Quick: Bigotterie

Ich hasse es, ich kann es einfach nicht leiden. Bigotterie, dieses völlig unterschiedliche Werten von Dingen. Und das ist im Moment Parteisport. Geht nicht in meinen Kopf rein.

An allen Ecken und Enden wird Gewaltverzicht gepredigt, weil man damit auf die Aktivistin einprügeln kann, die eine Molli-Attrappe vor eine Botschaft geworfen hat. Es wird ein Schwur auf die Legalität gefordert. Dabei wird gegen einige Mitglieder im Moment massivste Gewalt gefahren. Oder ist verbale Gewalt jetzt keine mehr? Klar, kann man sich gut mit rausreden.

Okay, dann geht es hier also im schlimmsten Falle um Gewalt gegen Sachen. Ja, find ich nicht so richtig gut, hätte ich die Aktion inszeniert, hätte ich die Fackel hinlegen lassen, oder sie in einem Eimer mit Schweineblut löschen – das wäre vermutlich von der Symbolik noch klarer geworden. Die Fackel zu werfen, war jetzt nicht die cleverste Lösung. Die Aufregung, die von einem großen Teil der Piraten im Moment dagegen gefahren wird, ist aber natürlich bigott.

Ich erinnere mich an Anonymous-Aktionen, die deutlich schwerere Rechtsbrüche waren, wo man mit digitaler Gewalt vorgegangen ist und für betroffene sicher unschöne Dinge veranstaltet hat. Wo waren die Distanzierungen von den Anons? Die Piraten grinsten und taten das ab. Wir haben uns über Occupy und Blockupy gefreut, die mit ihren Aktionen oftmals über den Rand der Legalität hinaus gegangen sind. Und wie viele Geschichten gibt es von Piraten, die Plakate von AfD oder Pro-X eingesammelt haben? Sachbeschädigung. Als ich letztens zu einem widerlichen homophoben Nazi-Plakat aus München einen ironisch gewaltbereiten Spruch eines Freundes tweetete – wo absolut klar sein musste, dass das nicht so ernst gemeint war – bekam ich Vorwürfe, weshalb ich es denn mit Gewalt machen wollte, und mein Landesvorsitzender schlug vor, man könnte das Plakat doch mit wenig Aufwand neu gestalten. Danke Pakki, das war dann aber auch ein Aufruf zum Rechtsbruch, oder?

Und als von Alios, damaliger BuVo, bekannt wurde, dass er mit Gras erwischt wurde, haben wir applaudiert. Legalität? Die ist uns doch sonst scheißegal.

Die andere Sache ist das mit dem Zweck, der alle Mittel heiligt. Einige Leute werden angegriffen, weil sie schwarze Listen hätten, weil sie nächtliche Drohanrufe unternähmen, weil sie Leute mobben. Wenn das so ist, dann muss man da dran, keine Frage. Wer das macht, der hat in unserer Partei nichts zu suchen. Wir wollten das mit der Demokratie machen und ich versteh bei sowas echt wenig Spaß. Ich habe nur mal einen Hauch von sowas abbekommen, als Waffennarren, von denen ich hoffe, dass sie keine Piraten waren, mich angegangen sind, weil ich es der AG Waffenrecht mal etwas schwer gemacht hab. Das war nicht schön, ich habe mich sofort durch Veröffentlichung gewehrt und so kam ich ganz gut klar. Ich weiß immerhin, worum es in etwa geht. Also, wenn das passiert, dann muss man darauf reagieren. Und zwar jedes Mal schnell. (Aber das geht nur durch Schiedsgerichte und/oder die Justiz, da kann kein Vorstand ernsthaft was machen.) Also noch mal, ich verzettel mich heute etwas, wir wollten das mit der Demokratie machen. Wir müssen da den Weg mit den innerparteilichen Gremien gehen. Dafür gibt es Schiedsgerichte.

Auf der anderen Seite nutzen aber einige Leute in Verwaltung und IT ihre Macht aus, um ihre Standpunkte in die Köpfe zu bekommen und den BuVo unter Druck zu setzen. Egal, wie gut das gemeint ist oder war, das ist auch doof, das hat auch nichts mit Demokratie zu tun, dass ist eine Missachtung von unseren Regeln, die wir uns selbst gegeben haben. Spricht man das an, schreibt man auf Mailinglisten, dass man diese Regeln gerne eingehalten hätte, dann wird erst verharmlost und dann beleidigt. Das ist bigott. Wenn wir nicht auf Demokratie achten, verlieren wir sie.

Nochmal, weil das irgendwie nie jemandem klar wird: Man kann die Dresden-Aktion scheiße finden, und trotzdem das mit der Demokratie machen. Ich fand die Aktion auch nicht toll, ich fand auch den Umgang damit nicht toll und es war auch noch ein gutes Beispiel dafür, wie Krisenmanagement nicht funktioniert. Die verbale Gewalt gegen Anne hingegen ist nicht nur nicht toll, sie ist unwürdig. Ich sage offen, an ihrer Stelle würde ich die Vertrauensleute bitten, sie von der Liste zu nehmen. Ich kann diese Meinung äußern, ich kann auch eine freundliche Mail schreiben, in der ich ihr erkläre, warum ich fände, dass das Beste wäre. Den BuVo aber aufzufordern, sie einfach von der Liste zu nehmen? Demokratieverständnis?

Ich habe auch gestern @riotbuddha getwittert, warum ich seinen Wahlaufruf für @Debbie_Anna, die „Molli-Werferin“, die vermutlich vom Teufel besessen ist – sry, ich kann mich manchmal nur schwer zusammenreißen -, nicht gut fand.Ich spreche ihr die Kompetenz zur Beisitzerin nicht ab, die verliert man auch nicht durch eine in Teilen unüberlegte Aktion. Das Signal wäre aber fatal gewesen und der innerparteiliche Krieg wäre noch höher gekocht. Dass @riotbuddha seine Meinung geändert hätte, hätte mich auch persönlich erstaunt, hat er nicht, aber das ist vollkommen in Ordnung, wir sind ja eine pluralistische Partei.

Letzteres möchte ich noch mal stark betonen. Wir sind sehr verschieden, und das ist unsere Stärke. Ich wünsche mir, dass wir alle zusammen für eine bessere Zukunft arbeiten. Das wir uns das nicht mit hasserfüllten Twittersprüchen kaputt machen. Ich wünsche mir auch, dass wir alle politischer denken. Lasst uns über Themen streiten und sie abstimmen, und lasst uns bitte damit aufhören, undemokratisch irgendwelche Sachen durchdrücken zu wollen. 

Es gibt Lichtblicke. Es gibt Leute, die versuchen, ein neues Selbstverständnis zu entwickeln, ohne irgendwen von vornherein auszuschließen. Es gibt Leute, die schlicht sagen, lasst uns das mit der Politik machen, auf Gates habe ich keinen Bock, es gibt Leute, die mit Spaß in den Wahlkampf gehen, weil sie auf Twitter verzichten. Klingt erstmal nach einer guten Möglichkeit.

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Über Hollarius

Ich bin in den Siebzigern geboren, halte mich voll Hybris für einen Künstler und meine auch noch, alle müssten lesen, was ich so meine ...

Veröffentlicht am März 3, 2014 in Nicht kategorisiert und mit getaggt. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. Hinterlasse einen Kommentar.

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