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Keine Macht den Doofen!

Die Überschrift entspricht dem Titel einer Streitschrift von Michael Schmidt-Salomon, die ich in den letzten Tagen als Hörbuch gehört habe. Und auch wenn Schmidt-Salomon seinen Text mit Polemik durchtränkt, diese Streitschrift ist nicht nur empfehlenswert, sie sollte als Diskussionsgrundlage jedem Schüler und Studenten, und vor allem jedem politisch engagierten Menschen in die Hand gedrückt werden.

Michael Schmidt-Salomon verabschiedet sich von unsinniger Diplomatie und benennt Dummheit, wo er sie findet. Dass er sie zuerst bei den Religionen findet, ist bei dem Sprecher der Giordano-Bruno-Stiftung kein Wunder – merkste? Wortwitz! Kein Wunder! Haha! – aber er findet die Idiotie eben nicht nur bei den Religionen, sondern auch und vor allem in der Wirtschaft, in der Politik, in der Bildung. Und dass er genau dort ansetzt, damit sich ein paar mehr Menschen als Homo sapiens beweisen, und nicht wie im Moment als „Homo demens“, ist auch absolut folgerichtig. Nur durch Bildung kann es funktionieren, nur dadurch, dass wir all die irrationalen Geschichten hinterfragen, die Wissensfeindlichkeit.

Als Pirat fühlte ich mich oft sehr direkt bestätigt. Es ist schön, wenn ein Philosoph, der vieles durchdacht hat, sagt, dass Politik transparenter werden muss, dass Bildung der Kern von Politik sein muss, da spricht er mir und vermutlich den meisten Piraten aus dem Herzen. Bei anderen Sachen stößt Schmidt-Salomon in mir auch Denkprozesse an, und dafür möchte ich ihm danken.

Also kurz und gut, großartiger Text, sollte man millionenfach drucken und zur allgemeinen Aufklärung unter die Menschen bringen!

PS irgendwo auf der rechten Seite könnt ihr neben dem Blogpost den Feed von unserem Carpe Noctem-Podcast sehen. Nummer sechs, zu diesem Zeitpunkt der letzte Podcast, setzt sich mit dem Bildungsbegriff auseinander, und man wird dort auch viele Gemeinsamkeiten finden.

Batman, Bane und eine unlogische Bombe

Nun also „The Dark Knight Rises“, der dritte Film einer kleinen Serie um den Fledermausritter, die sicherlich ihren Platz in der Filmhistorie einnehmen werden, und wenn es wegen der heute schon legendären Schauspielleistung des zu früh verstorbenen Heath Ledger als Joker im zweiten Film. Und das kann man  schon mal im Voraus sagen, eine ähnlich ansprechende Leistung ist im dritten Teil nicht zu sehen – das gibt die Geschichte in diesem Fall aber auch nicht her.

SPOILERWARNUNG – wer den Film noch nicht gesehen hat, ich erzähle teilweise unverblümt, was passiert, also Weiterlesen auf eigene Gefahr.

Christopher Nolan, auserkorener Nachfolger von Stanley Kubrick, hat in diesem Batman vieles richtig gemacht. Sparsam setzt er ein paar Lacher, die dafür dann aber auch wirken, sein Bösewicht Bane ist wirklich einigermaßen böse, speziell, weil er so freundlich und geschliffen spricht – ich frage mich, ob er das im Englischen auch macht. Die Geschichte könnte ein bisschen überraschender sein, hat aber eine schöne Endgültigkeit – aber wie so gerne bei Nolan, so richtig mitfühlen kann man eigentlich nicht. Nun das wäre keine Neuigkeit, keine Motivation für einen Blogpost. Kommen wir also zu den wichtigen Punkten.

