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#wennGuteswenigerwird – I – Abenteuer abnehmen

Dieser Text entstand über einen Zeitraum von etwa drei Wochen, das sei nur vorausgeschickt, falls die eine oder andere Zahl im Text verwundert.

Wenn man den großartigen Jochen Malmsheimer darauf anspricht, dass er zugenommen habe, antwortet er laut seinem Bühnenprogramm mit „Wenn Gutes mehr wird, kann ich da nichts Schlimmes dran finden.“ Die Wahl meines Hashtags möchte ich weniger als Arroganz – die da eh ironisiert wird – verstanden wissen, sondern als Hommage.

Ich nehme nun also ab. Inzwischen seit gut zwei Monaten und heute, da ich den ersten Teil dieses Blogsposts schreibe, stehe ich bei 12,3 kg weniger, als an dem Morgen, an dem ich im Krankenhaus gewogen wurde. Der Wert, den die Krankenschwester ablas, erschreckte mich – ich war mir sicher gewesen, dass mein Gewicht nicht gar so hoch sein würde, aber eine Waage hatte ich sicher über ein Jahrzehnt nicht mehr gesehen. Die Zahl, die ich da hörte, ist der erste Grund, weshalb ich abnehmen wollte, der zweite ist natürlich der Grund, weshalb ich im Krankenhaus war. Eine eigentlich eher harmlose Herzrhythmusstörung, „unangenehm, aber nicht gefährlich“, wie die Stationsärztin meinte. Ich habe gute Blutwerte, mein Blutdruck ist trotz eines Gewichtes weit jenseits der drei Zentner geradezu vorbildlich, die Arterien sind frei.

Dennoch gab es einen Satz meines Hausarztes, der mich endgültig antrieb, was zu ändern. Er sagte was von Goggo-Motor und S-Klasse-Chassis, ich denke, man kann verstehen, was er meinte. Er befürchtete eine beginnende Herzinsuffizienz, und meinte auch, dass sowas dazu führen kann, dass man morgens aufwacht und nicht mehr lebt. Ich habe dann etwa eine Stunde darüber nachgedacht, ob es das ist, was ich will – es gab in den letzten Jahren durchaus einige Momente, in denen ich darüber nachgedacht habe, ob ich noch länger verweilen möchte – und dann habe ich mich zu leben entschieden.

Also habe ich angefangen, mit leichtem Training dafür zu sorgen, dass der Motor etwas kräftiger wird, und auch angefangen, erstmal den ganzen Kram aus dem Kofferraum rauszuwerfen. Die Untergrenzen, die ich mir gesetzt habe, sind 25 kg in diesem und genauso viel im nächsten Jahr – wenn ich in dem gleichen Tempo weiter abnehmen würde, in dem ich das gerade tu, würde ich diese fünfzig Kilo fast schon in diesem Jahr abnehmen können, aber mir ist klar, dass die Geschwindigkeit, in der ich momentan schmelze, sicher nicht über mehr als ein halbes Jahr zu halten ist.

Über lange Zeit war ich bei recht hohem Gewicht relativ leistungsfähig. Spielte manchmal Fußball mit Kollegen, war häufiger mal zu Fuß unterwegs und weil ich viel mit Theater machte und jede Woche einige Male Gruppen aufwärmte, blieb ich in brauchbarer Balance. Doch Dinge änderten sich, es gab existenzielle Niederschläge, die mit meiner Psyche einiges machten, was ich nie erfahren wollte – und aus Frust wurde mehr Gewicht und weniger Bewegung. Wenn ich früher Sport gemacht hatte, war es mir immer darum gegangen, meinen Fitnesslevel zu verbessern – über mein Gewicht hatte ich nie ernsthaft nachgedacht. Ich fand es nicht schlimm, fett zu sein, ich finde es auch heute nicht schlimm. Und das Letzte, was mich interessiert, ist mein Aussehen – es gibt daher von mir auch keine Vorher-Nachher-Bilder.

Aber jetzt habe ich die Aufgabe, ernsthaft abzunehmen, und als jemand, dessen Problemlösung eigentlich bis auf emotionale Beziehungsmomente, immer sehr rational und mathematisch strukturiert funktioniert, habe ich mich an diese Aufgabe gemacht.

Ein paar Tage später, 14,4 kg Abnahme bisher.

Ich habe mit dem Entschluss, die Aufgabe anzugehen, zwei Dinge für mich festgelegt. Ich habe unnötige Süßigkeiten aus dem Plan verbannt und festgelegt, dass ich abends keine Kohlenhydrate mehr zu mir nehme. Und damit habe ich schon die erste Krücke erwähnt, die mir hilft, so einigermaßen im Plan zu bleiben. Abends keine Kohlenhydrate bedeutet nicht, dass ich ein großer Fan von Low Carb bin. Es bedeutet auch nicht, dass ich sonst total auf Kohlenhydrate verzichte – gerade Frühstück ist bei mir immer eher süß – aber es bedeute, dass ich mir sehr genau überlegen muss, was abends geht, und dass alles, was man aus Langeweile isst, schon mal raus ist. Abends keine Schokolade, keine Gummibärchen, keine Chips – und mal ganz ehrlich, abends isst man doch genau davon am meisten, oder?

Aber Snacks habe ich mir gerade am Anfang immer viele für den Abend gemacht. Ein Teller voll kleinen Tomaten, Paprika-und Kohlrabistreifen, Gurken und Zwiebeln, teilweise ein bisschen Frischkäsedipp dazu, manchmal in einen Salat verwandelt. Dazu hin und wieder ein paar Nüsse oder ein paar Brocken Käse. Ich habe mir vorgenommen, abzunehmen und dabei satt zu sein, denn wenn ich irgendwas nicht will, dann ist das Heißhunger – und bisher habe ich den fast vollständig vermeiden können. Und wenn ich an den Kühlschrank gehe, dann für eine Scheibe Schinken oder mageren Bratenaufschnitt – nein, Vegetarier werde ich mit der Ernährungsumstellung auch nicht. Ich schaffe es in einem Bereich von 1500 bis 1800 Kalorien zu bleiben, annähernd jeden Tag. In den gut siebzig Tagen seit der Umstellung, habe ich an exakt vier Abenden überhaupt Kohlenhydrate zu mir genommen – also außer den kleinen Mengen, die auch in den Lebensmitteln drin sind, die ich so abends esse, aber die sind nicht der Rede wert. Zweimal war das ein kleines Eis im Kino, zweimal Einladungen zum Essen. Und da ich mich extrem bemühe, nicht in den hirnverbrannten Kategorien des Christentums zu denken – diese Kohlenhydrate also keine Sünden waren -, ist das auch kein Problem. Erstens hat sich mein Magen langsam daran gewöhnt, dass er nicht mehr so viel bekommt, was dazu führt, dass ich deutlich weniger auch bei Einladungen esse, als ich das vor gut zwei Monaten getan hätte, andererseits weiß ich ja was ich tu, ich kann dann halt auch mal ein Mittagessen ausfallen lassen. Abgesehen davon – mein andauerndes Kaloriendefizit ist so hoch, dass ich ein gutes Abendessen nicht fürchten muss.

Wenn man einmal so ein wenig hinter die Kulissen des Stoffwechsels geschaut hat, wird mir zumindest ein bisschen schwummrig bei der Überlegung, was ich alles gegessen haben muss, um überhaupt so schwer zu werden. Selbst an Tagen, an denen ich wenig körperliche Anstrengung auf mich nehme, habe ich weit über einen Kalorienverbrauch von weit über dreitausend, mit Sport schaffe ich immer die viertausend. Also laut der App, die meine Schritte zählt und die mein genaues Gewicht kennt. Mein Eindruck war, dass diese Zahl viel zu hoch sein muss, die App muss spinnen. Ich fragte eine Freundin, die zufällig ihres Zeichens Internistin ist, und die findet die Zahlen der App nicht unrealistisch.

Will heißen, dass ich um die zweitausend Kalorien weniger zu mir nehme, als ich verbrauche. Die habe ich früher zum größten Teil durch Süßkram aufgefüllt. Und wenn man jetzt völlig zu Recht fragt, ob ich das vermisse … nun, jein. Ich vermisse auf jeden Fall die Freude beim Einkaufen, wenn man sich ein paar schöne Dinge in den Wagen legt, ich vermisse immer mal wieder den einen oder anderen Geschmack. Aber wenn man ehrlich ist, vieles, was man so inhaliert, schmeckt man doch gar nicht wirklich. Vielleicht bei den ersten zwei Hand voll Gummibärchen, aber danach? Dafür habe ich ja auch kein Sodbrennen mehr. Hübsch oder? Der Körper schreit einen immer wieder an, dass man übertreibt, und die Reaktion ist eine Tablette, die das Sodbrennen mindert. Ja, es gibt Aspekte, über die man ruhig früher mal hätte nachdenken können.

Nein, die Masse an Süßkram vermisse ich nicht, und die kleinen Momente, wo es einfach Schoki sein muss? Oder die Chips total locken? Die sind auch kein Problem. Erstens, weil ich mir eine Tafel Schokolade pro Woche leiste, meistens herbe, die auch jetzt gerade vor mir im Schreibtisch liegt. Meistens reicht die sogar für mehr als eine Woche. Ich denke nicht jeden Tag daran, dass die da liegt. Und ich erlaube mir zweitens so jeden zweiten oder dritten Tag eine Kleinigkeit, die nicht auf der Liste für diätische Lebensmittel steht. Eine Cola (höchsten 0,5 Liter), oder ein Eis, einmal habe ich mir auch eine Packung Chips gekauft, diese vier mal 50-Gramm-Packung, sowas ist wunderbar. Weil eine 50-Gramm-Tüte so um die dreihundert Kalorien liegt (uh, habe ich das noch richtig im Kopf, es war auf jeden Fall nicht viel mehr) und gerade Chips dieses Problem haben, dass es extrem schwierig ist, aufzuhören, wenn man einmal angefangen hat. Also öffne ich einmal alle paar Tage so ein Chipstütchen und vertilge den gesamten Inhalt und habe meine Lust auf Chips erstmal befriedigt. Das ist viel besser, als die üblichen Tüten mit mindestens zweihundert Gramm.

Überhaupt sind die Packungen echt so ein Problem, dreihundert Gramm Haribo-Zeugs, große Schokoladentafeln von zwei- oder dreihundert Gramm, dieser ganze Kram, der in Familienpackungen angeboten wird, und den du dann alleine frisst. Ich vertage mal und schreibe bald weiter.

Wieder ein paar Tage später, 15,2 Kilogramm Abnahme bisher.

Um den Gedanken zu Ende zu führen. Das Problem beim Süßkram sind die billigen Mengen, die aus dem leckeren Happen zwischendurch eine riesige Kalorienmenge machen. Und der Trick, mit dem ich abnehme, ist nun mal der, dass ich deutlich weniger zu mir nehme, als ich verbrauche – also muss ich von wirklich großen Kalorienmengen fern halten. Ich weiß, das klingt viel einfacher, als es dann wirklich ist. Kleine Mengen gibt es aber nur an der Kasse als Quengelware, also zumindest in Discountern, denn da geht es ja immer um die Menge. Die kleinen Packungen sind auch im Verhältnis deutlich teurer.

