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Idee: Schulkünstler

Ich gehöre zu den Künstlern, die in NRW für „Kultur und Schule“ zugelassen sind, die also in Schuln gehen, und dort ihre Projekte machen. Es gibt einige Kollegen, die schlechte Erfahrungen gemacht haben, es gibt Kollegen, die nicht ganz umsonst sagen, es ist zwar eine nette Sache, aber letztlich sind wir eine preiswerte Möglichkeit, wenigstens ein bisschen Kultur in die Schulen zu bringen, während die wichtigen Unterrichtsfächer Kunst, Musik, Literatur allenfalls rudimentär an den Schulen unterrichtet werden.
Was machen die Menschen, die als solche „Kultur und Schule“-Künstler arbeiten? Sie kreieren Projekte, suchen sich dafür an den Schulen die Gruppen zusammen und machen Kunst, Theater, Musik, Tanz, Literatur – den Sommernachtstraum an einer Berufsschule, Maskenbau und –theater, ein Buch mit Grundschülern selbst schreiben – die Möglichkeiten sind weit, so bunt und manchmal unglaublich, wie die Kultur selbst. Das Beste daran? Selbst die Künstler, die durchaus auch pädagogische Qualifikation mitbringen, sind gehalten,  als Künstler in die Schulen zu gehen, mit den Schülern so umzugehen, wie man das als Künstler so macht, man ist gehalten, echt zu sein. Man hat keine Noten, die einen bei der Arbeit stören, man hat keine langwierigen Ziele zu verfolgen, man macht Kunst.
Ich zum Beispiel mache Theater. Meine Grundschüler sehen im Moment dabei zu, wie ein Stück entsteht, improvisieren, damit ich Material habe, proben die ersten Szenen, die ich ihnen auf den Kopf geschrieben habe, und werden im Juni ein paar Aufführungen vor ihren Klassenkameraden und dem Rest der Schule, aber auch vor Eltern und der Öffentlichkeit spielen. Sie werden dabei auch noch ein bisschen mit Goethe konfrontiert, weil mein Stück den Zauberlehrling als Basis nimmt, aber das ist mir gar nicht mal so wichtig – vermutlich sah es im Antrag allerdings richtig gut aus.
Mit meinen Gymnasiasten mache ich Workshoparbeit, jede Probe dauert fünf Stunden, viele Samstage gehen ihnen dafür drauf. Und die Jugendlichen spielen Jugendliche vor siebzig Jahren, Edelweißpiraten, Mitglieder der Weißen Rose, halt jugendlichen Widerstand im Dritten Reich. Auch das sah im Antrag toll aus, ich fahr mit den jungen Herrschaften auch bald nach Köln, um zumindest in Bezug auf die Edelweißpiraten mal ein bisschen die Originalschauplätze zu sehen. Das klingt total pädagogisch, ist aber gar nicht so gemeint. Ich will ein Stück auf die Bühne bringen,  ich will Publikum anrühren, ihnen die Geschichten von jungen Menschen nahebringen, die zu den wenigen gehörten, die klar dachten, und die dafür zu einem gar nicht so geringen Teil mit dem Leben bezahlt haben.
Ja, klar, dabei lernen meine Schüler auch eine Menge über die Naziherrschaft, über deren verqueres Denken, und das man gefälligst was gegen solche Form der Menschenverachtung tun muss,  sich gegen jede Form der gedanklichen Unfreiheit wehren muss. Aber mir geht es um das Publikum, die Schauspieler kriegen das doch eh mit.
Und sie lernen eine Menge mehr. Einerseits ist jedes solche Projekt auch ein bisschen Praktikum, und das nicht nur weil man ganz praktisch an der Kunst arbeitet. Den meisten Künstlern geht die Idee ab, dass man sich in allem an den schwächsten orientieren muss. Dass man Kinder vor sich selbst schützen muss. Wir fordern, wir nehmen die Kinder so, wie sie sind, erwarten keine Wunder, aber wir bringen sie an Grenzen – denn Kunst muss immer auch eine Grenzerfahrung sein. Theater im speziellen heißt immer Teamwork, für einander einstehen, zusammen siegen, zusammen untergehen. Und Theater heißt Applaus, und Applaus heißt Selbstvertrauen. Theaterkinder sind stärker, sind selbstbewusst in der wörtlichen Bedeutung, sich selbst bewusst.
So, das reicht an Eigenlob. Natürlich haben andere Künste ähnliche individuelle Qualitäten, die sie fördern, und wer sich selbst ein wenig als Künstler gefühlt hat, wird anders durch die Welt gehen, reicher und stärker, und deshalb bin ich fest davon überzeugt, dass wir da eine verdammt wichtige Arbeit machen. Und das gilt für alle Künste, wenn es manchmal so klingt, als ob ich nur das Theater loben wollte – nun ja, es ist mein Leben, ich kann nicht anders. (übrigens originär als Musiktheater, und ich könnte noch lange Absätze darüber schreiben, wie wichtig die Musik für Kinder und Jugendliche ist…)
Ich glaube, ein Projekt wie „Kultur und Schule“ ist ein guter Anfang, und man sollte den Ansatz ernsthaft weiterverfolgen. Warum nicht Künstler an Schulen anstellen, wohlgemerkt nicht als Kunst- oder Musiklehrer oder ähnliches, es geht ja um Kunst und nicht um Noten. Wenn man jeder Schule pro zwei Zügen eine halbe Stelle schaffen könnte, in der Künstler angestellt sind, ein kleines Budget für Material haben und sich darum kümmern, dass es Projekte gibt, in die man als Schüler problemlos kommen kann, dann wäre für Bildung an unseren Schulen eine Menge getan.
Um das noch ein bisschen weiter auszuführen. Sinnvoll wäre es, wenn man die Künstler auch unter den einzelnen Schulen ein bisschen austauscht, und lokal darauf achtet, dass verschiedene Kunstgattungen unterwegs sind. Vielleicht, aber da bin ich mir gar nicht sicher, wäre es sogar noch sinnvoll, nur halbe Stellen zu vergeben – damit die Künstler auch noch Zeit haben, ganz andere Sachen zu machen, die nichts mit Schulen, Kindern und Jugendlichen zu tun haben. Solche Möglichkeiten sind für Künstler oft spannender, als eine feste, sichere Stelle. Abgesehen davon ist bei jedem festangestellten Künstler die Gefahr zu groß, dass er einrostet.
Lasst uns den Schulen Künstler geben, sie brauchen sie!

