Archiv für den Monat August 2016

Quick – „Almans“, echt jetzt?

Ich hatte gestern ein bisschen Stress, also wenn viel Feind viel Ehr‘ bedeutet, dann habe ich gestern ein bisschen mehr Ehre eingeheimst. Wie kam das? Wer sich auf Twitter rumtreibt, hat vielleicht von der Hexenjagd auf @lottapeng mitbekommen. Lotta bekommt regelmäßig Vergewaltigungsdrohungen gegen sich, und Morddrohungen gegen ihr Kind, dass sie auf Twitter KleinPeng nennt. Unter dem Hashtag #kleinpeng tummeln sich auf Twitter Arschlöcher von der Größe Grönlands, die so ziemlich alles kommentieren, was Lotta so schreibt, und immer hasserfüllt und widerlich.

Nun ja, ich habe das hier und da am Rande wahrgenommen, und mich dazu geäußert. Und dann wurde mein Tweet ein paar mal RTet und schon hatte ich mir eine Menge Maskutrolle eingefangen. Es war einigermaßen unschön. Warum sind es die Männerrechtler, die so ein Problem mit Lotta und KleinPeng haben? Weil Lotta ihrem Kind keine Geschlechtsrolle aufzwingt und es einfach Kind sein lässt, ohne Mädchen oder Junge. Und ein Kind so aufwachsen zu lassen, dass es weder Unterdrücker noch Unterdrückte werden soll, das geht natürlich für die Vertreter des vor sich hin sterbenden Patriarchats gar nicht. (Wenn man die Augen aufhält, weiß man übrigens seit den pädagogischen Versuchen in Schweden mit dem künstlich eingeführten Personalpronomen „hen“, dass es Kindern keineswegs schadet, ihnen weniger Rolle beizubringen, ganz im Gegenteil) Die gleiche hasserfüllte Scheiße, die sich am Gamergate oder an Filmen wie Mad Max: Fury Road oder den neuen Ghostbusters entzündet, geht da also in Richtung LottaPeng ab.

Jetzt will ich mich nicht meines ritterlichen Einsatzes für Gemobbte rühmen – auch wenn das ruhig mehr Leute machen könnten, für mich war das nur ein bisschen Zivilcourage. Es gibt Gründe, warum ich mich nicht häufig in antifaschistische Demos einreihen kann, also machen wir das mit dem Antifaschismus doch ruhig mal vom PC aus, wenn es nötig wird. Was mich zu diesem kleinen Blogpost inspierierte, war das Schimpfwort, das ich und nicht nur ich abbekam, weil ich da ein bisschen beisprang: „Alman“

Jetzt war mir durchaus klar, dass das türkisch für „deutsch“ ist. Und es wurde mir von sehr deutschen Menschen an den Kopf geschleudert – und wie gesagt anderen auch, in meinen Mentions war es nur einmal, aber es machte mich stutzig. Ich ließ mich dann ein bisschen informieren – ich mein, wofür hat man Twitter? – und bekma mit, dass Alman eine Trollbezeichnung für Leute sein soll, die auf irgendwas typisch deutsch reagieren. Ich wurde also ganz offensichtlich von Alman geschimpft, ein Alman zu sein.

So, liebe Arschlöcher, wir müssen da mal was klar stellen. Wenn ich mich über Männlichkeitswahn lustig mache, dann ist das nicht alman, wenn ich Hass und Beleidigungen entgegen trete, dann ist das nicht alman. Typisch deutsch ist es, Andersdenkende zu verfolgen, klein zu machen und wenn die Gelegenheit gerade günstig ist, sie massenweise umzubringen. Also verfickt euch mit „Alman“; dass in meinem Pass „deutsch“ steht, hat mit mir sehr wenig zu tun und ist nur eine erdachte Konstruktion, die für mich nicht einen Hauch wichtig ist. Kriecht einfach in eure miefigen, spießigen Löcher zurück, aus denen ihr kommt. Und lasst doch einfach mal die LottaPeng in Ruhe, ich bin mir sicher, KleinPeng hat eine glücklichere Kindheit als jedes eurer Kinder!