Überhaupt macht das Einkaufen einfach keinen Spaß mehr. Also speziell in Geschäften, bei denen man automatisch durch die Süßigkeitenregale geschleust wird. Seit ich meine Ernährung umgestellt habe, kann ich noch besser verstehen, welche Probleme es trockenen Alkoholikern macht, dass man in jedem Supermarkt, und speziell an der Kasse, harten Alkohol in allen möglichen Mengen angeboten bekommt. Warum eigentlich? Haben wir zu wenige Alkoholtote pro Jahr?

Back to topic: Ich persönlich nehme keine Drogen, also trinke und rauche ich nicht, und zu dem Rest bin ich auch nie gekommen. Meine einzige Droge, und das habe ich auch schon immer so artikuliert, ist Zucker. Ich bin jetzt auf Entzug. (also mal mehr und mal weniger) Ich umgehe größere Zuckermengen. Nehme Kohlenhydrate möglichst nicht in ihrer puren raffinierten Form zu mir – ja, das halte ich nicht immer durch – aber vor allem halte ich die Menge gering. Und man glaubt gar nicht, wie geil der Inhalt einer Dose Cola schmeckt, wenn man seit Tagen kaum etwas wirklich Süßes zu sich genommen hat. Aber eben auch hier die Menge! Die Menge ist so wichtig. Ja, diese Flaschen mit 1,5 Litern sind total praktisch. Aber nicht, wenn du die allein wegschlürfst. Die Angebote, die du in jedem Supermarkt hinterhergeworfen kriegst, sagen: Hier, noch mal tausend Kalorien für nen Euro, du willst doch billige Kalorien, oder? ODER? – ja, eigentlich will ich schon, oder zumindest ein Teil von mir will das.

Ein paar Tage später, 16,4 Kilogramm.

Ohne Sport geht es übrigens aus zwei Gründen für mich nicht. Ich habe im letzten Monat ein paar Tage nicht viel gemacht, weil es mörderisch warm war und weil meine Schulter das eine oder andere Desaster auslöst. Ja, ich habe in der Zeit auch abgenommen, und gar nicht mal so unfassbar langsamer. Aber mit Sport ist es besser, erstens weil es schneller geht, zweitens weil ich mein Herz trainieren will, drittens weil ich nicht zu viel Muskelmasse mit weghungern will. Ich bin mit meinem Gewicht ja immer einigermaßen gut klar gekommen. Dafür braucht es auch nicht unbeträchtliche Muskeln, die ich gerne auch dann erhalten möchte, wenn sie nicht mehr so viel Gewicht bewegen müssen.

Momentan bin ich allerdings sehr einseitig, ich mach Nordic Walking, oder wie mal jemand witzelte, Betreutes Gehen. Da ich es meinen Gelenken kaum zumuten kann, wieder zu joggen – was ich früher durchaus gemacht habe, wie oben schon geschrieben, ich habe immer wieder mal relativ regelmäßig Sport gemacht, um meine Fitness auf einen brauchbaren Level zu bringen – bin ich auf die Stöcke angewiesen, um einerseits auch etwas längere Strecken angehen zu können, und damit ich nicht gar so langsam unterwegs bin. Mit Nordic Walking komme ich kaum aus der Puste – was mir auch annähernd verboten ist – aber ich komme zumindest ab leichten Steigungen so einigermaßen an die anaerobe Grenze heran, grüße sie wenigstens von Weitem, was fürs Herz halt ganz gut ist. Jetzt, nach gut zwei Monaten Training, steige ich Treppen, wie seit wahrscheinlich zehn Jahren nicht mehr, mein Schritt hat sich auch beim normalen Gehen deutlich vergrößert, und Strecken über fünf Kilometer Länge können mich im Moment nicht schrecken. Dabei bin ich noch dabei, Streckenlängen und Geschwindigkeiten zu erhöhen, ich weiß, dass letzteres beim Nordic Walking irgendwann schwierig wird, aber noch habe ich vor allem am Berg gute Ausbaumöglichkeiten.

Ja, die Steigungen. Ich wohne im Bergischen, hier gibt es kaum Strecken ohne ordentlich Höhenmeter, und um mal ein paar Zahlen in den Raum zu werfen, in den letzten elf Tagen bin ich knapp vierzig Kilometer unterwegs gewesen, habe dafür gut neun Stunden gebraucht und bin 920 Höhenmeter bergauf gelaufen. Dazu gehören neben einigen Einheiten Nordic Walking auch ein paar Spaziergänge, ich tracke jede Strecke von mehr als einem Kilometer, wenn ich daran denke. Noch ein paar weitere Zahlen, für 6,5 Kilometer mit 150 Höhenmetern habe ich heute Morgen eine Stunde und 23 Minuten gebraucht – mein Doc meint, sowas wäre in meiner Gewichtsklasse ziemlich gut. Ich möchte ja gerne im nächsten Jahr die Fitness erreicht haben, um mal wieder ne richtige Bergwanderung angehen zu können. Mal schauen, ob das was wird.

Und wie fühle ich mich so? Eigentlich nicht viel anders als vorher auch. Ja, ist jetzt unspektakulär, aber auch wenn ich im Moment etwas andere Prioritäten als sonst pflege, hat sich mein Leben nicht sehr stark geändert. Ich brauche relativ viel Zeit für Sport und ich investiere auch mehr in die Zubereitung von den Speisen, die ich dann doch esse. Ach so, ja eine Kleidungsgröße habe ich auch eingebüßt – das ist ganz nett, ich kann wieder Sachen tragen, die eigentlich schon ausrangiert waren. Und der Gürtel hat drei neue Löcher, braucht bald ein viertes. Aber so wirklich verändert hat sich nicht viel. Ich bin halt auch nach über 16 Kilo Abnahme noch fett. Da helfen ein paar Punkte weniger im BMI auch nicht. Vielleicht sieht das anders aus, wenn da noch ein paar Punkte mehr weg sind, vielleicht braucht es die 20 Kilo, vielleicht die 30, bis ich weniger das Gefühl habe, dass ich nur eine Version meiner selbst bin, die etwas fitter ist.

