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World of Tanks für absolute Anfänger II – Kleine Kanonenkunde

So, in meinem ersten Post über World of Tanks habe ich so ziemlich das wichtigste geschrieben, was ihr wissen solltet, bevor ihr überhaupt angefangen habt. Jetzt habt ihr vielleicht ein paar Runden gedreht, wart in Ruinberg und Mittengard und habt mit den Minen wahrscheinlich auch schon die erste offenere Karte kennengelernt. Dann sollten wir doch mal über Kanonen sprechen, denn mal ehrlich, auf die Gun kommt es an …

Munitionen

Was verschießen die Kanonen? Richtig, Munition, und deshalb müssen wir mal kurz auf diese schauen. Es gibt zwei Haupttypen von Munition, und die solltet ihr kennen. Auf der einen Seite und meistverschossen gibt es die panzerbrechenden AP-Granaten, auf der anderen die HE-Munition, die viel weniger Panzerung durchschlägt, dafür aber beim Aufprall explodiert. Wie funktioniert das?

AP-Granaten sind Geschosse, die dafür gemacht sind, Panzerungen zu durchschlagen. Sie verursachen nur dann Schaden, wenn man mit ihnen auch durch die Panzerung durchkommt. Deshalb ist ihre Penetrationsleistung elementar. Auf Gegner, die ihr nicht penetrieren könnt, braucht ihr mit AP-Granaten gar nicht wirklich schießen – allenfalls auf die Ketten, damit ihr die Gegner lahmlegt und Teamkameraden mit mehr Penetration durchkommen können. Oder schlicht, dass ihr den Gegner zum Stehen bringt, und ihn dann von einer schwächer gepanzerten Seite aus zu beschießen.

HE-Granaten machen quasi immer Schaden, und je mehr Kaliber dahinter steckt, desto mehr Spaß macht das. (Es ist möglich, dass ihr mit sehr kleinen Kalibern auch mit HE-Granaten keinen Schaden macht, weil die gegnerischen Panzer einfach so viel Panzerung haben, dass der HE-Schaden gefressen wird. – Ist aber eher selten.) Auch HE kann penetrieren, und die hohen Schadenswerte, die bei HE-Granaten angegeben sind, gilt für diesen Fall. Allerdings sind die Penetrationswerte, die HE hat, im Vergleich sehr niedrig. Von ein paar Kanonen auf niedrigen Stufen abgesehen ist das oft kaum ein Drittel dessen, was AP-Granaten durchschlagen können. Durchschlagen HE-Granaten den Gegner nicht, dann explodieren sie auf der Oberfläche, was oft auch im Panzer für große Probleme sorgt. HE-Treffer setzen oft Mitglieder der Panzermannschaft außer Gefecht und zerstören innere Module und, immer gern genommen, auch die Ketten.

Dann gibt es andere Formen der Munition, die oft, aber nicht immer Premium-Munition ist, also viele Credits kostet und – wenn ihr es mit ihr übertreibt – dazu führt, dass ihr nach einem Gefecht weniger Credits habt, als vorher – etwas, was sonst nur bei schlechten Spielen in hohen Tiers passieren kann, wenn die Reperaturkosten für eure Panzer einfach astronomisch werden. Zwei Sorten von Munition sind dabei wirklich wichtig, der Rest muss euch erst interessieren, wenn ihr schon mindestens sechs oder sieben Tiers hinter euch habt.

APCR-Granaten sind Hartkernmunition, die im Prinzip wie AP funktionieren, aber einfach mit mehr Penetration gesegnet ist. Nebenbei fliegt sie auch schneller, was es deutlich einfacher macht, sich bewegende Ziele damit zu treffen. Manche Panzer haben APCR auch als Normalmunition, deren – und nicht nur deren – Premiummunition heißt dann:

HEAT-Granaten explodieren und formen mitgeführtes Metall zu einem Metallstrahl, der Panzerung brutal durchlöchert. Auch diese Granaten haben also eine hohe Durchdringung. Im Gegensatz zu AP- und APCR-Granaten, die auf größere Entfernung Penetration verlieren, bleibt sie bei HEAT auf jeder Entfernung gleich. Dafür bleibt HEAT schnell hängen, zum Beispiel in den Ketten oder in manchen Formen der Panzerung.

Dazu kommen dann noch HESH-Granaten und verbesserte HE für Selbstfahrlafetten. Auch verbesserte AP mit mehr Penetration gibt es für wenige Panzer zu erwerben. Aber wie gesagt, dass sind die totalen Ausnahmen.

Solltet ihr jetzt eigentlich verschiedene Munition mitnehmen, oder reicht eine Art? Meistens spielt man eine gewisse Verteilung. Bei den meisten Kanonen hat es Sinn, relativ viel AP, ein bisschen Premium und ein paar HE-Granaten mitzunehmen. AP ist Brot und Butter, die Premiummunition benutzt ihr hauptsächlich, wenn es eng wird und ihr nicht sicher seid, ob ihr mit AP durchkommt. HE ist für leicht zu durchschlagende Gegner da, also meistens quasi ungepanzerte Jagdpanzer oder Artillerien. HE macht da mehr Schaden und wenn ihr die Zeit habt, umzuladen, ist die HE sinnig. Außerdem verursacht HE ja auch fast immer Schaden, wenn auch ohne Durchschlag sehr viel weniger. Das kümmert Gegner sehr wenig, wenn sie fast keine Strukturpunkte mehr haben, und ihr sie irgendwo treffen müsst, um ihre letzten Punkte wegzusprengen.

Von der „normalen“ Munitionsverteilung zu den verschiedenen Kanonen:

Wenn ihr erst ein paar Runden gespielt habt, dann habt ihr kleine Kanonen bis 50mm gesehen und eine Menge Maschinengewehre. Das letzte MG wird auf Tier 4 gefahren, danach sind die glücklicherweise nicht mehr da – ganz einfach, weil sie nicht genug Durchschlag haben, um mitzuhalten. Aber Tier 4 bis 5 werden 57 bis 75 mm-Kanonen normal, letztere findet ihr bis Tier 7, danach werden 88-90 mm normal, Heavys und Jagdpanzer sind schon recht früh mit Kanonen über 100mm unterwegs, und in den Top Tiers fahren Kanonen mit über 18 cm Kaliber herum, die größten Kanonen überhaupt gibt es natürlich unter den Artys, die haben bis zu 24 cm. Aber da schauen wir noch mal gesondert.

Allgemein gilt: je größer das Kaliber, desto größer der Alphaschaden – mit diesem Wort bezeichnet man den Schaden pro Granate, im Gegensatz zur DPM, dem Schaden pro Minute. Aber steigt der Alphaschaden, verringert sich die Anzahl der Schüsse pro Minute, und allgemein haben kleinere Kanonen oft mehr DPM bei weniger Alpha. Das kann bei manchen Panzern eine Menge ausmachen.

Da ihr auf vielen Panzern zwischen mehreren gleichwertigen Kanonen wählen könnt, hier mal ein Beispiel: Der allseits beliebte T6-Heavy KV 85 der Russen kann die namensgebende 85 mm-Kanone nutzen, die als T6-Waffe deklariert ist. Die hat 120 Penetration – was zu wenig ist – aber einen Schaden pro Minute von 1959 – was für T6 mehr als ordentlich ist. Erforscht man die 100mm Kanone, dann steigt der Alphaschaden von 160 auf 250 Strukturpunkte und die Penetration auf 170 – da wäre es sogar egal, wenn sie deutlich weniger DPM hätte. Was nicht der Fall ist, die 100mm-Kanone ist T7 und kommt mit quasi der gleichen DPM daher. (durchschlagt ihr die Panzerung der Gegner nicht, macht ihr gar keinen Schaden, und 120mm Penetration ist einfach wenig.)

Es gibt neben der 100mm-Kanone noch eine Riesenkanone, die ebenfalls als T7-Kanone gilt. Die kommt mit 122 mm Kaliber daher, eine Riesenwumme. Ein Alphaschaden von 390 mit 175 Durchdringung – Klasse, oder?  Bei einem Jagdpanzer könntet ihr über diese Kanone nachdenken, denn die schießen aus dem Hinterhalt und verpieseln sich dann wieder, für den schweren KV 85, der schon recht nah an der Front gespielt wird, ist die Riesenwumme nix, denn die schießt gerade drei Mal in der Minute und kommt nur auf 1170 DPM – also nur wenig mehr als die Hälfte des Schadens, den ihr mit der 100mm-Kanone rausdrücken könnt.

Allgemein kann man als Richtlinie sagen, dass ihr mit großen Kanonen mit hohem Alphaschaden mit allen Panzern gut bedient seid, mit denen ihr euch nach einem Schuss zurückziehen könnt oder eh müsst, weil die Panzerung eh nichts hilft. Deswegen fahren die großen Wummen oft auf beweglichen Heavys oder Jagdpanzern durch die Gegend. Schnellschießende kleinere Kaliber sind vor allem dann praktisch, wenn ihr in den Nahkampf fahrt. Supermobile Lights und Meds umkreisen ihre Gegner und feuern alle zwei bis drei Sekunden? Das Klingt gut! Mit schnellen Kanonen könnt ihr die Ketten der Gegner zersägen und sie dann umkreisen – ihr werdet also nicht getroffen, und damit ist die schnelle Kanone großartig. Oder ihr fahrt ein langsames Stück Metall, britische Heavys oder die AT-Jagdpanzer. Mit diesen Panzern könnt ihr eh nicht ausweichen, ihre Panzerung ist allerdings auch nicht übel, also steht ihr vor Panzern, sie prallen ihre wenigen Schüsse ab, während ihr sie mit schnellschießenden Kanonen durchlöchert.

Derpy Derp!

Es gibt Kanonen, die eher langsam schießen, mit großen Kalibern und wenig Durchschlag. Die Derp-Guns. Die werden hauptsächlich mit HE-Munition gefahren, sind dafür beliebt, dass sie schwach gepanzerte Gegner mit einem Schuss aus dem virtuellen Leben nehmen und machen Panzer wie den Hetzer oder den KV2 zu den Kultpanzern. Wenn ihr diese großen Kanonen und Haubitzen ausrüstet, nehmt nur HE und Premiummunition mit, letztere nutzt ihr, um auf mittlere Panzer zu schießen, Lights durchschlagt ihr oft mit HE und bei Heavys kommt ihr oft auch nicht mit Premium durch, da macht also HE jeweils mehr Sinn.

Und was ist nun mit den Artys?

Allgemein verschießt ihr mit den großkalibrigen Mörsern HE-Granaten. Mit denen kommt ihr auch auf schöne Splash-Radien, ihr müsst also nicht exakt treffen, um Gegner zu beschädigen. Bei vielen Artys kann man aber auch AP oder HEAT kaufen, teils als Normal-, teils als Premiummunition. Das hat allerdings bei vielen Selbstfahrlafetten keinen wirklichen Sinn. Die großkalibrigen Mörser haben eine Genauigkeit, die das Spiel mit ihnen oft zu einer Lotterie machen. In höheren Tiers findet ihr allerdings die eine oder andere Kanone, die zwar drei Stunden einzielt, dann aber präzise gegnerische Panzer trifft. Wenn ihr erstmal Heavys fahrt, bemerkt ihr diese Artys daran, dass ihr einfach mit einem Schuss von der Karte getilgt werdet.

Clipper, eine ganz besondere Gemeinheit

Autoloader, Kanonen, die wie Automatikpistolen von allein nachladen, sind eine Spezialität besonders der französischen Panzer. Man findet sie aber auch bei Tschechen und Schweden und ein paar anderen Panzern – besonders leichte Panzer fahren oft mit ihnen durch die Gegend. Die Idee ist ganz einfach – ihr erscheint an einem vom Gegner oft nicht direkt erwarteten Ort, wartet, bis er geschossen hat, und bringt drei bis fünf Schüsse in seinem Panzer unter, bevor er einmal zurückschießen kann. Im Jargon nennt man sowas: Rausclippen. Nicht zu verwechseln mit „Rausklicken“, das bezeichnet das Ausradieren per Arty.

Autoloader haben auch große Nachteile, schließlich laden sie ewig nach, wenn sie einmal ihren Clip leer haben. Das Spiel mit ihnen erfordert also immer einen Plan, wie ihr wieder wegkommt. Aber der Burstschaden – also viel Schaden in sehr kurzer Zeit – der macht schon viel Spaß und möchte gut angewendet sein.

