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Idee – Wellenwreiter

Nachdem ich mir gestern die sehr lange Präsentation von Google Wave angeschaut habe und zwischendurch wirklich erstaunt war, wirklich fasziniert – denn hier gibt es erstaunliche Möglichkeiten zur Zusammenarbeit -, kam mir gleich eine Idee, wie man das neue Werkzeug, wenn man es denn hat, nutzen kann:

Ich jetzt so persönlich schreibe hier und da Theaterstücke und wenn es mich überkommt auch mal andere Sachen – letztere eher nicht so häufig. Ich meine auch, einigermaßen kreativ mit Sprache umgehen zu können, manchmal ganz humorig zu sein, wenn ich auch weiß, dass es zum Schriftsteller nie so richtig reichen wird.

Mit Google Wave wird man auf eine Weise zusammenarbeiten können, die es bisher noch nicht gibt – man schreibt gemeinsam in einem Dokument, kommentiert hier, zeigt den anderen mal eben ein Youtube-Video da – so meine ich das, können wir eine ähnliche Stimmung erreichen? – und es entsteht ein gemeinsames Produkt, dass, wenn alle, die da zusammen arbeiten, schön aufeinander eingegroovt sind, besser wird, als alles, was man allein hätte schaffen können. Man schreibt quasi, wie man auf einer Bühne zusammen improvisiert, man macht sprachliche Jamsessions – für mich klingt das ziemlich spannend.

Die leicht seltsame Überschrift könnte da für eine Marke stehen – Die Wellenwreiter – ein Verbund von Autoren und Hobby-Autoren, die gerne gemeinsam arbeiten wollen – man könnte da eine Datenbank aufmachen, jeder schreibt möglichst selbstbewusst und selbstkritisch rein, was er besonders gut kann oder wo seine Schwächen liegen, und dann fängt man zu einer festgelegten Zeit an, damit man eine gemeinsame Basis hat, und dann arbeiten alle an dem Projekt weiter – dabei kann ja ruhig jemand die Federführung übernehmen, damit die Sprache am Ende wie aus einem Guss ist, eine künstlerische Leitung ist sicherlich nicht von Nachteil. Ich glaub, besonders im Bereich von Drehbüchern und anderer dramatischer Schreibkunst wäre das Prinzip sehr vielversprechend, aber auch in anderen Bereichen, die Kreativität wird hier sicherlich nicht viele Grenzen finden.

Damit alle noch mal schauen können, verlinke ich auch noch mal das Video:

Gegen Hosenrollen

Nach einem WoW-Thema wieder mal ein klassisches Theaterthema, und zwar eines, dass im Bereich des Jugend- und Kindertheaters im besonderen, aber auch im ganz normalen Amateurtheater ein Problem ist: Hosenrollen! Der Begriff stammt aus der Opernwelt, in der es in einem gewissen Rahmen normal ist, dass man die Rollen sehr junger Männer – Pagen und so, keine wirklichen Männer – mit Frauen besetzt.

Im Theater ist das irgendwann dazu ausgeartet, so dass man einfach alles mit Frauen und Mädchen besetzt, was sich nicht wehren kann. Manchmal, speziell an professionellen Bühnen, wird das aus guten künstlerischen Gründen gemacht. Ist dann ja auch in Ordnung, auch wenn ich solche Gründe eher selten verstehe, schon gar nicht selber habe. Im Amateurtheater gibt es dann häufig Momente, in denen man einfach Rollen die Männlichkeit nehmen muss, weil man einfach mehr weibliche Darsteller hat, als männliche. Das kann ich auch verstehen.  Was ich nicht verstehen kann, ist eine Rolle, die eindeutig als männlich bezeichnet wird, und dann von einer Frau gespielt wird. Das bringt nämlich immer ein Problem ins Theater, was man sich nicht erlauben kann, oder zumindest sollte. Es stört die Illusion. Spricht eine Darstellerin von sich selbst in einer männlichen Form, kommt sofort eine Künstlichkeit in die Szene, die einfach störend ist.

