Der Fall Terry Bollea

Wer den Namen in der Überschrift nicht kennt, sollte sich nicht grämen, unter einem anderen Namen kennt den Mann fast jeder, es geht um die Wrestlinglegende Hulk Hogan, der gestern vom Wrestlingmarktführer WWE wegen rassistischer Äußerungen entlassen wurde. Er hatte sich in einem Video, das wohl nicht für die Öffentlichkeit bestimmt war, darüber ausgelassen, wie schlimm er es finden würde, wenn seine Tochter Brooke mit einem Schwarzen Sex hätte. In dem Bereich, meinte er, sei er Rassist. Soweit die Aussagen, wie der Enquirer sie gestern veröffentlicht hat. Frei übersetzt von mir.

Die WWE hat mit der ganz groben Kelle reagiert. Sie hat den Legendenvertrag aufgelöst, Bollea als Juror der Wrestling-Casting Show „Tough enough“ rausgeworfen, sämtliche Hinweise auf den Hulkster aus ihren Webseiten gelöscht – auch aus der Hall of Fame, die sich ja eigentlich mit dem wahrscheinlich bekanntesten Wrestler aller Zeiten schmückte. Das ist eine erfreulich klare Reaktion, die nicht unbedingt so zu erwarten war. Immerhin ist Hogan, auch wenn er mit seinen 61 Jahren nicht mehr in den Ring steigt, eine sogenannte Cashcow – von ihm wurde mehr Merchandise verkauft, als von manchem aktuellen Wrestler. Andererseits könnte es durchaus sein, dass ein ausgewachsener Rassismusskandal um Hogan auch auf seinen zeitweiligen Arbeitgeber abgefärbt hätte. (Hogan hatte einen Legendenvertrag, der bedeutet, dass er dafür bezahlt wurde, dass man mit seinem Namen und Gesicht arbeiten kann. Er tauchte in Computerspielen auf und war ein Gesicht der Company. Daneben wurde er auch immer wieder für Auftritte gebucht, meistens für PR-Zwecke oder um einzelne Auftritte in WWE-Shows zu absolvieren.)

Wenn die WWE – und andere Wrestlingorganisationen – jetzt daraus auch lernen würden, wäre das allerdings noch viel wichtiger. Denn das Business ist ein Spiegel der rassistischen Gesellschaft. Die schwarzen Wrestler, die den größten, der verschiedenen Titel gehalten haben, sind an einer Hand abzählbar. Beim nach Hogan bekanntesten Wrestler heute, dem inzwischen auch als Schauspieler anerkannten Dwayne „The Rock“ Johnson, wird in Wrestlingkreisen der schwarze Vater Rocky Johnson regelmäßig unter den Tisch fallen gelassen- er gilt durch seine samoanische Mutter als Samoaner.

Und ist Mitglied einer großen und legendären samoanischen Wrestlingfamilie, deren Mitglieder oft harte rassistische Klischees verkörpern musste. In den 70ern fing es mit den Wild Samoans an, die als Quasi-Kannibalen mit Knochen in der Nase auftraten. Die nächste Generation waren dann die Headshrinkers, wieder ein Team von Wilden. Diese Cousins von The Rock waren aber nur der Anfang. Bald stieg der gewaltige Yokozuna in den Ring – der als böser Japaner auftrat – wohlgemerkt, er war Amerikaner samoanischer Abstammung. Auch ein weiterer Cousin musste noch mal das wilde Tier spielen – Umaga rundet den Reigen der nationalistischen und rassistischen Klischees ab. Heute tritt ein Familienmitglied als Roman Reigns auf und ist der  Wildnisfalle entkommen, während dessen Cousins, die Uso-Zwillinge, als bunte und bemalte Spaßwrestler auftreten – die andere Seite der Samoaner, die die Usos von Vater Rikishi geerbt haben, der zuerst einer der Headshrinkers war. Warum so viel Familiengeschichte? Die Samoaner sind People of Colour, auch wenn sie meistens besser dargestellt wurden, als viele schwarze Kollegen, und sie sind ein markantes Beispiel für Rassismus im Wrestling.

Die wilden Monster, eigentlich immer Bösewichte im Wrestling – „Monsterheel“ ist der daraus geborene Begriff -, sind Tradition. Und diese Gimmicks sind eigentlich immer so dumme Stereotype, dass es aufgeklärte Menschen schmerzen muss. Und es trifft natürlich oft Menschen, deren Hautfarbe nicht weiß ist. Das wahrscheinlich schlimmste Gimmick, der afrikanische Riese Kamala, ist vielleicht zwanzig Jahre her. Aber auch zuletzt wurde ein Bulgare noch in ein Russland-Putin-Fan-Gimmick gesteckt, der viele nationalistische Sprüche seiner irgendwie heldischen Gegenspieler provozierte. Steinzeit.

Verschiedene Ausprägungen der Supremacy sind immer wieder ein Teil des Wrestlings. Klischees sind in dieser plakativen Unterhaltungsrichtung nicht unerwartet. Die WWE, und natürlich auch diverse Konkurrenten, müssen in der heutigen Zeit ankommen. Vielleicht ist der Hogan-Skandal eine Chance.

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Über Hollarius

Ich bin in den Siebzigern geboren, halte mich voll Hybris für einen Künstler und meine auch noch, alle müssten lesen, was ich so meine ...

Veröffentlicht am Juli 25, 2015 in wrestling und mit , getaggt. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. Hinterlasse einen Kommentar.

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