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Von Courage … und vom Wrestling …

Lassen Sie uns kurz über Courage reden, Mut,oder wie immer man das auch sagen will, dass man irgendwie so durchs Leben geht, dass man sich nicht duckt, wenn es wichtig ist, sondern den Kopf irgendwie oben hält.

Mein Schreibanlass ist ein seltsamer, nächste Woche ist Wrestlemania, das ist der größte Event im Plan einer Showkampf-Organisation namens WWE. Und da ich von dem Quatsch nicht loskomme, werde ich am nächsten Wochenende wieder mal unzurechnungsfähig sein – wie, nur am nächsten Wochenende? Schnauze!.

Vor Wrestlemania werden wieder Menschen in die Hall of Fame eingeführt und bei dieser Zeremonie, die hauptsächlich von alternden Sportentertainern bevölkert ist, die erzählen, wie sie sich auf die Omme gehauen haben, und wie sie gefeiert und gesoffen haben und das sie früher einfach eine geile Zeit hatten, wird auch der Warrior-Award an ein Kind übergeben, dass sich gegen Krebs oder eine andere furchtbare Krankheit wehrt, gewehrt hat, und manchmal auch an Kinder, die es nicht geschafft haben.

Und da haben wir den ersten Schreibanlass. Courage im Angesicht einer Krankheit, nicht aufgeben, alles tun, was möglich ist. Ich denke, Courage ist hier eine Frage einer Entscheidung. Der Entscheidung, ob man leben will, oder ob man aufgibt. Kinder, die eine solche Krankheit haben, wachsen, so schrecklich das ist, mit dieser Krankheit auf, für sie ist die Krankheit Alltag. Ob Courage das richtige Wort dafür ist, sich ans Leben zu klammern? Aber es wirkt oft wie Courage, wenn man einfach nur nicht sterben will, also ist ein Award an solche Kinder auf jeden Fall eine schöne Geste. Und von einer Firma, die ihre Shows zu einem guten Teil ja für Kinder und Jugendliche macht, könnten schlechtere Gesten kommen.

Das Problem mit diesem Award ist der Namensgeber. Man hängt sich damit nämlich an den recht früh verstorbenen Ultimate Warrior. Einen populären Steroid-Bomber, der in den 80er und 90er Jahren aktiv, und nicht unumstritten war. Von seinem offenbaren Dopingdrogenproblem abgesehen, und davon, dass er seinen Nachnamen in Warrior änderte – wtf? -, es gibt von ihm auch einige wirklich widerliche homophobe Äußerungen.

Und jetzt ist das diese Frage, wie das mit Courage und dem Hass ist? Und natürlich mit der Meinungsfreiheit, denn es kommen natürlich immer wieder Leute an, die meinen, es sei ja nicht schlimm, wenn der Typ halt seine Meinung gesagt hat, Meinungsfreiheit ftw und tut ja keinem weh und so. Das stimmt nicht. Rassistisches und homophobes und sonstwie faschistoides Gehetz schadet ganz aktiv Menschen. Nämlich denen, die davon betroffen sind. Wie geht es denn einem jungen Wrestlingfan, der nun mal zufällig schwul ist, und der dann von seinem Idol, dem Ultimate Warrior, so eine Scheiße hört? Hetze ist verbale Gewalt.

Und kann man couragiert sein und gegen Schwule? Nein, kann man nicht. Wer gegen Minderheiten hetzt, hat keine Courage, sondern ist ein feiger Gesell, der schwächere herumschubst. Da auch alle Ausprägungen der Supremacy wie Homophobie, Rassismus, Antisemitismus, Sexismus usw. auf einem Weltbild beruhen, dass völlig angstbasiert ist („die nehmen uns die Arbeit und die Frauen weg, und die verschwulen die Gesellschaft“ und so weiter und so weiter, halt die ganze typische AfD-Winselei). Couragiert ist das Gegenteil von homophob, wer Courage hat, hätte niemals Angst davor, dass andere einander auf ihre Art lieben.

Es gibt keine mutigen Nazis, es gibt keine mutigen Faschisten, mutige Menschen hassen nicht.

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Der Fall Terry Bollea

Wer den Namen in der Überschrift nicht kennt, sollte sich nicht grämen, unter einem anderen Namen kennt den Mann fast jeder, es geht um die Wrestlinglegende Hulk Hogan, der gestern vom Wrestlingmarktführer WWE wegen rassistischer Äußerungen entlassen wurde. Er hatte sich in einem Video, das wohl nicht für die Öffentlichkeit bestimmt war, darüber ausgelassen, wie schlimm er es finden würde, wenn seine Tochter Brooke mit einem Schwarzen Sex hätte. In dem Bereich, meinte er, sei er Rassist. Soweit die Aussagen, wie der Enquirer sie gestern veröffentlicht hat. Frei übersetzt von mir.

Die WWE hat mit der ganz groben Kelle reagiert. Sie hat den Legendenvertrag aufgelöst, Bollea als Juror der Wrestling-Casting Show „Tough enough“ rausgeworfen, sämtliche Hinweise auf den Hulkster aus ihren Webseiten gelöscht – auch aus der Hall of Fame, die sich ja eigentlich mit dem wahrscheinlich bekanntesten Wrestler aller Zeiten schmückte. Das ist eine erfreulich klare Reaktion, die nicht unbedingt so zu erwarten war. Immerhin ist Hogan, auch wenn er mit seinen 61 Jahren nicht mehr in den Ring steigt, eine sogenannte Cashcow – von ihm wurde mehr Merchandise verkauft, als von manchem aktuellen Wrestler. Andererseits könnte es durchaus sein, dass ein ausgewachsener Rassismusskandal um Hogan auch auf seinen zeitweiligen Arbeitgeber abgefärbt hätte. (Hogan hatte einen Legendenvertrag, der bedeutet, dass er dafür bezahlt wurde, dass man mit seinem Namen und Gesicht arbeiten kann. Er tauchte in Computerspielen auf und war ein Gesicht der Company. Daneben wurde er auch immer wieder für Auftritte gebucht, meistens für PR-Zwecke oder um einzelne Auftritte in WWE-Shows zu absolvieren.)

Wenn die WWE – und andere Wrestlingorganisationen – jetzt daraus auch lernen würden, wäre das allerdings noch viel wichtiger. Denn das Business ist ein Spiegel der rassistischen Gesellschaft. Die schwarzen Wrestler, die den größten, der verschiedenen Titel gehalten haben, sind an einer Hand abzählbar. Beim nach Hogan bekanntesten Wrestler heute, dem inzwischen auch als Schauspieler anerkannten Dwayne „The Rock“ Johnson, wird in Wrestlingkreisen der schwarze Vater Rocky Johnson regelmäßig unter den Tisch fallen gelassen- er gilt durch seine samoanische Mutter als Samoaner.

Und ist Mitglied einer großen und legendären samoanischen Wrestlingfamilie, deren Mitglieder oft harte rassistische Klischees verkörpern musste. In den 70ern fing es mit den Wild Samoans an, die als Quasi-Kannibalen mit Knochen in der Nase auftraten. Die nächste Generation waren dann die Headshrinkers, wieder ein Team von Wilden. Diese Cousins von The Rock waren aber nur der Anfang. Bald stieg der gewaltige Yokozuna in den Ring – der als böser Japaner auftrat – wohlgemerkt, er war Amerikaner samoanischer Abstammung. Auch ein weiterer Cousin musste noch mal das wilde Tier spielen – Umaga rundet den Reigen der nationalistischen und rassistischen Klischees ab. Heute tritt ein Familienmitglied als Roman Reigns auf und ist der  Wildnisfalle entkommen, während dessen Cousins, die Uso-Zwillinge, als bunte und bemalte Spaßwrestler auftreten – die andere Seite der Samoaner, die die Usos von Vater Rikishi geerbt haben, der zuerst einer der Headshrinkers war. Warum so viel Familiengeschichte? Die Samoaner sind People of Colour, auch wenn sie meistens besser dargestellt wurden, als viele schwarze Kollegen, und sie sind ein markantes Beispiel für Rassismus im Wrestling.

Die wilden Monster, eigentlich immer Bösewichte im Wrestling – „Monsterheel“ ist der daraus geborene Begriff -, sind Tradition. Und diese Gimmicks sind eigentlich immer so dumme Stereotype, dass es aufgeklärte Menschen schmerzen muss. Und es trifft natürlich oft Menschen, deren Hautfarbe nicht weiß ist. Das wahrscheinlich schlimmste Gimmick, der afrikanische Riese Kamala, ist vielleicht zwanzig Jahre her. Aber auch zuletzt wurde ein Bulgare noch in ein Russland-Putin-Fan-Gimmick gesteckt, der viele nationalistische Sprüche seiner irgendwie heldischen Gegenspieler provozierte. Steinzeit.

Verschiedene Ausprägungen der Supremacy sind immer wieder ein Teil des Wrestlings. Klischees sind in dieser plakativen Unterhaltungsrichtung nicht unerwartet. Die WWE, und natürlich auch diverse Konkurrenten, müssen in der heutigen Zeit ankommen. Vielleicht ist der Hogan-Skandal eine Chance.

Das Wrack will es noch mal wissen …

Ja, gilt die Überschrift jetzt Mickey Rourke oder seiner Figur Randy the Ram? Bei beiden stimmt es ja irgendwie – aber darüber ist schon viel gesprochen und geschrieben worden, also versuche ich mich lieber daran, was über den Film selbst zu schreiben.

Ach, bevor ich es vergesse, ich muss hier eine Spoilerwarnung aussprechen, ich verrate ein bisschen was über den Film …

Wrestling ist eine der ursprünglichsten Unterhaltungsformen, ein archaisches Überbleibsel vielleicht, auf jeden Fall aber eine faszinierende Parallelwelt. In dieser Welt hat Randy the Ram eine ganz große Zeit gehabt, gehörte einst zu den größten aller Stars – doch zwanzig Jahre später ist er nur noch ein verbrauchter Typ, der sich nur mit kräftiger Dopingunterstützung in den Ring schleppen kann. Er liebt eine auch nicht mehr ganz junge Frau, die in einem Stripclub ihr Geld verdient und langsam aber sicher auch nicht mehr in ihrem Business bleiben kann.

Als Legende darf Randy immer noch Matches gewinnen, aber die Hallen, in denen er das tut, sind klein, und er muss alles mögliche an Matches annehmen, schließlich muss er seine Miete und seine Drogen bezahlen. Nach einem unglaublich heftigen Hardcore-Match kollabiert Randy, sein Herz ist nicht mehr gewillt, dieses Anstrengungen mitzumachen. Nun überdenkt er langsam aber sicher sein Leben, auch durch Pam gestützt, die nicht mehr weiß, ob sie in ihm einen Freund oder einen Kunden sehen soll. Randy versucht, den Kontakt zu seiner Tochter zu erneuern, nimmt einen festen Job in einem Supermarkt an, in dem er Delikatessen verkauft.

Eigentlich könnte nun alles gut werden … aber die klassische Dramaturgie hat da natürlich was gegen …

Ja, was Mickey Rourke da zeigt, ist wirklich beeindruckend. Man sieht seinem Randy die Liebe zum Business an, man muss sich in diesen netten Kerl verlieben, der allerdings nur im Ring ein Gewinner sein kann. Er versprüht einen wunderbaren, manchmal auch etwas tollpatschig daherkommenden Charme, ein grober Klotz, der eigentlich nur seinen Job machen will, der einfach süchtig nach dem Publikum ist. Man glaubt diesem Rourke die ganze Zeit zu hundert Prozent den alternden Wrestler, und sicherlich hat es ihm geholfen, dass er zu einem gewissen Teil sein eigenes Leben spielt. Aber das ist schon ein starker Auftritt, mit dem er den Rest des Ensembles auch etwas an die Wand spielt.

Natürlich ist der Verlauf ein bisschen vorhersehbar, Randy ist nun mal leider außerhalb des Rings ein Looser und muss scheitern – wenn man das Ende denn als Scheitern sehen will. Ansonsten gibt es für mich nur eines an diesem Film auszusetzen: es gibt viel Handkameragezappel, das geht mir immer etwas auf den Keks, habe den stilistischen Sinn davon auch noch nicht verstanden.