Reading King: Das Leben und das Schreiben/On Writing

Ich habe einige Bücher von Stephen King, die ich schon mehrfach gelesen habe, dafür, dass es dieses Buch noch gar nicht soo lange gibt, ist On Writing dabei der definitive Spitzenreiter. Und dabei ist es ja noch nicht mal ein Roman, in dessen Geschichte man sich entführen lassen kann.

On Writing ist halb ein Buch über das Schreiben von Büchern – und man merkt immer wieder im Buch, dass es dieser Teil ist, der King wichtiger ist , und einer Autobiographie, die er mit seiner Lust am Erzählen farbig und bisweilen schonungslos mit seinem Leben füllt. Allerdings ist das Buch nicht zwei- sondern dreigeteilt, und das liegt an Kings Schicksal, von einem Pickup beim Spazierengehen fast umgebracht zu werden. Zu dem Zeitpunkt seines schweren Unfalls, war das Buch schon zu einem großen Teil fertig, und es war das erste, an dem King nach dem Unfall, Monate nach dem Unfall, wieder arbeitete. Also war es sicherlich für ihn keine Frage, diesen Programmpunkt noch einzuarbeiten.

King lässt sich in Karten gucken, so könnte man das Buch auch nennen. Er schildert Situationen in seinem Leben, die an Situationen in seinen Büchern erinnern – besonders einige frühe Kurzgeschichten, so bemerkt man schnell, sind stark autobiographisch. Er erzählt, wie er das Schreiben gefunden hat, wie er seine ersten Gehversuche unternahm, wie er an einem Nagel Ablehnungsschreiben von Zeitschriften sammelte. Und dazwischen immer wieder kleine Geschichten, deren Spuren man als treuer Leser schon lange gefunden hat.

Manchmal ist die Ehrlichkeit, mit der King über seine Drogenprobleme, seine überwundene Alkoholsucht schreibt, wirklich bedrückend. Wenn er schreibt, dass er sich nicht mehr an die Momente erinnert, in denen er „Cujo“ schrieb, dann kann das schon beklemmen.

Viel heller ist dagegen der Teil, der übers Schreiben selbst geschrieben steht. Und auch wenn es genügend ach so Intellektuelle gibt, die das literarische Potential Kings nicht sehen, King hat eine Menge über das Schreiben zu sagen. Er bekennt sich dazu, einen vorgefertigten Plot nur im Notfall zu nutzen, da ihm die vorherige Festschreibung der Story zu viel zerstört. Für King ist, und das Bild ist brillant, die Geschichte ein Fossil, dass man mit Geduld und feinen Werkzeugen freilegen muss – dagegen das Werkzeug „Plot“ ist für ihn der Presslufthammer, der zwar alles freisprengt, aber eben auch viel vom Fossil zerstört.

King spricht über den Werkzeugkasten, den man sich zum Schreiben aneignen muss. Er spricht über Stil und vor allem über das, was man alles falsch machen kann. Dabei zieht er selten über andere her, zeigt aber viele Beispiele, die natürlich im Original deutlich besser wirken, als in der Übersetzung. (Ich höre mir auch gerne die originale amerikanische Hörbuchfassung an, die King selbst eingesprochen hat.)

Wer selbst hier und da zur schreibenden Zunft gehört, der ist ein Adressat für dieses Buch, denn es sagt nicht nur, wie es geht – oder genauer, wie es für King geht, er sagt immer wieder, dass es sein Weg ist und andere sicher anders ihre Ergebnisse erreichen -, er macht auch Lust auf diese weite Welt der Fantasie, die man selbst erforschen kann. Er macht wirklich Lust aufs Schreiben.

Ansonsten ist das Buch natürlich auch für alle Fans ein Geschenk, ich mein, wir freuen uns doch schon seit vielen Jahren jedes Mal, wenn King mit uns in seinen Vor- oder Nachworten spricht, oder? So viel direkte Ansprache auf einmal, ein Muss!

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Über Hollarius

Ich bin in den Siebzigern geboren, halte mich voll Hybris für einen Künstler und meine auch noch, alle müssten lesen, was ich so meine ...

Veröffentlicht am November 25, 2013 in Kultur, Literatur und mit , , , , , getaggt. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. Hinterlasse einen Kommentar.

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