Eine Ode dem Allohol? – Der Rausch – Keine Rezension

Spoilerwarnung! Wenn du nicht wissen willst, was passiert, dann schau den Film halt erst!

Es gab eine Menge Lobeshymnen für diesen dänischen Film , der seinen deutschen Titel so bekommen hat, um in einer Reihe mit „Das Fest“ und „Die Jagd“ zu stehen. Klingt schmissig. Und deutlich kompromissloser als der englische Titel „Another Round“ – der Originaltitel „Druk“ meint wohl so was wie einen Alkoholexzess, Komasaufen, Druckbetankung, und ist damit noch kompromissloser.

Worum geht es? Um Lehrer, gleich vier Stück, die alle eher unzufrieden mit sich und ihrem Leben sind und ein Experiment machen. Sie werden bei der Arbeit trinken, schön einen Pegel von 0,5 Promille halten und schauen, was passiert. Und yay, sie unterrichten besser und das Unheil nimmt seinen Lauf.

Der Rausch ist ein wirklich guter Film, keine Frage. Die Schauspielenden machen ihre Sache alle gut, es gibt einige sehr witzige und einige sehr tragische Momente, und einen überbordenden Schluss, der so mitreißend ist, wie man das selten sieht. Der Rausch funktioniert, berührt und lässt einen Nachdenken. Ich habe gehört, dann kann ein Film ja nicht so schlecht sein. Merkt man mir ein Aber an? Nun gut:

Aber er kratzt dann letztlich doch nur an einer Oberfläche. Ich hörte aus mehreren Quellen, es ginge hauptsächlich darum, dass das Lehrerschicksal jeden Tag die eigene Sterblichkeit vorgeführt zu bekommen, weil man selbst altert und die Menschen da vor einem nie altern und immer so jung und schön und so weiter sind. Ja, ist total tragisch. Und so belastend. Muss man doch trinken, oder? Ich verstehe das Argument nicht. Und ich bin in der gleichen Situation, meine Schüler*innen werden auch nie älter. Und ich trinke nicht. (Vielleicht bin ich allerdings als Abstinenzler auch insgesamt der falsche Rezipient?)

Thomas Vinterberg wollte mit dem Film auch eine Kritik an den Trinkgewohnheiten seiner Landleute üben. Was ihm manchmal auch gelingt, also, bis auf den Schluss, wo dann doch alles wieder gut im Suff zu ertragen ist? Ist der Kastenlauf, ein Spektakel bei dem Mannschaften beim Lauf um einen See einen Bierkasten leeren müssen, jetzt ein Problem? Das Rauschexperiment fordert anderthalb Beziehungen und ein Menschenleben, so als kleines Seitenproblem. Und trotzdem gibt es kein Lernen, kein Nachdenken und einen hübschen ausgelassenen Tanz von Mikkelsen am Ende. Yay?

Ich kann nachvollziehen, dass Unterricht mit leichtem Alkoholeinfluss leichter fällt. Man weniger Hemmungen hat, man weniger auf seine Fassade achtet und sich auf guten Unterricht konzentrieren kann. Nun ja, der Hemmungslöser bringt einen aber auch um, könnte das vielleicht mit in die Rechnung integriert werden? Ach ja, und er macht süchtig. Schade.

Natürlich muss Vinterberg dafür keine Lösung anbieten, es ist absolut ausreichend, dass er Dinge aufzeigt. Und das macht er ja. Und niemand möchte doch einen Film mit einer altmodischen Moral, oder?

Ich hätte eine neumodische Moral cool gefunden. So Menschen, die miteinander reden, einander Mut machen, eine neue Schulkultur etablieren, in der man menschlich und respektvoll miteinander umgeht. Das hätte mir Spaß gemacht. Aber vielleicht sollte ich einfach mal was trinken, soll entspannen …

Über Hollarius

Ich bin in den Siebzigern geboren, halte mich voll Hybris für einen Künstler und meine auch noch, alle müssten lesen, was ich so meine ...

Veröffentlicht am August 15, 2021, in Nicht kategorisiert. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. Hinterlasse einen Kommentar.

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