Blog-Archive

Quick – Zusammenhänge

Ein kurzer Blick auf Spiegel Online am Morgen: Wulff und kein Ende und die Piratenpartei liegt bei neun Prozent. Ups? Neun Prozent? Bundesweit? Holy Shit?
Und irgendwie habe ich da ein Zusammenhang im Hinterkopf – nein, nichts pathologisches -, also: Wundert es noch irgendwen, wenn die einzige Partei, die sich auf ehrliche, wenn auch manchmal für die Mitglieder anstrengende Weise, ständig selbst zerfleischt, und zwar wegen Sachen, die deutlich weniger schwer wiegen, als offenkundige Lügen vor einem Parlament, inzwischen schon an der Zehn-Prozent-Marke kratzt? Könnte es damit zu tun haben, dass der „erste Mann im Staate“, der Bundespräsident himself, mit genau der gleichen widerlichen Hinhaltetaktik um seine Lügen herumlaviert, wie das vor gar nicht allzu langer Zeit der Lügenbaron tat? Könnte es damit zu tun haben, dass nun sogar ums Staatsoberhaupt so eine Provinzposse tobt, die man mit Ehrlichkeit schon lange ausgeräumt hätte?
Ob man es ätzend findet, dass ein Ministerpräsident und späterer Bundespräsident sich mit Unternehmern gemein macht – darüber kann man letztich wegsehen, wenn wir das wissen, können wir ja danach wählen, oder nicht? Ob er sich sogar von so einer skrupellosen zwielichtigen Figur wie Maschmeyer bewirten lässt, oder eine Kampagne zu dem Buch „Besser die Wahrheit“ – na, ist das nicht mal eine unglaubliche Ironie? – bezahlen lässt – ach komm, geschenkt, hat Putins Gasableser ja auch machen lassen, ist scheinbar normal – nur, wir hätten es halt gerne gewusst. Warum spielt denn der Herr Wulff immer noch nicht mit offenen Karten? Wie schlecht muss das Gewissen denn sein?
Kleiner Tipp an die Eatblierten: Die Menschen haben darauf keinen Bock mehr. also jetzt nicht irgendwie so ein bisschen keinen Bock mehr, sondern richtig viel keinen Bock mehr. Und deswegen liegen wir Piraten nun bei neun Prozent. Nicht weil wir so ein großartiges Programm haben, sondern weil wir mit unseren Fehlern besser umgehen. Weil wir nicht so eine künstliche Kulisse aufbauen, wie sie in den Neunzigern vielleicht noch irgendwie durchging, sondern weil wir einfach offen zugeben, wenn wir etwas noch nicht wissen – weil wir uns gegenseitig an den Hals gehen, weil eine Mitarbeiterin der Berliner Fraktion eine Esotante ist.
Liebe Mitpiraten, wir sehen, wir müssen so weitermachen. Wir dürfen nicht professionell werden und werden noch viel Kraft darauf verschwenden, die Trolle zu ignorieren oder doch zu füttern. Wir müssen uns aufregen, Shit- und Flauschstorms loslassen und einfach weiterhin ehrlich sein, nichts ist wichtiger als das.
Und Herr Wulff!? Vielen Dank für die Wahlwerbung!

