Kurzer Rant: Wir schauen auf die falsche Seite!

Könnte sein, dass ich gerade in Rantlaune gerate, aber manchmal muss das auch. Also, der Auslöser.: Ein Journalist einer großen Zeitung hat anderthalb Jahre lang einen Faschisten begleitet und mit ihm gesoffen und daraus ein fühliges Portrait gemacht. Das tat wohl Not.

Rantanfang

Ich habe es nicht gelesen. Ich weigere mich einfach. Ich kann es nicht mehr ab. Ich kotze jedes Mal, wenn einer von diesen Faschos bei Illner oder Plasberg auf der Couch sitzt, ich sehe es nicht mehr ein, dass wir immer auf die falsche Seite schauen.

Mensch könnte ja auch einfach mal eine alleinerziehende Frau mit behindertem Kind, die von Hartz 4 lebt, weil es nun mal nicht anders geht, anderthalb Jahre lang begleiten. Genug zu schrieben gibt das bestimmt für ein ganzes Jahr. Oder Menschen begleiten, die in unserer Gesellschaft an jeder Ecke aushelfen und gegen den ganzen menschenfeindlichen Wahnsinn, der von AfD und Konsorten beschworen wird, arbeiten, kämpfen und leiden.

Ja, aber wir machen ja auch Reportagen über Greta! Der Einwand wird kommen, aber das ist mir egal. Wenn Menschen wie Greta Thunberg porträtiert werden, sind die Medien nur darauf aus, ihre Fehler zu sehen – von denen sie, da menschlich, sicherlich welche hat. Aber bei Faschisten sieht man erstmal supergroßzügig über deren größten Fehler hinweg – nämlich dass sie menschenfeindliche Arschlöcher sind.Ihre Vorgänger, ja, unsere Vorfahren, haben Millionen Menschen vergast. Ich habe am Samstag noch in Esther Bejarano eine der letzten Überlebenden gesehen, die noch davon berichten kann. Wie muss sich diese alte Dame, die mit 94 noch auf der Bühne steht, um gegen Nazis aufzuklären und immer wieder ihre Geschichte zu erzählen, fühlen, wenn eine große Zeitung davon schreibt, wie es ist, mit einem Typen zu saufen, dessen Denken wieder nach Auschwitz führt?

Wir schauen einfach lieber auf die Täter als auf die Opfer, ich mein, ist klar, schließlich sind wir ja das Tätervolk, ist scheinbar bei uns so drin. Jeden Sonntag Tatort, schauen, wie es nur um die Täter geht. Und in History geht es um Hitlers Helfer, natürlich immer mit ein bisschen faszinierter Abscheu, nie um Hitlers Opfer oder Hilters Gegner. Hitlers Gegner, also Antifaschisten, sind in diesem Land halt Nestbeschmutzer und immer ein bisschen suspekt, richtig?

Opfer sind uns halt egal. Ist so ein Traditionsding, vermute ich mal. In dieser Gesellschaft sind wir einfach traditionell scheiße.

Rantende.

Über Hollarius

Ich bin in den Siebzigern geboren, halte mich voll Hybris für einen Künstler und meine auch noch, alle müssten lesen, was ich so meine ...

Veröffentlicht am April 1, 2019, in Nicht kategorisiert. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. Hinterlasse einen Kommentar.

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