Das Phänomen HomerJ 2.0

Vor einigen Monaten schrieb ich hier mal über HomerJ, einen Caster von Starcraft II-Spielen, ich denke, es wird mal Zeit, das nochmal zu tun.

Begriffserklärung: HomerJ ist das Pseudonym von Sebastian Schenck, einem jungen Hamburger, der als Caster, also quasi Kommentator, bei Starcraft II-Spielen zuschaut, und seinen Kommentar abgibt. Jetzt mag es erst mal seltsam klingen, dass Menschen zuschauen, wenn andere Menschen Computerspielen – das liegt aber zum Teil sicherlich am Spiel – Starcraft II ist wie das erste Spiel seines Namens ein RTS – was heißen soll: Real-Time Strategy – also ein Strategiespiel, das in Echtzeit abläuft -, und ebenso wie der erste Titel das bisher erfolgreichste Spiel dieses Genres. Für Unbedarfte: Die Spieler haben eine Grundbasis und Sammler, müssen die erweitern, in dem sie mehr Sammler bauen, mehr Mineralien und Gas einsammeln, und weitere Gebäude bauen, die dann weitere Einheiten ermöglichen. Diese anderen Einheiten haben dann meistens diverse Möglichkeiten, Einheiten des Gegners zu einem frühen Beenden der virtuellen Existenz zu zwingen. Dabei gibt es drei sehr unterschiedlich zu spielende außerirdische Rassen, mit Einheiten, die nach dem Prinzip von Stein-Schere-Papier verschieden anfällig für die gegnerischen Einheiten sind. Das ist genauso anschaulich wie ein Fußballspiel, häufig spannender und laut irgendwem, dessen Namen ich nicht weiß, Schach auf Speed.

Die erste Nation, in der Starcraft im Fernsehen gezeigt wurde, war Südkorea – was dazu führt, dass es dort immer noch die meisten Profis gibt, Menschen, die davon leben, andere Menschen am PC zu besiegen. Durch das deutlich moderner anzuschauende Starcraft II ist der Hype immer mehr auch in Nordamerika und Europa angekommen, im Mittel sind die fernöstlichen Spieler immer noch die besten, von Europäern und Nordamerikanern gar nicht mehr so weit gefolgt.

Vor einem guten Jahr nun hat eben dieser HomerJ aka Sebastian Schenck angefangen, Spiele bekannterer Kombatanten zu kommentieren und bei Youtube hochzuladen. Damals gab es Starcraft II noch gar nicht zu kaufen, es war in einer Betaphase, an der eine Menge Spieler teilnahmen, die schon bei Starcraft oder Warcraft III gewisse Erfolge gefeiert hatten – HomerJ, der selbst ein besserer Spieler des ursprünglichen Starcraft war und zu vielen besseren Spielern guten Kontakt hatte, machte sich schnell einen Namen mit hamburgischer Kodderschnauze und gutem Spielverständnis. Und mit dem Veröffentlichungshype, den es hier gab, wie es nur bei Spielen von Blizzard geben kann – nicht umsonst ist diese Spieleschmiede die erfolgreichste der Welt – wurden auch die Casts von HomerJ immer populärer. Eine Homepage wurde zum Treffpunkt für tausende Spieler und Zuschauer – ja, es gibt eine Menge Menschen, die das Spiel gar nicht aktiv spielen, und trotzdem kein Spiel versäumen – und bei Liveübertragungen sprengte HomerJ mehrfach die Zahl von zehntausend Zuschauern im Stream – ein echtes Internetphänomen.

Als ich zum ersten Mal über das Phänomen HomerJ schrieb, hatte Basti gerade seinen Job gekündigt, um nur noch von seinen Casts leben zu wollen. Ein radikaler Schritt, der sicherlich viel Bewunderung verdient. Die Erfolgsgeschichte ging aber nicht so steil weiter, wie es bis dahin geschehen war. Verschiedene Formate wurden unterschiedlich betrachtet, HomerJ wurde von der Community, die er ja quasi selbst geschaffen hatte, immer kritischer beäugt.

