Reading King: Doctor Sleep/Doctor Sleep

Ups, da bin ich doch glatt mal aktuell. „Doctor Sleep“ ist der aktuelle King, und eine Reise zurück, eine Reise durch die Zeit und eine lange Reise. Schaute schon in „Joyland“ der Tod selbst gar nicht so selten um die Ecke, in diesem Buch wird er das Hauptthema.

Einer Reise in die Vergangenheit? Ja, wir sind zurück  bei Danny Torrance, dem kleinen Jungen aus  The Shining, wir schauen in die Zeit nach dem Overlook Hotel, wir sehen ihn dann wieder, als er seinem Vater in die Alkoholsucht folgt. Wir sehen seinen Tiefpunkt, als er einer alleinerziehenden Mutter das letzte Geld klaut und einem Obdachlosen die Decke klaut. Wir schauen zu, wie er in Frazier ein neues Zuhause findet, gar nicht weit von Castle Rock entfernt, aber ausnahmsweise nicht in Maine.

Er macht die harte Geschichte mit, geht zu den Anonymen Alkoholikern, arbeitet in einem Hospiz und sein Shining, das er immer versucht hat, stumm zu trinken, kommt wieder. Er kann damit Sterbenden sogar helfen. Gleichzeitig lernen wir die kleine Abra Stone kennen, ein Mädchen, das noch mehr Shining hat, als sogar Dan es als Kind hatte. Sie ist für einiges an Poltergeistphänomen zuständig, und früh nimmt es Kontakt zu Tony auf, dem imaginären Freund aus Dans Kindheit. Eines Tages wird Dan ihr Lehrer sein, so wie es Dick Hallorann für ihn war.

Und der dritte Mitspieler, in diesem Fall der Antagonist, denn ohne geht es nun mal nicht, ist Rose, die Anführerin des Wahren Knotens, einer Gemeinschaft von vampirischen Wesen, die man einst aus Menschen mit Shining umwandelte. Sie ernähren sich von Steam, der natürlichen Kraft des Shinings, am liebsten hart durch Schmerz gereinigt. Manchmal, wen sie starke Vorahnungen haben, ernähren sie sich auch von Unglücken und der erquicklichen Atmosphäre einer mörderischen Gegend, aber zu Tode gequälte Kinder mit Shining sind der Knüller, die Delikatesse für sie.

Eines Tages, Abra ist zehn, wird sie telepathisch Zeuge von einem dieser Morde, und nun gibt es eine Verknüpfung, die eines Tages zu einer spektakulären Endabrechnung ausgerechnet in den Bergen Colorados stattfinden muss, dort, wo einst das Overlook explodierte.

Hm, ich hatte mir eigentlich fest vorgenommen, erst über „The Shining“ zu schreiben, dass ich vor weniger als einem Jahr gelesen habe, was also noch recht frisch ist. Dann habe ich aber jede freie Minute in Doctor Sleep gesteckt, weil es nun mal so verdammt spannend ist, und bin noch nicht dazu gekommen.

Jetzt würde ich gerne von Doctor Sleep genauso schwärmen, wie ich das bei Joyland getan habe, Meisterwerk und so, ihr kennt das. Aber es tut mir leid. So spannend Doctor Sleep ist, so sympathisch Abra und so vieles in diesem Buch wirklich gelungen ist, so richtig von innen hat es mich nicht gepackt. Vielleicht, weil die Beschäftigung mit dem Tod durch Doctor Sleep, also Dan Torrance ein bisschen arg optimistisch scheint, vielleicht, weil das „Kreisen“ der Mitglieder des Wahren Knotens so arg schräg wirkt. Weil die Geister aus Shining nicht so richtig mit den Wahren harmonieren – wir haben hier quasi zwei leicht verschiedene parapsychologische Erklärungswesen nebeneinander, eben die von Shining und die des neuen Buches. Das passt einfach nicht ganz zusammen.

Und es geht auch alles ein bisschen zu glatt und einfach – und eine Wendung relativ spät im Buch, knackt ein bisschen, kein Deus-ex-Machina, aber zumindest sein Schatten. Das Ende ein bisschen zu harmonisch, ein bisschen zu zerfasert.

Jetzt habe ich so viel gemeckert, das ist alles Folge des Schlusses, der mich halt auch ein bisschen geärgert hat. Aber es gibt eine Sache in diesem Buch, die äußerst gelungen ist, und das sollte ich hier dann auch nicht verschwiegen. Die Mitglieder des Wahren Knotens, diese Halbvampire sind sehr sozial untereinander, freundlich und mitfühlend. Eine große harmonische Familie, die nur halt dann und wann ein Kind schlachtet. Eine so menschliche Form von Ungeheuern schaffen nicht viele Schriftsteller des Genres – hier zeigt King, dass er das Handwerk des Horrors nicht verlernt hat, auch wenn dieser Teil seines Werks gefühlt schon ein paar Jahre zurück liegt. In diesem Buch geht es ein Stück weit zurück in die Zeiten von Christine, Feuerkind und natürlich Shining – und diese Bösewichte sind noch mal ein Stück seltsamer und in ihrer Einstellung widerlicher. Aber, wie sagt Rose The Hat so schön: „Was tun wir anderes, als ihr, wenn ihre Tiere schlachtet?“

Lesenswert? Ja klar, es gibt kaum einen King, der nicht wenigstens lesenswert ist. Aber ich gebe zu, meine Erwartungen steigen nach einem Buch wie Joyland natürlich noch, wenn das möglich ist, und Doctor Sleep ist eben nur ein gutes Buch, kein Meisterwerk.

Advertisements

Über Hollarius

Ich bin in den Siebzigern geboren, halte mich voll Hybris für einen Künstler und meine auch noch, alle müssten lesen, was ich so meine ...

Veröffentlicht am Dezember 2, 2013 in Kultur, Literatur und mit , , getaggt. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. Hinterlasse einen Kommentar.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: