Archiv für den Monat Oktober 2017

#wennGuteswenigerwird II

Da es schon einige Zeit her ist, dass ich über meine Abnahme gebloggt habe, sind es inzwischen auch schon ein paar Kilo mehr, die weg sind, heute Morgen waren es 22,9.

Am Ende der Zeit, in der ich das erste Mal über das Thema gebloggt habe, kam der erste Hammer. Zweieinhalb Wochen Plateau, keine Abnahme in Sicht. Ich habe den Sport erhöht, habe so weiter gegessen, wie zuvor, und es passierte nichts. Ein Phänomen, das glücklicherweise verbreitet ist und das man überall beschrieben sieht. Tun kann man daran nichts. Einfach weitermachen und winken, mehr ist nicht drin. Die Gründe für Plateaus sind vielfältig, Aber man muss gar keine Muskeln aufbauen oder sich viele Inkonsequenzen leisten, um solche Phasen zu haben. Wie mein Doc sagte, der Körper ist bei so einer massiven Abnahme stark damit beschäftigt, Hormone zu ändern und sich anzupassen, da kann vieles passieren.

Es gibt jede Menge Tipps im Internet, wie man aus den Plateau-Phasen wieder rauskommt. Sie sind ungefähr so hilfreich wie die Medikamente, mit denen Erkältungen nur eine Woche dauern, und wenn man sie nicht nimmt, sieben Tage. Der Körper nimmt sich diese Phasen, und man kann nur konsequent weitermachen, dann hören sie auch irgendwann auf. Ich habe es dann irgendwann mit dem Brecheisen versucht, habe zwei Tage lang mindestens eine Mahlzeit ausfallen lassen und mir auch sonst total auf die Finger geklopft, und plötzlich purzelten die Pfunde wieder. Ob die Ernährungsmaßnahme damit direkt zu tun hat, keine Ahnung. Seitdem sind knapp sieben Kilo weg und ich esse nicht anders, als während des Plateaus.

Recht schräg finde ich im Moment, dass es Menschen gibt, die mir sagen, dass ich sie irgendwie anrege, mehr Sport zu machen. Freunde, mit denen ich ein bis zweimal die Woche deren Hund ausführe, meinen, dass sie ohne mich weniger lang mit dem Hund gehen würden, ein Bekannter hat mich gefragt, ob wir uns mal zusammensetzen könnten, um über das Abnehmen zu sprechen, andere Freunde, bei denen ich momentan zweimal die Woche vorbeischaue, weil sie einen Folterkeller haben – ich dort also ein wenig Krafttraining machen kann – fühlen sich angesteckt und wir planen gemeinsame Walking-Runden. Wenn ich jetzt Menschen dazu inspiriere, mehr Sport zu machen oder abzunehmen, dann klingt das irgendwie paradox, ist aber auch irgendwie witzig.

Ich werde immer wieder darauf angesprochen, wie ich es schaffe, die ganze Sache durchzuhalten. Werde für meinen Enthusiasmus gelobt. Ganz ehrlich, ich wünschte mir, ich würde diesen Enthusiasmus auch öfter mal spüren. Ich erzähle schon jedem, den ich treffe, dass ich jetzt knapp 23 Kilo abgenommen habe – das beeindruckt so ziemlich jeden, ist cool. Warum erzähle ich es jedem? Weil ich von überall Zuspruch holen muss. Weil ich so oft keine Lust mehr habe. Weil mein Durchhaltevermögen eigentlich schon seit zwei Monaten aufgebraucht ist.

Ich zehre schon lange nicht mehr von dem Enthusiasmus des Anfangs, von meinem Durchhaltevermögen, und selbst die Erfolge – die nicht zu leugnen sind – oder der Zuspruch von allen Seiten kann mich wirklich durch die vielen blöden Momente bringen. Und es gibt wirklich viele. (Hey, ich bin zuckersüchtig, und es ist recht kompliziert, den Suchtstoff ganz zu vermeiden.) Das einzige, was mich wirklich dran bleiben lässt, ist eine Entscheidung. Die Entscheidung zu leben. Ich kann nicht aufhören, bevor ich fünfzig Kilo abgenommen habe, ich sollte nicht aufhören, bevor ich mindestens 65 Kilo abgenommen habe – und selbst dann werde ich noch als übergewichtig gelten. Wollte ich gut ins Normalgewicht kommen, müsste ich mein Anfangsgewicht glatt halbieren. Daran bin ich nicht interessiert. Wenn ich es schaffe, unter die Adipositas-Schwelle zu kommen, dann wäre ich schon mehr als zufrieden und von mir selbst überrascht.

Warum will ich nicht normalgewichtig werden, oder vielleicht sogar idealgewichtig? Weil es nicht zu meinem Selbstbild passt, weil es nicht zu meiner Persönlichkeit passt. Dann eher möglichst viel Gewicht in Muskeln umbauen, zu spargelig möchte ich gar nicht werden. Mir geht es darum, gesünder zu werden. Aber die Gesundheit muss auch mit Zufriedenheit zusammen kommen. Ein Leben mit dauerhaft 1500 Kalorien pro Tag, das ist eher nicht spannend, auch nicht so richtig glücksverheißend, zumindest für mich. Ich mag mich heute nicht, an Tagen, an denen es nur 1500 Kalorien sind, ich möchte so nicht mein ganzes Leben essen. Askese interessiert mich nicht.

23,1 kg Abnahme

Ich bin auf einem kleinen Plateau gefangen, aber das war eigentlich klar. Immer, wenn man den Sport intensiviert, bleibt die Abnahme erstmal stehen. Warum? Wegen Muskelaufbau und zusätzlichem Wassereinlagern der Muskeln. Nebenbei ist es im Moment auch noch recht warm, auch das bringt ja zusätzliche Wassereinlagerung. Wenn ich also im Moment nicht vorwärts komme, so ist das kein Zufall.

Ja, warum denn jetzt auch noch Krafttraining? Reicht denn das Nordic Walking nicht mehr? Naja, es ist einerseits einfach die Einseitigkeit des Nordic Walkings, die ich auffangen will, und andererseits hat Ausdauersport ja eh den Nachteil, dass er Muskeln eher wegtrainiert. Also spiele ich ein bisschen mit Gewichten herum. Und ja, das ist schon recht anstrengend, aber auch spannend. Beim ersten Mal gab es natürlich brutale Muskelkatzenangriffe. Aber inzwischen komme ich einigermaßen klar. Es war ja auch gar nicht anders zu erwarten. Wenn Muskeln angesprochen werden, die man sonst kaum mal nutzt, dann führt das auch zu Schmerzen. Und es ist schön, wenn es zwischendurch mal Übungen gibt, die einem dann doch gar nicht so viel ausmachen.

Abnahme 25,1 kg

Jawohl, das Minimalziel für dieses Jahr ist erreicht, nach 134 Tagen ist es erreicht. (Dabei ist das noch nicht mal der genaue Wert, es sind 134 Tage seit dem Wiegen im Krankenhaus, von dem ich aus rechne, meine Ernährung habe ich allerdings erst etwa zehn Tage später umgestellt. Es dauerte aber danach noch ein paar Tage, bis ich eine Waage hatte, die mich aushält.)

Als ich das Minimalziel für dieses Jahr auf 25 Kilogramm setzte, hörte sich das für mich extrem ehrgeizig an. Klar kann man innerhalb weniger Wochen mal zehn Kilo abnehmen, aber das ist was anderes, als konstant und gesund größere Mengen abzunehmen. 25 Kilogramm waren als Zahl einfach recht massiv. Andererseits habe ich von Anfang an gesagt, wenn es mehr wird, umso besser.

Wie geht es jetzt weiter? Naja, fast genauso wie bisher. Allerdings mit ein wenig gelockerter Diätdisziplin. Groß will ich gar nichts ändern, hier und da eine Ausnahme mehr, aber dann ist es auch gut. Aber ich muss mich im nächsten Semester etwas mehr um mein Fernstudium kümmern, und wenn es geht, ein bisschen aufholen, was ich dieses Semester so alles nicht geschafft habe. Das kann ich nicht mit dem bisherigen Kaloriendefizit. Außerdem ist mir klar, dass ich die bisherige Sportdichte nicht halten kann. Da wird schlicht das Wetter vor sein.

Hab heute meine Statistik des letzten Monats in einen Tweet gepackt:“ Statistik August: 158km, 40h Sport, 4000 Höhenmeter, 24000 Kalorien. Abnahme (1.8.-3.9.) 6,9 kg, Gesamtabnahme 25,1 kg #wennGuteswenigerwird“ Wenn ich in den Herbst- und Wintermonaten so 100 bis 120 Kilometer schaffe, dazu noch zweimal die Woche Krafttraining einlege, dann wäre ich damit auch zufrieden. 40 Stunden Sport sind eine ziemliche Menge, diese Stunden fehlen halt auch häufig bei anderen Dingen. Auch die fast sieben Kilo in einem Monat, die ich im August geschafft habe, sind ein schönes Ergebnis, aber nichts, was ich jetzt auf Teufel komm raus auch in den nächsten Monaten jedes Mal schaffen muss.

