Mandela, die Scheinheiligkeit und was wir mitnehmen können

Es wird im Moment nachgerufen, was das Zeug hält. Mandela war ein großer, darüber sind sich alle einig. Mir ist da ein bisschen zu viel Einigkeit. Nein, ich werde das nicht bezweifeln, ich habe Mandela bewundert, und ich erinnere mich auch noch gut daran, dass „Free Mandela“ ein Slogan war, der immerhin verbreitet war, auch bei uns verbreitet war.

Aber erschreckend finde ich, wie unsere konservativen Politiker sich überschlagen, sich vor dem „Gigant der Geschichte“ zu verbeugen. Die gleichen Konservativen, die vor 25 Jahren von einem schwarzen Terroristen gesprochen hätten. Die Konservativen, die von Franz Josef Strauß gelernt haben. Einem Freund der Apartheid, einem Bruder in Rassismo. Sie wollen Mandela für sich vereinnahmen. Heute wollen sie einen für sich vereinnahmen, den sie als Kommunisten beschimpft haben, einen, dessen ANC viel Hilfe aus dem Kommunismus bekam, der mit Castro und Arafat sprach. Liebe Camerons, Gauckler und Merkels, ihr habt kein Recht auf Mandela, ihr habt noch nicht mal das Recht, euch vor ihm zu verneigen. Weil ihr lügt!

Mandela hat zusammen mit vielen anderen im ANC und nicht zuletzt mit einigen irgendwann dann doch einsichtigen weißen Regierungspolitikern die Welt verändert. Und er hat es letztlich dann relativ friedlich geschafft, auch wenn er kein Ghandi war. Nein, Südafrika ist immer noch kein friedliches und gerechtes Land, aber das Schlimmste, die mörderische Despotie der Weißen ist Geschichte. Und das hat seine Gründe. Das kommt daher, dass Mandela und viele andere etwas riskiert haben. Sie haben klare Forderungen gestellt und sind nicht windelweich davon abgewichen, wenn es brenzlig wurde. Sie haben sich auch nicht korrumpieren lassen, sich nicht von den weißen Rassisten benutzen lassen. Das ist bewunderungswürdig, denn anderes wäre menschlich gewesen. Und das ist für mich auch ein wichtiger Punkt. Wenn wir die Welt besser machen wollen, und es gibt nun wirklich genug, was besser werden muss, dann müssen wir da konsequent ran, dann müssen wir auch mal was riskieren und dürfen uns nicht vereinnahmen lassen.

Über Hollarius

Ich bin in den Siebzigern geboren, halte mich voll Hybris für einen Künstler und meine auch noch, alle müssten lesen, was ich so meine ...

Veröffentlicht am Dezember 7, 2013 in Gesellschaft, Politik und mit , , , getaggt. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. Hinterlasse einen Kommentar.

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