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Quick – Ein Blogpost, der das ganze Dilemma aufzeigt

Wer hier mitliest, weiß, dass ich einigermaßen regelmäßig Dinge schreibe, und ich weiß, das manche da draußen auch ganz gerne lesen, was ich so schreibe – das finde ich auch sehr schön. Ich veröffentliche auch schon mal woanders, und weil ich darum gebeten würde, schreibe ich, obwohl ich mich sonst aus dem aktiven Piratentum relativ weit zurückgezogen habe, alle paar Wochen mal was für die Bundesseite der Piratenpartei. Ich mein, ich bin immer noch Pirat, ich bin immer noch politisch, und wenn ich was habe, dass ich vielleicht auch einfach einer etwas größeren Öffentlichkeit zeigen will und es auf die Seite passt, warum auch nicht.

So schrieb ich am Wochenende diesen Artikel, der Montagmorgen veröffentlicht wurde. In weiten Teilen der Piratengemeinde wurde der Text gut aufgenommen. Einige, die in einigen Diskussionen auf anderen Seiten als ich standen, konnten damit was anfangen, der Text wurde auch von Leuten weiter verteilt, von denen ich das nicht direkt vermutet hätte. Auch aus dem Bereich der Progressiven Plattform hörte ich kein Geschimpfe, die eigene „Peergroup“ ist nicht erbost, so weit so gut.

Aber ein paar Leute haben sich natürlich tierisch aufgeregt, denn ich habe in dem Text ja eine Position, die man vielleicht als rechtsoffen-libertär umschreiben könnte, durchaus angegriffen. Das stört natürlich die Destruktiven, die dieser Haltung frönen. Zusels, Wutzes und Wowbaggers – die Leute, die seit Halle meinen, dass sie die Oberhoheit in der Partei haben und noch nicht gemerkt haben, dass sie von den meisten, die nicht direkt Anti-Antifaarbeit betreiben, eh geblockt sind. Die toben sich nun seit Veröffentlichung in den Kommentaren aus  Natürlich setzen sie sich meistens lieber mit meiner Person auseinander und beschimpfen mich, als dass sie auch nur versuchen, den Text zu verstehen. Oder es wird das Strohmann-Argument aufgebaut, ich würde Zensur, Gedankenverbrechen und Diktatur fordern, was weder im Text drin steckt, noch mir in irgendeiner Weise nahe liegt.

Über diese Kommentare hat der Moonopool auch schon gebloggt, was man hier lesen kann. Ich kann auch akzeptieren, dass man sich in der Bundespresse der Piraten dazu entschieden hat, Kommentare fast nie zu löschen und allen die Möglichkeit gibt, sich nach Kräften selbst zum Obst zu machen. Ich halte das anders, ich habe in einer Zeitungsredaktion gelernt, dass man sich nie beleidigen lässt, und dass Leserbriefe – und was anderes sind Kommentare ja nicht – sofort in den Müll wandern, wenn deren Schreiber ad hominem gehen. Ich halte das hier auf meinem Blog so, ich hab hier Hausrecht und ich bekenne, ich schmeiß alles in den Müll, was beleidigend wird, und das sowohl direkt, als auch indirekt. Ich werfe auch Sachen in den Müll, die einfach nur meinen Intellekt beleidigen, da gibt es auch eine Menge Kommentare, kann ich manch Liedchen von singen. Ich verstehe aber, dass man so rigoros auf offiziellen Seiten nicht agiert.

Aber was am Ende des Tages bleibt, ist ein Text, der für viele Piraten ein guter ist, der sich nett auf der Bundesseite der Partei präsentiert, unter dem aber eine kreischende Minderheit von Piraten und Ex-Piraten krude Thesen aufstellen darf, mich wechselnd als Linksextremisten oder Faschisten beleidigt. Ja, jeder weiß, dass man Kommentare im Internet nicht lesen sollte, aber die Außenwirkung von diesem Müll, der da unter meinem Text steht, kann auch nicht die beste sein. Auf der einen Seite freue ich mich, dass ich für meine letzten Texte Freigaben von Sekor, Pirat-Sued und Kristos bekommen habe, von BuVos, die ich nur sehr eingeschränkt selbst gewählt hätte, wenn ich in Halle gewesen wäre. Was für mich ein Zeichen ist, dass der BuVo auch an der Mitarbeit der linken Piraten noch Interesse hat. Andererseits werde ich mich bei der nächsten Textidee wohl wieder fragen, ob ich wieder bereit bin, mich ellenlang beleidigen zu lassen?

Es ist wie so oft bei Piraten. Irgendwelche wildgewordenen Lautsprecher trollen herum, und die Leute, die den Text gut finden, lassen die Leute gewähren, weil sie schon lange aufgehört haben, die Trolle ernstzunehmen und weil sie die Trolle nicht füttern wollen – kann ich verstehen. Aber am Ende stehen da die Beleidigungen, am Ende kämpft der Moonopool da fast alleine gegen Windmühlen, und die Piratenmehrheit lässt das alles geschehen. Ist ja sehr passend zu meinem Text …

Meine ungehaltene Bewerbungsrede

Disclaimer: Ich werde nicht in Kleve sein, um beim aLPT zum PolGef zu kandidieren. Ich schreibe aber gerne Reden.

Liebe Piratens,
ich bin naiv, nein, noch schlimmer, ich bin Idealist! Und mit diesem Makel bin ich in diese Partei eingetreten. Ich hatte das so verstanden, dass die CDU für Gott marschiert, die FDP fürs Kapital, die Grünen für die Umwelt und die SPD, ach, die SPD … naja, und dann kamen die Piraten und ich dachte, hey, das ist eine Partei für Menschen!
Ich habe die Nummer mit Freiheit statt Angst geglaubt, und ich finde das immer noch großartig. Freiheit statt Angst. Klingt doch auch einfach gut, oder? Und ich finde diesen Willy Brandt-Spruch von „Mehr Demokratie wagen“ großartig. Den ganz besonders. Ich war von Möglichkeiten wie Liquid Democracy begeistert, ich glaubte sogar an den SCHWARM! – nun gut, man ist halt manchmal zu naiv, ich bitte dafür um Entschuldigung.
Nun steh ich hier und frage mich seit Monaten, was noch übrig ist von meinem Idealismus. Können wir zurück zu dem, was wir mal wollten, können wir wieder die Partei werden, in die Menschen ihre Hoffnung steckten? Grund genug gibt es doch. Eine viel zu große Koalition kuscht vor dem Kapital und setzt immer weiter auf Umverteilung von unten nach oben. Das Geld läuft frei und immer mehr Menschen werden abgehängt. Ohne Tafeln wären wir in diesem reichen Land nicht weit von Hungeraufständen entfernt. Regierungen stecken ihr Geld lieber in Überwachung, als in ein bisschen mehr Gerechtigkeit. Gesundheits- und Bildungssystem laufen auf der letzten Rille, die Infrastruktur geht den Bach runter, Frau Merkel verbreitet die Politik, die dazu führt in der ganzen Welt.