Und hier ist der Weg natürlich nicht besonders breit. Ein paar mehr Ausnahmen, etwas weniger Sport, wie weit ist der Weg zur Stagnation? Wie weit zu Rückschritten? Gar zum Rückfallen in alte Muster? Aber ich hoffe einfach, dass so lange ich das reflektiere, das nicht unbedingt zu einem Problem wird. Bisher konnte ich kleine Ausfälle immer wieder kompensieren, beziehungsweise zur Disziplin zurückkehren.

Zum ersten Mal seit vermutlich vielen Jahren unter drei Zentner schwer …

Wieder so ein kleiner Triumph, und er nächste steht schon vor der Tür, ein Kilo weiter und ich habe 15 Prozent meines Ausgangsgewichtes abgenommen. Einerseits wird man natürlich ein bisschen süchtig nach diesen kleinen Triumphen, so ähnlich wie beim Krafttraining, wo man sich auch freut, dass heute fünf Kilo mehr gehen, als letzte Woche noch. Aber wie schon wahrscheinlich mehrfach gesagt, man muss sich ja auch seine Motivationen überall zusammenkratzen, wo man sie findet. Im Prinzip befinde ich mich in einer inzwischen 120tägigen Trainingsphase. Es wird einem mit der Zeit doch was lang …

Ein paar Wochen später, 28,6 kg Abnahme bisher.

Der September ist nun vorbei, und er war nicht so erquicklich, was die Fortschritte angeht. Gerade mal dreieihalb Kilo mehr abgenommen, das ist nach dem sehr erfolgreichen August natürlich eher so meh. Andererseits sagen mir Menschen, wie sehr ich mich verändert habe, mein Hausarzt fängt fast an zu tanzen, wenn ich ihm mein neues Gewicht nenne. Und ich bräuchte die nächsten Tage mal wieder ein neues Loch im Gürtel, ich habe mich daran gewöhnt, dass ich die Lochzange zumindest alle zwei Wochen hervorkramen muss.

Noch mal an das von oben angeknüpft: Mir wird gesagt, es sei bewunderungswürdig, was ich mache. Ich halte das für Unsinn. Das geht in eine ähnliche Ecke wie „Wie mutig sie ihr Leben angehen“ an jemanden im Rollstuhl, die Rückfrage ist doch immer: „Wie denn sonst?“ Ja, klar, ich kann auf Zeit spielen, ich kann auf mein Glück hoffen, ich kann auch sagen, wenn ich in nem Jahr morgens nicht mehr aufwache ist mir das egal. Isses aber nicht, also versuche ich das Problem zu lösen. Weil es eben nicht anders geht. Weil die Alternative eben gefährlich für mein Leben wäre.

Das heißt natürlich nicht, dass ich verurteilen will, wer in einer ähnlichen Situation anders entscheidet. Wir alle haben unterschiedlich viel Wille zu leben, wir alle haben unterschiedlich viel Kraft – und glaubt mir, meine ist so oft nicht mehr da und ich mach nur weiter, weil ich echt stur sein kann – wir alle haben unterschiedliche Arten mit Risiko umzugehen. Abgesehen davon – für manche stellt sich die Frage nicht, die sind auch bei hohem Übergewicht ziemlich gesund, und nicht zuletzt: Niemand hat das Recht, anderen vorzuschreiben, wie sie ihren Körper fördern oder schädigen. Ich halte es für verrückt und gesundheitlich sehr schädigend, siebzig und mehr Stunden pro Woche zu arbeiten, und ich schädige meinen Körper weder mit Alkohol noch mit Nikotin, aber wer solche Dinge tun will, darf das gerne tun, hier entlang geht es zur Kreuzigung, jeder nur sein Kreuz.

Noch eine Kleinigkeit: Ich habe inzwischen annähernd meine gesamte Kleidung der Größe 5XL aussortiert. Wenn jemand was davon braucht, ich hätte da jede Menge Shirts und Hemden, einige Cardigans. Es ist echt seltsam, diesen Punkt zu erreichen. Aber die Sachen, die zum größten Teil vor fünf Monaten eng an meinem Körper anlagen, sind mir inzwischen grotesk zu groß. Ich kann fast wieder in normalen Abteilungen Klamotten kaufen, Hosen gehen schon, bei Shirts und Jacken brauche ich noch 3XL, was es meistens nur in den Übergrößenabteilungen gibt. Außerdem werde ich diesen Winter einige Pullover tragen, die schon seit mindestens zehn Jahren aus der Mode sind … ich schmeiße selten was weg.

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