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Kritik

Ich hasse Kritik, wie alle Regisseure hasse ich Kritik. Beschwert sich jemand, halte ich mir die Ohren zu. Hat jemand bessere Ideen als ich, dann bin ich demjenigen persönlich auf Monate hin sauer. Ich bin Regisseur, ich bin Chef …

So, einmal den Quatsch hingeschrieben, ich befürchte, solche Regisseure gab es mal, gibt es hier und da vielleicht noch, aber ich jetzt persönlich, bin nicht so. Ich finde Kritik richtig gut. Ich finde alles gut, was dem Stück hilft. Und wenn andere bessere Ideen haben als ich, dann setze ich diese Ideen um.

Aber eine Sache ist doof, wenn Kritik schwammig und unkonstruktiv kommt. „Finde ich nicht gut“, ist immer ein Totschlagargument, jedes „Nein“ ohne Begründung ist der Tod aller Kreativität – schon ein „Nein“ mit Begründung kann im falschen Moment furchtbar sein, aber ohne Begründung …

Das Problem ist natürlich auf der einen Seite, dass die unkonstruktive Kritik nicht weiterhilft, schlimm ist das, klar, aber noch viel schlimmer ist das Gefühl, das dabei rumkommt. Man hat ein Gefühl für sein Stück, vielleicht sogar ein kleines bisschen Euphorie, will mit Freude weitermachen, und dann schlägt diese Art von Kritik so richtig in die Magengrube. Denn die transportiert eine Sache: Negative Energie. Und die ist im Allgemeinen immer ein Problem – ich setze sie nur in einem Fall künstlich ein, wenn ein Ensemble zu euphorisch vor einer Vorstellung ist – dann nämlich braucht es ein bisschen negative Energie, um zurück zur Konzentration zu kommen. Im Probenprozess brauch ich negative Energie ungefähr so dringend wie einen Tritt in den Unterleib.