Erst mal die Sozialkritik: Erst ist es die Meisterdiebin Catwoman, die davon spricht, dass eine Revolution unterwegs ist, später ist es Bane, der die Revolution predigt. Und das macht er auch noch richtig charismatisch, auch wenn man als Zuschauer immer weiß, dass das für ihn nur ein Trick ist. Und einiges, was da gesagt wird, darüber, dass irgendwelche Börsenheinis die Menschen ausnutzen und ausbeuten, darüber, dass immer mehr Geld bei den wenigen zusammen kommt, die eh schon genug haben, das ist absolut richtig. Bane konnte einem da richtig sympathisch werden. Allerdings gibt es da zwei Interpretationen. Nolan bringt diese Argumente, damit sie ausgesprochen werden, und dabei sit es egal, ob Bane sie ausspricht oder jemand anderes. Die andere Interpretation ist unsympathischer: Es ist Bane, der solches ausspricht, damit die Zuschauer von aller Sozialkritik weg gebracht werden. Eine Konnotation mit dem Bösewicht sagt, dass solche Gedanken selbst schon böse sind. Und das wäre bei den momentanen sozialen Verhältnissen in den USA – aber auch immer mehr bei uns – schon enorm zynisch.

Am Ende bleibt alles, wie es ist, also politisch, und das ist dann in Ordnung? Also, wenn die Probleme schon angesprochen werden? Sorry, finde ich so nicht in Ordnung.

Die andere Sache. Es geht um eine Neutronenbombe mit einem Explosionsradius von sechs Meilen, wie im Film erklärt wird. Diese bringt Batman mit dem Hubschrauber-Bat innerhalb einer Minute so weit weg, dass man nur noch die Explosion in der Ferne sieht. Ähm, wie schnell soll dieser Hubschrauber sein? Und die zuschauenden Einwohner von Gotham kriegen keine Druckwelle ab? Das Meer kommt nicht drei Minuten später in einer riesigen Flutwelle? Müssten nicht Tonnen an Wasser verdampft sein, das Meer kochen, und dadurch Riesenwellen ausgelöst werden – bin ich jetzt so ein Physiknixblicker? Und warum hat eigentlich ein Kernreaktor, der instabil wird, einen Countdown bis zur Explosion? Kann man so was sekundengenau bestimmen?

Das waren jetzt nur ein paar Unstimmigkeiten die uns gestern nach dem Film so auffielen. Jetzt ist mir schon klar, dass Logik nicht das wichtigste in einer Comic-Verfilmung ist. Aber eine solche Verharmlosung von Atomwaffen, das finde ich auch ganz schwierig. Und es ist einfach ein Bruch der Film-internen Logik und Physik – und das darf man auch in noch so fantastischen Genres gar nicht. Ist ein vielfach geschriebenes ungeschriebenes Gesetz der Erzählkunst.

Ja, mir hat der Film über weite Strecken Spaß gemacht, ja, Nolan versteht sich auf gute Bilder, aber ein Klassiker wird dieser Batman nicht.

Idee – Guerilla-Kino!

Manchmal träume ich von einer besseren Welt. Und in dieser besseren Welt hat der freundliche Wirt von umme Ecke in seinem Hinterzimmer einen Beamer, eine Surround-Sound-Anlage und ein Notebook – und wenn sich dann fünf Leute finden, die Bock auf nen Film haben, dann geht der Wirt ans Notebook, sorgt für den Film, und man kann einfach Rudelgucken, Kaltgetränke konsumieren und voerher eben in der Kneipe rumfragen, wer mitschauen will. Zu mehreren macht das Filmschauen doch eigentlich immer mehr Spaß, oder?

Und wie wäre es, wenn der filmverrückte Peter in der Nachbarschaft seinen Kinokeller nicht mehr alleine besucht, sondern mit daraus einen Nebenerwerb macht, ein Miniprogrammkino, wo immer gesehen wird, was der Hausherr zeigen will, für einen kleinen Eintritt. Und im Sommer wird das Equipment in wasserdichte Folie gepackt und die Filme laufen bim Nachbarn auf der Hauswand.

Und im Fußballverein zeigt der Trainer nicht nur die Spiele der nächsten Gegner – wenn das Training gelaufen ist, und man gemütlich zusammen sitzt, dann schaut man zum zehnten Mal „Looking for Eric“, weil der Film einfach gut und lustig ist und mit Fußball zu tun hat.

So, jetzt bin ich also aufgewacht, der Traum war schön, und warum ist alles das nicht möglich? Ganz einfach:  Weiß irgendwer, wie man an die Erlaubnis kommt, einen Film zu zeigen? Wie komme ich an eine Kopie, die ich dann auch zeigen darf? Und wie viel bürokratischen Aufwand habe ich dafür? Klar, ich kann einfach den Film nehmen, den ich mir gekauft habe, oder gar per Filesharing gesaugt – aber das heißt ja, die Legalität verlassen. Und man höre und staune, das wollen die meisten Menschen nicht.

