Archiv für den Monat Februar 2014

Richtungsstreit II

Es wird ja nicht besser, und ich bin wahrscheinlich nicht der einzige, der am Rande seiner nervlichen Kraft angelangt ist. Nun lasst uns nicht lange mit Bombergate und so weiter machen. Anne hat mit ihrem Interview alle wichtigen Fragen geklärt, das ist mir schon mal wichtig. Keine Frage, dass jede Minute, die dieses Interview früher gekommen wäre, besser gewesen wäre. Ich gehe mal davon aus, dass die Kollegen von der Bundespresse sich da auch gefreut hätten. Krisenmanagement und so.

Aber jetzt mal im Ernst, darum geht es doch nicht, oder? Also beim Richtungsstreit. Ich frage mich die ganze Zeit schon, worum es eigentlich geht. Wenn es um die politischen Themen ginge, dann würde man das doch eigentlich in Anträgen lesen können, oder? Dann würden die Parteitage vor Thesen und Themen quasi explodieren – beim letzten LPT haben wir fast nur Satzung durchgekaut und nein, das war nicht so total spannend. Wenn es um Politik ginge, dann würden wir uns doch bemühen, endlich die SMV in trockene Tücher zu kriegen und loslegen, oder? Damit über Themen gestritten wird.

Ich würde das großartig finden. Denn ich definiere mich über unser Programm, über nichts anderes. Ich will in keine Flügelschublade. Ich möchte mit anderen über Politik streiten, nicht über Schubladen, Flaggen oder Fotos. Es gibt auch Sachen, die ich doof finde, aber ich sage dann nicht, ich finde diese oder jene Piraten doof, die dieses oder jenes Thema vorangebracht haben, oder ich find diese Clique doof, ich mach dann einen Gegenantrag, oder ich lasse es, weil mein Herz nicht dran hängt.

Okay, dann wird mir gesagt, es hinge an Sachen, die entschieden wurden. Asylpolitik oder BGE, unseren Stammtisch haben welche wegen der Drogen verlassen – also nicht wegen der Drogen, die sie konsumierten, sondern wegen unseres Drogenprogramms. Ja, ist doof. Ist aber nicht zu ändern. Es gibt da immer nur drei Möglichkeiten. Entweder ich kämpfe gegen Sachen an, die ich doof finde – aber das dann möglichst wenig auf Twitter und möglichst viel durch Anträge und Überzeugungsarbeit. Oder ich kann damit leben, dass meine Position Minderheitsmeinung ist. Oder, letzte Möglichkeit, ich lass es mit den Piraten. Reisende soll man nicht aufhalten. Das ist völlig in Ordnung, egal wie schmerzhaft das auch sein mag.

Viel zu viele versuchen eine vierte Lösung, und die find ich unglaublich doof. Die fangen an, Leute anzumaulen und zu beschimpfen, die eine andere Meinung haben, als sie selbst. Ist meiner Meinung nach einer demokratischen Partei nicht würdig. Man kann über Themen streiten, aber persönliche Angriffe gehen nicht. Fragt mal Johannes Ponader, wie oft er persönlich angegriffen wurde. Und wie oft das mit dem BGE zu tun hatte. Das wird eine ganz schöne Prozentzahl haben.

Ja, es gibt Leute, bei denen ich die Augen verdrehe, und ich habe auch mal Leute geblockt. Aber ganz prinzipiell bevorzuge ich es, genau so nicht vorzugehen. Ich muss mich nicht mit allen in der Partei gut verstehen, ich kann auch sauer auf andere Mitglieder sein, oder mit deren Arbeit unzufrieden, dann sag ich ihnen das und räume das aus – oder ich ignoriere sie, ist auch okay. Aber sie angreifen ist Dummfug.

Eine fünfte, sehr piratige Art ist vielleicht speziell im Internetzeitalter noch bemerkenswert. Einige Piraten fahren die VT-Schiene. Da werden Wahlen oder Abstimmungen nicht anerkannt, weil sie ja in einem Bundesland stattfanden, in dem besonders viele … Piraten wohnen. Bei den Punkten bitte beliebige, meist abwertend gemeinte, Richtungsbezeichnung einsetzen. Unterwanderung von Antideutschen oder Waffenlobbyisten, gekaufte Stimmen, gefälschte Delegationen im LQFB – die Spannbreite ist groß.

Bittet man jetzt Anmaulpiraten oder VTler, doch mal mit der „anderen Seite“ zu reden – wohlgemerkt, die Feinde sind in der gleichen Partei und vertreten die gleichen Grundziele, – dann schallt es: „Mit DEM rede ich nicht!“ oder „Soll DIE mich doch anrufen!“ Konstruktiv ist das nicht.

Fakt ist: Wir haben ein, in meinen Augen, großartiges Programm. Dieses Programm ist es, weshalb ich trotz der Enttäuschungen der letzten Woche noch hier bin, immer noch arbeite und blogge und so weiter und sofort. Dieses Programm ist auf BPTs demokratisch abgestimmt worden. Wer damit nicht zufrieden ist, darf sich gerne in die diversen Themen einarbeiten und Anträge schreiben. Auch unsere AGs und AKs sind total froh, wenn sie Hilfe bekommen, die sind nämlich im Gegensatz zu Twitter und der Mumble-SMV chronisch unterbesetzt. Arbeitet an den Themenfeldern, wo ihr was ändern wollt. Meckert nicht, tut was.

Natürlich wäre es toll, wenn die BEO endlich funktionieren würde, oder wenn wir einfach eine ernsthafte SMV eingeführt hätten. Dann könnten wir einfach über diverse Sachen, über deren Richtung man jetzt streiten kann, schlicht und einfach abstimmen. Hach, was wäre das schön. Danke an alle die, die das in Neumarkt verhindert haben. Nicht.

Aber ich höre ja auch dauernd, dass es gar nicht um Themen geht, es geht darum, wie sich manche verhalten. Natürlich nur die „Ganz weit Linken“. Eine Clique von „Linksextremisten“ – ja, das Wort lässt mich fazialpalmieren, aber es gibt wirklich Piraten die dem Verfassungsschutz und seinem Märchen von links = rechts verfallen sind – hat die Partei unterwandert und schubst alles von der Tanzfläche und nimmt allen die Förmchen weg. Ja, ich bin gerade polemisch, es tut mir leid. Aber irgendwann hat man auch keinen Bock mehr, wenn man dauernd damit konfrontiert wird, dass man automatisch gewaltbereit und menschenverachtend sein soll, nur weil man links ist. Ich seh die Menschenverachter ja auf der hart rechten Seite.

Können wir uns also darauf einigen, dass beide Seiten verbal abrüsten? So ernsthaft und so? Kein „Die haben aber einself“ mehr? Und dann, wenn wir verbal abgerüstet haben, dann können wir über die Vorwürfe reden. Über schwarze Listen und Blockempfehlungen? Über blöde Vergleiche? Über Mobbing? Und darüber müssen wir ernsthaft reden, das ist keine Art des Umgangs miteinander. Und wenn wir darüber nicht mehr reden können, weil zu viel Porzellan zertrampelt ist, dann tut es mir leid, dann müssen wir die Schiedsgerichte bemühen, dann müssen wir eventuell auch hier und da die Justiz bemühen. Ich hoffe, dass wird nicht nötig sein, aber ich weiß es nicht. Wenn es nun mal nicht geht …

Aber bitte hört auf, die Gegenseite zu diffamieren. Streitet euch über Politik, aber nicht über Provokationen. Und lasst das mit den Provokationen doch einfach mal. Und ja, ich klinge gerade nicht zufällig wie ein Kindergärtner. (oder hätte ich jetzt Erzieher schreiben müssen? Das ist nicht einfach mit Sprachkonventionen.) Zu einem gewissen  Teil kommt es mir immer noch wie ein Kindergarten vor, und alle Kinder sind in der Trotzphase. Also AUSEINANDER! ALLE!

Ich möchte nicht, dass die Partei implodiert. Ich möchte auch nicht, dass wir den gleichen Fehler machen, wie ihn die Grünen uns schon gezeigt haben. Das erinnert doch arg an Fundis gegen Realos, ein Kampf, in dem die Realos einst gewannen und bis auf wenige die Träumer und Radikaldemokraten aus der Partei gespült wurden. Übrig blieb das, was wir heute sehen, die  Verbotspartei, die in den Krieg zog und denen man selbst bei Delfinariumsverboten nicht mehr über den Weg trauen kann.

Es tut mir ja leid, ich möchte nicht in einer Partei sein, in der keiner mehr träumt, in der keiner mehr Visionen hat. Ich meine, dass die, die keine Visionen haben, und Politik machen, zum Arzt sollten. Das geht nicht mit Denkverboten, nicht mit einer von irgendwem vorgegebenen fertigen Linie. Wir haben eine Satzung, die einige Sachen ausschließt, und damit können wir gut leben. Was auszuschließen ist, ist dort ausgeschlossen. Und wenn da mehr ausgeschlossen werden soll, dann stellt halt Satzungsanträge. Aber bitte, schließt keine Visionen aus, bitte schließt keine Menschen aus, die mit uns an einer besseren Zukunft arbeiten wollen. Bitte, kein weiterer Richtungsstreit, der eine Seite an die Wand fährt. Wir brauchen beide.

Selbstverpflichtung …

Ich bin nicht bereit, mein piratiges Selbstverständnis einfach aufzugeben, weil mir Leute einen Richtungsstreit aufbürden, den ich für unmöglich halte. Ich habe das schon mehrfach gesagt, ich bleibe auch dabei, Richtungsstreit ist nur an Themen fest zu machen, ausschließlich über Anträge auszufechten. Alles andere halte ich für Humbug. Das Gegenteil konnte mir bisher auch noch niemand glaubhaft erklären.

Aber nun gut, was gehört zu meinem Selbstverständnis. Zum Beispiel ein klares Bekenntnis zum Grundgesetz und dessen Prinzipien. Eines dieser Prinzipien ist Gewaltenteilung. Mit ein bisschen Glück schaffe ich es im Mai in ein kommunales Parlament. Und dann werde ich mit darauf achten, dass Verwaltungen nicht ihre Macht nutzen, um politische Entscheidungen zu beeinflussen.

Das gehört zu den Dingen, weswegen ich in dieser Partei bin, das gehört zu den Dingen, die ich  unter Politikupgrade verstehe. Und ganz prinzipiell, auch nach den gerade gemachten Erfahrungen, sehe ich das eigentlich als Konsens in der Partei an.

Eine Partei ist einem Staat durchaus ähnlich. Bei uns gibt es eine Exekutive, eine Legislative und eine Judikative. Und wir bemühen uns, das getrennt zu halten. Die Legislative sind wir alle, die MV,  der PT. Und nur diese Versammlungen können über Themen und Richtungen bestimmen. Die Exekutive sind Vorstände und Beauftragte, und in deren Ausübung ihrer Tätigkeiten müssen die neutral sein, dürfen ihre Ämter nicht nutzen, um innerparteilich zu wirken – natürlich tun sie das eigentlich immer. Wer Amt oder Beauftragung hat, hat einen erhöhten Bekanntheitsgrad, höhere Followerzahlen und so weiter. Aber man darf eben die „Macht der Passwörter“ nicht ausnutzen, um seine Meinung zu promoten, um missliebige Meinungen zu sabotieren und vieles andere, was prinzipiell möglich ist. Gleiches gilt natürlich für die Richter der Schiedsgerichte, hier ist die Verantwortung natürlich besonders hoch.

Wir sind gestern per DM an den Landestwitteraccount NRW gefragt worden, ob wir einen Blogpost vertweeten, was wir ja bei politischen Blogs gern tun. Das war aber einer, der direkt mit dem „Richtungsstreit“ zu tun hatte. Und das habe ich abgelehnt. Obwohl ich den Blogpost richtig gut finde. Weil ich nicht der Meinung bin, dass das geht, weil ich sogar meine, dass wir genau solches Ausnutzen von Strukturen dauernd anprangern und verurteilen, also bei anderen. Als dann ein anderer Accountnutzer einen anderen Tweet mit ebenfalls Inhalten, die sich im Streit beteiligen, retweetet hat, habe ich sehr ernsthaft darüber nachgedacht, meine Beauftragung aufzugeben. Ich bin nämlich in solchen Sachen zutiefst idealistisch. Ich weiß, Idealismus ist naiv und so, aber ich kann da jetzt auch nichts für. Die Sache ist jetzt ausgeräumt, und ich bin noch da, aber der Weg zu einem „Dann macht euren Scheiß halt alleine“ ist echt nur um die Ecke.

Lange Rede, kurzer Sinn: Ich beantrage folgendes auf dem nächsten LPT:

„Gewählte und beauftrage Mitglieder der Partei verpflichten sich, ihre letztlich von der Basis eingeräumte Machtposition nicht zu innerparteilicher Einflussnahme zu missbrauchen. Meinungsfreiheit gilt für alle, aber die innerparteilichen Kanäle werden neutral bleiben. Verwaltung, IT, Öffentlichkeitsarbeit und alle weiteren nichtpolitischen Arbeitsgruppen können ihre Arbeit von innerparteilichen Diskussionen trennen. Diese Selbstverpflichtung ist von allen gewählten und beauftragten Piraten zu unterschreiben.“

Vielleicht mag ja jemand unterstützen, bin auch über Kritik dankbar, ich bin noch nicht so gut im Antragsdeutsch.

