Reading King: Wind / The Wind through the Keyhole

So, wieder mal ein Beitrag aus der Reading King-Reihe, heute geht es um ein recht neues Buch, den Wind durchs Schlüsselloch, gerne als Der Dunkle Turm 4,5 bezeichnet. Im Ablauf des Zyklusses steht dieser Roman also zwischen Band 4 „Glas“ und Band 5 „Wolfsmond“. King hat selbst gesagt, dass er einfach mal wieder an Mittwelt zurückgedacht hat und gemerkt hat, dass es hier noch eine Lücke gab, die er füllen konnte.

Das spannende an diesem Buch ist die Konstruktion einer Geschichte in einer Geschichte in einer Geschichte. Der Rahmen ist der gefährliche Stoßwind, der wie ein Blizzard in fünffach fies das Ka-Tet um Roland Deschain bedroht. Sie retten sich rechtzeitig in ein Steinhaus, dass sie gegen einen Temperaturabfall von locker fünfzig Grad abdichten. Dann müssen sie diesen Eissturm abwarten und Roland erzählt eine Geschichte aus seiner Jugend, die nicht lange nach der Geschichte um Susan Delgado spielt, die er in „Glas“ erzählt.

Roland macht sich im Auftrag seines Vaters nach Debaria auf, einem Außenposten, in dem ein sogenannter Fellmann, eine Art Werwolf, sein Unwesen treibt. Dort findet Roland Spuren seiner Mutter, die ja quasi von seiner Hand gestorben ist. Aber vor allem macht er sich auf die Verfolgung von Spuren des Fellmannes. Als der eine Farm überfällt und dort ein Blutbad anrichtet, findet Roland den einzigen Überlebenden, einen Jungen, dem er bald darauf eine der alten Geschichten erzählt.

Diese Geschichte ist eben „Der Wind durchs Schlüsselloch“, und diese Geschichte erzählt ein Märchen vom unerschrockenen Tim, der seinen Vater verliert, dem sein Stiefvater ungut mitspielt, und der vom Steuereintreiber – unzweifelhaft einer Inkarnation von Randall Flagg, dem dunklen Mann – auf die Fährte gesetzt wird, die ihn erkennen lässt, dass sein Stiefvater seinen Vater umgebracht hat. Daraufhin muss Tim noch viel mehr Abenteuer erleben, um, wie es sich für Märchen gehört, zu einem guten Ende zu kommen.

Die beiden Rahmenhandlungen sind wie bei King nicht anders zu erwarten, gut erzählt, die Geschichte vom Fellmann hat viel von dem Mittwelt-Charme, der auch „Glas“ auszeichnet, sind aber letztlich nur Bühnen für das Mittwelt-Märchen vom unerschrockenen Tim. Und dieses Märchen erklärt eine Menge über Mittwelt, ohne je erklärend zu sein. Und RF, der dunkle Mann, ist hier eindeutig als Mephisto unterwegs, ein Geist, der stets verneint, jedoch ausnahmsweise mal etwas Gutes anstößt. In dieser kleinen Geschichte werden wir Zeuge von Folklore einer verlorenen Welt, der großartigen Schöpfung Kings.

Letztlich kann man allerdings nicht davon sprechen, dass dieses Märchen weltbewegend an sich oder für den Zyklus wäre, „Wind“ fügt insgesamt einfach weitere Farben und Atmosphäre hinzu, erzählt einen Teil der Geschichte, der etwas hinzufügt. Man kann den Zyklus ohne „Wind“ lesen, man hat es schließlich schon getan, aber mit wird alles ein bisschen runder. Fast wirkt dieses Buch, mit 400 Seiten für King ja fast nur eine Fingerübung, ein wenig altersmilde, aber man spürt als Leser ohne weiteres, dass King, wie er selbst schreibt, eine Menge Spaß an diesem Buch hatte. Nicht weltbewegend, okay, aber ein Spaß.

Advertisements

Über Hollarius

Ich bin in den Siebzigern geboren, halte mich voll Hybris für einen Künstler und meine auch noch, alle müssten lesen, was ich so meine ...

Veröffentlicht am November 8, 2013 in Nicht kategorisiert und mit , , , , getaggt. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. Hinterlasse einen Kommentar.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: