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So etwas wie Freiheit III – Tu, was du willst!

Menschen haben schier unglaublich viel Energie. Sie strotzen vor Entdeckergeist, sie wollen Probleme lösen, kreativ sein, sich wundern und Wunder erschaffen. Und dann werden sie eingeschult.

Nein, ich will ja gar nicht auf die Bildungspolitik raus, aber da fängt der Teil von Freiheit an, auf die ich gerade raus will. Oder besser, zu oft hört die Freiheit dort auf.

Aber um am Anfang anzufangen: „Tu, was du willst!“ ist ein Zitat aus der Unendlichen Geschichte, dem Magnus Opus von Michael Ende. Der Satz steht auf dem Aurin, dem Amulett, mit dem man in Phantasien die absolute Macht bekommt. Und wie die im zweiten Teil des Romans durchaus sperrige Geschichte zeigt, versteht unser kleiner Held Bastian die Worte erst mal falsch, weil er einfach irgendwas macht, wozu er gerade eine Verlockung verspürt. Darum geht es aber nicht. „Tu, was du willst!“ bedeutet: Schau tief in dein Innerstes, erkenne, was dich antreibt, was in dir steckt und was du wirklich tun willst, und dann lass alle Bedenken fahren, pfeif auf Begrenzungen und Behinderungen, die dir die Umwelt aufdrücken wollen, und tu verdammt noch mal, was du wirklich willst!

Ich rede hier von Freiheit! Ich rede nicht davon, dass ich irgendwem irgendwelche kleinen dummen Privilegien schützen will. Leute prügeln sich darum, ob in Kneipen geraucht werden darf oder nicht? Da geht es nicht um Freiheit! Da geht es nur darum, ob man sich seine Unfreiheit ein bisschen angenehmer machen kann, die einen wollen es angenehmer haben, dadurch, dass der Raum nicht verqualmt wird, die anderen wollen es sich angenehmer machen, indem sie darauf bestehen, dass sie möglichst überall ihrer Sucht nachgehen dürfen. Das ist keine Freiheit!

Freiheit wäre es, wenn wir schon mit den kleinen Menschen anfangen würden, ihre Begeisterung, ihre Leidenschaft ernst nehmen und sie stützen und schützen, auf dass sie einfach das tun, was in ihnen drin steckt, was sie wirklich tun wollen. Freiheit wäre es, dass Menschen nicht vierzig, fünfzig oder siebzig Stunden pro Woche in Jobs gezwungen werden, die ihnen keinen Spaß machen, die ihrer Natur nicht passt und die schlicht und einfach unglücklich und unproduktiv in dem sind, was man ihnen aufzwingt.

Wie dumm sind wir eigentlich? So als Menschheit? Wie blöd kann man eigentlich sein? Halten wir es wirklich für sinnvoll, dass wir in dieser kurzen kleinen Zeit unseres Lebens möglichst beschränkt und unglücklich sind? Wir haben heute so viele Möglichkeiten, mit den Ressourcen besser umzugehen, und sie besser zu verteilen. Wenn wir es wollten, dann könnten alle Menschen auf der Welt ohne den Gedanken an Hunger leben. Warum wollen wir das eigentlich nicht? Wenn wir es wollten, dann könnte jeder genug Geld haben, um zu leben, und genug Freizeit, um sein Leben zu genießen.  Warum wollen wir das nicht? Was man allein für ein Potenzial freisetzen würde, wenn man Menschen die Existenzängste nehmen würde, das ist nicht überschaubar.

Wir sollten uns um Freiheit kümmern, um die Freiheit aller Menschen. Über was reden wir eigentlich?

Piraten und Kultur – Der Versuch eines piratigen Kulturbegriffs

Hatte vor kurzem eine kleine Mumblesitzung mit anderen Kreativpiraten, die es durchaus gibt, auch wenn sie sicherlich nicht im Mittelpunkt der Piraten stehen. Dabei kam die Frage auf, ob die Piraten gegenwärtig einen eigenen Kulturbegriff haben.

Nun, wir sind eine Partei, unser Denken ist also politisch, und so muss der Begriff von Kultur auch politisch sein. Speziell muss er sich an unseren politischen Kernzielen orientieren. Zum Beispiel an unserer libertären Einstellung: Kunst und Kultur sind frei, eine Einmischung durch Staat, Religionen, Parteien und Wirtschaft ist auszuschließen. Ich hab das mal fett gedruckt, weil, ist wichtig – ganz im Gegensatz zu richtiger Grammatik. Vielleicht fällt ja noch jemandem etwas ein, was sich auch nicht einmischen darf?

