World of Tanks für totale Anfänger

In den letzten Wochen macht Wargaming eine Menge Werbung für World of Tanks und in leicht geringerem Maße auch für World of Warships. Mit letzterem habe ich mal irgendwann angefangen, machte auch Spaß, aber richtig hängengeblieben bin ich bei den Panzern. Wer das auch mal ausprobieren möchte, für den habe ich mal alles ganz wichtige zusammengestellt. (Disclaimer: Es geht hier wirklich um Infos für Anfänger, seid ihr schon  über Tier 4 hinaus, dann wisst ihr das alles schon.)

Worum geht es eigentlich?

Ihr setzt euch virtuell in einen Panzer, das Spiel wirft euch auf eine Karte, ein Spielfeld, auf dem ihr gegen andere Panzer kämpft. Mit WASD fahrt ihr das Kettenungeheuer, die Maus steuert die Kamera und das Fadenkreuz. Mit Linksklick feuert ihr die Kanone ab, mit dem Rechtsklick zentriert ihr die Kanone auf einen Gegner.

Mit den Zahltasten könnt ihr zwischen verschiedenen Munitionstypen wechseln oder besondere Verbrauchsmaterialien wie Feuerlöscher oder Reperaturset bedienen. Die linke Shifttaste schaltet in einen Snipermodus, das Mausrad lässt euch herein- und herauszoomen, die Leertaste ist die Bremse, R und F sind dauerhafter Vor- oder Rückwärtsgang, Tab zeigt euch die Liste der Fahrzeuge. Und das ist das ganze Spiel. Also das, was man mechanisch beherrschen muss. Relativ einfach zu lernen und schwer zu meistern – und damit ja erstmal ein Spiel, das sich anzufangen lohnt.

Seid ihr auf den Schlachtfeldern, so ist eure Aufgabe, entweder die gegnerische Basis einzunehmen oder schlicht alle Gegner auszuschalten. Später kommen Modi ins Spiel, bei denen beide Parteien eine Basis erobern wollen, oder eine Seite eine Basis über gewisse Zeit verteidigen muss. Mindestens drei Viertel aller Spiele werden dadurch entschieden, dass eine Seite vollständig ausgeschaltet wird.

Das bedeutet natürlich auch, dass es keinen Respawn gibt, man sich also nach Zerstörung des eigenen Gefährtes den Rest des Gefechtes anschauen kann, oder den Weg zurück in die Garage nehmen kann. Der zerstörte Panzer bleibt allerdings bis zum endgültigen Ende des Gefechtes als Wrack auf dem Spielfeld und kann so lange auch nicht für ein neues Spiel gewählt werden.

Ach, und bevor ich es vergesse: Es gibt friendly fire. Schießt ihr eurem Nebenpanzer in die Seite, so bekommt der den gleichen Schaden, den ein Gegner bekommen würde. Macht ihr das zu oft – denn aus Versehen passiert das wirklich jedem -, dann werdet ihr als Teamkiller markiert und könnt von vom eigenen Team genüsslich und unbestraft zerpflückt werden.

Ein Blick in die Garage:

Wer neu startet, der findet eine gar nicht so geringe Zahl an Panzern schon vor. Neun Nationen und ihre Tier 1 Panzer stehen in der Garage herum und warten darauf, dass ihr mit ihnen die Schlachtfelder unsicher macht. Die Tiers sind Technologiestufen der Panzer, die mit Erfahrung und Credits freigespielt werden müssen. Es gibt zehn solcher Tiers, und ihr müsst für Tier 10-Panzer einige tausend Gefechte gefahren sein. Die Erforschungsreihen bleiben dabei in ihren Nationen, verzweigen sich dabei manchmal recht originell und sind voll von Panzern, die zum allergrößten Teil historische Vorbilder haben, wenn auch von vielen Panzern nur mal irgendwann Prototypen gebaut wurden. Manche Abweichungen von historischen Vorbildern liegen dabei meistens an spielmechanischen Gründen.

Manche der Nationen haben übersichtliche Technologiebäume. Die Tschechen haben nur eine Linie von meistens mittleren Panzern, Japaner, Chinesen und die gerade frisch dazugekommenen Schweden haben zwei bis drei Technologieäste, mit den Franzosen und Briten kommen dann die großen Nationen ins Spiel, die über fünf T10-Panzer verfügen, die Amerikaner haben sieben, die Deutschen bald acht und die Russen jetzt schon acht. Wenn die leichten Panzer auch bis Tier 10 ausgebaut werden – was für 2017 vorgesehen ist, bekommen alle großen Nationen, außer GB, und China jeweils noch einen Panzer der 10. Stufe dazu. Kurz: Es gibt eine riesige Auswahl an Ästen, aus denen ihr euch heraussuchen könnt, welche Panzer euch am besten gefallen.

