La Familia

Ich habe ja mal ein Buch geschrieben, so mit politischen Inhalten und so. Und weil es gerade kleinere Diskussionen um Familienbilder gibt, dachte ich mir, ich zitier hier mal aus meinem E-Book, das übrigens immer noch käuflich zu erwerben ist. Macht aber eh keiner, also kann ich das auch mal im Blog machen …

Nein, das ist jetzt ausdrücklich kein Kernthema. Für Familienpolitik sind wir bisher noch nicht bekannt. Es gibt allerdings ein paar gute Ideen und ich habe mir auch ein paar eigene Gedanken gemacht, weil ich da auch ein bisschen radikaler bin, als andere – vermute ich zumindest.

Das Wort „Familie“ ist stark patriarchalisch besetzt, aber wenn man sagt, es geht um eine Gemeinschaft, die zusammen gehört, dann finde ich da durchaus etwas, was sich lohnt und was man fördern sollte. Ich möchte allerdings die Definition von Familie gründlich verschieben.

Wie es ja immer so schön heißt, Familie kann man sich nicht aussuchen. Wenn ich solch einen Satz höre, dann denke ich mir: Warum eigentlich nicht? Ich sehe das auch nicht so wirklich ein. Familie ist ein so engstirniger Begriff, weil er ja quasi nur über Abstammung oder Ehe erzeugt werden kann. Solche engen, ja atavistischen Definitionen mögen mal Sinn gehabt haben, aber wir leben im 21. Jahrhundert, oder?

Vielleicht erwartet Ihr jetzt, liebe Leser, dass ich jetzt sage, und warum also können nur Mann und Frau heiraten? Warum ist Adoption so kompliziert. Also Sachen, wie sie auch in anderen Parteien gesagt werden, die zumindest nicht völlig in uralten Bildern verhaftet sind.

Ja, dass auch Homosexuelle heiraten dürfen, wie sie wollen, gerne auch Kinder adoptieren dürfen, ach, komm, das ist doch eh klar. Wenn ich das ablehnen würde, wäre ich kein denkender Mensch.

Aber können wir nicht von diesen Definitionen weg? Müssen es immer Menschen sein, die miteinander ins Bett gehen, die sich zu einer Familie zusammenschließen? Könnten wir uns nicht einfach mal darauf einigen, dass man vögeln kann, ohne verheiratet zu sein, und verheiratet, ohne zu vögeln? Dass das keine so dringende Kohärenz haben muss? Und wer hat eigentlich beschlossen, dass nur heterosexuelle Paare eine Familie gründen müssen? Also jetzt nicht nur die Betonung auf heterosexuell, dass das Quatsch ist, ist klar, setzen wir mal die Betonung auf „Paar“. Hey, haben wir das irgendwo festgeschrieben? Steht das irgendwo in Marmor gehauen? Wenn ja, ein Vorschlaghammer und ein paar Sprayer können vielleicht Abhilfe schaffen.

Ich möchte die Familie neu definieren: Zusammenschluss von beliebig vielen Menschen, die freiwillig einen Bund schließen, der alle Rechte und Pflichten einer klassischen Familie beinhaltet. Man kann einen Familienbund beim Standesamt eintragen lassen, man kann ihn dort auch wieder verlassen, wenn man merkt, dass es nicht klappt. So lange der Bund gilt, werden Angehörige dieses Bundes in allen Rechten und Pflichten als Familienangehörige betrachtet, und wie Ehepartner ist diese Beziehung gegenüber Blutsverwandtschaft zu priorisieren.

Ich glaube einfach an Freundschaft, ich glaube auch daran, dass man Menschen alle Möglichkeiten geben sollte, ihr Leben so zu gestalten, wie es ihnen gefällt – natürlich mit der Einschränkung, die Freiheit immer hat.