#bombernixgate

In meinem Kopf geht im Moment auch nicht mehr viel, zu tief ist die Resignation. Zu sehr frage ich mich, wie weit die Aggression noch getrieben wird, das Gefühl ist, die Partei implodiert und es gibt zu viele Leute, die noch Öl übrig haben, um es ins Feuer zu gießen, seit gestern Abend ist es die IT, die „streikt“. Man könnte auch sagen, die eskaliert.

Dabei klingt das alles so gut, also die ersten Zeilen. Man habe ja alles getan, damit politisch gearbeitet werden kann,  habe sich selbst auf eine heile Insel zurückgezogen. Ja, ist ja schön, aber was habt ihr dort geraucht? – Ich entschuldige mich, war nicht so gemeint, ist mir rausgerutscht, es stimmt ja auch nicht.

Mindestens die Hälfte der Leute, die da auf der Liste stehen, habe ich in den letzten Tagen auf Twitter und MLs herumranten sehen. Heile Insel, my ass. Wenn das eine Aktion von Leuten wäre, die ALLE kein Wort zu den Gates bisher verloren hätten, ich würde die Aktion erst mal ernst nehmen können.

Denn da steht ja viel Schönes. „Eine Diskussionskultur ohne Mobbing, Drohungen und Hetzjagden“ zum Beispiel. Ja, wäre wunderbar. Da sind viele Sachen, an die ich mich gerne anschließen möchte. Ich schreibe mir nämlich die Finger wund, gegen Aggressionen an, um zu erklären und Aggression rauszunehmen. Um dann von Leuten, die auf der Liste stehen, unsachliche oder ablenkende Antworten zu bekommen. Danke. („Wir machen hier kein Theater!“) Danke!

Btw. Ich habe gestern Abend von Leuten, die diesen Orgastreik unterschrieben haben, gelesen, wie sie anderen den Austritt nahe legen. Und zwar nicht ganz so diplomatisch ausgedrückt, wie ich das hier mache.  Vermutlich ist das diese neue Diskussionskultur, die die IT gerne hätte.

Lange Rede, kurzer Sinn. Erstmal an die eigene Nase packen, dann von neuer Diskussionskultur schwafeln, danke.

Selbst wenn das eingehalten worden wäre, und von einem guten Teil der Unterschreibenden hat man ja auch noch nichts gehört, die kann man dann ja auch deutlich ernster nehmen, gibt es ein Problem an der Stelle, an der man den BuVo auffordert, verschiedene Sachen zu machen. Da wurde gestern „Erpressung“ geschrien, die Juristen mögen das verbessern, aber ich glaube, „Nötigung“ trifft es besser. Was auch nicht rechtsstaatlicher ist.

Das Problem ist aber vor allem, dass da Sachen drin stehen, die, ein bisschen verschlüsselt, sich sehr konkret auf eine Seite des Richtungsstreites, der die ganze Zeit postuliert wird, beziehen. Damit wird die Sache eben selbst sehr politisch und konterkariert sich auf die schönste Weise selbst. Schade, der Ansatz war ja ok.

Jetzt gehe ich davon aus, dass wir einen Vorstand gewählt haben, der unabhängig ist und dem niemand vorzuschreiben hat, was er macht. Deswegen wählt man den, deswegen legitimiert man den. Man kann Anträge an den Vorstand schicken, damit der Sachen entscheidet. Wie er entscheidet ist seine Sache, deswegen machen wir das mit den Wahlen. Warum muss ich hier eigentlich Politik-Nachhilfe betreiben? In einer Partei?

Ganz nebenbei haben wir Grundsätze.  Wir sprechen von Plattformneutralität und so was. Von Demokratie-Update. Und dann putschen wir innerhalb der eigenen Partei? Nehmen nicht en umständlichen und mühsamen Weg über die Demokratie?

Liebe IT, ein großer Teil der politisch Aktiven hat sich bis gestern für die Machtspielchen der Zeitelite auf Twitter nicht wirklich interessiert. Leute haben sich vielleicht den Abend freigeschaufelt, weil sie gerade hier oder da noch an Anträgen oder Programmentwürfen arbeiten, weil sie das mit der Politik machen und schon lange irgendwelche sinnlosen Gates ausklammern. Denen habt ihr gestern Abend so richtig aufs Maul gehauen, warum?

