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Flüchtlinge willkommen?

Ein Wunder ist geschehen, selbst die Bildzeitung zeigt Mitleid mit Flüchtlingen, über die sie doch sonst so gern hetzt. Und warum? Weil es ein paar Leute übertrieben haben, private Wachleute haben ihre Herrenmenschenphantasien ausgelebt und Flüchtlinge verletzt und gequält, die Gedemütigten ein weiteres Mal gedemütigt. Klar ist das ein Skandal, und jetzt schiebt man sich den schwarzen Peter schnell gegenseitig zu, und eine einfache Erkenntnis scheint sich herauszukristallisieren: Man überlässt das Schicksal von Menschen nicht einfach Unternehmen, die rein auf Profit ausgerichtet sind.
Das ist erstmal eine gute Idee. Und es wäre auch schön, wenn man sich da sehr konsequent hinter diese Idee stellen würde. Sorge für Menschen, egal ob in irgendwelchen Kinder-, Jugend- oder Seniorenheimen, Krankenhäusern oder eben Flüchtlingssammelstellen gehört nicht in die Hand von gewinnorientierten Unternehmen. Der neoliberale Wahn vom schlanken Staat hat dazu geführt, dass immer mehr Dinge, die mal selbstverständlich Aufgaben der Allgemeinheit waren, irgendwie an Privatunternehmen delegiert werden. Was meistens bedeutet, dass scheinbar alles preiswerter geht, als es der Staat selbst kann, und auf Dauer dazu führt, dass alles teurer wird, weil die Privatunternehmen – oh Wunder – Gewinn daraus schlagen wollen. Also wird es schlechter und billiger gemacht, und trotzdem wird es immer teurer. Neoliberale Idiotie.
Aber es ist nicht alles darauf zurückzuführen, dass es private Wachleute waren, die mit ihrem teutonischen Charme den Flüchtlingen doch nur die Grundstimmung in diesem Land einprügeln wollten: „Ihr seid hier nicht willkommen!“ Ähnlichen Charme bekommen Nichtweiße in diesem Land auch gerne mal von staatlichen Kräften handgreiflich nahegelegt. Irgendwo zur Not auch mit Gewalt für Ordnung zu sorgen, ist ein Berufsbild, das Menschen anzieht, die ein ausgeprägtes Weltbild haben, in denen manche Menschen gleicher sind als andere. Die Privatisierung begünstigt dann gewaltsame Auswüchse nur ein bisschen. Wenn immer die billigsten Angebote genommen werden, dann kommt halt auch der Sicherheitsdienst um die Ecke, der seine Arbeitskräfte aus den ganz ekligen Ecken rekrutiert.
Das Grundproblem ist doch ein anderes. Wir nehmen Menschen auf, und das schon viel weniger, als wir das tun würden, wenn es nicht 1992 eine Zweidrittelmehrheit im Bundestag gegeben hätte, die in guter demokratischer Tradition vor Nazis und der Bildzeitung eingeknickt wäre und das Asylrecht faktisch abgeschafft hätte. Und die, die wir aufnehmen, die behandeln wir als Menschen höchstens dritter bis vierter Klasse. Wir sperren sie quasi ein, wir lassen sie nicht arbeiten, beschäftigen sie nicht, beschimpfen sie, schüren Angst vor ihnen. Und dann brauchen wir Sicherheitskräfte, die auf sie aufpassen, weil Menschen in solchen Drucksituationen oftmals übel reagieren. Und was für Sicherheitsleute kommen dann? Hat jemand Teufelskreis gesagt?
Okay, dann bitte raus aus diesem Teufelskreis. Keine faulen Asylkompromisse mehr, stattdessen dezentrales Unterbringen, mit Betreuung und Arbeitserlaubnis. Mit Deutschkursen und Anerkennung von Ausbildungen. Und bitte das Grundgesetz zurückändern, „sichere Drittländer“ ist doch nur eine zynische Umschreibung für“ Verantwortung abschieben“. Und überhaupt, ihr Gaucks und Steinmeiers, Flüchtlinge, das ist eine Front an der wir das mit der Verantwortung, die Deutschland übernehmen soll, erst mal vormachen könnten, bevor wieder nach Soldaten und Waffen gerufen wird. Leid lindern, das hat für mich ein bisschen mehr mit Verantwortung übernehmen zu tun, als Leid verbreiten.
„Willkommen liebe Flüchtlinge, wir geben Euch Eure Würde zurück, denn unser Grundgesetz will das so!“ Das ist ein Satz, den ich gerne mal von einem Politiker lesen würde …

Quick – Visumspflicht für Roma …

In den Neunzigern, als die Asylbewerberheime brannten, hat man sich eines großen Teils dieses Problems auf Kosten von „Sicheren Drittländern“ entledigt. Man kann auch sagen, man hat das Recht auf Asyl mit Füßen getreten. Aber das ist eine Diskussion von gestern. Man muss sie irgendwann sicher neu aufrollen, aber das ist nicht meine Absicht jetzt.
Im Moment gibt es wieder deutlich anschwellende Asylbewerberzahlen. Das sind keine von amerikanischen Bomben bedrohten Afghanen, das sind keine verhungernden Afrikaner und auch keine Syrer, die davor fliehen, dass eine Diktatur gegen ihre Gegner Krieg führt.
Es sind zum größeren Teil Roma aus Serbien und Montenegro. Roma, die älteren werden noch „Zigeuner“ denken, ja, richtig, das waren doch die, die wir damals mitvergast haben – richtig, wir haben da ein barbarisches Erbe, das man bei folgendem gern im Hinterköpfchen halten sollte.
Diese Roma sehen sich in Serbien und Montenegro einer rassistischen Verfolgung ausgesetzt. Sie leben im Elend – und sie fliehen, so sie können, dann nach … naja, zum Beispiel Deutschland. Dem Land, dem es im Moment auf Kosten der anderen Länder ja recht gut geht.
Und wie reagiert die Bundesregierung? Wie reagiert der Innenminister?
Nun, die Visumspflicht soll wieder eingeführt werden. Einerseits, ja, das wäre eine Strafe für die Serben und Montenegriner, die die Roma so schlecht behandeln – aber wir wissen ja eigentlich, dass das Prinzip Strafe psychologisch immer nach hinten los geht. Und es wäre auch noch etwas anderes: Deutschland delegiert damit wieder praktischerweise Menschen, die in ihrer Not zu uns kommen, an die geliebten „sicheren Drittländer“. Und wie finden wir das?
Na, wenn wir einigermaßen klar denken, finden wir das zum Kotzen! Leute sind in Not, und wir machen die Tür zu, damit man uns auf gar keinen Fall damit auseinandersetzen müssen. Wir sperren Menschen aus, deren Vorfahren wir vergast haben, sehr gut Herr Friedrich, schöne historische Kontinuität!
Warum, kann man fragen, macht der Friedrich das? Ich mein, man müsste doch mal irgendwann gelernt haben? Nein, die Unionsparteien sind vom Lernen so weit entfernt, wie Dieter Bohlen von Mozart. Hier wird auf die rassistischen Wähler geschaut, deren Stimmen man damit im nächsten Jahr auf sich vereinen kann. Ich weiß nicht, wie es Euch geht, ich kotze im Strahl!