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Autobattler – Eine Einführung

Dota Auto Chess, Dota Underlords, Auto Chess, League of Legends TFT (TTK): In ziemlich kurzer Zeit ist da ein neues Genre von Multiplayerspielen aufgekommen, dass Millionen Spieler auf der ganzen Welt fasziniert.

Die Geschichte:

Wie einst Dota selbst – und daraus resultierend das Mobagenre – entstanden die Autobattler als Mods auf Basis von anderen Spielen. Den Durchbruch hatte die Mod Auto Chess eines chinesischen Entwicklers namens Drodo. Auf einmal spielte jeder Mensch im Internet Auto Chess, egal ob sie eigentlich Streamer für Lol, Hearthstone oder sonstwas waren.

Drodo entwickelte parallel ein Spiel fürs Handy, das im Moment schon absolut spielbar ist, entwickelt eine eigenständige PC-Variante, die sich an den vorher verwendeten Dota-Helden orientiert, sie aber anders nennt – klar, Dota hat da nicht einfach die Rechte an ihren Figuren abgegeben.

Währenddessen hat Valve, das Studio von Dota 2 eine eigene Version geschaffen, die Dota Underlords heißt, vom Dota2 Client unabhängig ist und bei Steam einfach runtergeladen werden kann – alle Versionen sind im Moment free 2 play.

Und wie sich einst das viel erfolgreichere League of Legends aus Dota herausentwickelte, hat Riot sich auch bei den Autobattlern eingemischt und mit TFT (Team Fight Tactics) eine eigene Version geschaffen, die im Moment nochmal deutlich mehr abgeht, als das vorher mit den Dota-Varianten schon passierte. TFT ist im LoL-Client beheimatet und hat den wochenlang quasi lahmgelegt, weil der Andrang auf TFT wirklich wahnsinnig war. Es wird gefühlt auch nicht weniger.

Wie funktionieren Autobattler?

Ich führe hier erst mal auf, was alle Spiele gemeinsam haben. Autobattler sind rundenbasiert, erinnern hierin an manche Towerdefense-Varianten. Und gerade in den ersten Runden ist die Ähnlichkeit groß. In Runde 1 kann ich eine Einheit aufstellen, in Runde 2 zwei und in Runde 3 drei – das ist ja einfach. Vorher muss ich sie kaufen (das ist bei der ersten Einheit in TFT etwas anders, aber dazu später), und das mache ich mit Mana/Gold. In den ersten drei Runden treten meine Einheiten gegen Creeps, also Einheiten des Computers an, auch danach gibt es in Runde 10 und von da aus jeder fünften Runde eine, in der mein Team gegen Creeps antreten muss. In den Creeprunden lassen diese manchmal Gegenstände fallen, die ich meinen Einheiten mitgeben kann, manche davon kann man kombinieren – bei TFT sogar alle.

Die Einheiten sind übrigens bei Auto Chess Dota Helden, bei TFT entsprechend LoL-Champions – keine Sorge, nicht alle, sondern eine ausgewählte Zahl. Ich kaufe jede Runde Einheiten aus einem Pool von fünf, die ich jede Runde neu angeboten bekomme. Ich kann auch zum gleichen Preis diese Einheiten wieder verkaufen. Es tut also prinzipiell nicht weh, ein paar Einheiten mehr zu kaufen, ich mache da keinen Verlust – allerdings habe ich auch nur eine beschränkte Anzahl an Plätzen auf der Ersatzbank. Und ich kann so viele Einheiten auf das Feld stellen, die der Höhe meines Levels entspricht. Geld/Mana kann ich übrigens auch ausgeben, um meinen Level künstlich zu erhöhen, oder um meine Auswahl an angebotenen Einheiten zu erneuern. Und beim Geld muss ich auch noch darauf achten, dass ich je volle zehn Gold/Mana, die ich habe, pro Runde ein Gold/Mana extra bekomme – allerdings nur höchstens fünf, mehr als fünfzig Gold/Mana anzuhäufen, macht also keinen Sinn. Oh, fast vergessen, Habe ich eine Siegesserie, oder aber – siehe da! – eine Niederlagenserie, so bekomme ich pro Runde Extrakohle. Ja, das Geldmanagement ist in den Autobattlern ein eigenen Post wert.

Zurück zum Spielablauf: In den normalen Runden treten meine Einheiten gegen die von einem der sieben Gegenspieler an. Hoffentlich hauen sie alle platt, denn sonst bekommt meine Spielfigur auf die Omme. Im Original ist das ein Dota-Kurier, bei TFT sind es die kleinen Legenden, also quasi Kuscheltiere, mit denen ich fröhlich über die Karte laufen kann – aber außer, dass ich damit Gegenstände aufnehme, sind sie eher Dekoration. Anfangs hat die Spielfigur hundert Lebenspunkte. Und jedes Mal, wenn das eigene Team verliert, wird abhängig davon, wie viele Gegner noch stehen, dieses Punktekonto geschröpft.

Die Einheiten gibt es zu verschiedenen Kosten. Die preiswertesten kosten ein Mana oder Gold, die teuersten fünf. Und ja, die machen auch jeweils mehr Aua und halten mehr aus. Aber ganz so geradlinig ist es nicht. Habe ich nämlich von einer Einheit drei Stück, so kann ich sie kombinieren, aus den Ein-Stern-Einheiten werden so Zwei-Sterne-Einheiten, die deutlich stärker sind. Eine Zwei-Sterne-Einheit die zum Preissegment von einem Gold gehört, ist ähnlich stark, wie eine Ein-Stern-Einheit, die vier Gold kostet. Hat man drei Zwei-Sterne-Einheiten, können auch die wieder zu einer dann Drei-Sterne-Einheit gemerged werden. Und sind dann geradezu absurd stark. Und natürlich sind Zwei-Sterne-Einheiten von beispielsweise 4-Gold-Einheiten wesentlich stärker als die, deren Grundeinheiten nur ein oder zwei Gold kosten.

Jede Einheit hat zwei Eigenschaften und eine Fertigkeit. Die erste Eigenschaft ist ihre Abstammung, wo gehört sie hin. Im Original erinnern die stark daran, dass ja Dota 2 auch von Warcraft abstammt. Da gibt es Trolle, Menschen, Elfen, sogar Drachen. Bei TFT sind es dann eben Yordles, Dämonen, Nobles und so weiter. Jede Abstammung hat eine Kombowirkung. Habe ich genug Elfen oder Yordles, neigen die dazu, sehr vielen einfachen Angriffen zu auszuweichen. Oder spiele ich bei Auto Chess einige verschiedene Menscheneinheiten, so haben sie eine ordentliche Chance darauf, gegnerische Einheiten zu entwaffnen. Bei TFT nehmen Drachen keinerlei magischen Schaden, wenn ich beide möglichen Drachen im Spiel habe. Und so weiter. Jede Abstammung bringt Effekte, die bei einer gewissen Zahl an verschiedenen Einheiten dieser Art ins Spiel kommen.

Dazu kommt die zweite Eigenschaft, die Klasse der Einheit. Diese Klassen erinnern bei Auto Chess auch wieder an selige WoW-Zeiten, springen dort doch Jäger, Hexer und Druiden herum. Bei TFT gibt es im Prinzip sehr ähnliche Klassen, die hier auch meistens nur ein bisschen andere Namen haben. Hier gibt es zum Beispiel Revolverhelden und Gestaltwandler. Auch hier gilt, wie bei der Abstammung, dass zum Beispiel zwei beziehungsweise vier verschiedene Ranger in der Kombination gewisse Boni bekommen, bei anderen Klassen können es auch mal drei verschiedene von einer Klasse sein, die ich brauche, um diese Boni zu bekommen.

Und jetzt noch die Fähigkeiten. Jede Spielfigur macht mit automatischen Attacken Schaden, die sie aus verschiedenen Entfernungen anbringt, dadurch wird Mana aufgebaut, und hat sie genug Mana zusammen, löst sie eine Fähigkeit aus, die dann irgendwas macht. Meistens in irgendeiner Weise Schaden oder CC – also Crowd control – Gegner werden gestunnt oder in die Luft geworfen. Diese Fähigkeiten sind dann natürlich auch noch mal kombinierbar und so langsam könnte man darauf kommen, dass die Auto Battler eine Eigenschaft haben, die für ein gutes Spiel grundlegend wichtig ist: Einfach zu lernen und schwer zu meistern. Denn es gibt eine ganze Menge Konzepte, die dazu führen, dass das Spiel mehr oder weniger häufig gewonnen wird. Hierzu werde ich in weiteren Blogposts ein bisschen was erklären.

Was sind die Unterschiede und wieso spielen jetzt alle TFT?

Fangen wir mit den beiden Auto Chess Spielen an, die mit Dota zu tun haben. Der Mod und das Drodo-Auto Chess sind das Original. Ich spiele hin und wieder noch das Handyspiel von Drodo, am PC gibt es für mich nur noch TFT. Aber das Drodo-Spiel hat ja durchaus auch viel Charme. Der Unterschied zwischen Auto Chess und Dota Underlords besteht bis auf ein paar wenige verschiedene Einheiten nur im Gegenstandsmanagement. Während in Auto Chess die Gegenstände sehr zufällig fallen, bekomme ich in jeder Creeprunde in Underlords nicht nur einen Gegenstand, ich kann ihn sogar aus drei Gegenständen selbst aussuchen. Eigentlich eine hervorragende Idee – trotzdem setzt sich Underlords vermutlich nicht durch. Es ist so nahe am Original, sieht nichts besonders gut aus und ist bei den Gegenständen auch nicht total logisch.

Gerade an dieser Stelle macht TFT alles besser. Selbst wenn die Gegenstände zufällig fallen und Runden, in denen es statt Gegenständen nur ein paar läppische Münzen gibt, mich natürlich höchst unglücklich machen. Aber die Gegenstände sind einfach in ihrer Art so großartig, dass die originaleren Spiele einfach ins Hintertreffen geraten müssen. Es gibt exakt acht verschiedene Grundgegenstände, und man kann sie mit jedem anderen Grundgegenstand kombinieren – wir kommen hier also nach kurzer Rechnung auf 36 verschiedene kombinierte Gegenstände, die alle verschiedene Wirkungen haben. Das ist absolut einfach und eine solche Menge an Kombinationen, dass es dem Spiel eine wahnsinnige Tiefe gibt. Schließlich kann man auch noch bis zu drei Gegenstände auf einer Einheit versammeln.

Die weitere Verbesserung ist die immer wiederkehrende Karussellrunde, in der ich mir mithilfe meiner Spielfigur eine Einheit schnappen kann, die mir mitsamt einem Gegenstand geschenkt wird. Und ich darf erst los, wenn andere Spieler, deren Spielfiguren schon weniger Lebenspunkte als ich haben, an der Reihe waren. Sehr gute Idee, um ein weiteres Element ins Spiel zu kommen, mit dem ich, wenn ich nicht so gut stehe, ins Spiel zurückkommen kann.

Der letzte Punkt ist natürlich, dass TFT im Universum von LoL eingebunden ist, dem bekanntesten und meistgespieltesten Moba-Spiel, dass den E-Sport der letzten Jahre absolut dominiert hat. Millionen von Spielern kennen sich hier aus, haben den Client auf dem PC und können in ihrem „Zuhause“ einen Autobattler spielen.

Ich habe prinzipiell vor, aus diesem Post eine kleine Reihe zu machen, in der ich einige Spielkonzepte und so weiter vorstelle – das wird sich dann aber nur noch auf TFT beziehen – die Spiele sind relativ lang, ich habe keine Zeit, um bei den anderen Spielen so richtig auf dem Laufenden zu bleiben.

Ach so, letzte Bemerkung: Die Autobattler machen süchtig. Sie kombinieren Taktik mit Zufall auf eine ähnliche Weise, wie das Hearthstone oder Magic machen,aber ich muss nicht erst Karten sammeln, ich habe von Anfang an die gleichen Chancen wie ein Gegner, der schon viele Stunden gespielt hat. Und ich spiele nicht gegen einen Gegner, sondern in jedem Spiel gegen sieben. Dass macht die wahrscheinlichkeit, schlimm zu verlieren deutlich geringer. Werde ich fünfter, habe ich zwar verloren, aber immerhin gab es drei, die früher als ich draußen waren – ein großer psychologischer Vorteil. Ach ja, es gibt auch wenig Micromanagment, mit dem ich, als nicht mehr 15jähriger, gegenüber schnelleren Spielern in größerem Nachteil gegenüber stehen würde. Also nochmal: Vorsicht, macht süchtig.

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Kurzer Rant: Wir schauen auf die falsche Seite!

Könnte sein, dass ich gerade in Rantlaune gerate, aber manchmal muss das auch. Also, der Auslöser.: Ein Journalist einer großen Zeitung hat anderthalb Jahre lang einen Faschisten begleitet und mit ihm gesoffen und daraus ein fühliges Portrait gemacht. Das tat wohl Not.

Rantanfang

Ich habe es nicht gelesen. Ich weigere mich einfach. Ich kann es nicht mehr ab. Ich kotze jedes Mal, wenn einer von diesen Faschos bei Illner oder Plasberg auf der Couch sitzt, ich sehe es nicht mehr ein, dass wir immer auf die falsche Seite schauen.

Mensch könnte ja auch einfach mal eine alleinerziehende Frau mit behindertem Kind, die von Hartz 4 lebt, weil es nun mal nicht anders geht, anderthalb Jahre lang begleiten. Genug zu schrieben gibt das bestimmt für ein ganzes Jahr. Oder Menschen begleiten, die in unserer Gesellschaft an jeder Ecke aushelfen und gegen den ganzen menschenfeindlichen Wahnsinn, der von AfD und Konsorten beschworen wird, arbeiten, kämpfen und leiden.

Ja, aber wir machen ja auch Reportagen über Greta! Der Einwand wird kommen, aber das ist mir egal. Wenn Menschen wie Greta Thunberg porträtiert werden, sind die Medien nur darauf aus, ihre Fehler zu sehen – von denen sie, da menschlich, sicherlich welche hat. Aber bei Faschisten sieht man erstmal supergroßzügig über deren größten Fehler hinweg – nämlich dass sie menschenfeindliche Arschlöcher sind.Ihre Vorgänger, ja, unsere Vorfahren, haben Millionen Menschen vergast. Ich habe am Samstag noch in Esther Bejarano eine der letzten Überlebenden gesehen, die noch davon berichten kann. Wie muss sich diese alte Dame, die mit 94 noch auf der Bühne steht, um gegen Nazis aufzuklären und immer wieder ihre Geschichte zu erzählen, fühlen, wenn eine große Zeitung davon schreibt, wie es ist, mit einem Typen zu saufen, dessen Denken wieder nach Auschwitz führt?

Wir schauen einfach lieber auf die Täter als auf die Opfer, ich mein, ist klar, schließlich sind wir ja das Tätervolk, ist scheinbar bei uns so drin. Jeden Sonntag Tatort, schauen, wie es nur um die Täter geht. Und in History geht es um Hitlers Helfer, natürlich immer mit ein bisschen faszinierter Abscheu, nie um Hitlers Opfer oder Hilters Gegner. Hitlers Gegner, also Antifaschisten, sind in diesem Land halt Nestbeschmutzer und immer ein bisschen suspekt, richtig?

Opfer sind uns halt egal. Ist so ein Traditionsding, vermute ich mal. In dieser Gesellschaft sind wir einfach traditionell scheiße.

Rantende.

Fantasy und das Dritte Reich

Es passiert immer mal wieder, dass die Urban Fantasy, die in der heutigen Zeit spielt und dementsprechend auch unsere Geschichte in ihre Universen integrieren muss, auch das Dritte Reich samt Hitler und Shoah und dem Zweiten Weltkrieg thematisiert. In der bekanntesten Fantasyreihe aller Zeiten ist es Grindelwald, der von Albus Dumbledore ausgerechnet 1945 besiegt wurde – womit mehr oder weniger klar eine Verbindung eines Schwarzmagiers zu den Nazis geschaffen wird.

Noch deutlicher macht es die Fernsehserie Grimm, die ich momentan so ein bisschen binge. (ja, ich weiß, eher guilty pleasure als wirklich gut). Hier gibt es in der ersten Staffel eine Folge, in denen es um drei magische Münzen geht, die auch noch ein Hakenkreuz auf einer Seite zeigen. In den letzten Bildern der Folge sieht Grimm Hitler mit genau diesen bösen Münzen, die offenbar aus Menschen, oder noch genauer, aus Wesen, machtgierige Wahnsinnige machen. Und ganz kurz sieht man auch, dass Hitler selbst ein Blutbader war – eine Art Werwolf.

Mich fragt ja keiner, aber wenn ich Redakteur dieser Folge gewesen wäre, hätte ich dringend abgeraten. Mit Geschichte in solcher Art überhaupt herumzuspielen ist nicht ungefährlich, aber gerade bei Hitler finde ich es sehr problematisch. Hier steckt die Idee hinter, dass Nazis eine besonders fiese Art von Menschen ist, die in ihrer Zeit quasi gewaltsam die Macht an sich brachten und die Menschen zu den Verbrechen verführten, die einzigartig in der Geschichte stehen.

