Wir sind keine Volkspartei!

„Wir müssen Politik wieder zum Menschen hin denken!“ formulierte heute jemand auf Twitter, und meine erste Reaktion war ein instinktives „Richtig!“ Und dann ging es mir auf, ich bin da gerade auf einen Spruch reingefallen, der genauso auch von der Groko kommen könnte. Das soll kein Angriff auf die Twitterquelle sein, aus der das kam, aber ich finde die Formulierung relativ nichtssagend. Es klingt für mich nach Volkspartei, nach einer Formulierung aus der Reihe „Ich wasch dich, mach dich aber nicht nass“. Es ist ein Allgemeinplätzchen, dass ich einfach nicht backen möchte.
Sind wir eine Partei für alle Menschen? Nun, wir wollen die Welt besser machen, haben dafür gute Ideen, und es würde allen besser gehen, wenn unsere Ideen sich durchsetzen würden – weil dann andere Prioritäten gesetzt würden, weil es mehr Freiheit gäbe – aber ein klares Nein, wir sind keine Partei für Alle.
Wir können keine Volkspartei sein, so lange Mehrheiten Rassismus für ein sinnvolles Konzept halten und man mit „Kinder statt Inder“ und „Wer betrügt, fliegt!“ Stimmen erwerben kann. Wir können keine Volkspartei sein, so lange weniger als zwanzig Prozent der Menschen Überwachung für ein Problem halten und mit unsäglichen Sprüchen wie „Ich habe nichts zu verbergen“ ihre Freiheit freiwillig zu Markte tragen. Wir können keine Volkspartei sein, so lange Inklusion nicht gesamtgesellschaftlich gesehen wird, sondern nur als eine Möglichkeit, Förderschulen zu schließen und im Bildungshaushalt ein paar Prozent einzusparen.
Für eine Mehrheit der deutschen kann man uns einfach als unwählbar darstellen, weil wir gegen die VDS sind und damit Mafia und Kinderschänder unterstützen. Die Mehrheit hasst unsere Ideen zu einer guten und sinnvollen Drogenpolitik und merken nicht, dass es die Prohibition ist, die wirklich das organisierte Verbrechen unterstützt. Man hasst uns, weil wir den Menschen die Möglichkeiten nehmen wollen, dass sie auf die Armen hinunterschauen können. Sie hassen uns, weil wir Ideen haben, die ihre Privilegien für andere Menschen öffnen und damit abschaffen wollen.
Ja, in einer Welt, in der unsere bessere Bildungspolitik schon ein paar Jahre gefruchtet hat, in der man nicht mehr so leicht auf Verschwörungstheorien, Rassismus und Sexismus hereinfällt, in der könnten wir irgendwann eine Volkspartei sein. Aber heute suchen wir nicht nach Mehrheiten, wir suchen nach den Menschen, die mit uns eine bessere Welt ermöglichen wollen. Und wenn das die magischen fünf Prozent wären, wäre das ja schon mal ein Riesengewinn.
Wir sollten uns das klar machen, wir sollten nicht nach Gefallen heischen, nach Akzeptanz von denen, die den Status Quo verteidigen. Wir sollten die, die sich den Status Quo nicht mehr gefallen lassen wollen, mit unseren Themen und Argumenten überzeugen. Unsere Ideen, unser Programm ist gut. Es ist das Beste in diesem Land. Das sollten wir offensiv nach draußen tragen. Jeder von uns.

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Über Hollarius

Ich bin in den Siebzigern geboren, halte mich voll Hybris für einen Künstler und meine auch noch, alle müssten lesen, was ich so meine ...

Veröffentlicht am April 29, 2014 in Piraten und mit , , getaggt. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 2 Kommentare.

  1. Danke Holger,
    ich finde es so gut, dass ich diesen Beitrag in meinem WordPress-Blog veröffentlicht habe.

  1. Pingback: Wir sind keine Volkspartei! | Sabinemartiny's Blog

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