Dabei sind jetzt schon Begriffe wie mittlere und leichte Panzer gefallen, es gibt da also scheinbar große Unterschiede. Schauen wir doch mal:

Leichte Panzer / Lights

Die Lights, manchmal auch irrigerweise Scouts genannt, sind oft die schnellsten und, wie der Name schon sagt, leichtesten Panzer. Am Anfang sind fast alle Panzer leichte Panzer, aber ab Tier vier bis fünf, dann, wenn das richtige Spiel beginnt, werden die Lights zu diesen speziellen Panzern, mit denen ihr scoutet, also für andere Panzer mit weniger Sichtweite die gegnerischen Panzer aufdeckt, mit denen ihr selbst flankiert oder aus dem Hinterhalt schießt, oder mit denen ihr die gegnerischen Panzer umfahrt, um hinter den gegnerischen Linien für Verwirrung zu sorgen. Das Lightfahren gilt für viele als Königsdisziplin für WoT, denn ihr fahrt quasi ohne Panzerung und vielen Strukturpunkten immer relativ weit vorne herum, müsst euch ganz auf Geschwindigkeit und Tarnung verlassen, und darauf, dass ihr früher seht, als ihr gesehen werdet.

Mittlere Panzer / Meds

Die Meds haben drei hauptsächliche Spielstile. Es gibt recht schnelle Mediums, die sich fast wie Lights spielen, die über keine nennenswerte Panzerung verfügen und oft dabei sind, wenn gegnerische Panzer im Rudel zusammengeschossen werden. Dann langsamere Unterstützungsmediums, die als Absicherung anderen Mediums oder auch den schweren Panzern hinterherfahren, und mit ihren oft sehr präzisen Kanonen über längere Entfernungen für Schaden sorgen. Und als letztes die Kampfpanzer, die mit ordentlicher Panzerung eher wie flotte Heavys gefahren werden, und die sich oft mitten ins Getümmel werfen.

Schwere Panzer / Heavys

Hier findet man die größten und schwersten Panzer, und auch die größten und schwersten Frontplatten, die es Gegnern schwer machen, überhaupt für Schaden zu sorgen. Aber langsam und schwer und mit unverschämt großen Kanonen, das ist nur die eine Seite der Heavys, die andere sind deutlich geschwindere Panzer, teilweise nur mit gut gepanzertem Turm, die sich im Gelände zu Hause fühlen, während die superschweren Panzer eigentlich nur auf Stadtkarten wirklich Spaß machen. Einige Heavys spielen sich auch eher wie größere Unterstützungsmediums, weil sie nicht viel Panzerung mitbringen, und eher in der zweiten als der ersten Reihe zu spielen sind.

Jagdpanzer /TDs

Der klassische Jagdpanzer ist eine große Kanone, die nur nach vorne ausgerichtet ist und keinen Turm besitzt. Mit dem TD sitzt ihr dann irgendwo in einem Gebüsch und hofft, dass die Gegner so freundlich sind, euch vor die überdimensionierte Flinte zu laufen. Aber ganz so einfach ist das nicht. Es gibt schwer gepanzerte TDs, die wie Heavys eingesetzt werden, es gibt supermobile TDs, die sogar eher Lights als Mediums ähneln, TDs gefühlt aus Papier, die nur irgendwo ganz im Hintergrund lauern können. Es gibt hier einige der größten, wie der kleinsten Panzer des Spiels. Und so unterschiedlich ist dann eben auch das Spiel.

Selbstfahrlafette / Arty

Alles Gute kommt von oben? Wie man es nimmt. Denn in WoT ist es nicht die Kavallerie, die kommt und das Spiel verändert, sondern die Artillerie. Artys sind Panzer, die in hohem Bogen oftmals über die gesamt Karte feuern. Dafür haben sie meistens keine Panzerung und sind langsam, und sie schießen nur sehr selten, weil sie gefühlt minutenlang nachladen. Aber sie haben auch die allergrößten Kaliber im Spiel, wenn sie treffen, ist das oft für ihre Gegner spielbeendend – und weil wir im Internet sind, wo es ja normal ist, anderen Krebs an den Hals zu wünschen, sind es natürlich die Artyspieler, die meistgehasst sind. Und meistbepöbelt, und gern auch mal an Wargaming gemeldet werden, weil sie manchmal treffen. Jo, aber das kennt man ja. Artys gehören zum Spiel dazu.

Community

Wo wir gerade dabei sind. Ja, die Community ist nicht unproblematisch. Einerseits gibt es das gleiche Problem, wie mit LoL, Heroes of the Storm und vielen anderen MMOs – es ist recht toxisch. Andererseits kommt bei historisch korrekten Panzern noch ein recht widerliches Problem dazu. Natürlich ist WoT anziehend für Militaristen und Nazis. Spieler und Clans tragen manchmal wenig subtile Namen, und gar nicht so selten schimpfen Spieler über die „ganzen Juden“, wahlweise im eigenen oder im Gegnerteam. WoT hat eine Funktion zum Melden solcher Spieler, allerdings ohne die Möglichkeit, genau zu beschreiben, warum man es für sinnvoll hält, diesen Spieler aus dem Spiel zu entfernen. Notfalls – also in schweren Fällen – kann man auch mal ein Ticket schreiben.