Macht man das in der anderen Richtung, dann nennt man das klassischerweise Travestie, und das ist ein immerwährender Komikbringer – okay, macht man heute nicht mehr so häufig, aber Charleys Tante war ja mal lustig …

Wenn nun aber Frauen Männer spielen, geht das oft nicht anders, ist den Ensembles geschuldet, in denen es ja immer mehr Frauen als Männer gibt – ich spreche hier von Amateurgruppen, von Kindern und Jugendlichen, immer noch mal angemerkt. Aber es hat immer den gleichen Effekt: es wirkt einfach künstlich und falsch – und was dann oft noch hinzu kommt, es wirkt billig. Wenn dann noch männlich wirkende Kostüme, gemalte Schnurrbärte und tiefer gedrückte Stimme dazu kommen, ist natürlich alles aus, da hilft kein gutes Schauspiel mehr, das ist dann einfach peinlich.

Am ehesten funktioniert es, wenn Rollen wirklich verweiblicht werden, in Jugendstücken ist das auch meistens kein Problem. Aber auch sonst, macht man hier mal aus einem Schaffner eine Schaffnerin, stört das nicht weiter, weil da ja dann der Beruf die Rolle ist. Mit Nebenrollen geht das also. Bei wichtigen Rollen spielt das Geschlecht oft eine Rolle, und wenn offenkundig Frauen – hey, ich bin männlich, ich bemerke weibliche Formen quasi in Sekundenbruchteilen – Männer spielen, fehlt dann entweder eine Komponente, oder es gibt eine zu viel, auf jeden Fall werden die Ideen, die hinter dem Stück stehen, schlicht nicht geachtet.

Natürlich erscheint da das Problem, dass Stücke ja fast immer sehr männerbeladen sind, dass man kaum mal was findet, wo nicht eine deutliche Mehrheit männlich sein muss. Nun, meine Lösung für dieses Problem ist üblicherweise, dass ich Stücke für meine Gruppen selbst schreibe. Zwischendurch habe ich aber auch mal Hamlet gemacht, und alle Rollen exakt im Geschlecht getauscht habe. Ob das wirklich eine gute Idee war, keine Ahnung, so richtig hat es damals nicht funktioniert, aber trotzdem finde ich die Herangehensweise besser, als unbeholfene Umsetzungen von mehr oder weniger klassischen Theaterstoffen, in denen wichtige eigentlich männliche Rollen weiblich besetzt werden.

Und dabei bin ich keineswegs antiemanzipatorisch drauf oder ähnliches, aber ich bin dem Theater verpflichtet, der Illusion und dem Publikum. Letztlich ist es doch auch ein diskriminierender Akt, Frauen nur dann wichtige Rollen zu geben, wenn sie Männer spielen. Dann soll doch lieber die Schreibkunst angestrengt werden und neue Stücke geschrieben. Hosenrollen sind eine Pest und sie lassen Stücke immer billig aussehen.

Ein kleiner Tod

Nun, hier wäre ein kleines Vorwort nötig. Irgendwie stelle ich es immer wieder an, mir das Vertrauen von Menschen zu „erschleichen“, und die erzählen mir dann die Geschichten, die ich eigentlich nicht unbedingt hören will … für diese Menschen bin ich hoffentlich eine kleine Hilfe, mir gefällt es nämlich, hier und da eine Hilfe zu sein. Aber ich muss die Geschichten auch immer wieder loswerden, und da man so viele Problemstücke fürs Theater nicht schreiben kann … Egal, die folgende Geschichte hat sich mal irgendwann ganz ähnlich zugetragen, ich habe sie nur in Worte gefasst:

 

Ganz leise wollte sie sein, und dunkel musste es sein. Wieder betätigte sie einen Knopf ihres Handys, der ihr eine weitere Minute Vampirgeschichte ermöglichte. Klar schlafe ich, dachte sie, und folgte weiterhin den Gedanken der jungen Heldin ihres Buches. Irgendwo auf dem Flur knarrte etwas. Vielleicht war jemand auf dem Weg zum Klo, oder so. Sie zog die Decke noch ein bisschen höher, damit der Schein nicht verraten würde, dass sie noch las – morgen war Schule und Toja hätte schon vor einer Stunde aufhören müssen.

Toja, sie dachte immer noch an sich mit diesem Spitznamen, den sie sich selbst ganz früh gegeben hatte, als Victoria einfach zu lang war. Dass die anderen in der Klasse Vickie sagten, war eher nervig. Toja war ganz versunken. Fast hätte sie nicht gehört, das plötzlich Schritte näher kamen. Im letzten Moment erst, ließ sie das Buch verschwinden, das Handy auch und stellte sich aber so was von schlafend – sie ließ sogar eine Hand über die Bettkante ragen, einfach damit Mama oder Papa etwas hätten, was sie wieder reinstopfen könnten – wenn man so was machte, passten die Eltern nicht so genau auf, ob man wirklich schläft, hatte sie herausgefunden. Dann hatten sie ja was zu tun.