Der erste Vorwurf, der immer wieder geäußert wurde, war, er verstehe das Spiel nicht gut genug, da er nicht selbst spiele.  Sebastian Schenck hatte die Schlagzahl stark erhöht, war jede Woche mehrfach auf Sendung, hatte natürlich noch nicht mal Zeit, selbst zu spielen, und wollte es natürlich auch allen Recht machen – und verausgabte sich so stark, dass er im Januar eine lange Pause machte, mit sich selbst wieder ins Reine kam und danach auch die Qualität seiner Casts wieder deutlich erhöhte. Was ihm vor allem fehlte, war die Souveränität, die vorher seiner Lockerheit entsprang – nun musste Geld verdient werden, da ging die Lockerheit einigermaßen flöten. Bissig wehrte er sich immer wieder gegen die Vorwürfe, was ihn natürlich noch anfälliger machte – zeig den Leuten, dass du dich mit ihren mehr oder weniger qualifizierten Kommentaren beschäftigst, dass sie dich treffen, und sie werden sich geradezu einen Spaß daraus machen, in die Kerbe mit einzuhauen. Dass die Vorwürfe größtenteils Quatsch waren, bewies er eigentlich immer – aber Fehler, die jedem unterlaufen können, und die bei einem mehrstündigem Turniercast fast unausweichlich waren, häuften sich unter dem starken Druck und wurden natürlich umso mehr kommentiert.

Nach einer Denkpause, die er wohl auch nutzte, um private Angelegenheiten zu regeln – das war die offizielle Sprachregelung im Forum – ging er dann wieder auf Sendung, aber erstmal kaum mit SC II-Spielen. Er spielte plötzlich selbst ganz andere Spiele,  und kommentierte die dabei. Diese sogenannten Let’s-Plays, von denen es eine ganze Menge im Netz gibt, brachten ihn dann wieder zurück ins Rennen. Bald gab es auch wieder SC II-Replays auf Youtube und – deutlich seltener, dafür aber oft vom eigenen Team organisiert – Livecasts von Turnieren. Um von Werbung profitieren zu können, wurde eine eigene Videoabteilung auf der Homepage eingerichtet – wofür es einiges an Hardware geben muss – und nebenbei gibt es auch weiterhin Let’s-Plays – oft mit Teamkollege cyrez, der die Casts als Gegenpart belebt, aber auch zu Insidergags einlädt, was für die Zuschauer eher uninteressant sein muss – und zusätzlich einen wöchentlichen Podcast, in dem einige Menschen des Teams diverse Themen relativ unjournalistisch, aber durchaus unterhaltsam durchdiskutieren – der positive Nebeneffekt: der auch über Itunes erhältliche Podcast wurde von der HomerJ-Community gleich mal auf Itunes mit positiven Reaktionen so gepusht, dass er auf Rang eins der Hitparade lag, und damit die Seite weiter bekannt machte.

Momentan sind die „Einschaltquoten“ seiner Casts nicht mehr so hoch, wie sie in den besten Zeiten waren – kein Wunder, das Spiel ist fast ein Jahr alt und viele, die kurzzeitig interessiert waren, schauen wieder andere Sachen oder spielen selbst wieder mehr – kommen aber auf durchaus ansehnliche Zahlen immer über fünftausend Zuschauern, seine normalen Replay-Casts erreichen auf der eigenen Seite Klickzahlen von vier- bis elftausend – ein gesunder Grundstock ist also gelegt. Eigene Büroräume, ein „Studio“ sind in Planung, größere Turniere sind geplant und über einen eigenen Versand werden T-Shirts verkauft, auf denen Sprüche von HomerJ zu Motiven wurden. Sicher muss es in dem schnell wechselnden Metier immer schnelle Reaktionen auf Neuerungen geben, sicherlich kann es immer Momente geben, die für die junge Firma um Sebastian Schenck nicht so einfach sind, aber immer noch darf man durchaus sagen, dieser HomerJ ist ein Phänomen.

Das Phänomen HomerJ

Wie schon geschrieben, ich spiele momentan relativ regelmäßig, manchmal auch zu viel Starcraft II. Und plötzlich spiele ich nicht nur, ich schau auch! Und was schaue ich? HomerJ-Casts! Wer oder was ist HomerJ?

