Archiv der Kategorie: Zwischenruf

Kraut und Rüben

Ahrgh, es gibt so viel zu sagen, es gibt so viele Themen, die auf mich einprasseln, lest Zeitung, hört Euch Nachrichten an, da muss man einfach mal was sagen. Und weil es von allem etwas gibt, hab ich mir gedacht: Kraut und Rüben ist ein nicht besonders origineller, aber ein treffender Titel für diese kleine Kolumne …

Peter Sodann ist von der Linken als Präsidentenkandidat aufgestellt worden. Hey, wie schade, dass er keine Chance hat. Ein bodenständiger Intellektueller, gleich zwei Sachen, die der Sparkassendirektor, der momentan Deutschland nach außen vertritt, nicht ausstrahlen kann. Ein Mann aus der Kultur, nicht aus dem Bankengewerbe, was wäre das für eine Richtungsentscheidung, wie sehr würde ich sie mir wünschen … und ist es nicht herrlich, die Junge Union NRW – wie sehr ich mich schämen muss, dass es ausgerechnet die Abteilung aus dem schönen NRW ist – ist blöd genug, zu verlangen, dass jetzt keine Tatort-Folgen mit Sodann mehr gezeigt werden, weil das ja Wahlwerbung wäre … ist doch schade, wenn der IQ nicht über die Fünf-Prozent-Hürde kommt.

Anderes Thema, auch Kultur: MRR hat für Rabatz gesorgt, hat den Fernsehpreis aufgemischt. Der kluge alte Mann hat den Fernsehmachern ins Gesicht gesagt, was für einen riesigen Mist sie verzapfen, und was sagt das Publikum dazu, alles lacht und klatscht – offenkundig weiß jeder, wie es steht, und wo er Recht hat, hat er nun mal Recht … jetzt regen sich viele Leute über die Arroganz von MRR auf … er war immer so, und dadurch wurde er erst so einflussreich und so unterhaltsam. Und er hat ja auch Recht. Da gibt es so viel Datenmüll, der statt gutem Fernsehen gesendet wird, dass man sich durchaus aufregen kann. Und wie sich diese Deppen von DSDS  selbst feierten, war so ekelerregend, dass es für einen denkenden Menschen eigentlich nur diese Reaktion geben konnte. Da hab ich heute morgen in der Zeitung gelesen, dass jemand meinte, nicht jeder könnte nur mit Kafka und Goethe leben – richtig, so oft hab ich weder den einen, noch den anderen in Buchform in Händen, aber Bauern, die Frauen suchen, Frauen, die Häuser renovieren oder schlechte Amateurschauspieler, die Gerichtsverhandlungen spielen, die so nie stattfinden könnten – Leute, besser als das muss es doch gehen.

Bankenkrise und kein Ende. Nein, ich bin eigentlich ja kein so besonders politischer Mensch, aber ich bin ein recht begeisterter Pokerspieler, und manchmal bin ich sogar ein recht erfolgreicher Pokerspieler, also verstehe ich wenigstens ein bisschen davon. Und ein sehr wichtiger Spruch lautet: Wirf schlechtem Geld kein gutes hinterher. Wenn du eine Hand verloren hast, dann wirf die Karten weg, auch wenn es weh tut, wirf nicht Geld in den Pot, von dem du weißt, dass es verloren ist. Und jetzt wollen die Herrschaften Politiker ziemlich einmütig ganz viel gutes Geld in die Banken pumpen, die sich so lustig verzockt haben, die das Spiel offenbar verloren haben. Das kann nicht richtig sein. Und mal ganz nebenbei, sind das jetzt wirklich die neoliberalen Banker, die nach dem Staat schreien? Die Leute, die den HartzIV-Empfängern keine fünfhundert Euro gönnen, die selbst aber so viel in einem Monat verdienen, dass sie einige dieser Leute für ein ganzes Jahr ernähren könnten? Die Autos fahren, die einige Jahresgehalte von gut verdienenden Facharbeitern kosten? Ist es die ziemlich wirtschaftsliberal auftretende CDU, die gerade Banken teilverstaatlichen will? Sehr schöne sozialistische Idee … bevor die Wirtschaft nicht endlich in die Schranken gewiesen werden, Spekulationen quasi verboten werden, man sich endlich von der Idee einer ewig wachsenden Wirtschaft verabschiedet, wird noch einiges Wasser den Rhein runter fließen, und doch wird man irgendwann auf den Trichter kommen. Denn so, wie das momentan funktioniert, fährt man die gesamte Weltwirtschaft vor die Wand.

So, das reicht erst mal …

Zwischenruf: Gemeinschaften und negative Energie

Umgangssprachlich formuliert fahre ich gerade einen Hals, aber derbe … Und diese Emotion at was mit dem Thema Gemeinschaften zu tun. Wie jeder Leser meines Blogs weiß, spiele ich WoW und bin auch in einer Gilde, genauer gesagt in einer Multi-MMO-Gilde, also einer Computerspielgilde, die in verschiedenen Spielen ihr Zuhause hat. So eine Gilde hat natürlich auch ein Forum und ein bisschen Bürokratie, zum Beispiel müssen sich Neumitglieder erst mal bewerben und manchmal werden sie auch abgewiesen.

Tja, und alles könnte so schön sein, mit fast allen Mitspielern habe ich ein gutes Verhältnis, man hilft sich gegenseitig, hat gemeinsam Spaß, geht zusammen in Inis oder questet gemeinsam, alles ist gut, oder besser, alles könnte gut sein.

Wenn da nicht ein Typ wäre, der ständig und überall seine Meinung allen aufoktroyieren versuchte. Dieser Mensch (ich vermute, es ist einer), nennen wir ihn der Einfachheit halber mal Ramses, hat zu allem eine Meinung, aber zu nichts eine Meinung, die sich mit gesundem Menschenverstand decken würde. Das ist ja im Prinzip okay, jeder hat ein Recht auf seine Meinung, das ist ein Recht, für das ich vieles geben würde, ja, ich würde auch vieles dafür geben, dass Ramses seine Meinung äußern darf … aber leider äußert Ramses seine Meinung nicht wie normale Menschen, er stellt sie immer als alleine selig machende Wahrheit hin und beschimpft jeden, der eine andere hat – zwar meistens brauchbar versteckt und oft so ein bisschen durch die Blume, aber grundsätzlich lässt er jeden Andersgläubigen schlecht aussehen, macht klar, dass dieser die falsche Einstellung zum Spiel und zur Gilde hat – offenkundig wurde ihm die Wahrheit, oh Herr, zuteil, und mit ihm zu diskutieren ist genauso sinnlos, wie ein Gespräch mit einem Freikirchler über den persönlichen Gottesbegriff. Ramses weiß, dass er Recht hat, wie könnte jemand anders daran kratzen – und dann wird es noch viel schlimmer – ich bin ja erst ein paar Monate dabei, also müsste ich ja wirklich gefälligst die Klappe halten, denn ich weiß ja gar nichts über die Gilde, über die Erfahrungen, die man gemacht hat, blablablabla ….

Nun bin ich ein bisschen älter als Ramses und es gewohnt, Gruppen zu führen – ich weiß, ist ne komische Formulierung, aber als Regisseur bin ich der, der das letzte Wort hat und auch noch der, der auf die Gruppenchemie achtet. Ich weiß also recht viel darüber, wie eine Gruppe funktioniert und wie sie nicht funktioniert. So weiß ich zum Beispiel auch, dass negative Energie ein echtes Problem ist. Und Ramses atmet negative Energie aus. Bei jeder Bewerbung eines eventuellen Neumitglieds, stänkert er herum und sucht Sachen, die sich in Abstimmungen gegen dieses eventuelle Neumitglied verwenden lassen. Und immer dann, wenn jemand sich als unglaublich wichtig aufführt, weckt sich in mir ja was, so ein gewisser Widerspruchsgeist: Ich kann es nicht ausstehen, wenn Leute sich selbst sehr wichtig und ernst nehmen. Und ich kann Unsinn nicht ausstehen. Und, ja, natürlich knallt es im Moment sehr heftig, aber HALLO! Und natürlich nutze ich jedes bisschen Können, was mich mit der Sprache verbindet, um gegen Ramses mobil zu machen. Es gibt nämlich nichts blöderes, als wenn jemand ständig ein bisschen zündelt und mit der Zeit niemand mehr ein Interesse an der Gemeinschaft hat. Dann lieber einmal richtig Benzin drauf und schauen, ob es ein Ende mit Schrecken gibt, oder ein Freudenfeuer, an dem die Gemeinschaft gesundet – und ich tanze gerne um das Feuer.

In der Zwischenzeit, während ich hier schreibe, entwickelt sich so einiges im Forum, es müssen nun endlich Diskurse geführt werden, es gibt wichtige Entscheidungen zu treffen. Und das sehen glücklicherweise sehr viele Leute sehr ähnlich wie ich … vielleicht krieg ich ja auch bald diesen Hals wieder weg.

Zwischenruf – Artistik …

Aus quasi unerfindlichen, immer wiederkehrenden Gründen war ich gestern im Phantasialand, und in diesem Jahr habe ich mal wieder die große Show im Wintergarten namens Arachnomé gesehen – mache ich nicht immer, so manche Show verpasst man im Achterbahnentroubel, aber in diesem Fall war es ein netter Abschluss eines Freizeitparktages.

Bei dieser Varieteshow gibt es ein bisschen Illusion zu sehen – wie kommt die Frau jetzt durch die Stahlplatte? -, dazu ein Schlangenmädchen, ein paar chinesische Akrobaten und einige Tänzerinnen, die irgendwie der rhythmischen Sportgymnastik entlehnt zu sein scheinen. Alles sehr hübsch, alles in tollen Kostümen, gut durchdacht und mit Musik geschmückt, die sehr verschiedene Qualitätsgrade hatte. Es wird sogar versucht, so etwas wie ein Geschichte zu erzählen, was durchaus nicht üblich ist, für so geartete Shows.

Trotzdem merkte ich, wie ich mich nicht so recht konzentrieren konnte … war es der leckere Schokladenkuchen oder die heftigen Verwindungen in den Achterbahnen – ich konnte zeitweise die Augen nicht so recht aufhalten – okay, in früheren Jahren habe ich auch schon mal zehn Minuten einer ähnlichen Show schlicht verpennt, das ist also kein Einzelfall – vielleicht sollte ich mir eine DVD davon besorgen und ich würde bald keine Einschlafprobleme mehr kennen …

Ich frage mich nun also, wieso das so ist – gut, es wurde nicht jongliert, was mich sicherlich am meisten interessiert hätte, weil ich da zumindest die Grundlagen auch beherrsche, aber das ist kein guter Grund. Es ist auch nicht so, dass ich nicht bewundern würde, was Menschen mit ihren Körpern so anfangen können, und da gab es einiges zu sehen, was wirklich toll war. Aber fesseln konnte es mich nicht …

Ich glaube, das liegt hauptsächlich an der Präsentationsweise. Erstens gibt es bei allen diesen tollen Akrobaten, Tänzern und Athleten furchtbare Manierismen – jede Bewegung muss tänzerisch zu Ende geführt werden, alle wirken künstlich, weil jede Bewegung künstlich ist. Zweitens ist alles in Farben und Glitter eingezwängt, hier gibt es immer ein bisschen zu viel von allem.

Eine einzige Nummer, die ein bisschen Natürlichkeit eingefügt hätte, wäre für mich eine Erlösung gewesen. Irgendwas, das echt gewirkt hätte – so konnte mich nichts anrühren. Erschlagen von hübschen, aber nichtssagenden Bildern will das Auge einfach Ruhe und zieht die Läden vor – ich glaube, diese Kunstform ist an sich irgendwie in ihrer Künstlichkeit völlig erstarrt, nur sehr selten sieht man Artisten, die mit den Tausenden von pailettenbestickten Klischees aufräumen, und einfach mal einen ganz einfachen und naheliegenden Weg bestreiten – und damit wieder Augen zum leuchten bringen – und nicht zum Schlafen …

Zwischenruf: Cheaten!

Hach, das Thema kam eben in einem Forum auf. Cheaten in Computerspielen. Ist die richtige Übersetzung für Cheaten eigentlich „Bescheißen“? Ist ja auch egal.

Wer einen Cheat benutzt hat keine Spielerehre, wer beim Computerspiel cheatet, der schummelt auch bei anderen Spielen. Das muss sicherlich nicht so sein, aber irgendwie machen mich Cheats misstrauisch. Jetzt mal ernsthaft: Wenn ich mich an ein Spiel ausliefere, dann will ich das auch bestehen. Dann will ich mich nicht irgendwie durchmogeln. Schaff ich das nicht, gibt es zwei Möglichkeiten – entweder fehlen mir die Fähigkeiten, ich versuche es dann so lange, bis ich es schaffe, oder das Spiel taugt nichts, weil ich bei der ersten größeren Schwierigkeit aufgebe. Dann hat mich das Spiel nicht so sehr fesseln können, dass ich auch in dieser Schwierigkeit nicht die Flinte ins Korn schmeiße. Natürlich gibt es hier und da das Problem, dass ein Spiel einfach schlecht balanciert ist, dass es an einem Punkt dann wirklich nicht weiter geht. Aber das ist dann ja ein Fehler des Spiels, dann taugt es halt nichts. Uih, schon einmal im Kreis gedreht.

Ein kurzer Blick auf meine WoW-Karriere. Ja, auch ich bin ein bis drei Mal von Kollegen aus der Gilde durch eine Instanz gezogen worden, allerdings habe ich das wirklich nur wenige Male genutzt, und auch nicht wirklich zielgerichtet, sondern nur, wenn es sich ergab. Ansonsten habe ich sehr früh ein paar schicke Taschen bekommen, und immer, wenn ich ein Reittier brauchte, hat mir jemand ein bisschen Gold geliehen. Ist das schon Cheaten oder einfach nur gute Gildengemeinschaft? Wenn jetzt jemand Probleme hat, komme ich schließlich auch vorbei und helfe aus …

Na, da hab ich ja noch was zu Grübeln …

Zwischenruf: Alte Männer mit Peitschen

Was klingt, wie ein ganz schmuddeliges Video, dreht sich natürlich um Indiana Jones, der vierte Teil. Den habe ich nämlich gestern gesehen, also gestern Abend in Köln und auf Englisch – dummer Fehler, mein Englisch ist nur mittelmäßig und wie soll man da all die genuschelten Gags verstehen … dumme Sache, wenn andere MitinsKinoGeher Leute anschleppen, die nur mitkommen wollen, wenn der Film im Originalton gezeigt wird. Ich find es gut, dass bei uns Filme synchronisiert werden! Auf Deutsch kann man sie nämlich besser verstehen. (Übrigens schaue ich mir recht häufig Sachen auf Englisch an, allerdings erst, wenn ich sie auf Deutsch schon kenne.)

Also zum Film: Jepp, Indy-Feeling pur. Der trockene Humor, einige wunderbar unrealistische Szenen, grandiose Verbeugungen vor anderen Filmen des Abenteuer-Genres, abgedrehte optische Gags, nette Ekeleffekte, ein wirklich guter Sidekick zum alten Mann, eine Frau an Indys Seite, die ihm erst kräftig einheizt und sich dann von einem eher dämlichen Spruch zu einem verliebten Teenager wandeln lassen darf. Hach, da gibt es einfach viel zu lachen, man kann sich unterhalten lassen, wie man außer von Stephen Spielberg nur selten von jemandem unterhalten werden kann. Nebenbei spielt Harrison Ford auch wirklich gut, es gibt hübsche Momente, die man so gar nicht erwartet hätte …

Irgendwie machte mich der Film fast sentimental. Ich habe die ersten Teile natürlich nicht im Kino gesehen, so alt bin ich ja nun auch nicht, aber als ich – was eine dieser doofen Geschichten ist, die sich mit den Jahren so ansammeln – bei der Bundeswehr war, hatten wir da einen Flipper, einen Pinball, den man mit einer Pistole startete. Dieser Indiana Jones-Flipper war eine der wenigen kleinen Freuden, die man bei dieser starken Truppe – *kicher* – hatte. Das Ding war damals schon nicht mehr der neueste Schrei, und dieses unselige Geschehen – also meine Anwesenheit bei den Flecktarnäffchen – liegt nunmehr mehr als ein Jahrzehnt zurück. Da ist das erste Anspielen des Indy-Motivs schon irgendwie ein schräger Moment.

Achso, klar, ich muss ins Kino, ganz bald, möglichst noch heute … Indy 4 schauen … auf Deutsch!