Irgendwie weiß jeder, dass man solche Sachen nicht machen kann, also nicht so einfach … und niemand denkt weiter drüber nach. Warum eigentlich? Warum kann das nicht einfach sein? Man stelle sich vor, die Filmwirtschaft würde ein einfaches Portal machen, auf dem man sich einen User einrichtet, seine Form des Kinos eintrüge, und dann einfach berechnen könnte, wie viel es kostet, das gleich online bezahlen, und fertig. Meinetwegen darf es dann mehr kosten, wenn man direkt streamt, aber es würde ja schon reichen, wenn man den Film nicht streamen kann, sondern ihn per DVD oder Blueray abspielt, wichtig wäre die einfache Möglichkeit, Filme legal einem Publikum erreichbar machen zu können, ohne dafür ein echtes Kino aufmachen zu müssen.

Und die Vorteile wären vielfältig, natürlich erst mal für die Nutzer, denn wie viel Spaß würde es machen, Kinoabende zu veranstalten, wie cool wäre es, einfach und legal im Sportlerheim oder dem Jugendzentrum regelmäßig Kino zu veranstalten, heute schauen wir die Blues Brothers, morgen singen wir einen Song daraus – klingt verrückt? Für mich klingt es nach Spaß!

Aber auch für die Filmwirtschaft wäre das eine nette Nebeneinnahme, eine interessante Art der Zweitverwertung. Denn wenn eine Kultur des Guerilla-Kinos entstünde, dann kommen da ja schon Einnahmen rein, aber vor allem, man reißt die Menschen aus dem verblödenden Fernsehkonsum, richtig Filme schauen geht halt anders. Man erreicht mehr Menschen mit guten Filmen, mehr Menschen geben Geld für Filme aus, auch für eine größere Auswahl an Filmen, und das kann doch eigentlich so schlecht nicht sein, oder?

Caligula / Tollmut Theater / Siegen

Eine Bühne voller Rindenmulch, eine kleine schmächtige Person, die ein Grab formt, während das Publikum noch die Plätze einnimmt – so fängt „Caligula“ an, ein Theaterstück, zu dem ich diese Woche entführt wurde – Danke übrigens! Im kleinen Saal des LYZ in Siegen spielte eine studentische Gruppe mit dem schönen Namen Tollmut Theater, welches man übrigens auch im Internet finden kann: www.tollmut-theater.de

David Penndorf, Regisseur und Mastermind des Projekts, hat Camus‘ Stück überarbeitet, mit Gedichten gepaart, und lässt das Stück von einer talentierten Gruppe spielen, die viel Substanz in das Stück bringt. Die Bühne karg – wie ich es mag – die Kostüme schlicht und nur hier und da etwas aussagend, alles konzentriert sich auf Spiel und Text. Und letzterer ist irgendwie aktuell, es geht um Freiheit, um die eigene und die der anderen, um Herrschaft.

Es geht um den Kaiser Caligula, der als Scheusal von den Historikern überliefert ist, als ein Wahnsinniger. Und dieser Tyrann, dargestellt von Valerie Linke, ist auch das, ein Machtmensch, der mit den Leben der Menschen spielt, aber auch ein Träumer, ein zartes leidendes Wesen, ein unglücklicher Denker, der seine Position ausreizt, zu Dimensionen, die ihn von jeglicher Menschlichkeit befreien.

Neben dieser Figur bleiben alle anderen Figuren klein. Aber das liegt auch an Valerie Linke, die ein wahres Energiebündel, eine Intensität erreicht, von der mancher Profi nur mal irgendwann in der Schauspielschule gehört hat. So sehr muss sie sich zügeln, so sehr erwartet man das Explodieren in fast jedem Moment. Daneben wirkt Valerie Linke auch noch so zerbrechlich und verletzlich, dass sie trotz allen Wahnsinns eine Menge Sympathien bekommt. In der Pause lässt sich Caligual vom Publikum huldigen – hübsche Vermischung von Spiel und Pause übrigens – und diese Huldigungen sind auch der Schauspielerin sicher, die verdient sie.

Auch der lange Applaus am Ende ist verdient. Kluges Theater, literarisches Theater, aber auch berührendes und zu erfühlendes Theater, sinnliches Theater. Das ist richtig gut – auch wenn das Niveau der Hauptdarstellerin von den anderen Schauspielern nicht erreicht werden kann. Natürlich gibt es auch hier und da Leerlauf – und der ist vermutlich auch nötig, denn die nächste sehr dichte Szene kommt ja sicher. Insgesamt ist dieser Caligula ambitioniertes Amateurtheater auf hohem Niveau, und für eine studentische Gruppe sehr angenehm unverkopft.

Ein bisschen zu mosern habe ich auch, allerdings auf dem inzwischen sprichwörtlich hohen Niveau.. Keine Frage, dass die Hauptdarstellerin einen grandiosen Job macht, allerdings gibt es Momente, in denen wichtig ist, dass Caligula nun mal ein Mann ist – und da bekommt die Sache natürlich eine unfreiwillige Komik. Und sie ist nicht die einzige Frau, die einen Mann spielt. Vielleicht sollte David Penndorf da in Zukunft mehr drauf achten – hat man ein vorwiegend weibliches Team, und das auch noch mit einigen wirklich guten Darstellerinnen, dann sollte man doch auch weibliche Themen, Helden in den Mittelpunkt rücken – gerade hier, wo die Namen mit ihren lateinischen Endungen auch noch einen so deutlichen Genus haben, fällt das einfach unangenehm auf.

Die andere Sache ist was für Hobbyhistoriker: Caligula starb im Jahr 42, in Rom gab es also zu diesem Zeitpunkt keine christliche Idee. Dennoch tauchen christliche Symbole auf, dennoch kommen sehr christliche Ideen vor – die Illusion Rom wird davon zerstört, zumindest für Irre wie mich, die auf so etwas achten.

Idee: Schulkünstler

Ich gehöre zu den Künstlern, die in NRW für „Kultur und Schule“ zugelassen sind, die also in Schuln gehen, und dort ihre Projekte machen. Es gibt einige Kollegen, die schlechte Erfahrungen gemacht haben, es gibt Kollegen, die nicht ganz umsonst sagen, es ist zwar eine nette Sache, aber letztlich sind wir eine preiswerte Möglichkeit, wenigstens ein bisschen Kultur in die Schulen zu bringen, während die wichtigen Unterrichtsfächer Kunst, Musik, Literatur allenfalls rudimentär an den Schulen unterrichtet werden.
Was machen die Menschen, die als solche „Kultur und Schule“-Künstler arbeiten? Sie kreieren Projekte, suchen sich dafür an den Schulen die Gruppen zusammen und machen Kunst, Theater, Musik, Tanz, Literatur – den Sommernachtstraum an einer Berufsschule, Maskenbau und –theater, ein Buch mit Grundschülern selbst schreiben – die Möglichkeiten sind weit, so bunt und manchmal unglaublich, wie die Kultur selbst. Das Beste daran? Selbst die Künstler, die durchaus auch pädagogische Qualifikation mitbringen, sind gehalten,  als Künstler in die Schulen zu gehen, mit den Schülern so umzugehen, wie man das als Künstler so macht, man ist gehalten, echt zu sein. Man hat keine Noten, die einen bei der Arbeit stören, man hat keine langwierigen Ziele zu verfolgen, man macht Kunst.
Ich zum Beispiel mache Theater. Meine Grundschüler sehen im Moment dabei zu, wie ein Stück entsteht, improvisieren, damit ich Material habe, proben die ersten Szenen, die ich ihnen auf den Kopf geschrieben habe, und werden im Juni ein paar Aufführungen vor ihren Klassenkameraden und dem Rest der Schule, aber auch vor Eltern und der Öffentlichkeit spielen. Sie werden dabei auch noch ein bisschen mit Goethe konfrontiert, weil mein Stück den Zauberlehrling als Basis nimmt, aber das ist mir gar nicht mal so wichtig – vermutlich sah es im Antrag allerdings richtig gut aus.
Mit meinen Gymnasiasten mache ich Workshoparbeit, jede Probe dauert fünf Stunden, viele Samstage gehen ihnen dafür drauf. Und die Jugendlichen spielen Jugendliche vor siebzig Jahren, Edelweißpiraten, Mitglieder der Weißen Rose, halt jugendlichen Widerstand im Dritten Reich. Auch das sah im Antrag toll aus, ich fahr mit den jungen Herrschaften auch bald nach Köln, um zumindest in Bezug auf die Edelweißpiraten mal ein bisschen die Originalschauplätze zu sehen. Das klingt total pädagogisch, ist aber gar nicht so gemeint. Ich will ein Stück auf die Bühne bringen,  ich will Publikum anrühren, ihnen die Geschichten von jungen Menschen nahebringen, die zu den wenigen gehörten, die klar dachten, und die dafür zu einem gar nicht so geringen Teil mit dem Leben bezahlt haben.
Ja, klar, dabei lernen meine Schüler auch eine Menge über die Naziherrschaft, über deren verqueres Denken, und das man gefälligst was gegen solche Form der Menschenverachtung tun muss,  sich gegen jede Form der gedanklichen Unfreiheit wehren muss. Aber mir geht es um das Publikum, die Schauspieler kriegen das doch eh mit.
Und sie lernen eine Menge mehr. Einerseits ist jedes solche Projekt auch ein bisschen Praktikum, und das nicht nur weil man ganz praktisch an der Kunst arbeitet. Den meisten Künstlern geht die Idee ab, dass man sich in allem an den schwächsten orientieren muss. Dass man Kinder vor sich selbst schützen muss. Wir fordern, wir nehmen die Kinder so, wie sie sind, erwarten keine Wunder, aber wir bringen sie an Grenzen – denn Kunst muss immer auch eine Grenzerfahrung sein. Theater im speziellen heißt immer Teamwork, für einander einstehen, zusammen siegen, zusammen untergehen. Und Theater heißt Applaus, und Applaus heißt Selbstvertrauen. Theaterkinder sind stärker, sind selbstbewusst in der wörtlichen Bedeutung, sich selbst bewusst.
So, das reicht an Eigenlob. Natürlich haben andere Künste ähnliche individuelle Qualitäten, die sie fördern, und wer sich selbst ein wenig als Künstler gefühlt hat, wird anders durch die Welt gehen, reicher und stärker, und deshalb bin ich fest davon überzeugt, dass wir da eine verdammt wichtige Arbeit machen. Und das gilt für alle Künste, wenn es manchmal so klingt, als ob ich nur das Theater loben wollte – nun ja, es ist mein Leben, ich kann nicht anders. (übrigens originär als Musiktheater, und ich könnte noch lange Absätze darüber schreiben, wie wichtig die Musik für Kinder und Jugendliche ist…)
Ich glaube, ein Projekt wie „Kultur und Schule“ ist ein guter Anfang, und man sollte den Ansatz ernsthaft weiterverfolgen. Warum nicht Künstler an Schulen anstellen, wohlgemerkt nicht als Kunst- oder Musiklehrer oder ähnliches, es geht ja um Kunst und nicht um Noten. Wenn man jeder Schule pro zwei Zügen eine halbe Stelle schaffen könnte, in der Künstler angestellt sind, ein kleines Budget für Material haben und sich darum kümmern, dass es Projekte gibt, in die man als Schüler problemlos kommen kann, dann wäre für Bildung an unseren Schulen eine Menge getan.
Um das noch ein bisschen weiter auszuführen. Sinnvoll wäre es, wenn man die Künstler auch unter den einzelnen Schulen ein bisschen austauscht, und lokal darauf achtet, dass verschiedene Kunstgattungen unterwegs sind. Vielleicht, aber da bin ich mir gar nicht sicher, wäre es sogar noch sinnvoll, nur halbe Stellen zu vergeben – damit die Künstler auch noch Zeit haben, ganz andere Sachen zu machen, die nichts mit Schulen, Kindern und Jugendlichen zu tun haben. Solche Möglichkeiten sind für Künstler oft spannender, als eine feste, sichere Stelle. Abgesehen davon ist bei jedem festangestellten Künstler die Gefahr zu groß, dass er einrostet.
Lasst uns den Schulen Künstler geben, sie brauchen sie!