Quick – Mad Max: Fury Road – ein politischer Film?

ACHTUNG SPOILERGEFAHR!

Zwei Wochen nach Kinostart habe ich es dann auch mal in den neuen Mad Max-Film geschafft. Und es hat einem schon den Atem verschlagen. So eine Action-Kanonade hab ich selten gesehen. Es ist dann auch fast nur Action, und ein bisschen wenig Handlung, aber darum sollte es hier eigentlich gar nicht gehen. Schließlich steht in der Überschrift eine Fragestellung.

Wie ich darauf komme, ist keine große Sache: Irgendein spinnerter amerikanischer Männerrechtler hat seine Anhänger dazu aufgerufen, diesen Film zu boykottieren, weil er feministische Propaganda in harter Action verpackt sei. Und wir wissen ja, dass Actionfilme nur von Männern gesehen werden … äh ja … egal. Das hat mich schon ein bisschen erwartungsvoll gemacht, als ich das Kino meines Vertrauens aufsuchte.

Und was soll man sagen: Naja, ein feministischer Film ist es wohl nicht gerade. Feministisch bewegte werden sich letztlich an der Mütterverehrung des Films stören. Und natürlich an den jungen Frauen, die quasi nackelig als Eyecandy in die Wüste gestellt werden. Wird letztlich ein extrem frauenfeindliches Patriarchat durch ein Matriarchat ersetzt? Ist das eine feministische Traumvorstellung? Weiß ich alles nicht. Der Schluss ist auch nicht der eigentliche Grund, weshalb ich die oben gestellte Frage bejahen möchte. (Übrigens auch nicht die Endzeitfilm-typische Sozialkritik)

Ja, dieser Mad Max ist ein politischer Film. Aber nicht wegen der Handlung oder dem Ende, sondern wegen des Umgangs mit den weiblichen Figuren des Films. Furiosa ist eine weibliche Actionheldin, die trotz verlorenem Unterarm eigentlich nie wirklich schwächer als Mad Max selbst dargestellt wird. Neben körperlicher Ebenbürtigkeit hat sie die Attribute Intelligenz und Entscheidungsfreudigkeit. Sie ist die Anführerin und alles hört auf ihr Kommando. Ist ja schon mal was.  Die Mütter sind ältere Damen, die schon länger in der Wüste mit allen Tricks und auch mit Treffsicherheit überleben. Sieht man eher selten, die Schauspielerinnen, die da auf Motorrädern unterwegs sind, werden wahrscheinlich sonst eher als nette Omis gecastet, und nicht als Scharfschützinnen, die reihenweise Warboys ausschalten. Und die verwöhnten Mädchen, die Furiosa aus dem Harem des selbsternannten Erlösers befreit? Ja, die sind erstmal wenig angezogen und „mädchenhaft“ ängstlich und zwischendurch will auch eine wieder zurück in ihren goldenen Käfig – aber am Ende sind auch diese ehemaligen Barbiepüppchen bereit und in der Lage, Waffen abzufeuern und sich am Kampf zu beteiligen – ohne, dass diese Verwandlung besonders betont wird. Sie haben einfach gute Vorbilder und lernen schnell.

Ich kann mich an keinen Film erinnern, in dem so viele Frauen aktiv in einem Actionfilmunterwegs waren. Nicht als Ausnahme wie sonst, sondern selbstverständlich. Es ist nicht unbedingt ein feministischer Film, aber ein Actionfilm, in dem Frauen als Aktivposten Normalität sind.

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Über Hollarius

Ich bin in den Siebzigern geboren, halte mich voll Hybris für einen Künstler und meine auch noch, alle müssten lesen, was ich so meine ...

Veröffentlicht am Juni 1, 2015 in Film, Kultur und mit , , getaggt. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. Hinterlasse einen Kommentar.

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