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Quick – Die Sache mit der Schulpflicht

In der Piratenpartei gibt es zwei Typen von Menschen, die sich mit Bildung beschäftigen – die Homeschooler und die Bildungspolitiker. So sagt es das Klischee, dass gar nicht so selten auch stimmt. Inzwischen prügelt man sich um die Schulpflicht, die einen wollen deren Abschaffung, dafür aber eine Bildungspflicht einführen, die anderen wollen sie beibehalten, die Schulen endlich zu echten Lernorten machen und so keinen Grund mehr für Homeschooling und Unschooling geben.
Ich finde einige Argumente beider Seiten nicht so übel und bedenkenswert.
Eigentlich ist es schon seltsam, dass eine Partei, in der es so viele Nerds gibt, die sich alles selbst beigebracht haben, diese Erkenntnis nicht mehr aufgreifen. Natürlich soll auch in Schulen viel mehr die Möglichkeit gegeben werden, mit selbständigem Lernen weiter zu kommen, aber die Anwesenheitspflicht in der Schule ist für viele erstmal festgeschrieben.
Begreift man Schulen als Sozialisierungs- und Lernorte, dann gibt es viele Gründe, warum man da hingehen sollte. Vor allem, wenn man bedenkt, was wir für einen Nachwuchs haben wollen: Selbstbewusst und selbstdenkend, kritisch und demokratisch – das lernt man nicht zu Hause – leider aber auch bisher kaum in der Schule, was die Diskussion nicht einfacher macht. Was wir auf jeden Fall verhindern müssen, sind die Homeschooler, die aus religiösen Gründen ihre Kinder zu Hause lassen wollen. aus gleichen Gründen bin ich allerdings auch gegen jede Bekenntnisschule, sogar gegen Religionsunterricht. Kreationisten haben in den Köpfen des Nachwuchses nichts zu suchen. Und Abmeldungen vom Schwimm- oder Sportunterricht gehen auch gar nicht – vor allem, weil ich mich auch nicht abmelden konnte, und ich hätte das bei jeder Turn- oder Leichtathletikeinheit gerne gemacht.
Aber zurück zum Ernst der Lage. Die andere Seite sind Kinder, die auf der Schule nicht klar kommen, die nicht nur rebellieren, sondern Angst und Depressionen bekommen, die wegen der Schule krank werden. Und wenn die dann schwänzen, sollen die echt von der Polizei abgeholt werden? Da stimmt doch etwas überhaupt nicht, oder? Da scheitert die Schule, wie sie jetzt ist, und mit einem sturen Bekenntnis zur Allgemeinen Schulpflicht unterstützen wir dieses Scheitern noch.
Es ist eine verzwickte Lage. Jeder Einzelfall ist anders. Manchen Schülern hilft schon eine andere Schulform, manche Schüler wollen auch einfach nicht mehr gemobbt oder von Lehrern diskriminiert werden – auch das ist ja eine Realität. Da braucht es viel eher Sozialarbeiter und Schulpsychologen, die eingreifen müssen. Das letzte, was man da braucht, ist Gerichtsbarkeit und Polizei.
Aber wie kann man das in Worte fassen, in Gesetze? Natürlich muss man auch weiterhin Eltern auf die Finger hauen, die gegen das Wohl ihrer eigenen Kinder handeln und sie mit Fundamentalismus voll stopfen, aber mit staatlicher Gewalt gegen Kinder vorgehen, die an der Schule verzweifeln? Sorry, das kann nicht der Weg sein.