Quick – Ein Blogpost, der das ganze Dilemma aufzeigt

Wer hier mitliest, weiß, dass ich einigermaßen regelmäßig Dinge schreibe, und ich weiß, das manche da draußen auch ganz gerne lesen, was ich so schreibe – das finde ich auch sehr schön. Ich veröffentliche auch schon mal woanders, und weil ich darum gebeten würde, schreibe ich, obwohl ich mich sonst aus dem aktiven Piratentum relativ weit zurückgezogen habe, alle paar Wochen mal was für die Bundesseite der Piratenpartei. Ich mein, ich bin immer noch Pirat, ich bin immer noch politisch, und wenn ich was habe, dass ich vielleicht auch einfach einer etwas größeren Öffentlichkeit zeigen will und es auf die Seite passt, warum auch nicht.

So schrieb ich am Wochenende diesen Artikel, der Montagmorgen veröffentlicht wurde. In weiten Teilen der Piratengemeinde wurde der Text gut aufgenommen. Einige, die in einigen Diskussionen auf anderen Seiten als ich standen, konnten damit was anfangen, der Text wurde auch von Leuten weiter verteilt, von denen ich das nicht direkt vermutet hätte. Auch aus dem Bereich der Progressiven Plattform hörte ich kein Geschimpfe, die eigene „Peergroup“ ist nicht erbost, so weit so gut.

Aber ein paar Leute haben sich natürlich tierisch aufgeregt, denn ich habe in dem Text ja eine Position, die man vielleicht als rechtsoffen-libertär umschreiben könnte, durchaus angegriffen. Das stört natürlich die Destruktiven, die dieser Haltung frönen. Zusels, Wutzes und Wowbaggers – die Leute, die seit Halle meinen, dass sie die Oberhoheit in der Partei haben und noch nicht gemerkt haben, dass sie von den meisten, die nicht direkt Anti-Antifaarbeit betreiben, eh geblockt sind. Die toben sich nun seit Veröffentlichung in den Kommentaren aus  Natürlich setzen sie sich meistens lieber mit meiner Person auseinander und beschimpfen mich, als dass sie auch nur versuchen, den Text zu verstehen. Oder es wird das Strohmann-Argument aufgebaut, ich würde Zensur, Gedankenverbrechen und Diktatur fordern, was weder im Text drin steckt, noch mir in irgendeiner Weise nahe liegt.

Über diese Kommentare hat der Moonopool auch schon gebloggt, was man hier lesen kann. Ich kann auch akzeptieren, dass man sich in der Bundespresse der Piraten dazu entschieden hat, Kommentare fast nie zu löschen und allen die Möglichkeit gibt, sich nach Kräften selbst zum Obst zu machen. Ich halte das anders, ich habe in einer Zeitungsredaktion gelernt, dass man sich nie beleidigen lässt, und dass Leserbriefe – und was anderes sind Kommentare ja nicht – sofort in den Müll wandern, wenn deren Schreiber ad hominem gehen. Ich halte das hier auf meinem Blog so, ich hab hier Hausrecht und ich bekenne, ich schmeiß alles in den Müll, was beleidigend wird, und das sowohl direkt, als auch indirekt. Ich werfe auch Sachen in den Müll, die einfach nur meinen Intellekt beleidigen, da gibt es auch eine Menge Kommentare, kann ich manch Liedchen von singen. Ich verstehe aber, dass man so rigoros auf offiziellen Seiten nicht agiert.

Aber was am Ende des Tages bleibt, ist ein Text, der für viele Piraten ein guter ist, der sich nett auf der Bundesseite der Partei präsentiert, unter dem aber eine kreischende Minderheit von Piraten und Ex-Piraten krude Thesen aufstellen darf, mich wechselnd als Linksextremisten oder Faschisten beleidigt. Ja, jeder weiß, dass man Kommentare im Internet nicht lesen sollte, aber die Außenwirkung von diesem Müll, der da unter meinem Text steht, kann auch nicht die beste sein. Auf der einen Seite freue ich mich, dass ich für meine letzten Texte Freigaben von Sekor, Pirat-Sued und Kristos bekommen habe, von BuVos, die ich nur sehr eingeschränkt selbst gewählt hätte, wenn ich in Halle gewesen wäre. Was für mich ein Zeichen ist, dass der BuVo auch an der Mitarbeit der linken Piraten noch Interesse hat. Andererseits werde ich mich bei der nächsten Textidee wohl wieder fragen, ob ich wieder bereit bin, mich ellenlang beleidigen zu lassen?

Es ist wie so oft bei Piraten. Irgendwelche wildgewordenen Lautsprecher trollen herum, und die Leute, die den Text gut finden, lassen die Leute gewähren, weil sie schon lange aufgehört haben, die Trolle ernstzunehmen und weil sie die Trolle nicht füttern wollen – kann ich verstehen. Aber am Ende stehen da die Beleidigungen, am Ende kämpft der Moonopool da fast alleine gegen Windmühlen, und die Piratenmehrheit lässt das alles geschehen. Ist ja sehr passend zu meinem Text …

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Über Hollarius

Ich bin in den Siebzigern geboren, halte mich voll Hybris für einen Künstler und meine auch noch, alle müssten lesen, was ich so meine ...

Veröffentlicht am Januar 13, 2015, in Piraten. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 5 Kommentare.

  1. Das Problem – und gleichzeitig sein größter Vorteil – am Liberalismus ist ja, das dort die Lebensdevise gilt: ‚Leben und leben lassen‘. Das dir Pegida nicht schmeckt, okay. Eine Sichtweise, eine Meinung. Echte wehrhafte Demokratie läßt ja gerade antidemokratische Elemente zu, zu denen sich die Bürger dann eben selbst ein Urteil bilden sollen(!). Es bringt ja formal nichts zu sagen, dieses und jenes darf es nicht geben oder nicht gesagt oder gedacht werden, denn die Ideologien in den Köpfen der Menschen sind eben genauso wenig abschaffbar, wie man die Menschen selbst verbieten kann. Es geht einfach nicht.
    Wenn ich also eine Präferenz vornehme, die die eine Seite zum Nachteil der andere Seite begünstigt, dann reden wir eben leider ganz schnell nicht mehr von Demokratie, sondern schlicht von (antidemokratischen) Protektionismus. Deshalb braucht es auch keinerlei Vorgaben in Sachen Demokratie, denn die Freiheitsrechte eines Jeden sind solange obligatorisch wie sie die Freiheitsrechte Dritter nicht (benachteiligend) tangieren. Ein Großteil der Rechtssprechung ist in diesem Land danach ausgerichtet und das ist auch gut so. Genau das ist eben Liberalismus. Nicht der Kampf der eigenen Meinung, sondern der Kampf zugunsten eines Dritten, damit dieser seine Meinung äußern darf, auch wenn sie einem selbst nicht in den Kram passt. Eben drum: ‚Leben und leben lassen‘.

    Dieser Umstand ist in deinem Text nicht eindeutig bzw. vermischt sich mit deinen anderen Ansichten und man bekommt somit das Gefühl, das du scheinbar den Liberalismus (in Gänze) nicht verstanden hast – oder du dich halt nur ungünstig ausgedrückt hast, weil du eben versuchst mehrere Punkte zusammen zulegen.

    Zu den Kommentaren: Stimmt, wenns persönlich wird, ist es unnütz, aber deine argumentative Textkonstruktionen greifen halt bei einigen überzeugten Liberalen durchaus deren Lebensgefühl an, ala: ‚da will mir jemand vorschreiben wie ich zu denken (und im Endeffekt: zu leben) habe‘.
    Das willst du natürlich nicht, aber es liest sich in einigen Passagen so. Vielleicht warste auch etwas zu leidenschaftlich als du den Text verfasst hast, ich weiß es nicht, aber diese argumentativen Schwachpunkte in deinem Text sind leider auch von dir selbst verursacht. Diese berechtigte Kritik zum Text musste eben auch annehmen. Da bringt es auch nix, da du dich jezze selbst argumentativ ins Boxhorn jagen willst, in dem du die ‚Beleidiger‘ als Trolle herabsetzt. Wie gesagt, Leben und leben lassen! Wenn man einen öffentlichen Text schreibt, kann das eben jeder lesen und eben auch jeder kommentieren und genau dort liegt die Qualität der Online-User: die Kunst der Selektion. Du musst nicht auf alles eingehen, was man dir an den Kopf wirft, gerade wenn es unnütz ist. Also lass die ‚Trolle deiner Meinung nach trollen‘ und setze dich lieber mit den berechtigten Kritikpunkten deines Textes auseinander, denn dieser hat argumentativ leider doch an einigen Stellen seine Schwächen.

    Mit einem Angriff auf das ‚rechtsoffene Libertäre‘ hat es auch nichts zu tun. Es geht nur um Liberalismus in seinen Grundwerten! Libertarismus ist da nochmal etwas ganz anderes.^^

    • Hm, ich schreibe einen Text auf der Seite einer linksliberalen Partei – links- oder sozialliberal ist üblicherweise das, was andere über unser Programm sagen, deshalb benutze ich diesen Terminus – Und rede darüber, wie ich mir Liberalismus vorstelle, wie ich mir Engagement einer politischen liberalen Kraft vorstelle, die sich offensiv gegen alles wendet, was nicht liberal ist. So was nennt man Politik, ich finde das nicht so schwer zu verstehen.Meiner Meinung nach ist es kein politischer Liberalismus, wenn einem alles egal ist und man zuschaut, wie Leute das Gegenteil von liberal, als Supremacy zum Ideal erheben. Ich bin da kämpferisch, ich möchte nicht in eine Diktatur, ich möchte nicht in einen Faschismus.
      Dass ein paar Leute, denen ich nicht passe, krampfhaft daraus lesen, ich wolle Gesinnungsdiktatur ist schlicht boshaftes absichtliches Missverstehen. Wie die Überschrift es ja schon mehr als überdeutlich anzeigt, geht es mir nie um staatliche und juristische Positionen, sondern um die politischen Positionen einer liberalen Partei. Die darf nicht wehrlos sich aller Supremacy ergeben und zuschauen, wenn Nazis und Rassisten auf die Straße gehen, religiös-fanatisierte im Namen von Kreuz oder Mohammed morden und so weiter. Über das Strohmannargument, ich wollte irgendwelche Meinungsfreiheit beschneiden, werde ich nicht mehr diskutieren. Es geht mir darum, dass wir nicht zahnlos zuschauen, wie Leute, die das Gegenteil von Freiheit wollen, ihren Hass herauskübeln, und wir nicken nur und sagen, ja, das dürfen sie, ist ja Meinungsfreiheit. Ja, sie dürfen das, aber wenn wir nicht dagegen aufstehen, haben wir mit liberal nichts zu tun und ebnen diesen Meinungen den Weg.

      • Als jemand derer, denen du „Boshaftes Missverstehen“ unterstellst, frage ich mich, warum es dich wundert, dass du „missverstanden“ wirst, wenn du wörtlich sagst:

        „…dass niemand das Recht hat, andere Menschen als minderwertig zu bezeichnen, ja nicht mal das Recht hat, andere als minderwertig zu betrachten…“.

        Du sprichst von _Recht_, und nicht bloß davon, dass du den Menschen kontra geben möchtest, und und sprichst auch davon, dass du ihnen auch das _Recht_ auf eine _Ansicht_ nicht einräumst, nicht, dass du diese Ansicht für verwerflich hälst.

        Wenn du jetzt diese Äußerung relativierst, indem du sagst mir „Recht“ meinst du eben nicht „Recht“, ok, hast du dich halt missverständlich ausgedrückt und meintest was anderes. Geschenkt.
        Nur sehr schade, dass du dann wieder so tun must, als wären die, die deine Texte erstmal erstnehmen „Boshaft“, und die Annahme, dass, wenn jemand von Recht spricht, auch Recht meint total absurd.