Kurz: Es ist unglaublich viel kaputt. Und wir sitzen hier und wählen nach ein paar Wochen neue Vorstandsmitglieder, weil wir es nicht auf die Kette kriegen, miteinander vernünftig umzugehen. Ganz ehrlich, ich kotze im Strahl. Armdick!
Lasst uns das mal mit der Politik machen. Wir haben SMV und BEO beschlossen, ist ein halbes Jahr her, in der Stadt, die es gar nicht gibt, wir müssen das ans Laufen kriegen, gestern, damit wir Politik machen können, und noch viel mehr, damit wir die Hoffnungen erfüllen können, mit denen wir Menschen zu uns gelockt haben. Und dann lasst uns bitte mal ernsthaft darüber nachdenken, wie wir über zwei Prozent der Stimmen kommen. Vielleicht einfach mal wieder mit Freiheit statt Angst.
Nicht mehr empören, sondern mutig unser Programm vertreten, die Freiheit nehm ich mir doch! Zielgerichtet unsere Alleinstellungsmerkmale in den Vordergrund rücken! Nicht mehr vor lauter Bedenken butterweich herumschwurbeln. Seit Jahrzehnten ziehen alle Parteien immer weiter in die Mitte, die nichts anderes heißt, als in den neoliberalen menschenfeindlichen Mainstream. Sollen wir das wirklich auch tun? Das kann unser Ernst nicht sein. Wir sind eine kleine Partei, wir haben nur dann eine Berechtigung, wenn wir klar und anders sind. Lasst uns kompromisslos sein, lasst und im besten Sinne radikal sein, und die Probleme von der Wurzel her betrachten. Wir haben immer gesagt, wir sind die mit den Fragen, doch wann haben wir in den letzten Monaten wirklich etwas in Frage gestellt?
Nein, wir empören uns, wir meckern, wir grummeln, wir finden Überwachung total doof. Aber wo ist der Gegenentwurf? Was wolln wir denn? Maoam? Wie wäre es mal mit Plattformneutralität und die ernst nehmen. Wie wäre es mit Freiheit statt Angst und das ernst nehmen? Und ja, das tut auch schon mal weh! Weil Menschenrechte nicht an Schubladengrenzen aufhören, weil es ein Irrglauben ist, dass Menschenrechte nur für weiße Nerds eine vernünftige politische Forderung ist. Weil wir nicht Teilhabe für alle fordern können, und uns dann vor Feminismus in die Hose machen dürfen. Freiheit statt Angst! Weil wir nicht gleichzeitig gegen Faschismus und gegen Antifaschisten sein können – wir haben Sonntag in Köln gesehen, dass Tausende Rassisten und Faschos Randale machen, uns einschüchtern wollen, vielleicht wachen wir ja auf. Als das letzte Mal Demokraten nicht aufwachten, wurden sie von der Gestapo geweckt und abgeholt.
Liebe Bedenkenträger, tragt eure Bedenken in einen Bedenkenträgerverein, oder meinetwegen in die SPD, aber lasst uns piratige Politik machen, lasst uns Freibeuter sein, nicht Angstbeuter – ich entschuldige mich für diesen Wortwitz in aller Form – aber mal ganz im Ernst, lasst uns radikal gute Politik für Menschen machen, lasst uns eine Hoffnung für die sein, die sich nicht von RTL verdummen und der Bildzeitung verängstigen lassen. Eine Hoffnung für Menschen, die nichts mit der Langeweile der Etablierten anfangen können, die aber auch nicht per Aluhut in die Fänge von Querfront und Kryptofaschisten gezogen werden. Da muss es doch mehr zu holen geben, als zwei Prozent!
Mal ganz ehrlich, wir finden alle Überwachung doof, sehen den Polizeistaat am Horizont größer werden, hören die Angstmache der Konservativen und der Nationalisten, wir sehen, dass alles privatisiert wird, und was daraus erwächst. Wenn wir keine bunte, freie Gegenvision dagegen setzen, und auch dafür kämpfen und arbeiten, dann braucht es keine Piraten. Und ja, wir müssen damit der Mehrheit auf die Füße treten, macht man als kleine Partei so. Die Mehrheit will nämlich Überwachung, die Mehrheit will Sicherheit, und die Mitte der Gesellschaft hat mit Diskriminierung und Unfreiheit echt wenig Probleme. Lasst uns unbequem sein, mutig zu unseren Ideen stehen und dem immer rechteren Mainstream ins Gesicht lachen. Sonst braucht es uns nicht!

Progressive Plattform II

Es wird in den letzten Tagen viel davon gesprochen, ob sich die Progressivpiraten von der konservativen Mehrheit (mancher mag sich an dem Begriff „konservativ“ stoßen, ich zitiere damit den Bundesvorsitzenden, der in einem Interview in der „Welt“ den Gegensatz mit „progressiv vs. konservativ“ benannt hat) abspalten, die ihnen auf dem aBPT ja sehr deutlich gezeigt hat, dass sie nicht erwünscht sind. Auch der Umgang damit, dass die reaktionären Idioten von der KoZu-Crew jede Menge Twitteraccounts überwachen, die Tatsache, dass dieser Crawler verteidigt wird, macht es gerade nicht einfacher (ich war mir immer klar, dass meine Sachen gecrawlt werden, aber ich dachte da an Nazis oder Verfassungsschutz, dass „Piraten“ so was machen, ist in seiner Widerwärtigkeit kaum zu schlagen und ja, wenn da der BuVo nicht einschreitet, macht er sich noch lächerlicher, als er das schon mit der Berufung des Inquisitors als FsA-Koordinator getan hat). Die Schilder zeigen gerade alle in Richtung: „Geht doch!“.

Aber es gibt ja auch andere, es gibt Piraten, die das mit dem Ausstrecken von Händen ernst meinen. Die an eine konstruktive Zusammenarbeit glauben. Die es sinnvoll finden, dass die Progressivpiraten in der Piratenpartei bleiben. Ich kann mich immer noch nicht wirklich auf eine der Seiten schlagen, ich bin froh, in der Plattform viele Leute zu finden, die das, was ich als piratig empfinde, ebenfalls gut und richtig wichtig finden, aber in Bezug auf die Partei bin ich im Moment extrem schwankend. Denn, und da kann es auch keine große Diskussion mehr geben, wenn das mit der Handreichung auch nur ein Hauch ernstgemeint ist, und wenn ihr wirklich wollt, dass wir bleiben, dann müssen da Voraussetzungen für geschaffen werden:

  1. Wir brauchen eine klare Distanzierung von solchen Beleidigungen wie „Linksfaschist“, „Zecke“ oder „Ministalinist“. Und das muss klar von denen unterschrieben werden, die uns die Hände reichen wollen.
  2. Wir brauchen eine klare Mehrheit in der Partei gegen den Extremismusbegriff. Die Formulierung „Ich bin gegen Extremismus egal ob von rechts oder links“ ist politisch nicht haltbar und wird außer in gewissen Piratenkreisen nur vom Verfassungsschutz, der CDU und allem verwendet, was rechts davon ist. Wir haben uns alle die Finger wundgeschrieben, die Münder fusselig geredet, um zu erklären, warum das nicht geht. Wer den Begriff jetzt noch benutzt, dem fehlt keine politische Bildung, er ist gegenüber politischer Bildung absolut resistent, oder er gehört eben in die Reihe derer, die sowas absichtlich nutzen, um rechte Gewalt zu verharmlosen. (Ich werde hier mit keinem Kommentator zu dem Thema mehr diskutieren, die Diskussion ist vorbei. Wer die Hufeisentheorie weiter nutzen will, mit dem teile ich kein auch nur ähnliches Wertesystem.)
  3. Von uns wurden hunderte Distanzierungen und Reflexionen über Annes Aktion verlangt, tausende Gewaltdistanzierungen – und wir waren meistens auch brav, haben alles reflektiert, Anne hat sich entschuldigt, ich höre keinen, der sagt: „Was für eine rundum gelungene Aktion, jederzeit wieder!“ – Wenn ihr das mit den Händen ernst meint, dann muss auch bei euch mal ein bisschen Nachdenken einsetzen. Undemokratische Aktionen, von Orgastreik bis Rücktritten, von grober Nichtachtung journalistischer Grundsätze durch den Kompass bis niederbuhen und massivem Einschreiten der VL auf dem aBPT, wenn es um progressive Piraten ging – ihr habt da mehr als genug, was mal ernsthaft reflektiert werden sollte. Und vielleicht findet ihr mit ein bisschen Nachdenken auch ein paar Punkte, wo nicht alles total geil war, was der konservative Flügel in den letzten Monaten gemacht hat. Wenn ihr da keine Aufarbeitung selbst angeht, so wie das bei uns dauernd geschieht – dann sehe ich keine langfristige Zusammenarbeit. So leid es mir tut.

Werden diese Voraussetzungen nicht angegangen, dann sehe ich keine gemeinsame Zukunft. Jetzt kann man natürlich vom konservativen Flügel her sagen: „Ihr seid nicht in der Position, Forderungen zu stellen.“ Das ist okay, ich würde niemanden erpressen wollen. Aber ich analysiere meistens nicht so schlecht, und meine Analyse sagt, wenn ihr euch nicht bewegt, dann werden wir gehen. Wenn ihr das nicht wollt …

Das ist keine Stellungnahme der Plattform, sondern nur meine Meinung. Wollte ich noch mal festgehalten haben 😉

Progressive Plattform I

Gestern war ja der Mumble zur Konstitution der progressiven Plattform und ich habe, wie ich zugeben muss, nur etwa anderthalb Stunden mitgehört, habe selbst nichts gesagt, unter anderem, weil ich mit der Technik kämpfte, aber auch, weil ich es schwierig fand. Die Orga fand ich okay, aber die Grundstimmung ist natürlich problematisch, wenn man nur einen kurzen Blick auf die Zuhörer werfen muss, um alle möglichen Hetzer und Hater zu entdecken, die seit Monaten auf McCarthy 2.0 machen. Da habe ich deutliche Bauchschmerzen mit. Vor denen möchte ich nicht offen reden. Und ich habe noch ein recht dickes Fell, ich will gar nicht wissen, wie viele sich davon haben total abschrecken lassen.

Und es kam ja auch, wie es kommen musste. Der Padchat wurde getrollt, auf Twitter wurde gehetzt. Darauf möchte ich gar nicht eingehen. Aber es kamen auch Kommentare, die ich beantworten möchte. Ich habe das auch auf Twitter schon kurz getan, aber hier mal etwas ausführlicher.

Das eine war der Zensurvorwurf, der in Piratenkreisen natürlich vorherzusehen war. Sprechen durfte nur, wer sich der Progressiven Plattform zugehörig fühlte. Ist natürlich Zensur, klar. Nein. Auf dem aBPT ist uns klar gemacht worden, dass man uns niederschreien darf, ohne dass eine VL da was gegen macht. Seit Monaten werden wir reihenweise beleidigt und beschimpft. Die Plattform brauchen wir als Schutzraum. Da irgendwen reinzulassen, der uns total doof findet und das schon immer mal sagen wollte, ist ungefähr so clever, wie einen Weinvertreter seinen Vortrag beim AA-Treffen halten zu lassen. Wir wollten miteinander reden und überlegen, wie unsere Zukunft ist. Da brauchen wir keine Spalter und Hetzer und noch nicht mal jemanden, der nur sagen will, dass der andere Flügel eigentlich total nett ist und uns die Hände reichen will.

Das andere war der Vorwurf der Arroganz. Weil einige von politischer Bildung sprachen, die, wenn sie denn mehr verbreitet würde, unsere Themen bei allen Piraten besser verbreiten würde. Ja, klingt arrogant nicht wahr. Einerseits, Leute, wenn ihr uns unbedingt bei unseren Gesprächen überwachen wollt, dann kommt damit klar, was ihr hört. Der Lauscher an der Wand, da gibt es so ein Sprichwort. Das war keine Versammlung für euch, ihr hattet da so viel zu suchen, wie die NSA in unseren Mails.

Andererseits, verdammt, kapiert das immer noch keiner? Die Nummer mit der politischen Bildung ist nicht arrogant sondern unglaublich optimistisch. Da treten Menschen einer politischen Partei bei, halten sich selbst zum allergrößten Teil irgendwie für links, für sozialliberal, und dann kriegen sie es nicht hin, sich von der Hufeisentheorie und dem Extremismusbegriff zu distanzieren. Joa, wenn wir dann sagen, da fehlt politische Bildung, dann bedeutet das, wir haben die Hoffnung noch nicht aufgegeben, dass ihr das nicht ernst meint. Dass ihr da einfach noch mal drüber nachdenken müsst. Denn eines ist klar, wenn ihr das mit dem Hufeisen ernst meint, so total daran glaubt, dann folgt ihr dem Denken des Verfassungsschutzes und seiner konservativsten Vordenker. Die Hufeisentheorie ist dafür da, dass Nazis verharmlost werden, gelebte Holocaustrelativierung. Wir hoffen einfach immer noch, dass so konservatives Denken nicht piratig ist. Und wenn ihr uns deswegen für arrogant haltet, nehmen wir das auf uns, weil wir so verdammt optimistisch sind.

Ich möchte in Zukunft nicht mehr mit Überwachung tagen, ich brauch auch keine Aufnahme oder bei RL-Treffen keinen Stream. Lasst uns erst mal in Ruhe allein miteinander reden. Wir brauchen das.

Handreichung

Nachdem das Wochenende, also der aBPT so gelaufen ist, wie wir uns das albträumten, und einige Leute in den BuVo gewählt wurden, die unser Programm so eher scheiße finden – vor allem unser 1Vor hat das ja schon häufig in irgendeiner Weise verkündet – habe ich meine Konsequenzen gezogen und meine Prioritäten in eine andere Richtung verschoben. Was weder heißt, dass ich ausgetreten bin, noch in völlige Inaktivität übergehe.
Zwei Entwicklungen passieren nun gleichzeitig, die mich involviert halten, so sehr, dass ich meine Finger nicht still halte und diesen Blogpost schreibe.
Das eine sind die Foyerpiraten – was sich davon ableitet, dass sich während des aBPT ähnlich denkende Piraten im Foyer versammelten und dort über die Bildung eines linken Flügels oder ähnlichem diskutierten. Heute Abend treffen wir uns dann auch noch mal im Mumble, was, wie ich finde, immer noch keine so gute Idee ist. Ich hättte ein Treffen ohne Überwachung durch die anderen besser gefunden. Das Gefühl sagt, wir sind in dieser Partei nicht mehr willkommen, das Gefühl sagt, der Mumblemob hat uns dahin gebracht, wo wir jetzt sind, der Mumble ist kein guter Ort, um offen reden zu können.
Denn natürlich werden wir reden und uns streiten, und es wird vermutlich im Flügel zwei Flügel geben. Der eine, der gemäßigte wird unbedingt in der Partei bleiben wollen und glaubt an das Gute im Piraten, dass wir mit Aufklärungsarbeit innerhalb der Partei Politik in unserem Sinne machen können – schließlich ist das Programm ja massiv links und wurde doch immer mit Zweidrittelmehrheit verabschiedet.
Der andere Flügel wird den Fork wollen – nur Nerds können da das Wort Gabel einbauen, wenn eigentlich eine Spaltung gemeint ist -, sie werden sagen, wir können mit DENEN keine Politik machen, lasst uns gehen, die „guten“ LVs geschlossen mitnehmen, wenn das geht, und ansonsten einen vernünftigen Neuanfang wagen.
Ich weiß noch nicht, zu welchem dieser Flügel im Flügel ich gehöre. Einerseits habe ich ja Blut geleckt und möchte weiterhin Politik machen. Und ja, ich sehe das auch als schwer an, in dieser Partei jemals noch mal ernsthaft zu Politik zu kommen. Aber einen Neuanfang? Alles von vorne und so? Den LPT-NRW in der Grundschulaula durchführen können? Ich weiß es nicht.
Ich schlag hier noch mal einen kleinen Bogen. Kaum hatte der andere Flügel, ich nutze hier mal kein beschreibendes Wort, die Anderen halt, den aBPT nicht nur als Gewinner gefeiert – Glückwunsch! -, sondern in arrogantester Manier uns gezeigt, dass wir hier nichts mehr zu suchen haben, kam der Hashtag #1000 Hände auf, der einerseits für Mitarbeit in Brandenburg bei der Suche nach UUs steht, und andererseits auch bedeuten soll, dass man uns die Hand reicht, also uns Linken, äh Progressiven, ach, Worte. Nun ja, das klingt ja erstmal total nett und so, das mit dem Hand reichen. Und natürlich haben auch einige von uns gesagt, hey, das ist doch total nett, ergreifen wir die Hände.
Aber mal ernsthaft, ihr schreit unsere Redner nieder, ihr buht bei Danksagungen an Leute, die sich für uns alle den Arsch aufgerissen haben, ihr wählt Leute, die – zensiert -, und dann reicht ihr uns die Hände, damit wir brav unsere Arbeit weitermachen?
Ist okay, kann man machen. Ist optimistisch, aber kann man machen. Das Problem ist folgendes: Es hört ja nicht auf, dass ihr uns als Linksfaschisten beleidigt. Ihr hört ja nicht auf, mit dem Extremismusbegriff um euch zu werfen – der uns nicht direkt beleidigt, er verstört uns, weil wir wissen, wo er herkommt. (Vom Verfassungsschutz, den wir abschaffen wollen!) Ihr verteidigt immer noch Fraktionsgemeinschaften mit Rassisten. Ihr werft uns immer noch undifferenziert Gewaltbereitschaft vor. Die Liste kann man noch um einiges länger machen, habe ich jetzt gerade keinen Bock drauf.
Wenn es nur um die billigen Provokationen des Sumpfs ginge, wäre es noch irgendwie erträglich, aber da ist ja vieles tief verwurzelt.
Ich reiche niemandem die Hand, der von Extremisten spricht oder mir Gewalt unterstellt. Ich reiche auch niemandem die Hand, der elementare Ideen unserer Partei – und da gehört BGE nun mal zu, lieber Sekor – ablehnt und sich drüber lustig macht.
Und ja, vielleicht hilft da nur die Gabel, wenn es alles nicht hilft. oder vielleicht lässt man es einfach, vielleicht war Partei einfach ne doofe Idee …