Wie wäre es denn mit Freiheit statt Angst?

Ich stoß mich in den letzten Wochen an meinen eigenen Blogposts, weil sie so negativ formuliert sind. Ich glaube, der Grund dafür ist einfach meine Angst. Ich habe Angst, dass Menschen das Piratenprojekt, an das ich geglaubt habe, zerstören. Und aus dieser Angst heraus beiße ich, versuche gegenzusteuern, und begebe mich auf das Niveau, das meiner Meinung nach die Krise verursacht hat.

Wir haben Angst. Klare Worte finden wir nur noch manchmal in Gastbeiträgen, unsere Pressemitteilungen klingen brav. Unsere Programmanträge werden immer mehr glattgeleckte Konsensschwafeleien, weil man den Schmerz von abgelehnten Anträgen vermeiden will, den Schmerz von lauten Debatten und den unsäglichen Shitstorms, die unvermeidlich scheinen. Menschen in unserer Partei haben Angst vor weiblich gegenderten Texten, vor nackten Brüsten und dem was die Oma dazu sagt. Leute haben Angst vor Unterwanderungen und Flaggen, vor DEN BERLINERN und vor dem personifizierten Bösen, ihr wisst schon, dem, dessen Namen man nicht sagen soll … also @riotbuddha.

Sie haben aber auch Angst vor piratennahen Zeitungen, die auf BILD-Niveau hetzen. Vor Idioten, die damit herumposen, mit Waffen zum BTP kommen zu wollen – wofür mit an Gewissheit grenzender Wahrscheinlichkeit eh die Cohones fehlen werden. Manche haben scheinbar sogar vor der Zusecrew und ihrem neuen Freund Markus Kompa Angst. Zu viel Ehre, echt jetzt.

Wir müssen aufhören, Angst zu haben. Denn das war eigentlich mal unser Markenkern, den der verehrte Moonopool nicht gefunden hat. Freiheit statt Angst! Wir müssen die Sache mit der Zukunftspartei machen, wir müssen eine Kompromisslosigkeit finden, die uns als Minipartei gut ansteht. Einfach mal der Regierung klar machen, dass sie überhaupt nicht als solche anzuerkennen ist, wenn sie es nicht schafft, unsere Menschenrechte zu schützen. Dass Auslieferungsverträge, die einen Whistleblower wie Snowden gefährden, auch mal ganz schlicht ausgesetzt werden können, wenn der eine Vertragspartner die Menschenrechte der Bürger des anderen Partners mit Füßen tritt. Wir müssen offensiv damit umgehen, dass alle Parteien, die Prohibition gut finden, die Mafia relativ direkt unterstützen.

Wir müssen unsere guten Ideen kompromisslos vertreten. Kompromisse können in der Sachpolitik in den Parlamenten immer noch gemacht werden, als Gesamtpartei brauchen wir keine Kompromisse, sondern Visionen und Ziele, die auch gerne mal eine Utopie beinhalten. Und wir müssen diese Visionen und Ziele ohne Angst kommunizieren.

Mit Freiheit statt Angst in die Zukunft – als Zukunftspartei -, und nicht zurück nach 200x, denn dieser Weg führt uns vor allem nach 2005. Bitte wählt in Halle Leute, die für Zukunft stehen, denen ihr zutraut, ohne Angst ihren Weg zu gehen. Wir brauchen die wirklich!

Über Hollarius

Ich bin in den Siebzigern geboren, halte mich voll Hybris für einen Künstler und meine auch noch, alle müssten lesen, was ich so meine ...

Veröffentlicht am Juni 27, 2014 in Piraten und mit getaggt. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 3 Kommentare.

  1. Binnichtsowichtig

    Du forderst in Wahrheit “Kompromisslosigkeit statt Angst”. Kann man machen. Wer aber stets die kompromissloseste politische Haltung annimmt, und sich diesen Kurs für eine Partei wünscht, der mag in gewisser Hinsicht mutig sein – nur verwandelt er damit seine Partei in eine extreme Splittergruppe.
    Ich bin keineswegs dafür, alle Forderungen, die irgendwie als “linksradikal” markiert werden, aus dem Parteidiskurs auszuschließen. Das wäre ein enormer Verlust. Noch größer aber wird der Verlust, wenn nun maximale Kompromisslosigkeit und Radikalität zur Diskursnorm erhoben werden.
    Das gilt übrigens nicht nur für die Piratenpartei.

  2. “Und wir müssen diese Visionen und Ziele ohne Angst kommunizieren.” Finde ich sehr schön gesagt! Das bedeutet für mich sozusagen, dass “wir” Farbe bekennen. Die Angst kommt höchstwahrscheinlich aus einer wackelige Wertebefestigung der Mitglieder. Die gute Idee wird nicht erkannt also bewegt Sie nichts. Ich würde sagen “ran an die Ursache, ohne Kompromisse!”… Vielleicht macht ihr dass schon auf eine andere Ebene die ich nicht wahrnehmen kann.

  3. Die frage ist: was willst du erreichen?
    Wer die Gesellschaft verändern will, muss für die Ideen dahinter einstehen und artikulieren.
    Wer diese Ideen ablehnt, will genau das nicht: veränderungen. Alles soll bleiben wie es ist, nur bitte auch für sich selbst ein Stückchen vom Kuchen.
    Wenn Anerkennung das ziel ist, dann ist “was Oma sagt” das einzige was zählt. Und das ist, wonach die ITler sich verzehren: Anerkennung. Sie wollen dazugehören, ernst genommen werden, ihre Partikularinteressen gewürdigt und vertreten sehen.
    ITler sind eine recht homogene Gruppe. Mit gutem Gehalt, enormen Standes- und Sendungsbewusstsein. Sie gehören zur Mitte, strotzen vor “gesundem” Nationalismus, Sexismus, Fremdenhass. Anders als Ärzte, Anwälte, Apotheker, Bauern jedoch werden sie politisch ignoriert, verlacht, marginalisiert. Die aktuelle Politikergeneration kann nichts anfangen mit dieser Gruppe – sie zählen nicht.
    Das ziel dieser Piraten ist Anerkennung. Zur Kenntnis genommen werden. Sie wollen auch zur Elite gehören, sie wollen endlich, dass die bösen alten Herren, die Hahnes und Sarrazins, ihnen über die Lesebrille zuzwinkern: gut gemacht, Junge. Du bist einer von uns.
    Dieses ziel ist den linken Piraten entgegengesetzt. Gemeinsam ist beiden nur die IT Affinität.

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