Sie hörte am Atem, dass ihr Vater hereingekommen war. Er stand neben ihrem Bett. Irgendwie war er sehr leise, sie hörte eigentlich nur seinen Atem. Er kratzte sich. Wie lange würde er noch warten? Irgendwas war falsch. Das Kratzen, das Gehen, es klang anders.

 Er stand neben dem Bett seiner Tochter, nur ein Handtuch über der Schulter, ihn fröstelte. Wie schön sie war, so leise und sanft im Schlaf. Ihre Hand war irgendwie aus dem Bett gefallen, eine kleine weiße Hand. Bilder schossen ihm durch den Kopf, während er langsam das Händchen nahm. Vorsichtig, um sie nicht zu wecken, hob er sie an, und langsam schob er seinen Unterkörper näher. Mit ihrer Hand strich er über seine halbe Erektion, einmal, zweimal.

 Sie hatte Angst, alles war falsch, so unglaublich falsch. Aber was würde er tun, wenn sie jetzt einfach ihre Hand zurückziehen würde? Aufkeimende Panik schoss ihr in den Magen. Und dann hörte sie eine Stimme in ihrem Kopf sagen: Noch glaubt er, dass du schläfst. Was macht er, wenn du aufwachst? Als würde sie sich im Schlaf drehen wollen, schob Toja ihre linke Schulter vor, ihre Hand entzog sich seiner. Sie hörte ihren Vater zischend einatmen. Sie drehte sich weiter, machte ein Geräusch, murmelte etwas. Er ging weg, einfach raus und ins Badezimmer. Eine Träne lief ihr übers Gesicht, dann folgten weitere, bis sie sich krümmte. Tief durchatmen, noch mal, tief durchatmen. Langsam wischte sie sich die Tränen weg und merkte, wie es in ihr kämpfte. Vielleicht müsste sie sich sehr bald übergeben, ganz sicher aber würde sie bald ins Bett machen, wenn sie nicht bald das Klo besuchen würde.

Im Bad duschte ihr Vater. Schnell und auf nackten Füßen rannte sie zum Gästeklo. Sie würgte trocken. Dann stand sie auch schon vor dem Klo und war einen Moment unschlüssig. Das Würgen kam nicht noch mal und sie drehte sich um, setzte sich, ließ laufen … aber es änderte nichts an dem Knoten in ihrem Bauch. Sie roch an ihrer linken Hand. Und würgte wieder. Sie musste sich die Hände wachen, sich ihre linke Hand waschen.

 War Toja wach? Als er aus der Dusche kam, hörte er Wasser im Gästeklo rauschen. Und als er sich abgetrocknet hatte, rauschte es immer noch. Er zog sich etwas an und ging langsam zum Rauschen. Toja hatte die Tür aufstehen lassen, er schaute auf seine Tochter herunter. Sie wusch sich die Hände.

 „Meine Hand riecht so seltsam … was sollte das …?!“ Toja funkelte ihn an, Tränen liefen über ihr Gesicht. „Schätzchen…“ hörte sie, spürte eine Hand, die ihr über das Haar strich. Sie riss sich los, lief in ihr Zimmer, kauerte sich in eine Ecke. Sie sprach nicht, sah durch ihn durch, wimmerte manchmal leise, aber egal, was ihr Vater sagte und tat, er bekam keine Reaktion. Und als er sie ins Bett trug und zudeckte, wirkte sie wie ein atmendes Stück Holz in seinen Armen. Sie hatte ihre Augen offen, aber sie sah nicht.

 Erst, als er schon seit einiger Zeit schlief, krabbelte Toja noch mal aus dem Bett. Sie suchte sich einen pinken Block, einen Filzschreiber und schrieb einige Minuten ganz konzentriert, bis die oberste Seite voll war. Dann ging sie wieder ins Bett, mit trockenen Augen.

Magst du mir was vorlesen?

Ja ja, blöder Titel für einen Blogeintrag über „Der Vorleser“, aber wenn man gerade mal nicht kreativ ist … nun also hat der Vorleser nicht nur das Zentralabitur sondern auch das Kino erobert, und Kate Winslet hat sogar einen Oscar dafür bekommen.

Ich habe mich immer ein bisschen gefragt, warum ein netter, ziemlich konventioneller Roman mit Dramaturgieproblemen sogar als Abiturstoff behandelt werden muss oder kann – keine Frage, kein schlechtes Buch, aber auch kein Erlebnis, keine Literatur, die wirklich berührt.

Und nun ist ein Film draus geworden, der uns die Geschichte erzählt, uns zeigt wie Kate Winslet obenrum ausschaut und, ja, was und?

Die Regie hat gute Bilder gefunden, nur an wenigen Stellen hätte man ein bisschen auf die Bremse treten können. Die Schauspieler machen ihre Sache gut bis sehr gut, und David Kross könnte ein großer werden, denn er gibt eigentlich immer das Bild ab, das am besten in einem Moment passt, Kate Winslet ist auch gut, aber nicht unbedingt Oscar-gut, hier gibt es wahrscheinlich wieder mal einen kleinen „3. Reich-Film“-Bonus. Und Ralph Fiennes? Der geht total unter, verhakt sich im steinernen Aus-der-Wäsche-Gucken, hat nur eine kleine brauchbare Szene mit der jüdischen Frau, die er in Amerika besucht – der Rest wirkt regelrecht unbeholfen und irgendwie aufgesetzt. Dafür sieht man einige sehr gute deutsche Schauspieler, was ja auch mal nett ist. Bruno Ganz als älterer Jura-Professor macht seine Sache natürlich auch gut, führt aber auch zu unfreiwilliger Komik, denn warum spricht dieser Professor wie Hitler? – Ich werde Bruno Ganz vermutlich nie wieder hören können, ohne an „Der Untergang“ zu denken …

Beim Vorleser hat man versucht, ein bisschen Rahmenhandlung einzubauen, damit die dramaturgischen Schwächen der Vorlage abgefedert werden, aber diese Rahmenhandlung bleibt gegenüber der eigentlichen Handlung so schwach, dass das auch nicht so wirklich funktioniert. Und so holpert es hier und da in diesem Film, der sogar ein bisschen trocken wird, als es in den Gerichtssaal geht – übrigens eine Parallele zum Buch.

Was diesem Film völlig abgeht, ist auch nur die kleinste Prise Humor. Trotz der vor Leben strotzenden Bilder erdrückt der bleierne Ernst den Film und wenn dann die schwermütige Musik während des Abspanns läuft, steht man kurz vorm Suizid. Hier hat man einfach alles und vor allem sich selbst so ernst genommen, dass dem Film letztlich ein wenig das Leben fehlt.

Kein herausgeworfenes Kinogeld, und sicherlich ein Film, dessen Bilder nachwirken, aber so richtig funktioniert er nicht …

Kunst, ich höre immer Kunst …

Sorry, aber was ist eigentlich Kunst? Ich mach ein bisschen in der Richtung und frage mich, was der eigentliche Kern der Kunst ist. Mein Kunstbegriff ist dabei weitgefasst: Die bildende Kunst gehört dazu, die Musik, die dramatische Kunst (also Theater, Film und manchmal sogar Fernsehen), die Schriftstellerei … (ich hab bestimmt was vergessen, sorry dafür …)

Gibt es eine Essenz? Gibt es etwas, was die eigentliche Triebfeder der Kunst ist? Hier ein paar Denkansätze und meine Meinung dazu:

 

Kunst ist Schönheit!

Klar, wenn ich in Mozartmelodien versinke oder stundenlang auf einen Van Gogh starre, weil er einfach so schön ist, dann weiß ich, das Kunst Schönheit ist. Wenn ich HR Gigers Werke sehe, oder auch einfachein paar Bilder von Dali, dann weiß ich, dass Kunst nicht so viel mit Schönheit am Hut hat, und dennoch ist es Kunst. Das gilt auch für die Musik und sogar für Mozart, denn Momente aus Don Giovanni oder dem Requiem sind sicherlich nicht „schön“, sie sind gewaltig oder traurig oder zutiefst berührend, aber nicht wirklich schön. Im Film gibt es wahre Schönheit, Kameraleute und Regisseure können manchmal wirklich zaubern, aber in manch großartigem Film gibt es auch sehr unschöne Bilder … nein, Kunst ist nicht Schönheit.

 

Kunst ist Ästhetik!