      • Zig Leute haben meinen Text so gelesen, wie unter anderem auch Moonopool, dessen Blogpost oben verlinkt ist. Dass das „Recht“ nicht juristisch gemeint ist, sondern ethisch, kannst du übrigens ein paar Zeilen weiter oben daran festmachen, dass ich von meiner Liberalität spreche. Nur wenn du das, vielleicht wegen irgendwelcher Vorurteile, nicht ernst nimmst, kannst du auf den abstrusen Gedanken kommen, ich meinte das Recht juristisch. Aber wie kommt jemand auf die Idee, ein Pirat würde so was fordern. Kein Pirat, den ich kenne, weder aktuell noch ehemalig, und mit Sicherheit kein Mitglied der Progressiven Plattform, egal ob Pirat oder nicht, käme auf die Idee, Gedankenverbrechen in Gesetzbücher zu schreiben.
        Hätten die Buvos und Redakteure, die den Text freigegeben haben, so eine bekloppte Idee in meinen Text rein interpretiert, wäre der Text niemals veröffentlicht worden. Zu Recht.
        Deswegen halte ich deine Interpretation meines Textes für zumindest vorurteilsbehaftet, und habe das auf Twitter deswegen böswillig genannt.

      • Naja, es wird ja dagegen demonstriert und das ständig; Pegida ist nun wahrlich bisher eine rein lokale Angelegenheit. Die ganzen SpinOffs bisher, bleiben relativ klein, auch wenn diese Legida etwas größer wurde und man dort die Entwicklung weiterhin beobachten muss.
        Mich persönlich stört derzeit nur, das man so vehement argumentiert – ja quasi schon hysterisch, so als dürfe es nur ein politisches Weltbild geben. So funktioniert es aber nicht. Supremacy-Bestrebungen wird es also immer wieder geben, schon allein weil die große Menschheitsgeschichte – vor der Erfindung der Demokratie – immer irgendwie von wenigen Herrschern gelenkt wurde.
        DE hat zwei Diktakturen (links & rechts) hinter sich, da wird nichts mehr geschehen, selbst die antidemokratischen Rechten und Linken werden kaum ein System zulassen wollen, wo ihre gewöhnten liberalen Freiheitsrechte großartig beschneidet werden.
        Diese Gefahr ist einfach unbegründet, Sorge macht mir eher der Umgang mit solchen aktuellen Themen. Dabei ist es egal, wo man selbst politisch steht, wenn man die Fähigkeit der Debatte, des Konsens und der Kompromisse verliert und Politik besteht nun mal zu 95% aus Kompromissen, dann verliert man auf Dauer auch die Demokratie – oder es bildet sich ein neues demokratisches System, das sich ggf. ganz anders zeigt (Minimalstaatlichkeit etc).
        Recht wird man es eh nie allen machen können, dafür sind wir alle eben pure Individualisten, auch wenn Diverse das Gegenteil behaupten mögen.^^
        Dein Text war ja nicht ganz falsch, aber beim Liberalismus gibt es formal nur eine Ausrichtung, das du dem eben einen linken Hauch verpassen willst, gemäß deiner Parteienbeschreibung der Piraten, nun gut – das es aber dann die Leute eben doch anders sehen, damit wirste halt leben müssen. Es gibt halt (zum Glück noch) sehr Viele denen der Liberalismus in seiner Grundthese wichtig ist und folglich auch nicht umgedeutet werden kann; denn mögliche Ergebnisse daraus könnten ja dann doch zu illiberalen Haltungen führen. Wie sagt man so schön: Demokratie ist nicht verhandelbar. So ist es auch beim Liberalismus, das gibt es grundsätzlich auch nur im Original.
        Um Beschneidung der Meinungsfreiheit gehts da weniger, als schlicht um das liberale Selbstwertgefühl entsprechend dem eigenen Lebensparadigma (was eben auch wieder höchst subjektiv interpretiert wird). Da biste halt auch keine Ausnahme, ob politisch oder nicht. 🙂

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