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Piraten und Kultur – Der Versuch eines piratigen Kulturbegriffs

Hatte vor kurzem eine kleine Mumblesitzung mit anderen Kreativpiraten, die es durchaus gibt, auch wenn sie sicherlich nicht im Mittelpunkt der Piraten stehen. Dabei kam die Frage auf, ob die Piraten gegenwärtig einen eigenen Kulturbegriff haben.

Nun, wir sind eine Partei, unser Denken ist also politisch, und so muss der Begriff von Kultur auch politisch sein. Speziell muss er sich an unseren politischen Kernzielen orientieren. Zum Beispiel an unserer libertären Einstellung: Kunst und Kultur sind frei, eine Einmischung durch Staat, Religionen, Parteien und Wirtschaft ist auszuschließen. Ich hab das mal fett gedruckt, weil, ist wichtig – ganz im Gegensatz zu richtiger Grammatik. Vielleicht fällt ja noch jemandem etwas ein, was sich auch nicht einmischen darf?

Piraten glauben an Gleichheit, daran, dass niemand diskriminiert werden darf. Das muss für Kultur genauso gelten: Geschmäcker sind verschieden, aber aus politischer Sicht ist jede Kultur gleich viel wert. Kein Werk ist besser oder schlechter zu behandeln, weil es  subventioniert wurde, oder eben nicht, weil es eine spezielle Veröffentlichungsform einhält oder nicht, weil es gesellschaftliche Tabus bricht oder nicht, weil es von Amateuren oder Profis geschöpft wurde. Ausnahmen gibt es nur dann, wenn eindeutig gegen die Verfassung gearbeitet wird.

Das bedeutet natürlich, dass Schranken im Kopf beseitigt werden müssen. Willkürliche Unterteilungen in E- und U-Kultur sind überholt und sollten unbedingt der Vergangenheit angehören, aus der sie überdauern.  Davon könnten übrigens auch Kulturjournalisten lernen, die diese Schranken in großer Zahl immer wieder flicken und ausbessern, aber das wirklich nur nebenbei.