Momentan hadere ich eher damit, dass ich mich mit Medikamenten und dem ständigen Kaloriendefizit geistig auf jeden Fall weniger leistungsfähig bin. Oft müde, nicht sehr konzentrationsfähig – und nebenbei kommen natürlich die Wehwehchen, die damit zusammenhängen, dass ich vier bis fünfmal in der Woche Sport mache – was ja leicht ungewohnt ist. Ich kann also gar nicht sagen, dass ich mich im Moment sagenhaft besser fühle, als meinetwegen vor einem halben Jahr. Was aber an der Absicht, dass recht lange durchzuziehen, ja meine Ernährung im Großen und Ganzen so für immer weiterzuführen, nichts ändert. Ich brauche deswegen wahrscheinlich länger für mein Fernstudium, gleich mehrfach Selbstdisziplin zu zeigen ist halt auch besonders schwierig. Aber Gesundheit geht an dieser Stelle auch einfach vor, also ist das okay so.

Zehn Dinge, die eine linke Partei sagen müsste, damit wir sie ernst nehmen können

  1. Wir koalieren nicht mit Konservativen, Neoliberalen und schon gar nicht mit Faschisten.
  2. Links ist die Zukunft. Wir fragen neue Fragen und beantworten sie nicht mit alten Antworten. Die Gesellschaft verändert sich, und nur mit linker Politik verändert sie sich zum Guten.
  3. Jeder Mensch braucht ein Einkommen, von dem sich leben lässt. Die menschenverachtende Praxis von Hartz 4 und Agenda 2010 muss abgeschafft werden.
  4. Der Kapitalismus hat gezeigt, dass er außer Destruktion nicht viele Talente hat. Selbstverständlich diskutieren wir, wie das momentane Wirtschaftssystem reformiert und letztlich überwunden werden kann.
  5. Links ist international. Wir wollen bessere Politik nicht nur für das Land, in dem wir leben, sondern für die ganze Welt.
  6. Wenn das Klima für nachfolgende Generationen noch lebenswert und überlebbar sein soll, dann müssen wir jetzt radikal umschwenken. Da darf es keine Kompromisse und keine Rücksicht geben.
  7. Wir müssen aufhören, Kinder und Jugendliche zu braven Konsumenten auszubilden, wir brauchen große Investitionen in eine echte Bildung, in der nicht Geschwindigkeit und Scheinkompetenz zählt, sondern die Fähigkeit zu kritischem und kreativen Denken, damit sie mit den Fehlern unserer Generationen erfolgreich umgehen können.
  8. Von uns geht Frieden aus. Bewaffnete Einsätze der Bundeswehr müssen die absolute Ausnahme sein, humanitäre Einsätze ohne Waffen sind unsere Pflicht. Nur wenn wieder ein Auschwitz oder Treblinka zu verhindern ist, müssen Waffen sprechen. Ansonsten darf die Bundeswehr nur Verteidigungsarmee sein.
  9. Vielfalt ist unsere Stärke. Woher ein Mensch stammt, sagt nichts über ihn aus. Wir treten dem Hass entgegen, wir treten der Angst entgegen, beteiligen uns nicht an Abschiebungen und Schikanen gegen Menschen, die bei uns Hilfe suchen. Wir wollen den Asylparagrafen im Grundgesetz wieder so umfassend gültig machen, wie er einst war.
  10. Wir haben eine besondere Verantwortung gegenüber allen, die unsere Vorfahren so barbarisch verfolgten und ermordeten. Egal ob Juden, ob Sinti oder Roma, wenn wir als deutsche Gesellschaft etwas tun können, damit die Nachfahren derer, an denen unsere Vorfahren so schreckliche Verbrechen begangen, heute weniger Leid erfahren, dann ist das unsere Pflicht.

Antwort auf: Süßes Gift

Bin quasi beim Aufstehen über diesen Artikel gestolpert: http://www.sueddeutsche.de/politik/aussenansicht-suesses-gift-1.3367355 Ich habe ihn gelesen und verstanden und konnte deshalb nicht anders, als mich aufregen. Es werden drei Punkte gegen das BGE aufgezählt, und ich möchte kurz über diese Punkte sprechen:

  1. Das Grundeinkommen wird die Gesellschaft weiter spalten und soziale Mobilität verhindern.

Das ist auf gleichen mehreren Ebenen Mist. Wir reden hier von einem Einkommen, dass Menschen, die in die H4-Falle geraten sind, so deutlich besser stellen würde, dass sie zumindest in kleinem Rahmen wieder an der Gesellschaft teilhaben könnten. Wie sollte das die Gesellschaft weiter spalten. Kann irgendwas die Gesellschaft mehr spalten, als die momentanen Gesetze, die Menschen zu niedergedrückten Bittstellern bei den Tafeln machen?

Soziale Mobilität, das ist die Möglichkeit, zwischen sozialen Schichten hin und her zu wechseln. In einer Hinsicht hat die Autorin natürlich Recht, das BGE würde verhindern, dass Menschen in die Schicht der totalen Armut rutschen. Aber sie versteht unter sozialer Mobilität nur den Aufstieg, denn in der Sicht vieler Wirtschaftswissenschaftler kommt sowas wie sozialer Abstieg doch allenfalls als Schreckgespenst am Rande vor. Das BGE soll nun also sozialen Aufstieg gerade von Menschen an den sozialen Rändern verhindern. Weil es süßes Gift ist und den Menschen das Interesse an Arbeit nimmt. Ich vermute, dass die Autorin noch nie mit dem Geld auskommen musste, das die Befürworter des BGE als solches vorsehen. Denn sonst wüsste sie, dass man weder mit 1000 noch mit 1200 Euro – die Summen, die sie im Text nennt – große Sprünge machen kann. Auch ohne jedes „Arbeitsethos“ werden die allermeisten Menschen im BGE kein süßes Gift sehen, keine Hängematte, von der so gerne gesprochen wird, sondern viel mehr ein Sprungtuch, dass sie rettet, wenn ihre sonstigen Aktivitäten schief gehen.

Der eigentliche Skandal in der Argumentation des Artikels ist, dass es natürlich die Armen und die Migranten sind, die kein Interesse mehr daran haben werden zu arbeiten. Wenn es heute Menschen gibt – und natürlich gibt es die – die als Jugendliche keine andere Zukunft sehen, als ALG 2, dann liegt das daran, dass unser katastrophales Bildungssystem diesen Jugendlichen keine Chance lässt – etwas, was fast jedes andere Schulsystem auf der Welt besser macht. Und natürlich sind es Migranten, die ja nur hier hinkommen, damit sie nicht mehr arbeiten brauchen, oder was? Was für eine rassistische Scheiße. Ich habe zufällig in den letzten Wochen Kontakt mit zwei jungen Migrantinnen gehabt – wer nach „deutschem Fleiß“ sucht, der kann sie bei diesen Jugendlichen finden. Eine davon, Kind albanischer Eltern, die als Geflüchtete nach Deutschland kam, will Jura studieren und lässt sich auch nicht davon abhalten, dass ihr ein Schuljahr von einer rassistischen Lehrerin geklaut wurde – und natürlich hat sie keine Dienstaufsichtsbeschwerde gestartet, natürlich erträgt sie den ganzen Scheiß und arbeitet daran, es dieser Lehrerin mit einem guten Abi zu zeigen. Zeigt mir doch bitte mal die deutschen Jugendlichen, die genauso arbeiten?

Gibt es auch Migranten, die ein BGE ausnutzen würden? Klar. Wie überall sonst auch. Sind doch Menschen, nicht besser und nicht schlechter als alle anderen. Als wissenschaftliche Direktorin eines wirtschaftswissenschaftlichen Instituts wird die Autorin ja sicher einige Menschen kennen, die vor sich hin privatieren und keinerlei positiven Beitrag zur Gesellschaft bringen, gibt ja genug reiche Erben.

2. Dem BGE fehlt die gesellschaftliche Legitimation.

Eigentlich müsste man hier gar nicht antworten, da die Autorin nur relativ inhaltsleer vor sich hin schwurbelt und ihre Argumente nicht klar abgrenzt, sondern sie ineinander diffundieren lässt, zu einem Brei, der nach „Wollen die Menschen eh nicht, weil wir ihnen schon lange genug eingeredet haben, dass Umverteilung doof ist“ klingt. Aber ich versuche doch mal, was aus dem Brei herauszudestillieren:

Die Autorin postuliert, dass „wahrscheinlich“ die Mitte das BGE finanzieren muss, was nicht gerecht sein kann. Hm, niemand, den ich kenne, käme auf die Idee, nicht bei den höchsten vermögen zuerst nach der Finanzierung zu schauen. Die Reichen und speziell die Superreichen kommen ihrer Verantwortung seit Jahrzehnten nicht mehr nach. Wer wäre also prädestinierter? Die Frage, warum etwas anderes „wahrscheinlich“er ist, beantwortet mir sicher auch niemand.

Darein wird Legitimierung über Gerechtigkeit gemischt. Nun, jetzt mag jedem anderes gerecht erscheinen, ich finde ein Anrecht auf ein sicheres Auskommen total gerecht, denn es würde ja jeder haben. Warum es ungerecht sein soll, ein solches Recht zu haben, weil man per Vermögen privilegiert ist, es nicht zu brauchen, erschließt sich mir auch nicht. Ich finde ja übrigens die Begründung für ein BGE in der liberalen Idee von der Befreiung von Geldherrschaft. So lange mich Menschen zu Dingen zwingen können, weil ich sonst kein Geld habe, kann ich ja kaum als frei gelten, oder? Und Freiheit findet ja sogar der scheidende Bundespastor toll.

Alles, was da mit „voraussichtlich“ und „wahrscheinlich“ begründet wird, ist eh nur Wirtschaftsesoterik. Da werden Thesen aufgestellt, die keinerlei sachliche Begründung haben, allenfalls ein vages „Ich kann mir das nicht anders denken“ – naja, und ich zum Beispiel kann es mir anders denken und mach das auch. Es ist natürlich naiv, wenn Menschen daran glauben, dass alle Probleme gelöst sind, wenn das BGE kommt, aber Gegenargumente aus düsteren Vorhersagen heraus stricken, ist ungefähr so seriös wie eine Wettervorhersage für den 5. April 2075.

3. Menschen integrieren sich nicht, wenn sie ein BGE haben

Es gibt ja Momente, in denen man so ein bisschen Hals bekommt, wie man in einigen westlichen Teilen dieses Landes so sagt. Hier wird der Artikel endgültig so barbarisch populistisch, dass er eigentlich keine Erwiderung verdient. Die Autorin meint, wir wären „eine rasch wachsende Einwanderungsgesellschaft“. Wo lebt sie? Von wem hat sie das Argument? Sarrazin? Faktencheck bitte! Wir sind kein rasch wachsendes Land, und ein Einwanderungsland auch nicht. Die Bevölkerung in Deutschland schrumpft schon ewig, und die paar Flüchtlinge, die viel zu viele Politiker am liebsten schnell wieder wegschicken wollen, können allenfalls ausgleichen, was in den letzten Jahrzehnten durch geringe Geburtenrate abgebaut wurde.

Und dann klappt Integration nur am Arbeitsplatz und da ja alle Migranten stinkefaul sind, werden die als erste aufhören zu arbeiten, wenn es BGE gibt. Also sagt die Autorin nur in etwas anderen Worten. Der ganze letzte Abschnitt ist Rassismus und AfD-Sprech pur. Und diese hübsch verpackte Ressentiment-Packung soll dann ein Diskussionsbeitrag rund um das BGE sein? Es ist dunkle Propaganda gegen das BGE, argumentativ sind das nur Ressentiments und ein bisschen Glaskugelguckerei. Das beste am Artikel ist, dass sein Name relativ deutlich sagt, wozu der Artikel geschrieben wurde. Um die Diskussion zu vergiften …

Ein Buchenwald

Es ist Oktober und es ist kalt, fünf Grad vielleicht. Als ich aus dem Auto steige, mich nach einigen Stunden Fahrt strecke, spüre ich schon, dass ein bisschen Kälte auch in mein Inneres strömt. Es ist die strenge Architektur der SS-Häuser. Aus welcher Zeit diese Häuser stammen, ist nicht zu übersehen.

Ich stehe vor der Gedenkstätte des KZ Buchenwald. ich schließe mich einer Gruppe an. Ein rüstiger Mittachtziger versammelt einige Besucher um sich, präsentiert Fakten, Dimensionen erstehen. Der alte Mann erzählt, dass er die Häftlinge als Kind selbst durch die Orte ziehen sah, ja, natürlich wusste jeder in Weimar bescheid. Wie hätten sie es übersehen können.

Die Struktur wird klarer. Ja, das meiste weiß ich, aber wissen ist nicht gleich wissen. Ich gehe den Weg, den sie rennen mussten. Sie, die vielen tausend Häftlinge, die hier eingesperrt wurden, und von denen so viele hier ihr Grab in den Lüften fanden. Mehr Tote als Einwohner in meiner Heimatstadt, zweimal, dreimal. Und wir reden nicht über die Züge, die von hier nach Auschwitz fuhren.Es ist so kalt.

Das Tor. Jedem das Seine. Jedem. Das. Seine. ich mache Fotos, die ich mir hinterher nicht mehr anschaue. Fotos, um mich abzulenken. Um irgendwie klar zu kommen. Und dann durchs Tor hindurch und dort stehen, wo sie standen, stundenlang im Appell, kaum bekleidet. Der Wind zieht hier brutal. Ich friere in meiner Winterjacke. Nordhang, wohl dem, der winddichte Kleidung hat. Also wohl mir. Wie lange hätte ich das ausgehalten? wie schnell wäre ich durch den Schornstein gegangen, der von hier aus schon zu sehen ist?

Momente des Gedenkens, ja, klar, irgendwie schon, aber mehr des Begreifens. Die Weimarer spazierten fünfzig Meter von hier vorbei, während hier Menschen verhungerten, erfroren, zu Tode gequält wurden. Ein Schornstein, der nie ohne Rauch war. Und was muss Lager samt Schornstein für einen Gestank über Weimar hinziehen lassen haben? Hätte ich noch irgendwelche Illusionen gehabt, hier würde ich sie verlieren. Der alte Herr schneidet sie mit seinen Fakten aus den Menschen heraus. Mein tief empfundener Dank!

Das Krematorium. Der Hof, den man von Bildern mit Leichenbergen kennt. Ich gehe darüber hin, ich gehe in das Gebäude und stehe vor einem solchen Foto. Vergrößert, eine ganze Wand. Das ist da, wo ich eben noch stand, Boden, über den ich eben ging. Mein Inneres gefriert. Dann Öfen, so viel deutsche Wertarbeit. Vielleicht wäre es gut, wenn man sich erbrechen könnte, seinem Abscheu Ausdruck geben. Die Treppe die in den Leichenkeller geht. Und ich stehe davor und ich will nicht mehr. Ich will nicht noch mehr spüren, begreifen, nachfühlen. Ich bleibe oben.

Die nachgebaute Ermordungsanlage dann, fast eine Wohltat, denn die ist nicht so echt. Und sie macht wieder mehr wütend, weniger fassungslos. Wie tiefgreifend böse. Wie zynisch. Und alle Worte reichen nie so ganz. Ein Text muss hier immer mager bleiben. Verdünnt.

Es dauert vier Monate, bis ich das hier in Worte fasse. Weil der 27. Januar ist. Weil die Befreiung von Auschwitz ein Moment ist, in dem ich mich dazu zwingen kann. wenigstens diese dürftigen Worte zu suchen. Die Kälte steckt noch in mir. Die Kälte und die kalte Wut.

Ich spüre keine Scham und keine Schuld, ich weiß, auf welcher Seite des Zauns ich gestanden hätte.

Ich spüre kalte Wut auf jeden, der den Buchenwald vergessen will, auf jeden, der seine jämmerliche Identität auf Blut und Abstammung gründet, auf jeden, der sein Leben wichtiger erachtet als das der Anderen.

Alerta!

World of Tanks für absolute Anfänger II – Kleine Kanonenkunde

So, in meinem ersten Post über World of Tanks habe ich so ziemlich das wichtigste geschrieben, was ihr wissen solltet, bevor ihr überhaupt angefangen habt. Jetzt habt ihr vielleicht ein paar Runden gedreht, wart in Ruinberg und Mittengard und habt mit den Minen wahrscheinlich auch schon die erste offenere Karte kennengelernt. Dann sollten wir doch mal über Kanonen sprechen, denn mal ehrlich, auf die Gun kommt es an …

Munitionen

Was verschießen die Kanonen? Richtig, Munition, und deshalb müssen wir mal kurz auf diese schauen. Es gibt zwei Haupttypen von Munition, und die solltet ihr kennen. Auf der einen Seite und meistverschossen gibt es die panzerbrechenden AP-Granaten, auf der anderen die HE-Munition, die viel weniger Panzerung durchschlägt, dafür aber beim Aufprall explodiert. Wie funktioniert das?

AP-Granaten sind Geschosse, die dafür gemacht sind, Panzerungen zu durchschlagen. Sie verursachen nur dann Schaden, wenn man mit ihnen auch durch die Panzerung durchkommt. Deshalb ist ihre Penetrationsleistung elementar. Auf Gegner, die ihr nicht penetrieren könnt, braucht ihr mit AP-Granaten gar nicht wirklich schießen – allenfalls auf die Ketten, damit ihr die Gegner lahmlegt und Teamkameraden mit mehr Penetration durchkommen können. Oder schlicht, dass ihr den Gegner zum Stehen bringt, und ihn dann von einer schwächer gepanzerten Seite aus zu beschießen.

HE-Granaten machen quasi immer Schaden, und je mehr Kaliber dahinter steckt, desto mehr Spaß macht das. (Es ist möglich, dass ihr mit sehr kleinen Kalibern auch mit HE-Granaten keinen Schaden macht, weil die gegnerischen Panzer einfach so viel Panzerung haben, dass der HE-Schaden gefressen wird. – Ist aber eher selten.) Auch HE kann penetrieren, und die hohen Schadenswerte, die bei HE-Granaten angegeben sind, gilt für diesen Fall. Allerdings sind die Penetrationswerte, die HE hat, im Vergleich sehr niedrig. Von ein paar Kanonen auf niedrigen Stufen abgesehen ist das oft kaum ein Drittel dessen, was AP-Granaten durchschlagen können. Durchschlagen HE-Granaten den Gegner nicht, dann explodieren sie auf der Oberfläche, was oft auch im Panzer für große Probleme sorgt. HE-Treffer setzen oft Mitglieder der Panzermannschaft außer Gefecht und zerstören innere Module und, immer gern genommen, auch die Ketten.

Dann gibt es andere Formen der Munition, die oft, aber nicht immer Premium-Munition ist, also viele Credits kostet und – wenn ihr es mit ihr übertreibt – dazu führt, dass ihr nach einem Gefecht weniger Credits habt, als vorher – etwas, was sonst nur bei schlechten Spielen in hohen Tiers passieren kann, wenn die Reperaturkosten für eure Panzer einfach astronomisch werden. Zwei Sorten von Munition sind dabei wirklich wichtig, der Rest muss euch erst interessieren, wenn ihr schon mindestens sechs oder sieben Tiers hinter euch habt.

APCR-Granaten sind Hartkernmunition, die im Prinzip wie AP funktionieren, aber einfach mit mehr Penetration gesegnet ist. Nebenbei fliegt sie auch schneller, was es deutlich einfacher macht, sich bewegende Ziele damit zu treffen. Manche Panzer haben APCR auch als Normalmunition, deren – und nicht nur deren – Premiummunition heißt dann:

HEAT-Granaten explodieren und formen mitgeführtes Metall zu einem Metallstrahl, der Panzerung brutal durchlöchert. Auch diese Granaten haben also eine hohe Durchdringung. Im Gegensatz zu AP- und APCR-Granaten, die auf größere Entfernung Penetration verlieren, bleibt sie bei HEAT auf jeder Entfernung gleich. Dafür bleibt HEAT schnell hängen, zum Beispiel in den Ketten oder in manchen Formen der Panzerung.

Dazu kommen dann noch HESH-Granaten und verbesserte HE für Selbstfahrlafetten. Auch verbesserte AP mit mehr Penetration gibt es für wenige Panzer zu erwerben. Aber wie gesagt, dass sind die totalen Ausnahmen.

Solltet ihr jetzt eigentlich verschiedene Munition mitnehmen, oder reicht eine Art? Meistens spielt man eine gewisse Verteilung. Bei den meisten Kanonen hat es Sinn, relativ viel AP, ein bisschen Premium und ein paar HE-Granaten mitzunehmen. AP ist Brot und Butter, die Premiummunition benutzt ihr hauptsächlich, wenn es eng wird und ihr nicht sicher seid, ob ihr mit AP durchkommt. HE ist für leicht zu durchschlagende Gegner da, also meistens quasi ungepanzerte Jagdpanzer oder Artillerien. HE macht da mehr Schaden und wenn ihr die Zeit habt, umzuladen, ist die HE sinnig. Außerdem verursacht HE ja auch fast immer Schaden, wenn auch ohne Durchschlag sehr viel weniger. Das kümmert Gegner sehr wenig, wenn sie fast keine Strukturpunkte mehr haben, und ihr sie irgendwo treffen müsst, um ihre letzten Punkte wegzusprengen.

Von der „normalen“ Munitionsverteilung zu den verschiedenen Kanonen:

Wenn ihr erst ein paar Runden gespielt habt, dann habt ihr kleine Kanonen bis 50mm gesehen und eine Menge Maschinengewehre. Das letzte MG wird auf Tier 4 gefahren, danach sind die glücklicherweise nicht mehr da – ganz einfach, weil sie nicht genug Durchschlag haben, um mitzuhalten. Aber Tier 4 bis 5 werden 57 bis 75 mm-Kanonen normal, letztere findet ihr bis Tier 7, danach werden 88-90 mm normal, Heavys und Jagdpanzer sind schon recht früh mit Kanonen über 100mm unterwegs, und in den Top Tiers fahren Kanonen mit über 18 cm Kaliber herum, die größten Kanonen überhaupt gibt es natürlich unter den Artys, die haben bis zu 24 cm. Aber da schauen wir noch mal gesondert.

Allgemein gilt: je größer das Kaliber, desto größer der Alphaschaden – mit diesem Wort bezeichnet man den Schaden pro Granate, im Gegensatz zur DPM, dem Schaden pro Minute. Aber steigt der Alphaschaden, verringert sich die Anzahl der Schüsse pro Minute, und allgemein haben kleinere Kanonen oft mehr DPM bei weniger Alpha. Das kann bei manchen Panzern eine Menge ausmachen.

