Quick – Beschneidungsdebatte again

Die Debatte um Beschneidung kocht wieder hoch. Und es schwelt wieder mal das Denken, das kleinlich in schwarz und weiß aufteilt. Leute, die Beschneidung in religionsunmündigem Alter verbieten wollen, sind natürlich gegen den Islam und eh antisemitisch. Das schwingt zumindest mit.
Das ist Unsinn. Ja, sagt man, dass man Beschneidung doof findet, bekommt man schnell von den falschen Seiten Applaus. Maskus finden es toll, und die anderen ekligen Menschenbilder, die oben skizziert sind, klatschen auch. Das macht es nicht leichter, ändert aber auch die Tatsachen nicht.
Menschen, die jedes Wort pro Mädchenbeschneidung völlig zu Recht in der Luft zerreißen, arrangieren sich mit der Beschneidung von Jungen. Ich möchte aber eine solche Gewalt gegen Kinder nicht relativieren. Und den Eingriff in ihr Sexualleben auch nicht. Beschneidung gilt in Gesellschaften ohne religiöse Motivation als „gutes Mittel gegen Masturbation“. Das ist sexuelle Unterdrückung. Nicht eines Geschlechtes, sondern der jüngeren Generation. Eines der vielen Herrschaftsmittel, die sich über Jahrtausenden gegen zu viel revoltierenden Geist Jugendlicher etabliert haben.
Das alte Männer und Frauen an Kindern und Jugendlichen herumschneiden, egal welchen Geschlechts, ist mit Menschlichkeit nicht zu vereinbaren. Und Religionen einen so hohen Wert einzuräumen, dass sie über der Menschlichkeit steht, verbietet sich seit der Aufklärung eigentlich von selbst.
Für uns ist es heute normal, die kranken Moralvorstellungen der katholischen Kirche abzulehnen. Wenn Christen ihre Kinder misshandeln, weil das mit der Rute in der Bibel steht, dann verurteilen wir das selbstverständlich.
Wir haben von unseren Kirchen immer wieder unsere Werte eingefordert und tun das noch. Demokratie und Freiheit wurden gegen heftigen Widerstand der Religion duchgesetzt, wären die Kirchen bestimmend, wir hätten immer noch eine Ständegesellschaft und die völlige Unterdrückung von Frau und Kind.
Das Problem ist nun, dass es Religionen in der Minderheit sind, die auf Beschneidung von Jungen bestehen. (Teilweise auch von Mädchen, wie viele Beschneidungen passieren da in Deutschland?) Als Mitglied der Mehrheitsgesellschaft ist es natürlich gefährlich, gegen eine Praxis der Minderheitsgesellschaft zu sprechen. Ich muss natürlich überprüfen, ob meine Beweggründe nicht zum Beispiel von antisemitischen Vorurteilen gesteuert sind. Ich bin da aber ziemlich mit mir im Reinen.
Ich habe einen gewissen antireligiösen Furor, aber ich gestehe jedem gern die private Ausübung seiner Religion zu. Aber das muss Grenzen da haben, wo unethische Dinge passieren. Und an Genitalien unwiderruflich herumzuschnibbeln, ist eben unethisch.
Aber es wird dann halt in Hinterzimmern gemacht, so höre ich das Argument. Ja, wird es. Und während Auslandsaufenthalten. Aber es wird auch weiter diskutiert werden. Und die progressiven Kräfte innerhalb der besagten Religionen werden unterstützt. Jede Religion ändert sich, wenn ihre Gläubigen das wollen.
Menschen, die mit ihrer Sexualität im Reinen sind, keine Traumata mit sich herumschleppen, sind freiere Menschen. Da müssen wir hin.

Advertisements

Über Hollarius

Ich bin in den Siebzigern geboren, halte mich voll Hybris für einen Künstler und meine auch noch, alle müssten lesen, was ich so meine ...

Veröffentlicht am Mai 14, 2014, in Nicht kategorisiert. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. Hinterlasse einen Kommentar.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: