Netzneutralitätstaliban? Ja bitte! – Oder die Kampagnenfähigkeit der Piratenpartei

Günther Oettinger sieht die freie Welt von denen bedroht, die sich um Freiheit kümmern – widersinnig, nun gut, der Mann ist bei der CDU, was erwartet man. Netzneutralität, so sagt er, sei ein „Talibanthema“. Er hat vermutlich keine Taliban gefragt, die würden sich in seinen Ansichten sicher eher gespiegelt sehen, als Piraten und die Netzgemeinde, so es sie noch gibt.

Netzneutralität ist natürlich kein Thema für engstirnige Regulatoren, wie Oettinger das ist, es ist eine Herzensangelegenheit für Freiheitsfreunde. Wir Piraten haben daraus ja mit der Plattformneutralität einen politischen Wert geschaffen, der vielleicht einer der wenigen ist, der uns einigermaßen eint. Und ja, es geht dabei nur um Freiheit und Teilhabe und Herrn Oettinger geht es natürlich nur um die Profite der Unternehmen, für die er arbeitet. Nein, die Taliban selbst wären natürlich nicht für Netzneutralität, denn die hassen kaum etwas so sehr wie Freiheit.

Was passiert da rhetorisch? Leute, die im Gegensatz zur FDP für Freiheit stehen, werden als scheinreligiöse Fundamentalisten lächerlich gemacht und in die Nähe von den so sehr gefürchteten Terroristen gestellt, die ja in Deutschland ständig Leute umbringen. Oh, Entschuldigung, die mit dem Leute-Umbringen sind Nazis, nicht Islamisten, man kommt da auch völlig durcheinander. Ja, das ist bösartig, was Oettinger da macht, es ist so unmoralisch, wie das nun mal im konservativen Bereich so Usus ist, und für alle, die sich mit der Materie auskennen, ist es realsatirisch – keine Sorge, die, die sich damit nicht auskennen, werden Oettinger glauben und weiter CDU wählen, und um etwas anderes geht es ja hier auch nicht.

Naja, eine vernünftige Antwort wäre es doch jetzt, wenn wir das reclaimen könnten – so was kann ja auch manchmal eine gute Sache sein – und wenn wir in Zukunft auf Veranstaltungen der CDU, speziell natürlich auf denen, wo Oettinger seine Nase zeigt, in Talibanaufzug vorbeikommen würden. Bart und Kostüm gibt es im Karnevalsonlineshop, einen Bombengürtel, in dem natürlich nur Tablets, Handys und sonstige technische Devices stecken, bekommt man auch gebastelt. Erstens kann man so ein Signal setzen, zweitens die Security ein bisschen ins Schwitzen bringen.

Sind wir kampagnenfähig? Herr Oettinger hat uns einen schönen Aufhänger serviert …

Nachwort:

Diesen Text habe ich nach Inspiration durch @moonopool gestern mal schnell runtergeschrieben, ich habe dafür keine halbe Stunde gebraucht, daher ist er auch ein bisschen wild. Wie man merken kann, ist er aus piratiger Perspektive geschrieben, der Grund ist einfach, ich habe ihn dem @moonopool für die Bundesseite der Piraten angeboten. Der ist immer recht erfreut, wenn er Texte bekommt – ja, liebe Piraten, man kann ihm einfach Texte anbieten, es ist keine Zauberei -, denn als Chef der SG Online braucht er ständig Content.

Hätte er gesagt, ich solle den Text mal stecken lassen, hätte ich ein paar Worte geändert und ihn einfach hier eingestellt. Ist ja kein Problem. Seine Erwiderung auf Twitter war aber:

Er machte sich fleißig ans Werk, nahm meine Prüf-den-Redakteur-Spitze in Sachen Reclaiming raus, versuchte, ein wenig Struktur einzufügen – und viele Gedankenstriche – und bemühte sich um Freigabe, die er schließlich auch von @Pirat_Kristos bekam.

Kleiner Disclaimer: Der Text war natürlich als Gastbeitrag geplant, also als Meinungsartikel, dessen Überschrift klar macht, dass ich zwar als Pirat, nicht aber für die Piraten spreche. Der Text sollte Diskussionen anregen, Aktivität anregen und war ein Appell an eine leicht lethargische Partei, auf solche Unverschämtheiten, wie die von Oettinger, mit Witz und Charme zu antworten.

Leider war aber wohl gestern Abend irgendeine Redaktionskonferenz, in der über den Text gesprochen wurde. Und dann kam das typisch piratige Bedenkenträgergroßaufgebot und setzte, so klingt das für mich, @moonopool so unter Druck, dass der Text nicht erschien. den Zeitstrahl des Pads kann man übrigens hier anschauen.

Ich habe in meinem Text nach der Kampagnenfähigkeit der Piraten gefragt. Der Vorgang um diesen kleinen harmlosen Text ist für mich ein Paradebeispiel, wie jede Kampagnenfähigkeit in dieser Partei von Bedenkenträgern zunichte gemacht wird. Sind wir kampagnenfähig? – ROFLCOPTER GTFO!

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Über Hollarius

Ich bin in den Siebzigern geboren, halte mich voll Hybris für einen Künstler und meine auch noch, alle müssten lesen, was ich so meine ...

Veröffentlicht am März 11, 2015 in Piraten und mit getaggt. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 9 Kommentare.

  1. Nein, nicht „unter Druck“ lieber Holger. Die Piratenparteiseite ist nicht meine Seite, sie ist die Seite dieser Partei. Und wenn wir in der Partei bezüglich der Frage „Was ist Guerilla und was ist zu viel?“ noch keine weitgehende Einigkeit haben, dann sehe ich mich nicht dazu aufgerufen, da einen Standard zu setzen. Das tut dann zwar manchmal weh, ist aber die Entscheidung, Teil dieser Partei zu sein (was auch sonst oft weh tut) oder eben nicht. Und – da bin ich ein einziges Mal mit dem Schäuble einig – eine Partei, die jede Entscheidung so trifft, wie ich sie treffen würde…. die wäre ziemlich klein. Trotzdem denke ich, dass die Angelegenheit wertvoll ist, wenn wir sie ans Stupser verstehen, die Frage dahinter innerhalb der Piraten mit einer gewissen Verbindlichkeit zu klären.

    • Lieber Dirk,
      ich sehe, bei aller Berechtigung einer Diskussion, trotzdem das Bedenkenträger-Problem. Ja, es braucht immer mal ein bisschen Kontrolle, ja, man kann diskutieren, aber wenn ich zählen sollte, wie häufig gute oder immerhin brauchbare Ideen dadurch vereitelt wurden, dass sich eine ganze Schar von Bedenkenträgern meldete, die keinesfalls jemandem auf die Füße treten wollte, dann wäre ich damit eine ganze Weile beschäftigt.
      Letztlich ist es immer wieder die Frage, ob man Politik machen will, oder sie nur simulieren. Letzteres kommt mir zu häufig vor.

      • Ich spreche mit dem Folgenden allgemein und keine konkreten Personen an.

        Was ist dabei ?
        Hieran tut sich wunderschön der Unterschied zwischen Reden und Machen auf.
        Man könnte ihn aber auch an vielen anderen Stellen in der Partei aufzeigen.
        Ziel: Guerilla-Aktion „Netztaliban“

        Würde man nur reden, würde man Blogposts verfassen und Reden schwingen, auf eine interne Debatte zusteuern, nach Zuständigkeiten fragen, zu Vorständen und Gremien schauen, enttäuscht sein, wenn der Impuls dort auf wenig Gegenliebe stößt. Passiv, passiv, passiv, passiv. Ein Sturm im Kopf bzw. Wasserglas.

        Machen sähe ganz anders aus. Machen sähe so aus, dass man auf all das da oben mehr oder weniger scheißen würde – piratiges Mandat, ahoi – und stattdessen in Sachen Beratung allerhöchstens eine erweiterbare Diskussionsstruktur bewerben würde, wo man seine Idee eingefügt hat, und diese da dann für alle Lesenden kritisierbar und veränderbar ist. Der Hauptteil wäre jedoch die Tat:
        Es würde die Aktion in zu erledigende Arbeitsschritte aufgelistet werden; es würde dargestellt werden, was schon erledigt ist, und wessen Erledigung noch aussteht; es würde nicht nach Genehmigungen, sondern nach tatkräftigen Mitstreitern bemüht werden.

        Kurzum: Arsch hoch, machen, nicht labern, oder https://twitter.com/sekor/status/575043095865262081

      • Jo, das, was du hier machst, ist klassisch piratiges Delegativ: Du hast eine Idee? Prima, dann mach mal, du hast den Job!
        Und dabei ist natürlich völlig egal, ob mir das möglich ist, ob ich das zeitlich schaffen kann, ob ich das finanziell leisten kann, nein, ICH habe eine Idee, also muss ICH machen, damit kein anderer in Anspruch genommen wird. Damit kein anderer den Arsch hoch bekommen muss. Damit man sich als Bedenkenträger schön zurücklehnen kann und sagen kann, ja, war ne hübsche Idee, aber ist mal wieder nix draus geworden.
        GZ …

  2. Hi hollarius,

    wäre es möglich, deinen Text als Piratengedanken auf der Piratenpartei-Hessen.de Seite zu veröffentlichen?

    Hast Du eventuell auch ein Bild oder eine Grafik dazu?

    Viele Grüße,
    Alex

  3. Nun, werter Kunstschaffender, vielen der Piraten waren schon die künstlerischen Attacken zweier Frauen in ihrer Freizeit zuviel, obwohl vermummt. Was denn nun dazu führte, dass eben die genannten Bedenkenträger nicht nur das Ruder, sondern das ganze Boot übernommen haben.

    Bernhard

    • Häh? erstens gab es das Problem der Bedenkenträger schon seit einigen Jahren, auch vor irgendwelchen privaten Aktionen, die die Partei überhaupt nichts angingen. Was soll denn überhaupt diese komische Anrede? „Kunstschaffender“? Was willst du andeuten? oder bist du einfach nur kunstfeindlich?

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