Reading King: Joyland/Joyland

Im Moment bin ich ja ganz und gar von King gefangen, „Wind“ habe ich gerade gelesen, „Joyland“ nun gehört und im Moment ist es „Doctor Sleep“, der mich gefangen hält. Es darf übrigens mit Freude bemerkt werden, dass sowohl „Joyland“ als auch „Doctor Sleep“ auf Deutsch unter ihrem Originaltitel erschienen sind. Da wir wissen, wie schlecht deutsche Titel von King-Büchern sonst sind, muss man diesen wirklich positiven Aspekt laut herausposaunen.

Ich habe jetzt ein großes Problem, ich muss versuchen, nicht in totale Euphorie auszubrechen, halte ich doch „Joyland“ für eines der absoluten Meisterwerke Kings. Ich mach das mal mit der Inhaltsangabe einer Inhaltsangabe: Devin Jones kommt für einen Sommer in den Vergnügungspark „Joyland“, muss bald mit seinem Liebeskummer kämpfen, da er von seiner ersten Liebe verlassen wurde. Dann gibt es da noch den Geist in der Geisterbahn, der da herumspukt, seitdem sie vor wenigen Jahren dort ermordet wurde. Und es gibt noch einen Jungen im Rollstuhl, der Muskelschwund hat und bald sterben wird. Und das alles auf weniger als 300 Seiten.

King malt sein 70er Jahre Gemälde als Ich-Erzähler und das aus der Perspektive des nun schon in die Jahre gekommenen Devin Jones. Und in manchen Momenten ist dieses Buch eine Hommage an diese Zeit, eine Hommage sicherlich auch an Kings eigene Jugendzeit, und so voll unverfälschter Nostalgie, dass die melancholischen Rückblicke eines Philipp Roth Pate gestanden haben könnten – wenn Devin vom Tod seines Freundes Tom erzählt, mit dem er seit Joyland befreundet war, dann erreicht King problemlos ganz ähnliche Qualitäten wie Roth.

Aber es ist natürlich nicht nur das. Wäre Joyland nur Nostalgie, man bräuchte dieses Buch nicht. In der Oberfläche ist es auch Gespenstergeschichte, ist es auch Detektivgeschichte – und damit bringt es eine Menge Spannung mit. Es ist auch eine Geschichte vom Erwachsenwerden, von Liebeskummer und Freundschaft, ja sogar von einem ersten Sex. Und es ist eine Geschichte vom Tod, von der Vergänglichkeit, die ihre morbiden Finger gerne mal an allen möglichen Stellen ins Bild schiebt.

Aber neben all dem gefällt mir persönlich eine ganz besondere Note in diesem Buch: Die Liebe zur Unterhaltung. Wie sagt Mr. Easterbrook, der uralte Besitzer von Joyland: Wir verkaufen hier Spaß, Sie haben das Privileg, einen Sommer lang Spaß zu verkaufen. Und natürlich tun das nicht nur die Schausteller vom alten Schrot und Korn, natürlich macht das auch King selbst in großem Maße – und King verneigt sich hier vor der Unterhaltung und allen, denen es am Herzen liegt, ihrem Publikum Erfahrungen zu vermitteln, Erinnerungen zu schenken, die etwas Besonderes sind. Keine Ahnung, wie viele Wochen oder Monate meines Lebens Stephen King ganz elementar mit seinen Büchern bereichert hat, wie viele tiefe Gefühle er mir verabreicht hat, wie oft ich gelacht habe, mich gegruselt, oder vor Spannung total nervös war. Wie oft er mir Spaß verkauft hat. Ich danke für jedes Mal!

Advertisements

Über Hollarius

Ich bin in den Siebzigern geboren, halte mich voll Hybris für einen Künstler und meine auch noch, alle müssten lesen, was ich so meine ...

Veröffentlicht am November 18, 2013 in Kultur, Literatur und mit , , getaggt. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. Hinterlasse einen Kommentar.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: