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Fantasy und das Dritte Reich

Es passiert immer mal wieder, dass die Urban Fantasy, die in der heutigen Zeit spielt und dementsprechend auch unsere Geschichte in ihre Universen integrieren muss, auch das Dritte Reich samt Hitler und Shoah und dem Zweiten Weltkrieg thematisiert. In der bekanntesten Fantasyreihe aller Zeiten ist es Grindelwald, der von Albus Dumbledore ausgerechnet 1945 besiegt wurde – womit mehr oder weniger klar eine Verbindung eines Schwarzmagiers zu den Nazis geschaffen wird.

Noch deutlicher macht es die Fernsehserie Grimm, die ich momentan so ein bisschen binge. (ja, ich weiß, eher guilty pleasure als wirklich gut). Hier gibt es in der ersten Staffel eine Folge, in denen es um drei magische Münzen geht, die auch noch ein Hakenkreuz auf einer Seite zeigen. In den letzten Bildern der Folge sieht Grimm Hitler mit genau diesen bösen Münzen, die offenbar aus Menschen, oder noch genauer, aus Wesen, machtgierige Wahnsinnige machen. Und ganz kurz sieht man auch, dass Hitler selbst ein Blutbader war – eine Art Werwolf.

Mich fragt ja keiner, aber wenn ich Redakteur dieser Folge gewesen wäre, hätte ich dringend abgeraten. Mit Geschichte in solcher Art überhaupt herumzuspielen ist nicht ungefährlich, aber gerade bei Hitler finde ich es sehr problematisch. Hier steckt die Idee hinter, dass Nazis eine besonders fiese Art von Menschen ist, die in ihrer Zeit quasi gewaltsam die Macht an sich brachten und die Menschen zu den Verbrechen verführten, die einzigartig in der Geschichte stehen.

Und genau das ist halt wirklich Unsinn. Hitler war kein übernatürliches Monster, er war ein Mensch mit monströsen Ansichten und Ideen, und diese wurden von Millionen geteilt und ausgeführt. Alles keine übersinnlichen Monster, sondern unsere Vorfahren, die willentlich aus den gleichen Ideen heraus, aus denen gestern in Neuseeland ein Nazimörder 49 Menschen in Christchurch erschoss, Millionen Menschen erschossen und vergast haben. Nein, das waren keine Blutbader – auch wenn sich solche Wesen, wenn es sie gäbe, in Nazideutschland sicher sauwohl gefühlt hätten.

Es ist, wie es so oft mit dem Dritten Reich ist, man kann dieses Thema nicht einfach mal so bewegen, nicht einfach so zu Unterhaltung machen – es ist viel zu einfach Nazis zu verharmlosen, und wenn es auf dieser Welt eine Ideenwelt gibt, die wir nie verharmlosen sollten, dann die der Nazis.

Von „Hitlerjuden“ und dem Humor in kalter Zeit

Vor ein paar Wochen fragte Bloggerkollege Jan Ulrich Hasecke, ob jemand ein EBook rezensieren wollte – ich bin für so was immer gern zu haben, und so schickte er mir „Ich bin doch auch ein Hitlerjude“, eine Sammlung von Witzen und Beobachtungen aus der Nazizeit, die seine Tante Annegret Wolf gesammelt hatte.

Er hat die Witze und Anekdoten kommentiert und erklärt, wo sie Erklärung benötigten, und hat auch nicht die Sachen zensiert, die den Nazis durchaus in den Kram gepasst haben dürften. Ja, es gibt die Flüsterwitze auf der einen Seite, aber eben auch Witze über fliehende Italiener oder jüdische Kommunisten. Dass Hasecke als Herausgeber da nicht schönt, finde ich sehr angenehm.

Wir haben die Neigung, alles in schwarz und weiß aufzuteilen, aber natürlich waren auch die Menschen in jenen Zeiten verschiedenartig grau. Man sollte nicht vergessen, dass die berühmte Sophie Scholl von der Weißen Rose auch mal Jungmädelführerin war, begeistert von ihrer Aufgabe. Annegret Wolf hat Witze und Geschichten gesammelt und sie nicht weiter kommentiert, da ist noch nicht mal eine eigene Wertung erkennbar. Immerhin ging sie vermutlich mit einigen Witzen ein Risiko ein, denn die Witze über Goebels und Göring waren ja nicht ungefährlich.

Zu einem spannenden Dokument wird das EBook durch das Wissen, dass diese Witze in einem Schreibheft gesammelt wurden, dass sie zusammen gehören. Ansonsten werden die Flüsterwitze hier und da sicherlich schon gesammelt existieren, aber hier kommt ungefiltert der Humor dieser Zeit.

Schaut man sich übrigens das Personal der Witze an, so liest man von Göring und Goebbels, auch ein paar andere Nazis kommen prominent vor, fast vergessen wirkt daneben der „Führer“ selbst. Hitler hatte offenbar einen zu großen Nimbus, dass man über ihn viel gewitzelt hätte. In den Witzen, in denen er vorkommt, kommt er auf jeden Fall besser weg, als Göring – über den viel gewitzelt wird – oder andere seiner Granden.

Alles in allem ein interessantes zeitgeschichtliches Dokument, das man übrigens hier finden und käuflich erwerben kann: https://www.amazon.de/dp/B00B4XM4PG