Quick – Eine Umfrage

Ich bin ein emotionaler Mensch. Das tut mir leid. Ich hänge mein Herz an Sachen. Auch das tut mir leid.

Das wollte ich gesagt haben, bevor jetzt wieder wer sagt: och, was bist du auch noch in dieser Partei, was schaust du auch in Umfragen, ist doch alles nicht gut für den Blutdruck. Ja, ich weiß das alles. Aber der eigentliche innere Austritt, den ich ja schon vollzogen wähnte, scheint einfach nicht im Herzen angekommen zu sein, in dem ich ja eigentlich schon immer Pirat war.

Back to topic: Ich habe keine Ahnung, wer im Bundesvorstand der Piraten auf die glorreiche Idee gekommen ist, per Lime Survey die politische Ausrichtung der nächsten Wahlkämpfe abfragen zu wollen. Ich würde an deren Stelle mal in Grundsatz- und Wahlprogramme schauen, da gibt es eine Menge Stoff, mit dem man was anfangen könnte. Ist ja auch egal. Auf jeden Fall kam eine Umfrage an, deren suggestiven Impetus man kaum leugnen kann. Auf Deutsch: Die Umfrage will in eine Richtung beantwortet werden, sie stößt jeden, der nicht aufpasst in eine vom Vorstand wohl gewünschte Richtung. Manipulation pur – aber dann auch noch schlecht gemacht. Ich werde mich jetzt nicht damit aufhalten, die ganze Umfrage durchzugehen. Dafür ist mir meine Zeit zu wichtig. Aber ich hänge verdammt noch mal immer noch so sehr an dieser Partei, dass ich meine fresse nicht halten kann. Also, bitte, hier, die Beispiele:

„Was war das wesentliche Thema, das Dich dazu bewogen hat, in die Piratenpartei einzutreten?“

Es ist nur eine Antwort auszuwählen. Einstmals wichtige Schlagworte wie „Mitmachpartei“ – wie sinnvoll oder nicht dieses Schlagwort auch jemals war – sind nicht dabei. einige Themen sind kompliziert umschrieben, andere quasi detailliert überschrieben. Offenbar uninteressante Themen wie „Umwelt“ oder „Landwirtschaft“ bekommen auch nur dieses eine Wort, das Urheberrecht bekommt den Terminus „Urheberrecht und nicht-kommerzielle Vervielfältigung“ – das ist also für alle, die einfach weiter schwarz alles saugen wollten -, aber ein Stichwort, ein Alleinstellungsmerkmal, das, wie wir alle wissen, dem Herrn Bundesvorsitzenden noch nie behagte, also „BGE“ taucht gar nicht erst auf. Ist für viele ein elementarer Punkt, wird aber unter „Recht auf sichere Existenz und gesellschaftliche Teilhabe“ versteckt. Kreuzt das bloß nicht an, der BuVo mag das nicht.

Es sollen verschiedene Aussagen bewertet werden, unter anderem:

Im politischen Kampf sind für uns PIRATEN selbst Straftaten ein zulässiges Mittel.

Was bitte? Was ist das denn für eine Frage? Selbstverständlich werden wir als Partei keine Straftaten begehen, um politisch irgendwas zu bewegen. Deswegen sind wir ja eine Partei. Man tritt einer Partei bei, um auf dem Weg durch die Institutionen etwas zu ändern. Das ist keine Frage. Das wurde auch nie anders von irgendwem behauptet. Warum also die Frage? Ganz einfach: Eine klare Verneinung wird sofort als Abkehr von zum Beispiel der ach so gewaltbereiten Antifa gedeutet. Blockupy und andere Aktionisten müssen dann auch nicht mehr unterstützt werden, weil auf deren Demos hin und wieder die oft massive Gewalt der Polizei mit Gegengewalt beantwortet wird. Dabei hat das eine nichts mit dem anderen zu tun. Eine Partei wird sich so lange bemühen, auf legalem Weg etwas zu erreichen, bis die Gesetze nicht mehr tragbar sind. Da jedes KZ unserer Vorfahren nach den Gesetzen des damaligen deutschen Reichs legal waren, halte ich Legalität auch nicht wirklich für ein umfassendes Argument.

Beim Protest gegen Menschenrechtsverletzung ist jedes Mittel recht.

Jo, vieles, was ich gerade geschrieben habe, gilt auch hier. Was soll denn diese Frage? Natürlich ist nicht jedes Mittel recht. Wenn der Nachbar seine Kinder schlägt, darf ich ihn deswegen nicht erschießen – es sei denn, er ist kurz davor, sie umzubringen. Auch wenn an den Händen der europäischen Regierungschefinnen und -chefs unüberschaubar viel afrikanisches Blut klebt, ist eine größere Nagelbombe beim nächsten Gipfel nicht das Mittel der Wahl. Nein, es ist nicht „jedes Mittel“ recht, aber jedes angemessene. Denn wir wollten ja mal für die Rechte von Menschen einstehen. Also früher mal, damals, als ich es geil fand, Pirat zu sein. als ich mich noch nicht schämte …

Über Hollarius

Ich bin in den Siebzigern geboren, halte mich voll Hybris für einen Künstler und meine auch noch, alle müssten lesen, was ich so meine ...

Veröffentlicht am Mai 24, 2015 in Piraten und mit , getaggt. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. Hinterlasse einen Kommentar.

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