Macht euch bitte mal klar, dass die Empöreria auf Twitter und im Mumble nicht die Partei ist. Die Partei sind die Wikigärtner und Vernetzer, die Programmschreiber und Verwalter, die Kommunalpiraten und Öffentlichkeitsarbeiter. Genau denen entzieht ihr die Arbeitsgrundlage. IRONIETAGS Glückwunsch zu der total gelungenen Aktion! IRONIEOFF

Es frustriert so sehr …

Zum ersten Mal einen Blogbeitrag mit dem Handy.
Eigentlich müsste ich jetzt schlafen, eigentlich habe ich Kopfschmerzen und kann nichts mehr sehen, trotzdem muss ich jetzt was loswerden.
Seit Anfang Januar spricht alles in dieser Partei von einem Richtungsstreit. Im Moment
eskaliert das immer mehr. Es geht dabei nicht, wie man meinen könnte, um politische Fragen die mit Ja oder Nein beantwortet werden könnten. Es geht um Flaggen, es geht um Symbole, es geht um Provokationen.
Momentan geht es um antideutsche Sprüche. Jetzt finde ich persönlich die antideutsche Strömung relativ wirr. Aber ich erkenne Provokationen, wenn ich sie sehe. Da ich selber das Thema Nation für mich abgeschlossen habe, kann ich die Beleidigung einer eingebildeten Größe, wie das Deutsche an sich, für mich als irrelevant abtun. Also fühle ich mich auch nicht provoziert.
Andere sind anscheinend noch nicht soweit, und einige reagieren, als ob man sie persönlich beleidigt hätte. Der Grund für die Provokationen ist naheliegend. Man möchte schauen, wie stark revisionistische und nationalistische Ideen, die tief in der Gesellschaft verankert sind, auch in der eigenen Parteiblase ans Licht kommen. Das ist prinzipiell eine sinnvolle Sache, denn ohne Schmerz lernt man ja solches nicht. Aber es ist auch eine Zerreissprobe für eine junge Partei, bei der Vorraussetzungen sehr unterschiedlich sind, bei der auch Beschäftigung mit den unreflektierten Gesellschaftsmustern nicht überall verbreitet ist.
In tiefer Emotionalität wird von allen Seiten Geschirr zerschlagen. Natürlich gibt es auch persönliche Aversionen, und wenn nebenbei die handelnden Personen auch noch Frauen sind, kommt auch noch hässlichster Sexismus an den Tag. Postgender my ASS!
Jemand schrieb heute dann auf Twitter, man muss sich entscheiden, ob man gegen Nazis oder gegen Überwachung sei. Ich hatte immer gedacht, es sei allgemein klar, dass der Kampf gegen einen Überwachungsstaat auch der Kampf gegen Faschismus ist. Dass der Kampf für Menschenrechte immer auch der Kampf gegen Nazis ist. Dass liberal, dass frei, nicht ohne links zu denken ist, weil liberal und frei das Gegenteil von Faschismus ist.
Ich habe heute dazugelernt und es frustriert mich.

Eisblumen – Vom Widerstand in kalter Zeit

Nach langer Zeit habe ich wieder mal ein altes Theaterstück von mir auf archive.org hochgeladen. ich hatte das ja mal mit allen Stücken vor, bin aber in dieser Hinsicht stark gehemmt, da ich grundsätzlich recht depressiv werden, wenn ich im Moment über das Thema Theater nachdenke.

Eisblumen, das man jetzt als pdf runterladen kann, ist nun schon bald acht Jahre alt und wurde einmal stark überarbeitet, weil ich es vor zwei Jahren noch mal neu inszeniert habe. Trotzdem ist es immer noch eine eher kurze Theatercollage, deren Formatierung grausig ist und das an vielen Ecken merken lässt, dass ich damals eine sehr knappe und fragmentarische Arbeitsweise hatte. Ich habe mich seitdem einige Mal verändert, würde heute sicher einiges anders machen, aber trotzdem halte ich es nicht für Unfug, die Collage öffentlich zu machen.

Es stecken einige spannende kleine Szenen drin, es gibt ein bisschen was unterhaltendes, bevor ich gegen Ende den Vorschlaghammer nehme und auf jede Tränendrüse einschlage, die ich finden kann. Der damalige Hauptdarsteller, mit dem ich heute zusammen podcaste, sagt da immer, dass ich ja ein alter Schaubudenbesitzer bin, der da gerne mal mit der Keule kommt.

Eisblumen ist übrigens kein Geschichtsstück, dass die Betroffenheitsnummer durchziehen will, mich interessierten die Geschichten derjenigen, die damals gegen den Faschismus gekämpft haben, und ich erzähle Geschichte gerne mit Geschichten. Also gute Unterhaltung beim Lesen … und vielleicht mag es ja auch noch mal jemand aufführen. Dann bitte bescheid sagen, die Aufführungsrechte sind in der CC-Lizenz nicht drin .