Der Zugang zu Kultur sollte jedem möglich sein. Ja, das kann immer nur ein Ziel sein, so lange wir uns nicht in einer idealen Gesellschaftsform befinden, die ohne Geld auskommt. Ansonsten wird immer das Problem bestehen, dass Kultur Geld kostet. Kultur hat zwar einen Unkrautcharakter, sie ist kaum auszurotten, aber das darf nicht weiter ausgenutzt werden – in den letzten Jahrzehnten wurde die Kultur immer weiter heruntergespart, Gagen sind nur für die Stars in erträglicher Höhe, alle anderen leben am Existenzminimum, es wird schlicht und einfach ausgenutzt, dass Künstler ihre Arbeit tun, weil sie gar nicht anders können, weil sie in anderen Berufen unglücklich werden. Diese Ausbeutung muss aufhören. Auf der anderen Seite dürfen die finanziellen Zugangsschranken auch nicht zu weit erhöht werden – weshalb eine gewisse Kultursubvention wohl unausweichlich ist. Hier ist die Einschränkung, dass jede Kunst ihre Rezipienten für diese Kunstform begeistern muss. Können das gewisse Formen nicht mehr oder nur noch eingeschränkt, werden sie von anderen Formen verdrängt werden. Das ist ein natürlicher Prozess, und der darf in einer Demokratie auch nicht durch übermäßige Subvention in eine bestimmte Richtung künstlich aufgehalten werden.

Der Zugang zur Kultur muss immer in aktiver und passiver Form gleichermaßen jedem möglich sein. Nein, nicht jeder ist ein Künstler, da gehört schon etwas zu, Leidenschaft und Liebe zum Beispiel, auch Talent oder Ausbildung sind nicht zu verachten. Die wichtigste Kulturförderung ist die Ermöglichung eigenen künstlerischen Ausdrucks. Wenn Städte, Kreise oder Schulen Kulturpädagogen der verschiedensten Richtungen einstellen würden, und ihnen Projekte ermöglichen, die möglichst viele Kinder und Jugendliche mit Kultur ganz praktisch in Kontakt bringen, dann könnte Kultur keine soziale Unterscheidung mehr sein. Subventionierte Kultureinrichtungen sollten auf jeden Fall einen Teil ihrer Subventionen für diese Form der Jugendarbeit reservieren. Gerne auch für eine Form der Sozial- und Altenarbeit, das muss ja nicht auf Kinder und Jugendliche beschränkt sein, auch wenn es da natürlich den größten Hebelpunkt hat.

Politik muss Kultur ermöglichen, darf ihr keine Barrikaden in den Weg legen! Ein bisschen weniger Bürokratie da, wo Kultur sich einen Weg bahnen will, das wäre noch ein schönes Ziel. Behörden, die Festivals ermöglichen wollen und es nicht möglichst unmöglich machen. Hier und da einfach ein bisschen mehr Service-Gedanken bei Behörden, ach ja, das wäre auch schön.

An dieser Stelle kommt nur noch eine Bitte um Diskussion. Dieser Artikel ist nur ein Anfang. Wir brauchen einen piratigen Kulturbegriff, wer sollte denn mehr Kultur mitbringen, als wir? Also freue ich mich über jede Diskussion!

Die Guten, die Bösen und die Toten – Über ein Buch

Dieser Blogbeitrag ist mein erster zum Thema „Blogg dein Buch“ – eine Aktion, die eine sogenannte Win-Win-Situation bringen soll, Blogger machen ihren Blog bekannter, in dem sie Bücher rezensieren, die natürlich auch wiederum bekannter werden. Naja, da mach ich doch mit, keine Frage.

Das Buch, dass hier vor mir liegt, ist ein dünnes Bändchen, breiter als hoch und von morbidem Charme. Streng schwarz-weiß – naja, fast streng schwarz-weiß – kommen uns die Figuren entgegen, die aus den Filmen Tim Burtons stammen könnten. Auf fünfzig Seiten stehen sich Illustration und Gedicht gegenüber – die Gedichte stammen vom victorianischen Dichter Johann von Riepenbreuch, die Illustrationen von seiner Nachfahrin Ebeneeza K., die auch das Manuskript gefunden haben will. Und aus dieser Sache macht der Verlag Das wilde Dutzend eine spannende Geschichte – Johann von Riepenbreuch hat eine schillernde Biografie, einen Facebookaccount und zumindest in einer Sache vermutlich hellseherische Kräfte. So schreibt er von Lobotomie – einer Technik, die meiner zugegebenermaßen oberflächlichen Recherche nach, erst 1936 das erste Mal eingesetzt wurde. Das wiedergefundene Manuskript soll aber über hundert Jahre alt sein. Nun ja, die Verleger sind auch laut Eigenaussage junge Menschen, die von einer Geheimloge mit der Gründung ihres Verlages beauftragt wurden – da passt so eine geschichte natürlich gut zu.

Aber auch wenn die Geschichte um den mysteriösen Autor nicht ganz wasserdicht wirken, für Freunde der Morbidität sind Illustrationen und Gedichte ein Fest. Sorgsame rote Einsprengsel, sowohl im Schriftbild, wie in den Bildern, sorgen für Hingucker. Die strengen Formen und klaren Kontraste haben oft mehr altmodische Anmutung, als die teilweise recht modern wirkenden Texte. Und die Themen sind neben dem Tod in mannigfacher Ausgestaltung  – gewünscht oder ungewünscht, von fremder Hand oder als Unfall – auch Erziehung, Liebe und Einsamkeit. Dabei illustrieren die Bilder, aber sie lassen die Texte auch gerne mal im Schatten stehen, vermutlich einem sehr schwarzen Schatten, denn hier ist alles, was nicht ausnahmsweise rot ist, schwarz oder weiß.

Alles in allem macht dieser kleine moderne Totentanz viel Spaß. Die angekündigte „Schreckens-Chronik“ – so benennt die Rückseite das Buch – ist es allerdings nicht. Obwohl … mich hat diese Verschandelung des Wortes „Schreckenschronik“ schon ein bisschen verschreckt. Ja, man kann sich in dem Wort verlesen, aber ein Bindestrich macht das echt nicht schöner …

Hier geht es zu Blogg dein Buch!
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Audible

Wer mich kennt, der weiß, dass ich einen großen Teil meines wenigen Geldes in die wichtigen Sachen im Leben investiere: Bücher, Filme, Theater und so weiter, und natürlich liebe ich Hörbücher quasi seit sie überhaupt ein wenig populär wurden. Trotzdem war ich bisher immer standhaft, wenn es um die Werbeanzeigen von Audible ging. Ich dachte, man bräuchte doch eigentlich die CDs, wenn man Hörbücher hören möchte, einfach nur runterladen und dann hören, ist ja irgendwie unromantisch.

Aber wie das Leben dann halt so ist, irgendwann stolperte ich dann über das Angebot „Es“ von Stephen King als Hörbuch umsonst zu erhalten, quasi als Lockangebot. Nun habe ich mal etwa fünfzig Euro ausgegeben, um dasselbe Hörbuch auf Englisch zu kaufen – was mir anderthalb Monate begeistertes Autofahren ermöglichte. Aber auf Deutsch wollte ich es natürlich auch haben, da ging nun wirklich kein Weg dran vorbei – wenn man mich auf ein Lieblingsbuch festnagelt, dann sage ich seit etwa zwanzig Jahren immer nur diese eine Silbe.

Also saß ich nun da, mit über fünfzig Stunden Hörbuch auf der Festplatte, was gar nicht so lang brauchte, um es aus dem Netz zu ziehen – und es zeigte sich, dass Computerspielen und Hörbuchhören recht gut zusammen geht – ansonsten geht nur noch Bilder bearbeiten, bei allem anderen lenkt mich das Hörbuch dann doch zu sehr ab. Achso, nebenbei, „Es“ wird von David Nathan gesprochen, der nicht nur ein toller Synchronsprecher ist, sondern für mich auch einer der drei besten deutschsprachigen Hörbuchverleser, und es ist wirklich ein absoluter Genuss.