Da ihr auf vielen Panzern zwischen mehreren gleichwertigen Kanonen wählen könnt, hier mal ein Beispiel: Der allseits beliebte T6-Heavy KV 85 der Russen kann die namensgebende 85 mm-Kanone nutzen, die als T6-Waffe deklariert ist. Die hat 120 Penetration – was zu wenig ist – aber einen Schaden pro Minute von 1959 – was für T6 mehr als ordentlich ist. Erforscht man die 100mm Kanone, dann steigt der Alphaschaden von 160 auf 250 Strukturpunkte und die Penetration auf 170 – da wäre es sogar egal, wenn sie deutlich weniger DPM hätte. Was nicht der Fall ist, die 100mm-Kanone ist T7 und kommt mit quasi der gleichen DPM daher. (durchschlagt ihr die Panzerung der Gegner nicht, macht ihr gar keinen Schaden, und 120mm Penetration ist einfach wenig.)

Es gibt neben der 100mm-Kanone noch eine Riesenkanone, die ebenfalls als T7-Kanone gilt. Die kommt mit 122 mm Kaliber daher, eine Riesenwumme. Ein Alphaschaden von 390 mit 175 Durchdringung – Klasse, oder?  Bei einem Jagdpanzer könntet ihr über diese Kanone nachdenken, denn die schießen aus dem Hinterhalt und verpieseln sich dann wieder, für den schweren KV 85, der schon recht nah an der Front gespielt wird, ist die Riesenwumme nix, denn die schießt gerade drei Mal in der Minute und kommt nur auf 1170 DPM – also nur wenig mehr als die Hälfte des Schadens, den ihr mit der 100mm-Kanone rausdrücken könnt.

Allgemein kann man als Richtlinie sagen, dass ihr mit großen Kanonen mit hohem Alphaschaden mit allen Panzern gut bedient seid, mit denen ihr euch nach einem Schuss zurückziehen könnt oder eh müsst, weil die Panzerung eh nichts hilft. Deswegen fahren die großen Wummen oft auf beweglichen Heavys oder Jagdpanzern durch die Gegend. Schnellschießende kleinere Kaliber sind vor allem dann praktisch, wenn ihr in den Nahkampf fahrt. Supermobile Lights und Meds umkreisen ihre Gegner und feuern alle zwei bis drei Sekunden? Das Klingt gut! Mit schnellen Kanonen könnt ihr die Ketten der Gegner zersägen und sie dann umkreisen – ihr werdet also nicht getroffen, und damit ist die schnelle Kanone großartig. Oder ihr fahrt ein langsames Stück Metall, britische Heavys oder die AT-Jagdpanzer. Mit diesen Panzern könnt ihr eh nicht ausweichen, ihre Panzerung ist allerdings auch nicht übel, also steht ihr vor Panzern, sie prallen ihre wenigen Schüsse ab, während ihr sie mit schnellschießenden Kanonen durchlöchert.

Derpy Derp!

Es gibt Kanonen, die eher langsam schießen, mit großen Kalibern und wenig Durchschlag. Die Derp-Guns. Die werden hauptsächlich mit HE-Munition gefahren, sind dafür beliebt, dass sie schwach gepanzerte Gegner mit einem Schuss aus dem virtuellen Leben nehmen und machen Panzer wie den Hetzer oder den KV2 zu den Kultpanzern. Wenn ihr diese großen Kanonen und Haubitzen ausrüstet, nehmt nur HE und Premiummunition mit, letztere nutzt ihr, um auf mittlere Panzer zu schießen, Lights durchschlagt ihr oft mit HE und bei Heavys kommt ihr oft auch nicht mit Premium durch, da macht also HE jeweils mehr Sinn.

Und was ist nun mit den Artys?

Allgemein verschießt ihr mit den großkalibrigen Mörsern HE-Granaten. Mit denen kommt ihr auch auf schöne Splash-Radien, ihr müsst also nicht exakt treffen, um Gegner zu beschädigen. Bei vielen Artys kann man aber auch AP oder HEAT kaufen, teils als Normal-, teils als Premiummunition. Das hat allerdings bei vielen Selbstfahrlafetten keinen wirklichen Sinn. Die großkalibrigen Mörser haben eine Genauigkeit, die das Spiel mit ihnen oft zu einer Lotterie machen. In höheren Tiers findet ihr allerdings die eine oder andere Kanone, die zwar drei Stunden einzielt, dann aber präzise gegnerische Panzer trifft. Wenn ihr erstmal Heavys fahrt, bemerkt ihr diese Artys daran, dass ihr einfach mit einem Schuss von der Karte getilgt werdet.

Clipper, eine ganz besondere Gemeinheit

Autoloader, Kanonen, die wie Automatikpistolen von allein nachladen, sind eine Spezialität besonders der französischen Panzer. Man findet sie aber auch bei Tschechen und Schweden und ein paar anderen Panzern – besonders leichte Panzer fahren oft mit ihnen durch die Gegend. Die Idee ist ganz einfach – ihr erscheint an einem vom Gegner oft nicht direkt erwarteten Ort, wartet, bis er geschossen hat, und bringt drei bis fünf Schüsse in seinem Panzer unter, bevor er einmal zurückschießen kann. Im Jargon nennt man sowas: Rausclippen. Nicht zu verwechseln mit „Rausklicken“, das bezeichnet das Ausradieren per Arty.

Autoloader haben auch große Nachteile, schließlich laden sie ewig nach, wenn sie einmal ihren Clip leer haben. Das Spiel mit ihnen erfordert also immer einen Plan, wie ihr wieder wegkommt. Aber der Burstschaden – also viel Schaden in sehr kurzer Zeit – der macht schon viel Spaß und möchte gut angewendet sein.