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Das Problem mit den Talkshows

Seit locker fünf Jahren, vielleicht auch schon länger, sind die politischen Talkshows ein echtes Problem. Und nicht nur so ein kleines Ärgernis, oder so, sondern ein echtes Problem für unsere Demokratie. Sie sind gefährlich.

Prinzipiell sollte das anders sein. Journalismus sollte immer gefährlich für unfähige und korrupte Regierungen sein, aber nie für die Demokratie selbst. Aber gerade die Talkshows sind in Richtung Korruption und Unfähigkeit – wovon wir im Moment ja wirklich genug sehen – zahnlos, aber auf der anderen Seite demokratiegefährdend.

Das fing in meinem Empfinden damit an, dass 2015, als wir eine Humanitätskrise hatten, als wir ein paar Menschen aufnahmen, die in Not waren, plötzlich in jeder Sendung Rassisten und Faschisten von der AfD saßen. Deren Unsinn, deren Menschenfeindlichkeit und deren Demokratiefeindlichkeit wurden und werden bis heute wie ganz normale Meinungsäußerungen behandelt, von den journalistischen Kräften im Raum nicht eingeordnet und zurückgewiesen.

Als dann Corona kam, saßen plötzlich Menschen wie Kekulé und Streeck in den Talkshows und sorgten für eine Menge Desinformation und zeigten wiederum ein sehr problematisches, nämlich ein sozialdarwinistisches Menschenbild. Dass Mediziner:innen um jedes Leben kämpfen sollten, war und ist den Herren nicht bekannt. Sie halten eine Durchseuchung für okay und nehmen damit hunderttausende Tote in Kauf. Dass die aber alle noch gar nicht sterben wollen, das kommt schon gar nicht mehr vor.

Ja, es sitzen immer wieder auch Menschen in Talkshows, die auf dem Boden der Wissenschaft unterwegs sind. Keine Frage. Aber die müssen halt immer gegen so einen Dummschwätzer diskutieren, oder gegen Schlimmeres. Gegen irgendwelche Esos, Impfverweigerer und sonstige Schwurbler. Und genau da liegen die Probleme.

Die Talkshows haben da zwei Stück von. Das eine heißt „Kontroverse“, das andere „Hufeisentheorie“.

Was passiert, wenn man sämtliche journalistischen Grundsätze über Bord wirft, weil die einzige Währung Kontroverse ist? Man lädt Menschen so ein, dass man möglichst immer Kontroverse bekommt. Was ist denn einfacher, um zu Emotionen zu kommen, als wenn ich Menschen einlade, die anderen Menschen den Tod wünschen und dafür arbeiten? Und auf der anderen Seite Menschen habe, die davon betroffen sind, oder die ehrlich dagegen arbeiten? Menschen, die davon sprechen, dass sie Demokraten jagen wollen wie Herr Gauland, werden eingeladen. Oder wie Frau von Storch, die auf Geflüchtete schießen lassen wollte. Natürlich gibt das Kontroverse im Studio, falls auch nur ein Mensch dazu eingeladen wird, der nicht Vollfaschist ist.

Menschen, deren journalistischer Kompass noch funktioniert, würden sagen: Okay, die AfD hat wieder was faschistisches gesagt, und wir müssen da auch drüber reden: Gut dann laden wir Menschen ein, die das einordnen, die sagen, was man gegen die Faschisten machen kann und vor allem lassen wir Betroffene zu Wort kommen. Wen wir selbstverständlich nicht einladen, sind die Faschisten selbst. Das wäre überall auf der Welt die sinnvolle Art, damit umzugehen. In Deutschland ist das nicht nur sinnvoll, sondern aus Verantwortung alternativlos. (ja, es gibt gute Momente für das Wort. Allerdings nur für Menschen mit Prinzipien.)

Warum ist die Hufeisentheorie auch so ein Problem? Nun ja, dieses Konstrukt, dass davon ausgeht, dass auf den rechten und linken Seiten des politischen Spektrums ungefähr die gleichen Potentiale gibt, die Verfassung zu überwerfen, ist zwar wissenschaftlich nicht haltbar und vielfach zurückgewiesen, bestimmt aber immer noch das politische Weltbild.

(Linkes Denken hat ein kommunistisch-versponnenes Ideal zum Ziel, rechtes Denken Auschwitz – wer zum Fick kann diesen Hufeisenquatsch eigentlich ernsthaft vertreten? Hufeisentheorie ist immer NS-Verharmlosung – ich bin so müde …)

Ach ja, zum Thema zurück: die Hufeisentheorie zusammen mit dem Laissez-faire-Liberalismus führen dazu, dass die Redaktionen offenbar intellektuell gegen Demokratiefeindlichkeit, Wissenschaftsfeindlichkeit und Menschenfeindlichkeit absolut wehrlos sind. Progressiv denkende Menschen, die ein linkes Label haben, werden nur seltenst in Talkshows eingeladen, weil sie ja genauso schlimm wie Faschisten sind, die man ständig einlädt. Und wenn sie eingeladen werden, sitzt auf der anderen Seite halt eine geballte Ladung rechter Demagogen, Scheinjournalisten und Hetzer.

Und dieses Problem, dass die Redaktionen offenbar mit substanziell linken Positionen haben, führt nicht nur zu sehr wenigen Einladungen und zu oft sehr aggressiven Fragen – weil sogar ein Lanz glaubt, er müsse zum Journalisten mutieren, wenn da jemand mit linken Ideen sitzt – sondern auch dazu, dass Menschen aus den linken Parteien hochgejazzt werden, die möglichst wenig links sind. SPD-Mitglied und Hardcore-Rassist Sarrazin wurde so berühmt, Grünen-Rechtsausleger Palmer auch und die linksnationale und viel zu oft querfontlerischeWagenknecht wird auch viel häufiger eingeladen als Katja Kipping oder andere Linkenpolitiker:innen.

Ist das alles Absicht? Wollen die Redaktionen faschistische Ideen nach vorne bringen? Über Corona desinformieren?

Nicht direkt. Ich vermute, sie sind einerseits halt intellektuell wehrlos, haben Null Rückgrat und schon gar keine eigene politische Haltung. Und dann kommt der Wunsch nach Kontroverse hinzu. Der ist so wichtig, dass Schäden an der Demokratie und Desinformation einfach hingenommen werden. Weil Einschaltquoten wichtig sind, und Folgen egal.

Jeden Tag schreiben?

Gestern schrieb ein Twitteraccount mit guten Ratschlägen für Schreibende, dass nur die, die jeden Tag schreiben, Autor:innen sind. Und natürlich gab es Gegenwind, und den speziell auch von Menschen, denen man das Autor:in sein kaum absprechen kann – schließlich zeigen Veröffentlichungen diesen Status recht gut an. Daraufhin habe ich mir das für mich überlegt.

Wie ich auch schon mal auf diesem völlig vernachlässigten Blog erzählt habe, bin ich im letzten Jahr das Schreiben noch mal mit einer neuen Ernsthaftigkeit angegangen. Und ich bin produktiv, habe zweieinhalb Drehbücher und einen (zugegeben eher kurzen) Roman seit letztem Juni geschrieben. Das klingt mehr, als es in Wörtern ist, aber das wichtigste daran: ich habe drei Dinge beendet, vom neuen Drehbuch ist der Zerodraft, also eine Art Entwurf, auch schon fertig. Ich arbeite das gerade in Ruhe aus, jeden Tag kommt eine Szene hinzu, manchmal sogar zwei.

Bin ich Autor? Ähm, nun, ich habe keine offizielle Veröffentlichung seit Juni, Dinge, die ich früher mal bei Amazon selbst veröffentlich habe, halte ich auch nur für eher wenig aussagekräftig, aber trotzdem: Ja, ich bin Autor. Und dieses Selbstverständnis nehme ich mir erstens aus der Arroganz, zu der ich als männlich gelesener Mensch erzogen wurde – wieso sollte ich ernsthaft an meiner Wichtigkeit zweifeln, so bin ich nun mal sozialisiert – und die ich auch weiblich gelesenen Menschen anrate, wenn es um Kunst geht. Nennt euch Künstler:innen, Autor:innen, Musiker:innen, wenn ihr die Leidenschaft dafür habt. Zweifel sind da nicht angebracht! Und zweitens habe ich das Selbstverständnis, weil ich Dinge zu Ende geschrieben habe. Ich habe ein Drehbuch, dass von meiner Seite fertig ist, dass so gut ist, wie ich es alleine – und mit der Hilfe von sehr lieben Testleser:innen – hinbekomme, ein weiteres, von dem ich gerade langsam aber sicher einen Rewrite mache, weil es sehr verquast ist und halt der erste Versuch in einem neuen Betätigungsfeld, und einen Roman von knapp 60 Tausend Wörtern, der in einer virtuellen Schublade herumliegt und darauf wartet, dass ich ihn mal irgendwann lese und anfange, ihn zu überarbeiten.

Das alles hat gar nichts damit zu tun, dass ich jeden Tag schreibe. Ja, ich mach das. Ich habe seit letztem Juni an zwei Tagen nicht geschrieben. Ansonsten habe ich jeden Tag geschrieben. Nicht jeden Tag viel, es gibt Tage, da schreibe ich weniger, als dieser Blogpost an Wörtern zählen wird. Und es gibt keine Tage, wo ich ausgesprochen viel schreibe. Manche hauen an einem Tag 5K raus, und das über längere Zeiträume, gestern las ich von 50 K an drei Tagen. Heilige Scheiße, für meinen Roman von knapp 60 K habe ich etwas über zwei Monate gebraucht. Aber das ist ein ganz wichtiger Punkt: Jedes Schreibende muss sich selbst überlegen, wie die eigene Methode ist.

Melanie Raabe plädiert in ihrem Buch „Kreativität“ für Deadlines, die man sich selbst setzt. Funktioniert für mich nicht. Mag für andere super sein. Ich würde bei einer Deadline in einem Monat die nächsten drei Wochen nichts machen und dann in einer Woche sehr viel – und vermutlich würde es nicht ganz so gut sein, wie das, was ich in meinem Tempo schaffen kann. So funktioniert mein Hirn.

Ich plane zwar durchaus, was ich im nächsten Monat schaffen will, und das klappt manchmal und manchmal schieß ich auch kilometerweit dran vorbei. Aber ich weiß, dass ich weiterkommen werde, ich weiß das, weil ich weiß, dass ich brav weiterschreiben werde. An guten Tagen was mehr, an schlechten weniger. Aber ich werde schreiben. Ohne die Entscheidung, da eine Regelmäßigkeit aufzubauen, hätte ich im letzten Jahr hier und da mal ein bisschen was geschrieben. Vielleicht hätte mich sogar der Roman so überfallen, wie er mich überfallen hat, aber die Tage Anfang Dezember, als er fertig wurde, die waren wirklich schwer. Ich mochte nicht, dass am Ende nicht alles gut ausgeht. Und ich habe herausgezögert, das Ende zu schreiben. Aber ich schreibe halt jeden Tag und irgendwann gab es keine Ausreden mehr und dann wurde das Ding halt fertig.

Ich habe keinen Verlag und keine Agentur, die auf das wartet, was ich schreibe. Sollte ich den Punkt mal irgendwann erreichen, mag das alles noch mal anders sein. Ich befürchte, man muss seine Arbeitsweisen immer ein bisschen den Verhältnissen anpassen. Für mich passt Regelmäßigkeit im Moment super – ohne, dass ich eine klare Routine hätte, ich schreibe irgendwann am Tag, wo ich es halt einbauen kann. Für manche macht Regelmäßigkeit einen unangenehmen Druck, mir nimmt sie den Druck weg, weil ich ja weiß, dass ich schreibe und dadurch irgendwann auch fertig werde. (Abgesehen davon ist Durck ja sowohl etwas Gutes, wie auch der absolute Kreativitätskiller. Auch das ist eine Frage der Persönlichkeit. Ein bisschen druck mag ich, 50 K im November ist mir ein bisschen viel.)

Also wann darf ich mich Autor;in nennen? Wenn ich entscheide, dass mir das wichtig ist. Die Tatsache, dass man etwas zu Ende geschrieben hat, unterstützt das aber sehr schön. Wie man schreibt, wie der Prozess ist, das ist nicht wichtig. Wichtig ist das, was dabei herauskommt.

Plotter oder Pantser – von meinem Schreiben

Ein Grund, warum ich hier fast nie was in den Blog schreibe, ist, dass ich ernsthaft schreibe. Also, zum ersten Mal in meinem Leben, obwohl ich schon so viel geschrieben habe. Zum Beispiel in diesem Blog, oder für mehrere Zeitungen oder Theaterstücke, sogar Bücher habe ich geschrieben, aber halt nie zuvor ensthaft.

Ende letzten Jahres war es glaub ich, als eine Freundin sagte: wenn du Schriftsteller sein willst, dann musst du halt schreiben. Es als deinen ganz normalen Job ansehen und einfach schreiben. Und sie empfahl mir Anfang diesen Jahres, dies Jahr 2020, was wir alle verfluchen, ein Schreibforum. Weil man da andere Menschen trifft, die auch schreiben.

Ich meldete mich an und schrieb hochmotiviert an einigen Kurzgeschichten herum, fing sogar ein Projekt an, ein Jugendbuch, aber es klickte nicht so richtig. Dann stolperte ich aufgrund eines YT-Videos über „Save the Cat“ / „Rette die Katze“, einem Drehbuchratgeber. Wie es heißt, dem letzten Ratgeber, den man fürs Schreiben von Drehbüchern braucht. Da ging es um Strukturen und um Plot und ich dachte mir, ey, cool, probier es halt mal aus. Das passiert mir beim Lesen vonsolchen Schreibratgebern ständig, dass ich anfange zu schrieben, aber wenn das Buch dann zu Ende ist, ist es die Schreibwut dann auch. Oder genauer, war es dann auch. Denn dieses Mal ist alles ein bisschen anders gekommen.

Das erste ist ein gewisser Erweckungsmoment gewesen. Für jemanden, der mit einer gewissen mathematischen Begabung geschlagen ist, sind Regeln etwas sehr praktisches – und ich habe auch schon genug künstlerischen Kram gemacht, um zu wissen, dass es in der Kunst keine festen Regeln gibt, dass Regeln in der Kunst immer dafür da sind, dass man sie auch bricht, wenn man da genug Gründe für hat -, und Save the Cat gab mir Regeln, eine Struktur vor, die ich verstand. Ich sah das Schreiben plötzlich von einer ganz anderen Seite. Das war sehr wichtig.

Und der andere Fakt war das Schreibforum, in das ich jeden Tag hineinschrieb, ob ich gestern was geschrieben hatte und was ich am Tag schaffen wollte. Und das pushte mich unheimlich. Bald gab es auch noch eine Gruppe mit Writings-Buddys, die ich sehr hilfreich finde, und für die ich hoffentlich auch hier und da hilfreich bin. Ohne das Forum wäre nichts davon passiert.

Dann hatte ich mit dem Jugendbuchprojekt, dass ich mal angefangen hatte, genau das richtige Ding vor mir, mit dem ich alle Regeln aus Save the Cat anwenden konnte. Ich schrieb über den Sommer ein 180seitiges Drehbuch – also ungefähr ein Drehbuch für zwei Filme, jede Seite entspricht grob einer Minute im Film. Das war so ziemlich das längste, was ich in meinem Leben geschrieben habe. Ich habe dabei vieles, was ich unbedingt machen wollte, reingeschrieben, und vieles, was Save the Cat von mir verlangte und ich habe keine Ahnung, ob ich es schaffen werde, bei einer Überarbeitung da etwas herauszubekommen, dass man anderen zum Lesen geben kann. Aber wenn das nicht klappt, hey, Lehrgeld und so. Ich habe dabei geplottet. Habe einen Entwurf gemacht, der aus vielen Kärtchen auf einer virtuellen Tafel besteht, habe dann ein Treatment geschrieben, dass dem ganzen mehr Struktur gab und habe dann die Szenen ausgearbeitet.

Schon während ich die Szenen ausgearbeitet habe, schrieb ich den Entwurf für mein zweites Drehbuch. Ich nutzte einfach einen alten Stoff, das erste Theaterstück, dass ich je schrieb und nie aufführte und brachte das in die heutige Zeit – ja, so muss man das sagen, das ursprüngliche Stück war fünfzehn Jahre alt – und ich schrieb den Entwurf in sechzehn Tagen, arbeitete dann wiederum ein Treatment aus und schrieb dann das Stück, quatsch, den Film, also das Drehbuch für einen Film. Das ist nur unwesentlich zu lang – so 130 Seiten – und ich schrieb es von vorne nach hinten, während ich beim ersten Projekt stark gepuzzelt habe. Hier hatte ich die Struktur schon deutlich stärker verinnerlicht. Und das Schreiben war fast ein Spaziergang. Ich merkte schon hier, dass ich anders an den Entwurf heran ging. Ich schrieb die Dialoge zum größten Teil schon aus, nahm diese Dialoge dann bei der Ausarbeitung und schrieb sie neu. Oftmals nah an dem, was ich beim ersten Schreiben heruntergetippert hatte.

Und dann hing ich da. Ich hatte zwei drehbücher geschrieben, die lagen damit in der Schublade und da gehörten sie auch hin. Bald werde ich mich ans Überarbeiten geben, aber dafür waren sie noch nicht reif. Ich spielte mit zwei anderen Ideen herum, fand da auch einiges Schönes dran, aber keine richtige Begeisterung. Aber ich schrieb jeden Tag weiter. Es war inzwischen Oktober und ich hatte seit Juli jeden Monate so knapp 30K Wörter geschrieben. Unfassbare Zahlen für mein eigenes Gefühl. Ich habe mich einfach jeden Tag dran gesetzt. Das war nicht immer gut, das war auch manchmal ziemlich schlecht, aber ich habe jeden Tag geschrieben.

Und dann stolperte ich über eine alte Idee. Also, über eine erste Seite, über eine halbe Seite einer Szene und ein paar weitere Details, die ich festgelegt hatte. Eine Geschichte, die im Sommer 1981 spielt und ich hatte keine Ahnung mehr, was ich mir 2014 für eine Grundgeschichte dazu überlegt hatte. Ich hatte nur noch einen Ort im Sinn, der dabei in irgendeiner Weise eine Rolle spielte – und genau dieser Ort fiel als erstes raus. Inzwischen war ich ja in einer Writing-Buddy-Gruppe und ich zeigte den anderen diese alte Szene und sie fanden sie wirklich gut und waren gespannt, was daraus werden könnte. Und ich plottete nicht. Außer der alten Seite von 2014 gibt es bis heute keinerlei Notizen zu dem, was sich inzwischen als ein Roman entpuppt hat. Ich hatte gerade gelernt, wie das Leben so als Plotter ist, wie es so ist, erst einen Entwurf auf einer virtuellen Tafel zu verteilen und sich dann ans ausarbeiten zu machen – und dann schrieb ich einfach drauf los. Extreme Pantsing – (Pantser sind die Leute, die sich auf ihre vier Buchstaben – die vielleicht von Hosen, also Pants bedeckt sind – setzen und einfach machen.) Im Sommer war ich extrem zufrieden, als ich nach 180 Seiten endlich ein Fin schrieben konnte – aber das waren Drehbuchseiten, das waren in Worten gar nicht soo viele. Jetzt bin ich bei über 170 Normseiten und knapp 40 K Wörtern in einer einzigen Datei – weit über dem, was ich bisher je geschrieben habe. (das erste zu lange Drehbuch lag am Ende bei etwa 30K)

Ich fühle mich eigentlich wohler, wenn ich dramatisch schreibe. Ich habe immer das Gefühl, dass ich besonders gut Dialoge schreiben kann. Keine Ahnung, ob man mir da zustimmt, aber das ist ja immer schwierig. Und jetzt schreibe ich einfach einen Roman – als Ich-Erzähler, was vermutlich dazu führt, dass ich meistens dieses Gefühl von mündlicher Erzählung habe, das mir besser gefällt. Und ja, ich pantse und brauche gar keine Plot. Zum Teil, weil ich oft am Morgen noch keine große Ahnung habe, was ich am Tag so schrieben will, ich plane nicht sehr viel vor. Zum Anderen habe ich aber die Struktur aus Save the Cat inzwischen schon einigermaßen gut internalisiert. Wenn ich also gar nicht weiterkomme, dann hilft es, sich daran zu erinnern, wo ich ungefähr in der Struktur bin und plötzlich fließt es wieder.

Ich habe keine Ahnung, ob jemals jemand irgendwas davon veröffentlichen will, was ich da schreibe. Aber ich fasziniere mich selbst damit, dass ich es alles schreibe. Und ich verstehe langsam, dass ich die Struktur brauche, aber dass ich sie vor allem lernen musste. Und jetzt mit den Regeln immer besser spielen kann.

#männerwelten #ichauch

Fast jede Frau – fast jeder weiblich gelesene Mensch – weiß von sexueller Belästigung zu erzählen, von Übergriffigkeit, von Händen an Brüsten oder Genitalien, oder gar von Nötigung und Vergewaltigung.

Das liegt daran, dass sehr viele Männer -männlich gelesene Menschen – Täter sind. Nein, nicht alle. Wenn ich so rumfrage – vorsichtig, man spricht ja unter Männern nicht über sowas -, dann ist es, ja, keine Ahnung, ähm, keiner? Also gehe ich davon aus, dass es dann doch so ziemlich jeder ist.

Bin ich Täter? Ich bemühe mich sehr, keiner zu sein. Also im Präsens. Ich reflektiere. Schaue weg, wenn ich merke, dass meine Blicke nicht respektvoll sind, versuche, alle blöden sexistischen Witze zu vergessen, von denen ich so viele gehört habe. Denke über Machtpositionen nach, über Machtgefälle. Ärgere mich, wenn es Zweideutigkeiten gibt, die ich vorher nicht bemerkt habe, weil ich nicht creepy sein will. Ist der Sexismus, mit dem ich sozialisiert wurde, deswegen weg? Nein, genauso wenig, wie ich kein Rassist mehr bin, nur weil ich gelernt habe, wo ich alles rassistische Muster in meinem Kopf hatte. Ich versuche es zu reflektieren, ich versuche jeden Tag, kein Arschloch zu sein.

War ich Täter? Ja. Nicht zu beschönigen, ja.

Nein, ich habe nicht vergewaltigt, nein, auch nicht genötigt oder missbraucht. Aber gestarrt, ja klar, unangemessene Scherze gemacht? Ja, auch das. Menschen angefasst, von denen ich kein klares Signal hatte, dass das in Ordnung war? Ich befürchte, auch das. Als Kind, als Jugendlicher eh, wir alle lernen auch und gerade in diesen Dingen durch trial and error – wie gut wäre es gewesen, schon früh klare Regeln zu lernen, was geht und was nicht. Was consent ist, und wie wenig man diesen diskutieren kann. Und so wird man früh zum Täter und weil ja Boys immer Boys bleiben und weil wir über SOWAS nicht reden und und und, reflektiert man irgendwann, was man im Leben alles gemacht hat, und denkt sich: Warum hat mir denn da keiner auf den Deckel gegeben? Warum bin ich hiermit oder damit durchgekommen?

Und dann war man erwachsen, und die Kameraden bei der Bundeswehr fuhren „Titten gucken“ in die Stadt, und erzählten Witze, über die man manchmal lachte, und die man manchmal verabscheute, denn ein bisschen aufgeklärt war man ja damals schon, und irgendwie links und so. Und die Männerrunden beim Sport, die Männerclübchen hier und dort, und wie lange man den ganzen Mist irgendwie schluckt und mitmacht.

Es hat mich so viele Jahre gekostet, in denen ich lernen musste, wie privilegiert ich bin, und wie viel ich als selbstverständlich hinnahm, bis ich darüber reflektiert habe, wie viel ich selbst von diesen Sexisten hatte, die ich doch eigentlich verabscheute. Vor allem dann, wenn es mir bequem war.

Ja, ich war Täter. Und ich bemühe mich heute, keiner mehr zu sein.

Geht es dir ähnlich? Vielleicht nicht ganz so ein Arschloch wie ich, aber doch so ein bisschen? Dann sag das. Erst wenn wir uns klar machen, zu den Tätern zu gehören, können wir darüber reden, wie wir es verhindern, weiter Täter zu sein. Und wie wir den Jungs von heute die Chance geben, keine Täter mehr zu werden. #ichauch

Kurzessay – Eine Zeit der Veränderung

Eine echte Pandemie, wir Geeks hatten ja eher auf eine Zombieapokalypse gehofft, aber es ist zumindest ein Anfang. Klingt zynisch? Ja, ist es auch und es ist eine typische Art, auf die momentane Situation zu reagieren, sie zu verarbeiten. Es ist eine Notsituation, so echt und dennoch unwirklich, wie die meisten von uns sie noch nicht erlebt haben.

Einige machen sich große Sorgen um Menschen in Isolation, um Menschen in schwierigen Beziehungen, um Lagerkoller und Suizide – und diese Sorgen sind natürlich berechtigt, vor allem, wenn es Mai wird und wir immer noch in dieser seltsamen leeren Welt leben. Aber dennoch werden die meisten Menschen mit der Krise verhältnismäßig gut klar kommen. Sie werden solidarisch sein. Sie werden geduldig sein und so manches mit Humor nehmen. (Ich bin Rheinländer, ich bin mir relativ sicher, dass wir das hier so hinbekommen. Und ich hoffe, dass die ganzen Vorurteile über den fehlenden Humor der Nicht-Rheinländer einfach nicht stimmen.)

Warum ist das so? Warum werden die allermeisten Menschen hieran nicht kaputt gehen? Weil wir so gebaut sind. Wir kommen mit extremen Situationen verdammt gut klar und viele funktionieren unter Druck sogar besser als sonst. (Soll kein Angriff auf die sein, wo das anders ist. Ihr müsst nicht funktionieren!) Es gibt eine Menge Notschalter in unseren Hirnen, die in solchen Situationen von selbst einrasten und euch über schwierige Situationen weghelfen.

Heute ging auf Twitter so ein Autovervollständigungsmeme herum: „Wenn die Pandemie vorbei ist, werde ich als erstes“ – den Rest soll das Smart Phone ergänzen. Aber ganz so smart sind die Phones nicht. Und deswegen stand da ganz selten: …werde ich als erstes zusammenbrechen. Oder … werde ich als erstes meine Partnerschaft beenden. Oder … werde ich als erstes meinen Job kündigen. Aber genau das wird passieren.

Wir werden den Scheiß zusammen durchstehen, und dann wird jeder einen Moment nehmen müssen, um sich zu überlegen, wie kann ich diese Krise verarbeiten? Und für viele wird der Moment danach ein Moment der Veränderung sein. Ist doch auch ganz logisch. Wir haben gerade erlebt, wie innerhalb von Tagen das ganze Land heruntergefahren wurde. Sind damit aus unseren Gewohnheiten geworfen, und oft auch mit Dingen konfrontiert, die wir sonst nicht so sehen oder sehen wollen. Wir haben auch die Möglichkeit mal zu schauen, wie ein anderes Leben so aussehen könnte.

Und deswegen wird die Zeit nach der Pandemie für viele eine Zeit der Veränderung sein. Wir haben jetzt genug Zeit, um darüber nachzudenken, wie diese Veränderungen aussehen könnten. Wir sind entschleunigt – etwas, was eigentlich schon lange nötig war. Wir werden dieser Pandemie gesellschaftlich irgendwann dankbar sein, oder sie noch viel mehr verfluchen, als wir es uns heute vorstellen können.