Mit einer solchen Möglichkeit der Familie können Menschen zusammen kommen, die allein sind, können Alters-WGs genauso Familie sein, wie ein Freundeskreis, der sich über lange Zeit einfach nahe ist. Natürlich kann es auch lustige Dreier- oder Viererbeziehungen geben, die sich nicht nur zum Sex treffen, sondern auch die tiefere Verbindung eingehen wollen. Wichtig an dieser Frage ist folgendes: Wenn wir politisch denken, dann geht es darum, was wir politisch ändern können. Was der Staat ermöglichen und regeln soll und kann. Die Frage nach Familie ist da durchaus nicht so abseitig, wie es scheinen mag. Ich glaube einfach nicht, dass der Staat sich darein mischen soll, mit wem ich eine Bindung eingehe, und auch nicht, mit wie vielen Menschen.

Nebenbei: Ich bin mir ziemlich sicher, dass wir Herdentiere sind, und vielen von uns würden größere Familien einfach gut tun. Und in Sachen Aufziehen von Nachwuchs – die alte Großfamilie hatte da echt Vorteile, Kinder sollten mehr Ansprechpartner haben, als das im Moment üblich ist. Das wäre auch aus pädagogischer Sicht zu begrüßen.

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Über Hollarius

Ich bin in den Siebzigern geboren, halte mich voll Hybris für einen Künstler und meine auch noch, alle müssten lesen, was ich so meine ...

Veröffentlicht am Oktober 31, 2013 in Piraten, Politik und mit , , , getaggt. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 8 Kommentare.

  1. Um’s kurz zu machen: ja!

  2. Aeh… Wenn du in einer Komune leben magst, die waren mal modern… Ich denke das sowas nichts mit familie zu tun hat und das die traditionelle Bedeutung des begriffs familie durchaus ihren Sinn und weiterhin ihre Berechtigung hat.

    • jeder kann sich seine Familie stricken, wie er oder sie mag, ist das ein Problem für dich?

      • Ja da fehlt für mcih der Rückhalt den eine Familie bieten sollte. Das was du beschreibst ist keine Familie sondern eine Komune. Da kann ja gerne jeder drinne leben der das will. Nur nenn das dann nicht Familie.

      • UNd ich bitte dich… das ständige kommenund gehen in einer Komune hat gerade für Kinder viele Nachteile. bindungen können hier nicht so aufgebaut werden wie in einer intakten familie. Ja ich weiss das es immer weniger intakte Familen gibt. Aber eine Grossfamilie mit einer Komune gleichzusetzen ist pädagogisch in keinster Weise zu vergleichen. Immer mehr Kinder tun mir heute schon leid. Das muss nciht noch schlimmer werden.

  3. Muss man wirklich jedes einzelne Wort einer Kontrolle auf Sinn/Unsinn unterziehen? Kann es nicht auch Worte und damit Dinge geben, denen ein gewisser und auch dauerhafter Bestand attestiert werden kann?

    Nur weil wir Politik „neu“ machen wollen, muss es doch bitte nicht gleich alles auf ein mal sein, oder? Es sollte DInge geben die Bestandsschutz haben. Nur weil man es ändern könnte, muss man es nicht auch gleich tun!

    Das Thema/Wort „Familie“ sollte meiner Meinung nach grundsätzlich unangetastet bleiben. Ob es erweitert werden soll auf Schwule Partnerschaften, kein Problem. Monogam jedoch bitte, das wäre für mich Grundvoraussetzung. Alles andere zeugt in diesem Fall von nicht wirklich viel Verstand für Kontinuität, welches das Leben ja letztlich darstellt.

  4. Ob man es Kommune nennt (Gemeinschaft) oder Familie oder selbst gewählte Großfamilie
    sollte doch unwichtig sein.
    Beginnen tut es oft mit irgendeinem selbst gewählten Partner – mit dem man *nicht* blutsverwandt ist, und ob in der staatlich anerkannten Ehe oder geheiligt von „Mutter Kirche“,
    ob mit oder ohne Kinder, Beziehungen können immer auseinander brechen.
    Das verlogene am alten Familienbild: Mutter-Vater-Kinder kennen wir doch alle!
    Also warum nicht ehrlich neu denken und das Verlogene „Geschützte“ „Heilige“ mal radikal raus treten?

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