aufgrund der plötzlichen Trennung von so viel Wärme.

Was war mein Trauma? Ich bin als Kind von einem geistig behinderten Jungen, der ein bisschen Älter als ich war, mit einer Schaufel angegriffen worden – und im Gegensatz zu anderen Gelegenheiten, als ich als Kind in körperliche Auseinandersetzungen geriet, kam dieser Angriff total aus blauem Himmel, und diese Unberechenbarkeit hat mir eine Angst gemacht, die ich über viele Jahre behalten habe. Wie jeder denkende Mensch hatte ich keine großen Vorurteile und fand Inklusion prinzipiell eine gute Idee, aber ein gewisses Unwohlsein überlief mich bis vor knapp zwei Wochen gerne, wenn ich mit geistig Behinderten in Kontakt kam. Man könnte sagen, ich habe das mit der Konfrontationstherapie in Angriff genommen, und ich glaube, mein Trauma ist jetzt ziemlich an den Rand gerückt. Ist auch gut so.

Und jetzt muss ich erst mal gegen diesen doofen Begriff der geistigen Behinderung ranten. Ich habe da keine Behinderten kennen gelernt, ich habe da Menschen kennen gelernt. Menschen mit teilweise großen Schwächen, aber auch Menschen mit großen Stärken, mit großen Herzen und echter Offenheit. Ja, sie alle haben Handicaps, so what? Ich bin fett und halb blind, die meisten Menschen denken nur an Geld, das sind auch harte Handicaps, wir alle haben welche, oder etwa nicht? Ich habe selten so viele Menschen getroffen, die so hilfsbereit waren, die sich gegenseitig trösteten, wenn etwas im Argen lag, oder einander alles gönnten. Da können wir „Normalen“ eine Menge lernen. Und diese Stimmung herrschte auch bei uns BetreuerInnen vor, nur die Leitung und eine Köchin spielten lieber Egotrip – nun gut, irgendwas ist ja immer. (ich könnte mich hier jetzt aufregen, aber das ist es echt nicht wert) Das Team, also die, die sich als Team sahen, war für mich auch etwas ganz besonderes. Ich habe noch nie so viele Menschen in einem Team gesehen, die sich so auf ihre Schützlinge konzentrierten und deren Wohl so eindeutig über ihr eigenes setzen, wie diese sieben Personen, bei denen es mich mit Stolz erfüllt, dass sie mich in ihrer Mitte willkommen hießen und mich als einen der ihren ansahen. Danke!

Zurück zu unseren Schützlingen, von denen wir ja noch mehr lernen können. Der größte Teil dieser Menschen weiß nicht, was Misstrauen ist. Der blinde und geistig behinderte junge Mann, der mein persönlicher Schützling war, hat sofort sein Leben in meine Hand gegeben, hat keinen Moment gezögert und war unglaublich geduldig, als ich mich bei der Hilfe beim Duschen nicht so wirklich clever anstellte – ich habe hier auch ganz banale Dinge lernen müssen, und das obwohl ich mit dem Duschen durchaus vertraut bin. (denkt euch den Smiley) Ich habe auf dieser Reise zum ersten Mal andere Menschen als mich selbst rasiert, ich habe meine Kenntnisse im Rolli schieben um „auf Schotter“ erweitert, gegen einen Bären mit Downsyndrom im Armdrücken sowas von verloren und mich gegen einige Kuschelattacken nicht gewehrt, Weinende getröstet, hier und da Mut zugesprochen und Streite geschlichtet, und mich natürlich zum Affen gemacht – halt alles, was man für gute Stimmung so macht.

Die Häufchen weinendes Elend, die ich dann am Abschluss der Reise in den Armen gehalten habe, deren Tränen ich getrocknet habe, haben mir gezeigt, dass ich es nicht so schlecht gemacht haben kann. Und da kommen wir zu einem weiteren Moment: Die meisten unserer Schützlinge waren unglaublich dankbar. Haben uns immer wieder gezeigt, dass sie es nicht für selbstverständlich halten, dass wir uns um sie gekümmert haben, und das gibt einem dann auch die Kraft, die zwölf bis vierzehn Stunden am Tag da zu sein, ansprechbar zu sein, zu flachsen, zu erzählen und aufzupassen. (und auf Ausflügen immer wieder zu zählen, zu zählen, zu zählen)

Insgesamt waren es 15 Tage ohne Pause, mit wenig Schlaf, weil man die Nächte verkürzt, wenn man am Tag keinen Moment zum Atemholen bekommt, mit körperlichen Anstrengungen, die mich oft an den Rand dessen geführt haben, was ich so machen kann – ich will gar nicht rechnen, wie oft mein Kreislauf sich meldete, die Füße schmerzten, der Rücken keinen Bock mehr hatte – und doch fühle ich mich aufgeladen, brodelt in mir Energie, die ich irgendwo abgezwackt haben muss. Mein Körper ist immer noch müde, aber meinem Kopf geht es gut, es ist nicht mehr ganz so dunkel, denn ich hatte zwei Wochen, in denen alles Depressive an den Rand gedrängt wurde. Hey, ich danke euch, meine Lieben!