Und genau das ist halt wirklich Unsinn. Hitler war kein übernatürliches Monster, er war ein Mensch mit monströsen Ansichten und Ideen, und diese wurden von Millionen geteilt und ausgeführt. Alles keine übersinnlichen Monster, sondern unsere Vorfahren, die willentlich aus den gleichen Ideen heraus, aus denen gestern in Neuseeland ein Nazimörder 49 Menschen in Christchurch erschoss, Millionen Menschen erschossen und vergast haben. Nein, das waren keine Blutbader – auch wenn sich solche Wesen, wenn es sie gäbe, in Nazideutschland sicher sauwohl gefühlt hätten.

Es ist, wie es so oft mit dem Dritten Reich ist, man kann dieses Thema nicht einfach mal so bewegen, nicht einfach so zu Unterhaltung machen – es ist viel zu einfach Nazis zu verharmlosen, und wenn es auf dieser Welt eine Ideenwelt gibt, die wir nie verharmlosen sollten, dann die der Nazis.

Von Therapeuten und Kampagnen …

Es war einmal ein Therapeut, oder besser, ein junger Mann, der sich einen Twitteraccount klickte und ihn „@deinTherapeut“ nannte. Bisschen große Fresse vielleicht, aber ich kenne Twitteraccounts, die vorgeben, sie wären Dr.s oder Prinzessinnen, also alles wie immer. Irgendwann folgte ich dem jungen Mann, denn er neigt dazu, immer mal wieder Fragen zu stellen, die zum Reflektieren einladen. Ich find Reflektieren ziemlich supi und mag es, wenn mich Menschen dazu einladen. Außerdem gibt es ein paar meist jüngere Menschen, denen ich folge, die mit Norman – ich habe keinen Bock, jedes Mal vom Therapeuten zu schreiben, also nutzen wir den Vornamen doch einfach, ist so gut wie jeder andere – hin und wieder interagierten.

Ansonsten verfolgte ich den Account auch nicht weiter. Klar, ich las irgendwann von der Geschichte mit seinem Vater – wer hat die nicht gelesen – und wie gesagt, ich beachtete das nicht weiter. Immer wieder stolperte ich aber auch über Accounts, die gegen Norman diverse Dinge vorbrachten, und da ist ja auch teilweise was dran. Da ist offenbar ein junger Mann, der eine narzisstische Ader hat. Gerne sehr hübsche Fotos von sich ins Internet stellt – er ist aber auch ein hübscher Kerl, oder? Als Hete kann man sowas ja nicht soo gut einschätzen, aber … egal btt. – gerne über sich und seine Gefühle und Probleme und so weiter spricht. Hier und da mit ein paar guten Einsichten, öfter auch eher so kalenderspruchmäßig, aber gut, wenn du richtig viel raushauen willst, ist auch manches Füllmaterial.

Es gab auch immer wieder das Argument, dass Norman ja doch ein Scharlatan sei, da er sich als Therapeuten bezeichnete und seinen Discordserver „Gruppentherapie“ nannte. Aber ich folgte ihm ja, und wenn man ihm folgt, bekommt man ja auch immer mal mit, dass er nie behauptet, ein echter Therapeut zu sein, Menschen auch immer wieder dazu auffordert, sich professionelle Hilfe zu suchen, solche Dinge. Klar, wenn man die Sache nur von außen betrachtet, mag das alles wichtiger klingen, als es ist, aber mir kam das bisher nie als problematisch vor.

Einen gewissen moralischen Pluspunkt bekam Norman dann, als ich sah, wie Sifftwitter und irgendwelche rechten Arschlöcher immer wieder verbal auf ihn losgingen. Ein junger homosexueller Mann, der sich bemüht, junge Menschen zu empowern, das ist für die Reaktion natürlich ein echtes Problem. Aber die Kampagne der Rechten wird sich ja sicherlich nicht in meine Blase fortsetzen, so dachte ich … und jetzt stehe ich da …

Grob gesehen teilt sich meine TL nämlich in Menschen unter 30 auf, die Norman eher positiv gegenüberstehen, und denen über 30, die plötzlich mit großer Vehemenz gegen ihn schießen. Das bringt mich natürlich ins Grübeln, ich bin deutlich ü30, ich weiß also, wo ich mich hin zu orientieren habe, aber ich mag mir durchaus auch selbst ein Bild machen.

