Wie ein Kaninchen vor der Schlange …

… sitzen wir hier in Europa und schauen auf Trump. Und schauen auf andere Faschisten, auf Orban und Erdogan, auf Autokraten wie Putin und auf die blaugefärbten Nazis von der AfD. Und wir reden und twittern und schreiben Blogposts – ja, ich weiß. Aber was müsste denn passieren, um diese Entwicklung nicht weiter zu befeuern?

Dafür muss man halt kurz mal schauen, warum die denn alle gewählt werden, warum die so einen Zulauf haben. Und wenn man dann genau schaut, dann sind da natürlich die ganzen widerlichen Supremacy-Einstellungen, von denen wir schon immer wussten, und gegen die wir als Gesellschaft nur halbherzig vorgehen. Und das Gefühl so vieler, abgehängt zu sein, zukunftslos zu sein, die Angst vor ALG II und Sanktionen, die Angst davor, die Welt nicht mehr zu verstehen.

Trump steht dafür ein, gegen das Establishment anzutreten – und die Demokraten waren so dämlich, ihm eine Kandidatin entgegen zu stellen, die quasi die Verkörperung dieses Establishments war. Ehemalige Außenministerin, ehemalige First Lady, da kann man ja wirklich Neuerungen erwarten, oder?

Zu Recht haben gestern viele gewarnt und davon gesprochen, dass wir uns nicht zu sehr über dämliche Amerikaner lustig machen sollten, weil die Bundestagswahl im nächsten Jahr durchaus bedeuten kann, dass die AfD mit über zwanzig Prozent in den Bundestag einzieht, und wie man die Konservativen kennt, werden sie keine Skrupel haben, die AfD mit ins Boot zu holen. Und dann sitzen wir hier wieder geschockt und haben Angst und sind wieder dieses verdammte Kaninchen.

Die Verantwortung liegt jetzt bei den Parteien, um eine Wende hinzubekommen. Wir leben in einer Parteiendemokratie, die Verantwortung liegt bei den Repräsentanten – aber natürlich auch bei jedem von uns, dass wir die Parteien in ihre Hinterteile treten. Von der CxU können wir nichts erwarten. Die CSU tönt ind er gleichen Liga herum, wie die AfD, da ist kaum noch ein Unterschied zu sehen, und die CDU zeigt sich als das Establishment pur – natürlich auch mit dem einen oder anderen rassistischen Ausbruch hier und da, und absolut menschenfeindlicher Politik, wo immer es geht.

Von SPD und Grünen nichts zu erwarten, hieße aufzugeben. Das habe ich noch nicht vor. Aber wenn die sich jetzt hinter einem Kanzlerkandidaten Gabriel versammeln, der eben auch Establishment pur ist, wenn die weiter die Agenda 2010 und den Neoliberalismus feiern, dann haben wir schon verloren. Gerade diese Parteien sind es jetzt, die umdenken müssen. Die sich auf alte Ideale und neue Ideen berufen müssen, die das Risiko eingehen müssen, endlich das Ruder rumzureißen oder mit fliegenden Fahnen unterzugehen. Liebe SPD, liebe Grüne, ihr habt nur eine Alternative dazu: Das endgültige Siechtum und das Aufwachen in einem von der AfD mitregierten Land.

Und die Linke muss natürlich auch mal ihren Arsch hochbekommen. Denn die hat sich so nett in ihrer Opposition eingerichtet, dass sie der AfD auch nichts entgegensetzt. Die muss auch mal aufhören, alten Marxismus wiederzukäuen und muss ihre Ideen weiterentwickeln und an die heutige Zeit anpassen. Und natürlich auch willens sein, Verantwortung zu übernehmen und Politik zu machen. Kämpferisch und bestimmt.

Und wenn diese drei Parteien das angehen, sich mit voller Kraft und mit vollem Risiko für eine offene und gerechte Welt einsetzen. Ihren Antifaschismus endlich ernst nehmen und den Neoliberalismus dahin packen, wohin er gehört – nämlich auf den Müllhaufen der Geschichte für misslungene politische Ideen -, dann werden wir kein Trump-Land, dann werden die armseligen Würstchen von der AfD schnell zeigen, dass sie argumentativ nichts entgegen setzen können. Dafür müssen wir Mungos sein, keine Kaninchen. (ja, ihr dürft jetzt Mungos googlen.)

Über Hollarius

Ich bin in den Siebzigern geboren, halte mich voll Hybris für einen Künstler und meine auch noch, alle müssten lesen, was ich so meine ...

Veröffentlicht am November 10, 2016, in Gesellschaft, Nicht kategorisiert, Politik. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. Ein Kommentar.