HomerJ, soviel kann man wohl sagen, ist ein Phänomen. Ein junger Hamburger, der schon lange selbst ein bisschen was spielt, und seit der Starcraft II-Beta Casts online stellt. Will heißen, er zeigt uns hübsche Replays von SC-Spielen und kommentiert die. Klingt nicht aufregend? Falsch, kann sogar sehr aufregend sein. Und ungemein unterhaltsam. Basti aka HomerJ – so seine Vorstellung, die schon Kultcharakter bekommen hat – spricht, wie ihm der Schnabel gewachsen ist, sehr umgangssprachlich, aber selten unter einem gewissen Grundniveau, prägt ganz schnell Begriffe, arbeitet kreativ und humorvoll mit Sprache. Das kombiniert sich mit einer sehr großen Hingabe, mit sehr großer Leidenschaft. Man hat bei HomerJ eigentlich nie das Gefühl, er hätte nicht selbst am meisten Spaß an der Sache – und dabei bleibt er absolut bescheiden, verehrt die richtig guten Spieler, setzt den bekanntesten englischsprachigen Caster, den amerikanischen SC-Profi Day9, problemlos über sich. Das ist echtes Herzblut.

Die weitere Kombination ist die mit dem einfach großartigen Spiel Starcraft II. „Schach in Warpgeschwindigkeit“ ist eines der Zitate über dieses Spiel. Es gibt jede Menge Taktiken, jede Menge Ideen, die in diesem Spiel stecken, aber auch natürlich quasi handwerkliche Fähigkeiten, Instinkte, ein nicht allzu komplexes Wirtschaftssystem – das gibt es einerseits so viel zu lernen, das man lange spielen muss, um gut zu werden, andererseits ist es einfach genug, dass man viele Grundideen auch verstehen kann, wenn man selbst gar nicht spielt – und das ist auch wieder eine Sache, die zum Phänomen HomerJ gehören – es gibt viele Menschen, die schauen HomerJ, obwohl sie selbst gar nicht SCII spielen.

Auf der Homepage von HomerJ gibt es über fünftausend angemeldete User, über zwanzigtausend Youtube-Nutzer haben den guten Mann abonniert – zum Vergleich, der englischsprachige Master Caster Day9 hat etwa dreimal so viel, bei sicherlich deutlich mehr potentiellen Zuschauern. Inzwischen hat HomerJ schon über siebentausend Zuschauer bei Liveübertragungen gehabt – und damit erreicht er etwa so viel Zuschauer, wie sonst Livecasts von den absoluten Großveranstaltungen der E-Sports-Welt. Und folgerichtig geht er sogar den schweren Schritt in die Selbständigkeit, hat seinen sicheren Job gekündigt, das Motorrad verkauft und will davon leben. Das ist riskant, klar, aber auch wirklich richtig – wie heißt es in der „Unendlichen Geschichte“ – also dem Buch, nicht dem Bonbonkitschfilm: Tu, was du willst! – Will heißen, schau in dich, finde heraus, was du wirklich willst, und dann mach das! Finde ich einfach nur richtig, lebe schließlich selbst auch danach.

Und wie wird es weitergehen? Wie weit kann ein Internetphänomen wachsen? Und wann kommt die deutsche Mentalität und redet mal wieder alles kaputt, was erfolgreich ist?

(Ist gerade in Gamerkreisen unglaublich beliebt – speziell wie viele Menschen sich als total missgünstig outen, wenn sie in die Blizzard-Foren schreiben, ist wirklich unglaublich: Sie spielen Blizzard-Games, die durch die Bank in ihren Bereichen die erfolgreichsten sind, meckern aber mindestens dreimal die Woche in irgendwelche Threads rein, wie schlecht alles sei, früher wäre ja eh alles besser gewesen und das sie kein Bock mehr auf Blizzard haben – bleiben aber natürlich beim Spiel und suchen sich nicht einfach mal was anderes) – langer Einschub ist lang. Und das letzte da ist ein typisches Beispiel für die Sprache des HomerJ, die sehr schnell prägt – das nur so nebenbei.