Erstens kam heraus, dass Norman ein Buch über die Geschichte mit seinem wohnungslosen Dad schreibt. Das wird ihm natürlich als gierig und so weiter ausgelegt. Du darfst nämlich in Deutschland nicht einfach so Geld mit deiner Geschichte oder so verdienen, du musst dich ganz normal lohnarbeitsmäßig prostituieren, wie wir das alle machen. Ja, jeder würde sich überlegen, ob er das Buch nicht schreiben würde, aber wir haben diese Chance ja alle nicht und sind nicht mehr relativ mittellose 25 und deswegen würden wir das ja niemals tun. Habe solche Argumente schon mehrfach vorher gehört, ich war schließlich mal bei Piratens.

Okay, schauen wir mal weiter. Dann kam ein Account, gestern entstanden, wo jemand behauptete, dass der Vater nix von einem Buch wüsste und seinem Sohn verbieten wollte, Fotos von ihm zu veröffentlichen. Um die Sache zu belegen tat dieser Account erstmal was? Richtig, er veröffentlichte Bilder von Normans Vater. Was mich irritierte. Mich irritierte auch, dass dieser völlig neue Account gleich mit harten Bemerkungen einstieg, gar nicht mit Fragen oder irgendwas einstieg, sondern mit Forderungen. Gut, wenn ich jetzt Normans Vater getroffen hätte, und der mir erzählt hätte, dass er mit der Gesamtsituation unzufrieden ist, und ob ich helfen könnte, dass sein Sohn ihn nicht für irgendwas ausnutzt, dann hätte ich mir sicherlich nicht einen neuen Twitteraccount gemacht und auch die Öffentlichkeit gesucht, um den Vater noch mal vorzuführen, ich hätte versucht, Norman selbst zu erreichen und wenn das nicht geholfen hätte, wäre ich mit dem Mann entweder zu einem Anwalt oder, um es dann auch richtig zu machen, zur Presse. So ein halbgarer Angriff auf Twitter klingt für mich hart nach Kampagne. Schon eine, bei der sich jemand eine gewisse Mühe macht, aber immer noch Kampagne.

Dann wurde behauptet, dass Norman wieder in Frankfurt wohnen würde und auch sonst alles erlogen sei, weil jemand die Autoreninfo bei seinem Verlag erfolgreich gefunden hatte. Aber in einer Info für ein Buch, das erst in einem halben Jahr erscheint, ist die Info natürlich auch so geschrieben, dass sie für das Veröffentlichungsdatum gilt. Also so würde ich das machen, wenn ich der veröffentlichende Verlag wäre, so kenne ich das auch von Verlagsinfos, aber für ein bisschen Aufregung auf Twitter reicht es, oder?

Und dann kamen Behauptungen über den Discordserver, der quasi im nächsten Moment verschwand. Da wurden jede Menge schlimmer Dinge verbreitet, ein erwachsener Mod namens „Daddy“, vermutlich ein Pädosexueller, der da auf Raubzug geht – bis mehrere Menschen aus der Community übereinstimmend sagten, der ist Supporter, kein Mod, und außerdem 16 Jahre alt, und heißt so, weil es sich durch einen Gag so entwickelt hat. Jo, ich wurde auch mal „Frog“ genannt, und ich bin noch nie ein Frosch gewesen, sowas gibt es. Und dann gäbe es da Nacktbilder von jugendlichen Usern. Jo, wenn du in einigen Gamerforen gewesen bist, dann weißt du ja schon mal, dass es in jeder Community, die einen gewissen Anteil an jungen Menschen hat, Nacktbilder gibt. Die Community meldete zurück, dass die Regeln eigene Bilder untersagten und da der übliche Tumblr-Kram gepostet wurde. Jo, Internet ist halt für Porn, ist ja jetzt nix essentiell Neues, oder?

Aber natürlich macht das Verschwinden des Discordservers die ganze Sache verdächtig.

I get it, ein solcher Server, auf dem sich ständig junge Menschen treffen, die oftmals gewisse psychische Probleme haben, ist ein zweischneidiges Schwert. Die Triggergefahr ist groß, noch gefährlicher ist es, dass da skrupellose Menschen reingehen und junge Menschen knallhart für Dinge ausnutzen, und die Community das nicht verhindern kann. Und natürlich gibt es eine Menge Menschen, die davon ausgehen, dass Norman diese Community genau dafür aufgebaut hat, und hey, ich habe mal ein Stück über Charles Manson geschrieben, es ist echt hart, was Menschen tun können, wenn sie andere von sich erstmal abhängig gemacht haben. Ich bin aber auch jemand mit einem positiven Menschenbild und ich geh erstmal nicht davon aus, dass Norman ein zweiter Charles Manson ist. Ja, so ein Server kann gefährlich sein, aber auch einer dieser Freiräume, wie ihn Menschen brauchen. Eine Community, in der man auf einander aufpasst, in der junge Menschen, die sonst nirgends Verständnis finden, plötzlich bei anderen mit ähnlichen Problemen nun doch mal Verständnis finden, klingt für mich nach einer guten Sache.

Wäre das nicht besser, wenn da jemand drauf aufpassen würde, der sich damit auskennt? Keine Ahnung, ich bin nur Pädagoge, kein Psychologe. Aber ich kenn die Geschichten, die mir Menschen erzählen, die mit Anorexie in Therapie waren. Die davon erzählen, wie gut Gruppen funktionieren, die von vorne bis hinten kontrolliert werden und die froh sind, wenn sie ihre Probleme trotz der Therapie überlebt haben. Ich glaube nicht an Kontrolle, ich glaube an Vertrauen. Ich weiß, dass ich da einer unpopulären pädagogischen Richtung angehöre, wir sind schließlich in einem von Preußen geprägten Deutschland, aber ich glaube an Vertrauen.

Ich sehe aber die Gefahr, dass wir älteren hier in sehr alte Denkfallen reintappen. Ist auch ein erstaunlich antifeministischer Zug feministischer Politik, wenn ich das mal so unverschämt erwähnen darf: Wir haben nämlich ein „Weißer Ritter“-Syndrom. Wo immer man sich vorstellt, dass junge Menschen und vor allem junge Mädchen irgendwo in Gefahr sein könnten, rüsten wir uns in weißer Platte, steigen auf Streiteinhorn und kommen zur Rettung. Natürlich sind alle, die dieser „Norman-Community“ angehören, arme sanfte Hascherl, die wir jetzt vor dem bösen Mann retten müssen – der ist ja auch noch homosexuell, und Homosexuellen sagt man ja schon immer Kindesmissbrauch nach, richtig?

Ich hasse das. Können wir nicht auch mal das mit Empowerment versuchen? Uns darum bemühen, jungen Menschen Freiheiten und Sicherheiten zu geben, aber sie nicht ständig durch Rettungsversuche und Kontrolle klein zu machen?

Zurück zum Discordserver – ich muss kurz einwerfen, ich bin relativ stark erkältet, ich kriege das mit dem stringenten Text nur so halb hin, sorry dafür -, der ja verschwunden ist, was vermutlich daher kommt, dass da schlimme Dinge passiert sind. Richtig?

Aber auch hier könnte es eine andere Sichtweise geben. Ich habe keine Ahnung, wie Discord so genau funktioniert, aber ich vermute, dass man so einen Server auf privat stellen kann, ihn aus dem normalen Bereich herausnehmen. Gestern passierte aus Sicht von Norman und seinen Mods – denn der muss ja doch ein paar Leute haben, die mit ihm diesen Server verwalten, schließlich sind da sicher die meisten online, wenn Norman arbeitet, Zeitverschiebung und so – folgendes: Wir werden von einer Kampagne angegriffen, der sich halb Twitter anschließt. Dann kommen plötzlich Tweets, die von schlimmen Dingen auf dem Discordserver berichten. Im nächsten Moment poppen 500 neue Menschen auf dem Server auf. Die natürlich alle in die Ecke mit den Nacktfotos rennen. Auf einem Server, der von seiner Community als ein Safespace verstanden wird. Wo extrem private Dinge reingeschrieben werden, denn viele in der Community sind sehr jung und gern auch ein Stück naiv und es geht die große Öffentlichkeit auch wirklich einen Scheiß an, was da so steht. Jo, da stell ich das Ding auch ab, oder auf privat oder wie auch immer, richtige Entscheidung. Jetzt ist der Server ganz weg, oder man hat sich anders organisiert, Norman hat auf jeden Fall den Server aus seiner Twitterbio gelöscht, klar sieht das verdächtig aus, kann aber auch einfach Selbst-

und Communityschutz sein.

Jo, jetzt kann es natürlich sein, dass ich total naiv bin, jetzt kann es natürlich sein, dass Norman wirklich eine Sekte aufbaut und es kann auch sein, dass ich einfach dadurch, dass ich Norman seit ein paar Monaten folge, schon selbst ganz hirngewaschen bin – ich gehe da  überall nicht von aus, aber klar, was weiß denn ich.

Aber trotzdem verstehe ich nicht, wie man sich als Linke und als Antifaschisten einer Sifftwitterkampagne anschließt und ohne wirklichen Einblick, ja ohne Einblick zu suchen, Norman und seine Community so verurteilt und angreift. Ich verstehe vor allem nicht, wieso man immer so verdammt arrogant ist, nur weil man ein paar Jahre länger auf diesem Planeten herumläuft und meint, man wüsste grundsätzlich alles besser und müsste junge Menschen vor sich selbst beschützen und den ganzen Scheiß. Vielleicht ist das ja einfach das Ambivalent von unseren Jugendclubs, von unseren Foren, von unseren Antifagruppen oder was auch immer. Vielleicht ist das einfach gerade ein neues Ding, für das wir eh zu alt sind. Vielleicht gibt es Dinge, bei denen wir qua Alter einfach mal die Fresse halten können und nicht in irgendeine wilde Hysterie ausbrechen müssen, weil wir so misstrauisch geworden sind, weil es ja heute eh nichts Gutes mehr gibt usw. Ich geh davon aus, dass sich alles aufklären wird, vielleicht in die eine, vielleicht in die andere Richtung. Ich geh auch davon aus, dass das Projekt “Gruppentherapie” sich ein wenig vom Normans Namen ablösen muss, damit man die verschiedenen Dinge nicht zu sehr miteinander vermischt. Aber wenn das eine lebendige Community ist, und das ist sie, wenn man ihren Mitgliedern glauben darf, dann kann sie für viele, die es brauchen, ein warmer Ort sein – ich meine, die gibt es schon länger, sie haben schon länger mit irgendwelchen rechten Arschlöchern zu tun, die sie immer wieder von ihrem Server gekickt haben, die wissen wohl, wie sie einigermaßen save klar kommen. Die haben auch nichts mit einem Buch und der Geschichte zwischen Norman und seinem Vater zu tun. Also wäre es ja auch eigentlich nett, sie nicht da reinzuziehen. Ich weiß auch nicht, ob Norman das richtig macht, dass er seine Geschichte so öffentlich hält, ich war mir bei der Frage nach Post Privacy oder nicht, noch nie ganz sicher, und ich denke, klar, es gibt sicherlich Dinge, die man kritisieren kann, wenn man da tieferen Einblick hat. Aber ohne diesen Einblick zu haben, sollte man sich doch hier und da mal ein Urteil verkneifen und sich nicht zu den Bütteln der Sifftwitterarschlöcher machen.

Patriarchat ist Abfall! … #menaretrash

(ich mag den Hashtag nicht besonders. 1. bin ich links, und ich weiß, dass kein Mensch Abfall ist – seine Taten und Gedanken mögen Abfall sein, aber keinem Menschen sollte man versuchen, seine Würde zu nehmen, in dem man ihn als Müll bezeichnet. 2. ich bin damit aufgewachsen, dass ich mich als männlich identifiziere, fühle mich also als Mann angesprochen, und ich finde nicht, dass ich Müll bin. Hey, ich bin kein Engel, aber ich versuche aktiv die Arschlochanteile in mir zu bekämpfen, ich bin manchmal ein Arsch, aber kein totaler Müll.)

#menaretrash ist eine Provokation, ein Hilfeschrei, ein Versuch, durch Aggression auf Dinge aufmerksam zu machen. Viele Reaktionen darauf lassen vermuten, dass es nötig ist.

Meine Sicht:

Nein, Männer sind nicht pauschal Abfall, und ich glaube auch nicht, dass das die Aussage sein soll. Aber:

Toxische Männlichkeit ist Abfall, jedes „Ein Indianer kennt keinen Schmerz!“, jedes „Jungs sind halt so.“ Abfall!

Rapeculture ist Abfall.

Männerrunden, die sich gegenseitig die besten Jobs und Geschäfte zuschustern, sind Abfall.

Genderpaygap ist Abfall.

Slutshaming ist Abfall.

Männerrechtlerei ist Abfall.

Krawatten sind Abfall.

Frauen nicht ernst nehmen ist Abfall.

„Schwul“, „Mädchen“, „F-Wort“ oder „Pussy“ als Schimpfworte, sind Abfall.

Kurz: Patriarchat ist Abfall. Is halt so …