Nachdem ich so halb durch das Hörbuch durch war, merkte ich, dass ich in ein Abo eingewilligt hatte, ich also monatlich zehn Euro an Audible zahle, dafür aber auch ein Hörbuch meiner Wahl herunterladen darf – weitere Hörbücher kosten dasselbe. Ich habe mich ein wenig umgeschaut, und dann wusste ich, dass ich noch einige Monate lang immer etwas finden würde – ich komm also erst mal gut mit dem Abo klar.

Aber da ich bisher noch keine große Erfahrung mit heruntergeladenen Inhalten hatte, habe ich mich ein bisschen informiert. Die Daten sind in einem seltsamen Format gespeichert, die man außerhalb des PCs leider nur mit einem Apple-Gerät abspielen kann, oder mit itunes auf CDs brennen. Die Dateien sind an meinen Account gebunden und quasi zertifiziert – und hier kommt das einzige kleine Problem – so lange ich den Account, ob aktiv oder nicht – bei Audible habe, kann ich die Hörbücher hören, sollte die Firma aber jemals ihren Service einstellen, aus welchem Grund auch immer – oder aus irgendeinem ebenso unwahrscheinlichen Grund mein Account gelöscht, dann bin ich aufgeschmissen. Die wichtigen Hörbücher, die, die ich für eine halbe Ewigkeit haben will, brenne ich deswegen vorsichtshalber – auch weil ich sie dann problemlos im Auto hören kann.

Die Immobilität, die anfangs gegeben war, hat mich relativ genervt. Ich will doch nicht immer nur am PC hocken und da Hörbücher hören, und ja, das ist wirklich der einzige Grund, dass ich mir einen dieser niedlichen IPod-Shuffles gekauft habe, das Ding ist sogar mein erster mp3-Player überhaupt, und natürlich ist da keine Minute Musik drauf, im Moment brauche ich nur Hörbücher.

Das liegt vor allem auch daran, dass ich nach „Es“ gleich mal mit der Saga vom Dunkeln Turm weitergemacht habe – bin gerade in Buch Vier namens „Glas“ – also weiterhin bei Stephen King bin. Bis Glas habe ich die Saga auch gelesen, aus irgendwelchen, mir selbst recht unerklärlichen Gründen, habe ich nie die drei letzten und deutlich neueren Bücher gelesen, aber runtergeladen sind sie schon und ich freu mich tierisch. Daneben gibt es exklusiv für Audible „Das Lied von Eis und Feuer“ von George R.R. Martin bei Audible zu hören, ebenfalls in einer ziemlich guten Lesung, und das ist die beste klassische Fantasy seit J.R.R. Tolkien, und deswegen absolut empfehlenswert, nein, das ist zu schwach,  ich versuche es so: Wer auch nur einen ganz leichten Hauch von Interesse an fantastischen Inhalten hat, der muss das lesen oder hören, und alle anderen eigentlich auch. Hier gibt es den kleinen Wermutstropfen, dass die vier englischen Bücher in acht deutsche Bücher unterteilt wurden, um mehr Gewinn zu machen, und die dann bei Audible noch mal halbiert wurden, sodass wir auf 16 Hörbuchteile kommen, und also auf knapp 160 Euro Gesamtkosten – die lohnen sich zwar, keine Frage, man bezahlt allerdings relativ viel für die Minute.

Was ich nach den zwei großen Epen hören werde, wer weiß? Es ist noch einiges da, was mich reizt – zudem gibt es noch einiges an englischsprachigen Originalen, die ich mir durchaus gern mal anhören würde. Man kann durchaus sagen, dass ich ziemlich happy mit Audible bin – allein eines nervt mich. An jedem Anfang und Ende eines Hörbuchteiles sagt mir die Synchronstimme von Tom Hanks in genau dessen Ton, dass ich bei Audible „clever lese“ und „einfach Zeit spare“ – „clever lesen“? gibt es auch dummes Lesen? Bisher höre ich fast nur Sachen, die ich auch schon gelesen habe, war ich damals dumm, von Papier aus zu lesen? Was für ein Blödsinn ist das? Und Zeit sparen? ZEIT SPAREN? Habt Ihr bei Audible Euren Ende nicht gelesen? Man kann zwar leider nur eine Hörspielfassung von „Momo“ herunterladen, aber selbst da wird man finden, dass Zeit sparen kein geistig gesundes Ziel ist. Abgesehen davon habe ich im Moment keine Zeit für irgendwas, ich muss Hörbücher hören!