Matchmaking

Einer der Gründe, warum man öfter mit toxischen Spielern zu tun hat, ist das Matchmaking, dass sich nur, und wirklich nur an der Tier-Stufe eures Panzers und nicht an eurer Spielstärke orientiert. Es gibt also keine Elo, die dafür sorgt, dass Noobs unter sich spielen und die Könner nur auf Könner schießen. Deswegen werden schlechte Spieler oft als Noobs, Bots oder sonstwie beleidigt – ja, man könnte denen auch sagen, was sie machen sollen, aber das wäre wohl viel zu einfach. Natürlich wird das Spiel auf höheren Tiers besser, weil niemand ohne jede Erfahrung mit einem T8-Panzer unterwegs ist. Es sei denn, es ist ein Premium. Und damit wären wir bei einem neuen Stichwort:

Das Bezahlsystem

World of Tanks ist Free2Play. Also prinzipiell. Wenn ihr extrem viel Zeit habt, könnt ihr alles, ja wirklich alles in WoT ohne Einsatz von Geld erreichen. Man kann allerdings auch sehr gut sehr viel Geld in dieses Spiel investieren.

Es gibt drei Arten von Währung in diesem Spiel, Erfahrungssternchen und Credits erfahrt ihr euch, Gold gibt es nur gegen Echtgeld. Es gibt Dinge, die es nur gegen Gold gibt. Zum Beispiel neue Garagenplätze – und die braucht ihr, wenn ihr mehr als einen Panzer pro Nation fahren wollt. Und wenn ihr gewisse Module in euer Fahrzeug einbaut, dann könnt ihr die meistens nur mit Gold wieder ausbauen und wiederverwenden.

Natürlich könnt ihr mit Gold auch Credits kaufen und Erfahrung, die ihr auf Panzern erfahren habt, auf denen ihr nichts mehr erforschen könnt, könnt ihr per Gold in freie Erfahrung umwandeln und auf anderen Panzern nutzen. Ach ja, Module und Verbrauchsdinge wie besonders gute Munition und automatische Feuerlöscher kann man für viele Credits kaufen – oder natürlich für Gold.

Neben Gold könnt ihr euer Geld auch noch in zwei weitere Dinge investieren, die das Spiel einfacher machen. Das eine ist das Premiumkonto. Mit dem bekommt ihr immer fünfzig Prozent Erfahrung und Credits extra, bei jedem Gefecht. Das andere sind Premiumfahrzeuge. Bringt ihr genug Kohle mit, könnt ihr, ohne auch nur ein Gefecht gefahren zu sein, gleich in Panzer bis zum Tier 8 einsteigen, und loslegen. (Das ist keine besonders gute Idee, denn auf hohem Tier ohne Erfahrung seid ihr im Wortsinne nur Kanonenfutter.) Premiumfahrzeuge brauchen keine Erfahrungspunkte und können deswegen genutzt werden, um Mannschaften besser auszubilden oder um Erfahrung zu bunkern, die dann in freie Erfahrung umgewandelt wird – das mit der Mannschaftsausbildung erklär ich auch noch, aber in einem anderen Blogpost, der hier ist schon viel zu lang. Vor allem bringen Premiumfahrzeuge aber zusätzliche Credits pro Gefecht, und von denen könnt ihr kaum genug haben.

Wargaming schenkt euch immer mal wieder Premiumfahrzeuge niedriger Stufen (zum Beispiel zu Weihnachten), ähnliche Vehikel höherer Stufen kann man sich durch Kampagnen erfahren und auch immer mal wieder durch besondere Aufträge, die meistens irgendwo zwischen schwer erfüllbar und sehr zeitintensiv liegen. Mit solchen Fahrzeugen bekommt ihr auch deren Garagenstellplatz – weshalb die kleinen T2-Geschenke eigentlich immer verkauft werden – und auch sonst könnt ihr euch vieles, was ihr für Gold und Credits kaufen könnt, in ständigen oder besonderen Aktionen erspielen.

Also kurz und gut, ja, ihr könnt umsonst spielen. Aber ich zum Beispiel spiele sehr ungern ohne Premiumkonto und bin auch ganz froh, dass ich ein paar Premiumfahrzeuge habe. Aber davon solltet ihr euch nicht abschrecken lassen. WoT lohnt mit viel Spielspaß, einer ordentlichen Komplexität, ohne völlig zur Wissenschaft zu mutieren.

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Über Hollarius

Ich bin in den Siebzigern geboren, halte mich voll Hybris für einen Künstler und meine auch noch, alle müssten lesen, was ich so meine ...

Veröffentlicht am Dezember 30, 2016 in Computerspiele, Nicht kategorisiert und mit , , getaggt. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. Hinterlasse einen Kommentar.

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