Zurück zum Thema: Wie also sieht die Zukunft aus? Ich glaube, dass HomerJ richtig handelt, denn das Phänomen wird wachsen – vielleicht sind ja auch ein paar Menschen mal clever, zum Beispiel bei sport1, und geben ihm eine kleine Sendung irgendwo im Nachtprogramm – nein, nicht mit : „Ruf mich an!“, sondern mit spannenden SCII-Spielen – und ESports kann genauso zu einem Medienphänomen werden, wie das vor einigen Jahren mit Poker war. HomerJ ist auf jeden Fall ein richtig guter Unterhalter, und Matches in SCII sind fast immer spannender, als in der Fußballbundesliga. Von daher also: Bis nach Tarsonis und noch viel weiter!!


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Starcraft II – eine neue Passion

Ja, irgendwie hat Blizzard es ja wirklich drauf. Egal, was für ein Spiel sie rausbringen, es ist einfach um so viel besser als der Rest. Aber von vorne:

Vor sage und schreibe 12 Jahren erschuf Blizzard den SF-Ableger seines heißgeliebten Warcraft II – ja, genau, Warcraft wie World of Warcraft, es geht da um die gleiche Welt – und nannte ihn wenig einfallsreich Starcraft. Alle Welt liebte auch dieses Spiel und ich zum Beispiel spielte den Einzelspielermodus auch recht lange und ziemlich begeistert, weil es da einfach eine großartige Story gab. Ich hatte auch vorher schon Echtzeitstrategie gespielt, hatte Dune 2 mehrfach durchgespielt, Warcraft II ebenfalls, und liebte das anarchistische „Z“ – und dann war es das für mich auch mit Echtzeitstrategie, Command & Conquer konnte mich nie so richtig begeistern, andere Spiele wurden interessanter.

Seit schon einiger Zeit war bekannt, dass Blizzard nun nachlegt, dass im Sommer Starcraft II (SCII) in die Läden käme, wie gesagt, nach 12 Jahren. Dass ich das Spiel bestellte, war eh klar, viele Stunden einer atmosphärischen Einzelspielerkampagne sind ja bei Blizzard Ehrensache. Was ich nicht wusste – so sehr Gamer bin ich ja doch nicht – war, dass es auf der ganzen Welt und ganz speziell in Korea, einen Sport gibt, der Starcraft heißt – da hatte sich eine E-Sports-Welt entwickelt, die mir völlig unbekannt war, ich konnte mir bis dato nicht unbedingt vorstellen, solch alte Spiele über so lange Zeit zu spielen, nur weil man sie online spielen kann. Ich hatte mir bis dato auch nicht vorstellen können, dass man sich Spiele anderer Spieler im Fernsehen oder auf Youtube anschauen könnte, und dabei sogar Spaß empfinden sollte.

Und dann kam es, wie es kommen musste. Ein Freund meinte, spiel doch mal im Multiplayer! Er zeigte mir auch die ersten Tricks und verwies auf die ersten Caster, die SCII-Spiele kommentieren und bei Youtube hochladen. Nun probierte ich das Spiel im Multiplayer aus, konzentrierte mich auf die Rasse der Protoss – und verlor erst mal gnadenlos. Baureihenfolge? Sammler immer nachproduzieren? Welche Einheiten kontern welche? Ich hatte keine Ahnung. Aber auch im hohen Alter von Mitte dreißig bin ich ja noch lernfähig. Und dann entdeckte ich Basti aka HomerJ für mich – HomerJ ist ein junger Hamburger, der sich überlegt hat, ich caste jetzt mal SCII im großen Stil. Und das macht er mit so schnoddrigem Ton, so verrückten Sprüchen und so viel Leidenschaft, dass man richtig Spaß mit ihm hat. Da werden Pylonen angeknuspert, da kriegt der Ovi aufs Fressbrett und getarnte Banshees sind getarnt! Aus eh schon spannenden Matches werden kleine Feste für die Ohren.