Warum gibt es so schlechte deutsche Buchtitel?

Eine Forumsüberschrift mit Übersetzungen von Filmtiteln hat mich zu einem kleinen Beitrag inspiriert. Ich habe mich ganz auf die Buchtitel von Stephen King spezialisiert, weil die den Unsinn der Verlagspraxis schon allein so schön illustrieren:
Nachdem „It“ – „Es“ nicht nur richtig übersetzt, sondern auch ein riesiger Erfolg war, hat irgendwer in schwer bekifftem Zustand angefangen, möglichst alle Namen so zu vergewaltigen, das sie eine ähnliche Kürze bekamen: total passend wurde also aus „Misery“ kurz „Sie“ – was aufgrund des Vorgängers völliger Bullshit ist, da wird das Magnus Opus von 1100 dicht bedruckten Seiten mit einem Buch, dass nicht viel mehr als eine Fingerübung war, zu vergleichen … das Wortspiel, die Bedeutung des Namens … alles verspielt …
„The Dark Tower: The Gunslinger“ hieß vorher schon „Schwarz“, aus „The Drawing of the Three“ wurde „Drei“ … die nächsten Bände des Dunklen Turms hießen auf Deutsch „Tod“ und „Glas“ … ach, warum noch die Originaltitel nennen …
Es gab nebenbei auch einige kranke nicht so kurze Titel:
„Salem’s Lot“ (ja, ein Ortsname und ein Wortspiel, hübsch oder?) – „Brennen muss Salem“!
„Pet Sematary“ (ich würd mal übersetzen „Haustierfriedhof“ – dafür können wir im Deutschen ja so schön zusammenziehen) – „Friedhof der Kuscheltiere“
„Different Seasons“ – „Frühling, Sommer, Herbst und Tod“ – nein, keine dieser Novellen ist Horor, man brauchte es auch nicht künstlich reinbasteln.
So richtig schlimm ist aber erst in den letzten Jahren geworden: Aus dem wunderschönen „The Girl who loved Tom Gordon“ wurde  „Das Mädchen“ – bisschen platt, oder? Aus „Dreamcatcher“ wurde „Duddits“ …? Könnte mal jemand erklären? Was sprach gegen „Traumfänger“? Der Eso-Klang, den hat das Wort im englischen vermutlich aber auch …
Und weiter geht es mit Vergewaltigungen: Jeder King-Fan wusste seit Jahrzehnten, dass es einen unveröffentlichten Roman unter dem Titel Blaze gab. Dann überarbeitet King diesen Roman, ihm glückt ein wunderbares Buch, und auf Deutsch darf er nicht nach der Hauptfigur Blaze heißen, sondern muss „Qual“ genannt werden? Außer dem Titel gibt es da keine Qual bei! Oder der zwei Drittel geniale Roman „Duma Key“ – das Ende ist leider allenfalls durchschnittlich -, warum „Wahn“? WARUM?
Aber der beste Beweis für völlige IQ-Losigkeit der Titelübersetzer: „Love“ … ja, ist der „deutsche“ Titel! Halloho!! Das Original heißt „Lisey’s Story“ – „Liseys Geschichte hätte also wunderbar funktioniert, sogar die englische hätte man ohne großen Verlust stehen lassen können – auch wenn ich eigentlich sehr für das Übersetzen bin. Wir haben ja eigentlich eine der poetischsten Sprachen, warum können ausgerechnet die Übersetzer der Titel diese nicht beherrschen? (Kurz abschweif: Im neuen King, „Die Arena“ – „Under the Dome“ – na, merkt man was? – gibt es einen wunderbaren Übersetzungsfehler, als nämlich Jugendsprache vorkommt, und ein kleiner Skater „Alte Schule“ sagt … ich hab sehr gelacht)
Kleiner Aufruf: Wenn jemand eine Möglichkeit findet, diese Praxis so richtig lächerlich zu machen, bitte bescheid sagen, mache jeden Mist mit …