Piraten glauben an Gleichheit, daran, dass niemand diskriminiert werden darf. Das muss für Kultur genauso gelten: Geschmäcker sind verschieden, aber aus politischer Sicht ist jede Kultur gleich viel wert. Kein Werk ist besser oder schlechter zu behandeln, weil es  subventioniert wurde, oder eben nicht, weil es eine spezielle Veröffentlichungsform einhält oder nicht, weil es gesellschaftliche Tabus bricht oder nicht, weil es von Amateuren oder Profis geschöpft wurde. Ausnahmen gibt es nur dann, wenn eindeutig gegen die Verfassung gearbeitet wird.

Das bedeutet natürlich, dass Schranken im Kopf beseitigt werden müssen. Willkürliche Unterteilungen in E- und U-Kultur sind überholt und sollten unbedingt der Vergangenheit angehören, aus der sie überdauern.  Davon könnten übrigens auch Kulturjournalisten lernen, die diese Schranken in großer Zahl immer wieder flicken und ausbessern, aber das wirklich nur nebenbei.

Der Zugang zu Kultur sollte jedem möglich sein. Ja, das kann immer nur ein Ziel sein, so lange wir uns nicht in einer idealen Gesellschaftsform befinden, die ohne Geld auskommt. Ansonsten wird immer das Problem bestehen, dass Kultur Geld kostet. Kultur hat zwar einen Unkrautcharakter, sie ist kaum auszurotten, aber das darf nicht weiter ausgenutzt werden – in den letzten Jahrzehnten wurde die Kultur immer weiter heruntergespart, Gagen sind nur für die Stars in erträglicher Höhe, alle anderen leben am Existenzminimum, es wird schlicht und einfach ausgenutzt, dass Künstler ihre Arbeit tun, weil sie gar nicht anders können, weil sie in anderen Berufen unglücklich werden. Diese Ausbeutung muss aufhören. Auf der anderen Seite dürfen die finanziellen Zugangsschranken auch nicht zu weit erhöht werden – weshalb eine gewisse Kultursubvention wohl unausweichlich ist. Hier ist die Einschränkung, dass jede Kunst ihre Rezipienten für diese Kunstform begeistern muss. Können das gewisse Formen nicht mehr oder nur noch eingeschränkt, werden sie von anderen Formen verdrängt werden. Das ist ein natürlicher Prozess, und der darf in einer Demokratie auch nicht durch übermäßige Subvention in eine bestimmte Richtung künstlich aufgehalten werden.

Der Zugang zur Kultur muss immer in aktiver und passiver Form gleichermaßen jedem möglich sein. Nein, nicht jeder ist ein Künstler, da gehört schon etwas zu, Leidenschaft und Liebe zum Beispiel, auch Talent oder Ausbildung sind nicht zu verachten. Die wichtigste Kulturförderung ist die Ermöglichung eigenen künstlerischen Ausdrucks. Wenn Städte, Kreise oder Schulen Kulturpädagogen der verschiedensten Richtungen einstellen würden, und ihnen Projekte ermöglichen, die möglichst viele Kinder und Jugendliche mit Kultur ganz praktisch in Kontakt bringen, dann könnte Kultur keine soziale Unterscheidung mehr sein. Subventionierte Kultureinrichtungen sollten auf jeden Fall einen Teil ihrer Subventionen für diese Form der Jugendarbeit reservieren. Gerne auch für eine Form der Sozial- und Altenarbeit, das muss ja nicht auf Kinder und Jugendliche beschränkt sein, auch wenn es da natürlich den größten Hebelpunkt hat.

Politik muss Kultur ermöglichen, darf ihr keine Barrikaden in den Weg legen! Ein bisschen weniger Bürokratie da, wo Kultur sich einen Weg bahnen will, das wäre noch ein schönes Ziel. Behörden, die Festivals ermöglichen wollen und es nicht möglichst unmöglich machen. Hier und da einfach ein bisschen mehr Service-Gedanken bei Behörden, ach ja, das wäre auch schön.

An dieser Stelle kommt nur noch eine Bitte um Diskussion. Dieser Artikel ist nur ein Anfang. Wir brauchen einen piratigen Kulturbegriff, wer sollte denn mehr Kultur mitbringen, als wir? Also freue ich mich über jede Diskussion!