Nebenbei lernt man auch bei HomerJ und seinen Kollegen – ich schau auch schon mal bei den englischsprachigen Day9 und HDStarcraft rein, deren Casts ebenfalls gute Unterhaltung mit Spannung und oftmals lehrreichen Analysen verbinden. Und so werde ich langsam besser, stehe in der Spitzengruppe meiner kleinen Bronzedivision und vielleicht stegie ich sogar irgendwann mal auf. Momentan verhindere ich das aber noch tatkräftig – nicht in dem ich absichtlich verliere, sondern in dem ich auch mal die anderen Rassen spiele, Terra und Zerg – mit denen kenne ich mich nicht aus, lerne sie erst langsam kennen, und verliere etwas häufiger, als ich das vielleicht müsste.

Ich befürchte, mehr über SCII folgt in den nächsten Tagen oder Wochen.


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AION vs. WoW

In der Welt der Online-Rollenspiele gibt es bald einen neuen Wettbewerber: AION – das bringt die Community dieser Spielart doch gleich mal dazu, erbitterte Diskussionen zu starten, ob AION denn nun besser ist als WoW, unglaublich unsinnig die Frage, da man ja noch nicht mal wirklich AION bisher hat spielen können. Aber da ich nun mal die Klappe nicht halten kann, habe ich mich mal in die Diskussion eingemischt:

„Ich weiß nicht, wieso hier eigentlich so verbittert diskutiert wird. ich spiele seit BC WoW, habe DD, Heal und Tank erfolgreich gespielt, und bin auch noch aktiv, wenn auch nicht mehr so heftig, weil der neue Patch gerade ziemlich nervt. Ich habe so ziemlich alle Blizzard-Games vorher gespielt, fühle mich in WoW zu Hause, weil Blizzard dieses Spiel, wie alle zuvor, mit sehr viel Liebe zum Detail ausgestattet hat, viel Humor beweist – der allenfalls manchmal in der deutschen Lokalisation ein bisschen peinlich wird – wer braucht schon Käptn I.GLU?

Nach einer gewissen Spielzeit und drei 80ern wird mir WoW gerade ein bisschen langweilig und manchmal denke ich, ich würde heute gar nicht einloggen, wenn ich nicht noch die Juwe-Daily machen wollte – auf der anderen Seite macht mir eine Sache im Moment immer noch Spaß, ich level ein paar Twinks – und sehe dabei wieder mal, wie cool die Classic-Gebiete gemacht sind, wie gut sie trotz manchmal pixeliger Texturen noch aussehen, und wie gut zum Beispiel die Lernkurve zur Beherrschung der Klassen gemacht ist. Da habe ich noch keine Ahnung, wer da wirklich dran kommen wird – mal schauen.

Weil ich neugierig bin, habe ich auch in andere MMOs reingeschaut, in Runes of Magic für ziemlich genau zehn Minuten, das reichte, in LOTRO und WAR auch mal deutlich länger, aber schon allein, wie die Chars da liefen, hat mich total abgeschreckt, ich fand nicht wirklich etwas Neues – LOTRO war unglaublich behäbig und langweilig, WAR hatte hier und da netten Humor und durchaus nicht uninteressante Charakterklassen – aber es konnte einfach nicht fesseln. Und dann macht man doch WoW an und ist wieder zu Hause und die anderen MMOs können einen eher periphär tangieren.

Viele, mit denen ich früher mal WoW gespielt hab, sind jetzt im AION-Fieber, und die Videos, die ich gesehen habe, sind wirklich schick – aber vor allem sagen viele, dass AION Feeling hat – etwas, wovon LOTRO und WAR nur träumen können. Nun, ich werde reinschauen, am Wochenende vielleicht mal ein bisschen am Rechner eines Freundes ausprobieren, und wahrscheinlich werde ich auch zu denen gehören, die es ausprobieren – nicht, weil ich WoW plötzlich für ein doofes Spiel halte – das ist es nicht, auch wenn die letzte Änderung mit den Marken relativ sinnlos war, zumindest fühlt es sich für mich so an. Ich werde es ausprobieren, weil ich es mit ein paar netten Leuten zusammen spielen kann, mit Leuten, bei denen ich mich darauf freue, ihre Stimmen im TS zu hören – Spaß machen wird das auf jeden Fall, wenn dann das Spiel auch noch seine Erwartungen einlöst – vielleicht bleibt dann der WoW-Acount mal ein bisschen ungenutzt.“