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So etwas wie Freiheit II: Die Freiheit, glücklich zu sein

Ich bin die Tage über einen Artikel gestolpert, in dem es um die Sachen geht, die Menschen sagen, die kurz vor ihrem Verlöschen stehen. Und einer ihrer größten Fehler sei es, so der Artikel, dass sie zu wenig darauf geachtet haben, glücklich zu sein. Das finde ich einerseits eine voraussehbare Antwort, aber vor allem finde ich das recht deprimierend.
Menschen bereuen, dass sie sich nicht um ihr Glück gekümmert haben – dabei ist das doch für die meisten Menschen immer das größte Ziel, oder? Warum funktioniert es trotzdem nicht? Hatte die Menschheit denn nicht schon irgendwann mal gewusst, dass Glück wichtig ist? Dass Menschen auch ein Anrecht auf Glück haben? Wussten das die östlichen Religionen nicht schon vor verdammt langer Zeit? Hat nicht der alte Epikur schon vor fast zweieinhalbtausend Jahren gewusst, dass man die höchste Lust (das Glück) erreichen soll, den Zustand frei von Sorgen und Schmerzen? Dass das ein verdammt brauchbares Lebensziel ist?
Nach Epikur kam viel Barbarei, keine Frage, und heute, wo wir uns doch so fortgeschritten wähnen – auch wenn Fortschritt heute nichts mehr ist, was hoch geschätzt wird, das war vor dreißig Jahren noch anders, der eine oder andere mag sich erinnern -, ist die Weisheit des Epikur immer noch nicht auch nur ein wenig in die Köpfe der Menschen verankert.
Es gibt dafür sehr viele Gründe. Aber keinen, der heute noch wichtig wäre. Natürlich können nicht alle Menschen ohne Schmerzen sein, da sind oft Krankheiten im Weg, auch wenn man sicherlich mehr Menschen auf der ganzen Welt helfen könnte, als das bisher passiert. Aber frei von Sorgen? Das ist einerseits sehr stark eine selbstgemachte Problematik. Viele Menschen hätten viel weniger Sorgen, wenn sie manches weniger ernst nähmen, wenn sie sich weniger ernst nähmen – so was könnte man lernen, steht aber aus irgendeinem Grund, den ich nicht kenne, nicht auf dem Lehrplan.
Die Frage der Sorgen, die man sich macht, ist aber auch eine Frage der Werte, die in einer Gesellschaft wichtig sind. Es werden Idealbilder in unseren Medien, unseren Köpfen verankert – und entspricht man denen nicht, dann machen sich viel zu viele Menschen viel zu viele Sorgen. Und das fördert in möglichst vielen Menschen – denn ich habe nicht das Gefühl, dass das nicht auch so in der Gesellschaft gewünscht ist – ein geringes Selbstvertrauen. Auch so eine Sache. Warum machen wir uns eigentlich diesen bescheuerten Stress einer Wettbewerbsgesellschaft? Bringt uns das irgendwas? Oder genauer, bringt das der Mehrheit etwas? Nein, ein paar Menschen kommen damit klar, ein paar Menschen nützt es, und die große Mehrheit verliert. Warum nicht mal eine ernsthafte Solidargemeinschaft angehen? Wäre das nicht mal eine gute Alternative?
Es gibt auch noch andere Sorgen, es gibt welche, die durch Krankheit kommen, oder durch schlimme Ereignisse, und die kann man natürlich nie ausschließen. Aber es gibt noch viel mehr Sorgen, die menschengemacht sind. Sorgen, die durch so läppische Ideen wie Ehre, Image oder durch schlicht unsinnige Errungenschaften, wie sinnlose Bürokratie, fehlendes Geld oder Diskriminierung, die durchaus häufiger vorkommt, als das nötig wäre.
Wenn wir uns endlich darauf konzentrieren, möglichst viel Glück für alle Menschen zum Ziel der Menschheit zu machen, dann wäre das eine Revolution, die das Gesicht der Welt wirklich verändern würde.

Quick – Realpolitik / Kompromiss / Opposition

Jetzt, wo Sommerloch herrscht, kann man sich ja ruhig mal grundsätzliche Fragen stellen. Abgesehen davon sind unsere Abgeordneten hier in NRW, sofern sie nicht im verdienten Urlaub sind, recht tätig und man merkt, wie sie etwas werden, nämlich Realpolitiker.
Und das ist es im Prinzip auch, was wir von unseren Politikern immer fordern. Es geht ja darum, über Parteigrenzen hinweg um gute Anträge zu streiten, gegen Schlechtes vorzugehen, Gutes zu unterstützen, und das mit Verbindung zur oft feindseligen Basis. Das ist alles nicht so leicht.
Durch die gute Einbindung der Abgeordneten in die Parteistrukturen vermischen sich dabei natürlich häufig Parteiarbeit und Abgeordnetenarbeit, und natürlich haben die MdLs, obwohl sie vor ein paar Monaten noch exakt das gleiche wie wir waren, nämlich einfache Basispiraten, nun einen höheren Stellenwert in mancher Diskussion.
Bei aller Hochachtung vor den 20Piraten, die wir ja völlig zu Recht gewählt haben, und deren Arbeit ich schätze, sehe ich die Gefahr, dass sich da Probleme auftun. Partei und Fraktion haben nämlich nicht nur unterschiedliche Voraussetzungen und wir müssen nicht nur die Finanzierungen stark getrennt halten, wir müssen da auch in der politischen Arbeit verschiedene Aufgaben erfüllen.
Während die Fraktion an ganz konkreten Problemen arbeitet, Anfragen stellt, Gesetzesentwürfe erarbeitet und sich durch Akten wühlt, ist es der Job der Partei, an ihrem Grundsatzprogramm zu arbeiten und sich in Diskussionen zu positionieren – die Sache mit der Meinungsbildung. Will heißen, wo die Fraktion alle fragt, sich informiert und diese Informationen gerne mit der Partei teilt – ich bitte da zumindest drum – kümmert sich die Partei um größeren Zusammenhänge, diskutiert und streitet, und muss in der Außenwirkung auch mal klare Kante zeigen. Die Partei muss auch mal der böse Cop sein, die Abgeordneten dürfen gerne die netten Cops sein, so lange es nützt. Die Partei muss sich aus dem Fenster lehnen dürfen – so lange die Basis das will, ist klar – Realpolitik ist gut und schön, und wenn man sie auch erklären kann, dann ist das wirklich schön. Aber man muss auch mal auf Schlagzeilen aus sein, bis zu einem gewissen Punkt ist sogar Polemik ein wirkstarkes Mittel der politischen Hausapotheke. Und eine klare Positionierung, damit Wähler wissen, für was wir so stehen, auch die ist eine tolle Sache.

So etwas wie Freiheit I: Freunde und Familie

Die Überschrift leitet wahrscheinlich fehl, was Besseres habe ich aber noch nicht gefunden. Worum geht es? Vor vielen Jahren, Jahrhunderten, ja, Jahrtausenden hatte der Familienverband großen Wert für die Menschen. Hier war die Struktur, die gemeinsam arbeitete und lebte, Kinder aufzog und sich vermutlich auch erbittert stritt – Familien sind halt so.

Auch heute noch sind familiäre Bindungen oft sehr stark, und viele sind auch heute noch bereit, sich für die Familie aufzuopfern und man sichert sich gegenseitig ab – aber trotzdem hat die Welt sich weitergedreht. Der Familienbegriff ist heute anders. Und oft inkludiert er Menschen, zu denen keinerlei Blutsverwandtschaft besteht. Auch diese Vorstellung, dass es nur als möglichst heterosexuelles Paar möglich ist, eine Familie zu gründen, hat sicherlich mal einen Sinn gehabt, aber hat sich das in einer aufgeklärten Welt nicht irgendwann auch mal überlebt?

Viele Menschen leben anders. Patchwork ist heute eben nicht nur eine Strickdecke sondern auch oftmals Familienrealität. Und außer ein paar spießigen Nachbarn interessiert das zu Recht nicht mehr viele Menschen. Es hat auch niemanden zu interessieren, denn das ist eine Entscheidung, die zwischen Menschen fällt, und nur die geht es etwas an.

Aber es gibt rechtlich Probleme. Was, wenn ich im Krankenhaus liege, so Intensivstation, mein Bruder darf mich besuchen, der beste Freund aber nicht? Was, wenn die selbstgewählte Familie sich über den Zustand erkundigen will? Was ist mit Erb- und Steuerrecht? Und verdammt noch mal, wenn Menschen, egal wie viele und welches Geschlecht, (Adoptiv-)Kindern ein neues zu Hause geben wollen? Warum fragt man dann nach einem heterosexuellen Paar und nicht nach der Eignung der Familie?

Wir brauchen eine einfache Art, Familien gründen zu dürfen. Wenn Menschen sich als Familie betrachten, über alle Grenzen weg gedacht, dann sollten sie auch das Recht haben, zu einem Standesamt zu gehen, und sich dort als Familie mit allen Rechten und Pflichten zusammenzuschließen. Wir müssen als Staat nicht darüber spekulieren, was in den Schlafzimmern abgeht, wir müssen auch nicht darüber richten, ob das denn alles irgendeiner überkommenen Moral entspricht. Wir müssen es Menschen ermöglichen, so zu leben, wie sie es wollen, denn dadurch wird niemandem geschadet.

„Meine Tochter soll nicht sehen, wie sie Feuer in den Mund nehmen!“

Jetzt mag mancher sich wundern, wie eine solche Überschrift zustande kommt, aber es ist erklärbar. Am Mittwoch besuchte ich meine Nichte im Krankenhaus, und wenn man so etwas über einen Großteil des Tages macht, dann wird man auch mitgeschleppt, wenn ein Clown in die Kinderklinik kommt. Der entpuppte sich als eine Allroundnummer aus Jonglage, Zauberei, Modellierballongeknete und ein paar harmloser Fakirnummern.

Und damit wäre das Zauberwort ja schon gefallen. Der nette Mensch ging über ein paar Scherben und fing dann an, ein bisschen mit Feuer herumzuspielen, Heiß-Epillieren der Unterarme, solche Sachen, und wollte dann auch Feuer schlucken. Ein bisschen Nervosität war aufgekommen, aber die war nicht bei den Kindern, die war beim Pflegepersonal, das gespannt auf das Auslösen des Rauchmelders wartete.  Das kam aber nicht, sondern ein heldenhafter Vater rettete sein Kind aus dem Publikum. Sein Töchterlein, so sieben oder acht Jahre alt, schätze ich, und durchaus sehr aufgeweckt – ich hatte die beiden vorher schon mal kurz mitbekommen – durfte nicht zusehen, wie sich ein Feuerschlucker Feuer in den Mund steckt. Dafür musste der Vater den Clown erst mal in einer Feuernummer lautstark anmachen – was dann wirklich eine Gefahr ist, denn bei feuernummern will NIEMAND unterbrochen werden – und dann seine Tochter, die ihren Vater mit einem fast resignierenden Blick ansah, vom Ort des Spektakels wegzerren.

Dass der Clown frustriert die Feuerspielerei sofort beendete, erklärt sich von selbst. Etwas fahrig ging er zu den Modellierballons über, und man durfte schon ein bisschen Mitleid mit der weggezogenen Tochter haben, die den Rest des Tages zusehen durfte, wie andere Kinder mit Tierchen, Blumen oder Säbeln über die Flure stolzierten.

Ich war übrigens ganz kurz davor, dem Vater eine Szene zu machen. Erstens, weil ich natürlich ein Herz für den Auftrittskünstler hatte. Verdammt, so eine Show vor kranken Kindern ist echt keine einfache Sache. Jede Feuernummer ist eine Sache, bei der man konzentriert sein muss, und für so einen Auftritt dieses stieseligen Vaters hätte der Clown auf jeden Fall dringend Schmerzensgeld verdient. Und zweitens, was erlaubt sich dieser Idiot eigentlich? Sein Kind um eine kleine zauberhafte Szene zu bringen? Seine Tochter um das Staunen zu bringen, das Prickeln, das mit Illusion und Feuer unmittelbar verbunden ist.

Ich frage mich an so einer Stelle gerne, was wohl die Motivation ist? Will der Typ seine Tochter wirklich beschützen? Wenn ja, wovor? Dass sie das nachmacht? Hm, die Kleine wirkte nicht für zwei Cents dumm. Ich habe auch noch nie davon gehört, dass das irgendwer nachmachen will … und wenn ein Kind es doch versucht, der Versuch wird einige Zentimeter vor dem Mund stoppen, denn es ist heiß! Das spürt kind auch …

Für mich ist diese dämliche Szene einfach ein Beispiel dafür, wie unsinnig wir heute mit dem Nachwuchs umgehen.  Kinder bekommen kaum noch Möglichkeiten, mit ihren Gefühlen umzugehen, weil ja immer die Eltern da sind, die ihnen alle Gefühl abnehmen. Aber sie müssen als Kinder lernen, was gefährlich ist, was spannend ist, wo man die Luft anhält und auch was Frustration und Langeweile ist.

Am gleichen Nachmittag fragte meine Nichte erstaunt, wieso ich mit einem dämlichen Plastikpaddle einen Flummi in der Luft halten kann … weil ich mich einige hundert Mal nach einem Tischtennisball gebückt habe, weil man durch den Frust durch muss, damit man was lernt. Wenn wir unseren Kindern alle Schwierigkeiten abnehmen, werden sie mit ihren zukünftigen Schwierigkeiten nicht umgehen können. Und wenn wir ihnen Faszination und Rätsel geben können, wenn wir ein Leuchten in ihren Augen sehen, dann sollten wir uns davor nicht fürchten, sondern uns mit ihnen freuen und aus sicherer Entfernung zuschauen – und wenn es sich dann verbrennt, dann sind wir ja da und trösten, ist doch auch okay, oder?

Phantasmorghul – ein Projektblog

Seit ein paar Wochen habe ich nun einen kleinen Zweitblog am Start, man findet ihn unter  dem wenig aussprechlichen Namen Phantasmorghul (siehe nebenstehenden Link, irgendwo rechts 😉 ) und mit meinem üblichen Geltungsdrang habe ich Künstlerblog dazu geschrieben.

Ursprünglich stand da „Fotoblog“, weil ich ein Konzept verfolgt habe, dass mit vielen abseitigen Fotos zu tun hatte. Das ist auch noch nicht vergessen, die ersten Veröffentlichungen gibt es ja auch schon, aber ich habe gemerkt, dass ich auch andere Sachen machen kann.

Wie kommt es zu all dem? Nun, ich kann im Moment nicht arbeiten, weshalb das so ist findet man auch in diesem Blog, mag also als bekannt voraus gesetzt werden. Da die Situation schmerzhaft und deprimierend ist, und ich in den letzten Monaten mehr dunkle Gefühle hatte, als sonst in Jahren, hatte ich das Gefühl mehr machen zu müssen. Intellektuelle Arbeit ist schön und gut, aber das Emotional-Künstlerische ist das, was mich im Moment bei geistiger Gesundheit hält.

Nun arbeite ich also Sachen auf, interessanterweise meistens Sachen, die schon lange vergangen sind. Aber das kenne ich auch von früher, das, was einem gerade erst passiert ist, ist noch unantastbar, dafür kommen andere Sachen hoch, teilweise arbeite ich auch mit alten Ansätzen und Gedichten, speziell bei den Hörstücken. Die „Jubiläumsrede“ basiert lose auf einem nie veröffentlichten Liedtext namens „Der Amtmann“, „Erinnerung“ ist eine Umkehrung eines Gedichtes, das ich mal für eine längst verflossene Liebe geschrieben habe.  Es macht Spaß, mir da selbst Rollen zuzuschreiben, es tut gut, in Abgründe zu schauen, von der eigenen Lage weg zu spinnen – denn gegrübelt habe ich die letzten Monate genug.

Ich habe mich ein bisschen in das Programm Audacity verliebt, mit dem man lustige Verzerrungen und mehrspurige Sachen machen kann – zum ersten Mal seit langer Zeit habe ich selbst mal wieder beim Spielen richtig Spaß – auch wenn ich immer ein bisschen zu viel mache. Overacting ist halt so ein altes Leiden von mir.

Ansonsten gibt es Gedichte, Haikus und eben Fotos. Für letztere suche ich übrigens Leute, die da Spaß dran haben mitzumachen. Wie auch bei den Texten geht es mir um die etwas abseitigen Ideen, kleine Inszenierungen, schwarzen Humor, böse Fotos.

Und ein vorsichtiger Disclaimer, es wird nur Kunstblut gezeigt, kein echtes, es werden nur künstliche Emotionen in Worte und Töne gegossen, es musste niemand drunter leiden – außer vielleicht meinem ersten Leser 😉 … und Danke, Ben.