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Zwei Meldungen, eine Richtung: Die Schere geht auf!

Die erste Meldung heute Morgen in der Zeitung: Die NRW-Regierung halbiert das Geld für Vertretungsstunden. Zweite Meldung später im Radio: Trend zu privat gesicherten Siedlungen für Reiche.

Und wo ist da jetzt die Verbindung? Nun, es geht um Privatisierung, das, was die FDP so leicht bis zur Ekstase erregt. An der Bildung wird – man möchte sagen: wie immer! – mal wieder kräftig gespart. Das ist eine stetige Entwicklung seit vielen Jahren. Und weil die Bildung immer schlechter wird, weil immer mehr eingespart wird auf Kosten von Lernenden und Lehrenden, prosperieren Nachhilfeunternehmen. Wer es sich leisten kann, wird von gut ausgebildeten und prekär bezahlten Lehrkräften zum Abschluss gebracht.

Für Polizei ist auch nur noch Geld da, wenn sie eingesetzt werden kann, um Demonstranten zu verprügeln und unter Pfefferspray zu setzen. Rufe ich hier auf dem Land bei der Polizei an, weil ich verdächtige Geräusche gehört habe, kommt der Streifenwagen vermutlich pünktlich, um dem Bestatter zuzusehen, wie er mich mit den Füßen zuerst … ihr wisst schon, was ich meine. So soll es natürlich den Leuten, die wichtig sind, da sie Geld haben, nicht ergehen. Die kaufen sich also ihren eigenen Sicherheitsdienst, quasi ihre eigene Polizei. Das ist gleich mehrfach sinnvoll. Nicht nur ist das billiger, als genug Steuern zu bezahlen, dass mehr in Bildung und Polizei investiert werden kann,  man kann die Privatpolizei auch wunderbar nutzen, um bettelnde Unterschichtler zu vertreiben, oder gar Leute, die gegen solche Siedlungen protestieren.

Die Schere wird immer weiter geöffnet, das ist das Ergebnis aller Politik der letzten Jahrzehnte. Unser Ziel muss es sein, die regierende allzu große Koalition der etablierten Parteien unter fünfzig Prozent zu bringen. Sonst wird sich die Schere immer nur noch weiter öffnen.

Quick – Bildung im Streik

Wenn ich heute in die Zeitung schaue und von den Studenten- und Schülerprotesten lese, dann werde ich ja fast wehmütig – in meiner eigenen Studentenzeit gab es Ende der Neunziger schon mal einen Studentenstreik und ich war mittendrin.
Und das Schlimme ist, es ist seitdem nichts besser geworden, eher im Gegenteil. Heute bin ich immer noch mit Bildung beschäftigt, und auch wenn ich als Nachhilfelehrer von den eklatanten Schwächen der Schulen lebe, stellt sich bei mir kein gutes Gefühl ein. Dass das G8 – zumindest so, wie es hier in NRW verwirklicht wird – ziemlich krank ist, schlecht geplant, schlecht durchgeführt – habe ich schon mal in diesem Blog beschrieben. Dass die Bachelor- und Master-Studiengänge die Uni auch nicht gerade bereichern, ist absolut nachvollziehbar. Wenn ich im Moment von Bekannten aus der Lehrerausbildung höre, graust es mir.
Die Bildung ist am Abgrund. Und die Politik schiebt immer noch ein Stückchen weiter. Es will keiner mehr Lehrer werden – weil die Arbeit unzumutbar ist, weil Klassenstärken über 24 Kindern schon nicht mehr gehen und meistens 30 unterrichtet werden müssen. Weil Elternhäuser nicht mehr erziehen, weil Schulen schlecht ausgestattet und teilweise abbruchreif sind. Weil Bürokratie bestimmt, weil immer mehr vorgeschrieben wird, weil Bildung kleingeschrieben und Funktionieren groß. Humanistische Bildung – nun machen sie sich aber mal nicht lächerlich!
Sechs Jahre Grundschule, ein einiges Schulsystem (hier in NRW gibt es nebeneinander Gesamtschule und Haupt/Real/Gym – und beide Systeme gehen gerade kaputt – mehr Lehrer in die Klassen, an jede Schule einen Psychologen, der Probleme anpackt – und bitte auch wieder wirklich fördern und fordern – denn das Niveau ist mit dem Zentralabitur keinen Deut gestiegen, eher ist das Gegenteil der Fall – das alles wären Beiträge zur Verbesserung. Lebenswichtige Fächer sind nicht nur Mathe und Englisch – Kunst und Musik sind es auch, und auch Sport – aber da wird immer weiter gekürzt.
Bildung ist unserer Gesellschaft nichts wert, zumindest dem Staat nicht. Viele Eltern geben viel Geld für Unterrichte aus – und die, die dieses Geld nicht haben? Die fallen runter, auf das die Schicht der ängstlichen Bildleser, Pocher-Fans und sonstigen ungebildeten Leichtregierbaren immer größer wird.
Wenn heute Studenten und Schüler Privatbanken besetzen und hier und da auch mal was kaputt machen, ist das sicherlich nicht die feine englische Art – aber wenn mit den Mitteln der Demokratie nichts mehr machbar ist, weil man in Parteien unter 30 nichts ist, und unter 40 immer noch die Deppenarbeiten machen darf, weil sich die wohlhabenden Politiker doch nicht für die einfache Schulpolitik interessieren, weil da einfach keiner die Augen aufmacht und sich lieber in wohlfeile Parolen vom Turbo-Abi flüchtet, und in Exellenz-Unis und so einen elitären Blödsinn – ja, es ist völlig in Ordnung, wenn es all das gibt, aber wichtig wäre erstmal was anderes.