  1. Hallo Hollarius,

    Deine Analyse der US Präsidentschaftswahl greift in einem Punkt völlig daneben. Leider ist es ein Punkt der das nachfolgende Verständnis bestimmt: die Wahl bestand hier nicht zwischen Linken und Rechten Kandidaten sondern zwischen Unten und Oben. Du hast zwar richtigerweise erkannt, dass Hillary die Kandidatin des Establishments war aber dann Donald Trump als Kandidaten einer vermeintlichen neuen Rechten verortet. Diese Betrachtung übersieht die Perspektiven sowohl der politischen linken in den USA als auch die der Unterschicht. Dabei war es aber gerade die Unterschicht die den Ausgang der Wahl bestimmt hat und dies ausgerechnet anhand linker Politik.

    Oft wird in der politischen Diskussion eine ‘natürliche’ Interessengemeinschaft von der politischen Linken und der gesellschaftlichen Unterschicht sowie eine ebensolche Interessengemeinschaft zwischen der politischen Rechten und der Oberschicht völlig unhinterfragt unterstellt. Dass dies ein gefährlicher Trugschluss ist zeigt die vergangenen Präsidentschaftswahl deutlich: denn gerade in den traditionell linken Bundesstaaten des sogenannten ‘Rust Belt’ hat Donald Trump den Sieg errungen. Was passiert war war die auch in Deutschland zu beobachtenden Entwicklung, dass sich der wahrnehmbare Interessenschwerpunkt linker Politik wegbewegt hat von den Interessen der Arbeiterklasse zugunsten von Partikularinteressen und globalen Geschaeftsinteressen.

    Während des Wahlkampfes hatte Hillary knapp ein Dutzend mal Reden gehalten bei den Banken der Wall Street aber kein einziges mal vor den Arbeiterfamilien der wirtschaftlich leidenden Industrieregion Wisconsin. Gleichzeitig hat sich Donald Trump vor ebendiese Arbeiterklasse gestellt und in Person vor Ort mit klassisch linken Positionen des wirtschaftlichen Protektionismus und Anti-Globalisierung gegen die Übermacht der internationalen Konzerne und der Finanzwirtschaft gewettert.

    Im Ergebnis hat man nun eine Situation in der sich eine Interessengemeinschaft gebildet hat von der etablierten Oberklasse und den Linken sowie eine Interessnsgemeinschaft von den Rechten und der Arbeiterklasse. In dieser Situation müssen zwei politische Gruppen sich jetzt neu orientieren: einerseits die linke Unterschicht die ansehen mussten wie das linke Establishment um Hillary und ihre Handlanger in dem Parteivorstand der Demokraten ihren Kandidaten Bernie Sanders hintergangen und abgesägt hatten und nun befürchten dass ihre Wählergruppen nun zwischen den Parteien gespalten werden und andererseits die etablierten Republikaner als rechte Oberschicht die im Wahlkampf Kandidaten wie Jeb Busch und Kasich unterstützt hatten und sich nun einem von der Unterschicht bestimmten Präsidenten unterstellen müssen in dem Wissen dass ihre eigene Zukunft von einer ihnen unbekannten Wählergruppe abhängen.

    Etwas sehr ähnliches geschieht in Deutschland auch. Während sich SPD und CxU in ihrem Bestreben um die ‘Mitte’ immer staerker angenähert und politisch überdeck haben haben beide ihre ehemaligen Stammwähler, das Kleinbürgertum und die Arbeiterschicht, für gegeben betrachtet und vernachlässigt. Im Ergebnis suchen sich sowohl das Kleinbürgertum als auch die Arbeiterschicht jeweils neue Fürsprecher. Beide Gruppen haben gemein dass sie sich als ‘Globalisierungsverlierer’ fühlen. Die einen vermissen die ‘starke D-Mark’ die der EU geopfert wurde und die anderen vermissen ihre Arbeitsplätze die die Globalisierung nach China verlegt hat. Die Verbindung der Interessen dieser beiden Gruppen war das Erfolgsrezept von Trump und wird das Erfolgsrezept der AfD werden.

    Das alte links-rechts denken hat ausgedient. Parteien wie die Piraten hatten ein politisches aufblitzen als sie sich “nicht links und nicht rechts sondern vorne” bezeichneten und eine pragmatische Politik gegen das Establishment versprachen. Der Konflikt ist zwischen den Globalisierungsgewinnern und den Globalisierungsverlierern. Das Problem dabei ist: dest mehr man die Globalisierungsverlierer belächelt und beschimpft desto mehr von ihnen werden es und desto mehr wandelt sich ihre Frust über die Globalisierung in Nationalismus.

    Wer also nicht wie ein Kaninchen schauen will, der sollte sich bemühen dass es eine politische Interessenvertretung sowohl für die Arbeiterschicht als auch für das Kleinbürgertum gibt die diesen Namen verdient. Beiden Gruppen ist gemein, dass sie sich mehr um Arbeitsplätze und öffentliche Sicherheit vor Ort interessiert als für eine offene gerechte Welt anderswo.

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