Quick – Fünferlei Maß

Nur mal zum Nachdenken:
In der Piratenpartei gibt es gerade zwei größere „Skandale“. Den Piraten L.B., der vermutlich andere erpresst hat, Mitpiraten gehackt und mit kompromittierendem Material bedroht. Der junge Mann treibt in Berlin sein Wesen, und ein anderer Berliner Pirat, Sebastian Jabusch hat per offenem Brief dieses öffentlich gemacht. Meiner Meinung nach ist das der richtige Schritt, denn Erpressung kann man wohl nur mit Offensive wirklich bekämpfen. Die einen sprechen davon, dass es so richtig ist, andere davon, dass dieses Verhalten die Partei schädigt – ich bin ganz prinzipiell der Meinung, dass da ruhig alles transparent gemacht werden muss – es tut wahrscheinlich weh, aber wir wollten doch transparent sein, oder?
Die andere Sache ist das sogenannte Esogate. die Fraktionsgeschäftsführerin, die die Berliner Piratenabgeordneten eingestellt haben, ist nebenbei Heilpraktikerin und ziemlich esoterisch drauf. Das geht in Bereiche, in denen ich ihr sehr dringend widersprechen würde, auch wenn ich Alternativmedizin durchaus aufgeschlossen gegenüber stehe und mir klar ist, dass man mit bewusstem Denken eine Menge machen kann. Die Frau meint, man könne AIDS und Krebs mit bewusstem Denken besiegen – nun gut, es gibt auch Leute, die nach Lourdes pilgern.
Die Fraktion wird nun angegriffen, und das nicht zu knapp. Das geht auch schon wieder Richtung zerfleischen, undd as geht mir gegen den Strich – ich halte die Sachen, die die frau glaubt, für Schwachsinn, das geht mir aber mit einer großen Zahl anderer Menschen auch so und das wird von der Meinungsfreiheit durchaus noch gedeckt. Außerdem heilt die Frau in der Fraktion nicht, sondern macht da die Geschäftsführung.
Wenn man dann schaut, was die Etablierten so tun, dann fragt man sich, warum wir uns so bekämpfen – ja, ich weiß, weil wir nicht so werden wollen, wie … – aber manchmal verschwenden wir echt unsere Kräfte. Da draußen in der Welt der Eatablierten gibt es im Moment wieder so deutliche Zeichen für Politik 0.8, dass man es ins Lehrbuch schreiben könnte.
Die FDP zerfleischt sich auch, will es aber nicht zeigen. Sie versuchen so etwas ähnliches wie Basisdemokratie, machen das aber klassisch etabliert eher intransparent. Eine riesige Zahl an ungültigen stimmen? Nur ein Drittel beteiligt sich überhaupt? Okay …
Die größere Peinlichkeit erlauben sich in diesem Falle allerdings die Oppositionsparteien, die von Zerrissenheit sprechen, wenn deutlich unter zwanzig Prozent der FDP-Mitglieder dem Schäffler-Antrag entsprachen. Es mag für etablierte Parteien etwas besonderes sein, aber die FDP hat da keine Zerrissenheit, die hat da eine Diskussion. Dass das inzwischen sogar für die Grünen so ähnlich wie ein fieser Ausschlag ist, ist wirklich bedauerlich.
Die andere Sache ist der hoffentlich nur noch kurzzeitige Bundespräsident Wulff. Niemand regt sich wirklich darüber auf, dass er von diesem Geerkens Geld bekommen hat, aber er glaubt wirklich noch, dass man mit Lügen durchkommt. Wir sind nicht mehr im Mittelalter und es gibt ein paar Menschen, die nicht vergessen. Diese Lügerei ist ungefähr das Gegenteil von dem, was ich von einem Bundespräsidenten erwarten würde – ich mein, okay, spätestens seit Köhler ist man Kummer gewohnt, und das mit Wulff nun schon der zweite Bundespräsident in Reihe aus der Geldecke kommt, ist eh schon ein Skandal an sich, aber ein gutes Abbild der momentanen politischen Lage. Aber es ist nicht mehr 1985, es ist noch nie gut gewesen, Affären einfach auszusitzen, aber merkt der Mann denn nicht, dass er sich mit jeder Lüge angrefibarer macht? Ist das echt so schwer zu verstehen? Die Geerkenslüge ist doch nichts anderes als eine Aufforderung ans Netz weiter in der Vergangenheit des Herrn Wulff zu stöbern – und schon ein gewisser Herr von und zu Guttenberg hat mal geglaubt, dass man öffentlich schlecht lügen darf und damit durchkommt – sorry, aber die Zeiten sind vorbei.
Ich glaube, wir müssen über Ehrlichkeit reden … das ist übrigens ein Wert, liebe Konservative, ein schlichter und einfacher Wert, den es eigentlich zu verteidigen gilt – aber es ist mit den Konservativen immer das Gleiche, man postuliert Werte, und schlimmer noch, man postuliert, dass man die einzige Bewegung ist, die für diese Werte steht. Und dann lässt man sich an diesen werten auf gar keinen Fall messen. Komisch, dass es im Schnitt wirklich so ist, dass je bürgerlicher und konservativer ein Politiker ist, so wahrscheinlicher ist es, dass er lügt, dass sich die Balken biegen, und dass er in irgendwelche sehr seltsame bis kriminelle Machenschaften verstrickt ist.