Okay, das trifft schon eher … auch wenn es ein bisschen Feigenblattcharakter hat, wenn wir sagen, na ja, es hat halt seine eigene Ästhetik. Das Wort ist ein bisschen schwammig, manchmal wird es synonym mit Schönheit verwendet, dann spricht man von Ästhetik, wenn man eine Atmosphäre meint, oder auch einen optischen Entwurf in der dramatischen Kunst … Ja, es hat viel mit Kunst tun, aber es ist nicht die Essenz …

 

Kunst ist Provokation!

Vor ein paar Jahrzehnten war das schon zu einem großen Teil der Kunstbegriff. Provokation, brechen von Tabus, ja, das gehört doch zur Kunst, oder? JA, definitiv ja, Provokation muss sein. Aber es macht die Kunst nicht aus. Einerseits kann man nicht alles, was nicht provokant ist (oder mal war), gleich aus der Kunst heraus genommen werden, andererseits ist Provokation um ihrer selbst willen noch lange keine Kunst. Stellt sich jemand in Köln auf die Domplatte, zieht die Hosen herunter und hinterlässt sein großes Geschäft, dann ist das nicht automatisch Kunst, sondern erst mal eher ekelhaft. Wann würde das Kunst? Wenn der Haufen besonders ästhetisch wäre – ähm, nein! Wenn eine Absicht dahinter steckt? Naja, vielleicht, insgesamt finde ich es eher bescheuert … aber das ist ja kein Grund, dass es keine Kunst ist …

Nein, die Provokation kann es nicht allein sein …

 

Kunst ist politisch! Kunst muss erziehen!

Na Herr Brecht, trifft diese Definition? Kunst kommt aus Aussagen, Kunst will die Augen öffnen. (Das Theater irgendwie was politisches hat, habe ich hier schon mal geschrieben …) Aber das kann doch nicht der Kern der Kunst sein. Eher im Gegenteil: sobald die Kunst etwas anklagt, mit welchem Mittel auch immer, sobald die Kunst auch etwas anpreist, da ist die Kunst schon keine Kunst mehr. Verkündung oder auch Verkündigung mit den Mitteln der Kunst ist immer nur Propaganda. Nicht, dass man mich falsch versteht, ohne Politik geht es nicht immer, und oft sind politische Aussagen auch wichtig, aber Politik darf nicht Zweck der Kunst sein, die Aussage muss immer dabei sein, aber nicht auf dem Plakat, nicht vor sich her getragen, sondern aus der Kunst geboren.

 

Kunst ist Kunst ist Kunst!

Ja, genau, Kunst entzieht sich allen Urteilen, der Kern von Kunst ist eben Kunst. Kunst braucht doch keinen Bezug, oder?

Doch! Kunst um ihrer selber willen, ist, wie die Luther-Bibel so schön sagt „tönendes Erz“ – nicht, dass ich dieses Wort genau verstehe, aber der Vergleich liegt nahe. In der Bibel heißt es, man kann predigen und glauben und sich meinetwegen auch noch selbst kasteien, hat man die Liebe nicht, dann funktioniert das alles nicht. Genauso geht es mir mit der Kunst, die keinen Bezug mehr hat. Free Jazz – Neutöner – „vertontes Zahnweh“ – *kicher* – wenn Kunst sich von allen Bezügen entfernt, durchgeistigt wird, sich nur noch auf sich selbst bezieht, dann fehlt der Kunst ihr Kern … was uns näher an ihn heranbringt … und was übrig bleibt ist tönendes Erz, eine hohle Gedankenblase, nur von denen zu verstehen, die diese Kunst betreiben, selbstbespiegelte kulturelle Onanie. Das gibt es nicht nur in der Musik. Solche Auswüchse gibt es gerne auch im Theater, und in der bildenden Kunst? Na, da gibt es so viele Blubberblasen, dass die Leute kräftig aus den Museen herausgejagt wurden.

 

Kunst ist fürs Publikum!

Und meine Sprach ist für’n A… lassen wir das … Ja, jetzt kommen wir noch ein bisschen näher. Kunst muss fürs Publikum gemacht werden, hier könnten wir dem Pudel etwas näher gekommen sein, hoffentlich ist es der Kern …

Kunst hat etwas damit zu tun, dass sie gesehen wird, gehört wird, erlesen und erfühlt. Aber, und das muss hier angeführt werden, wenn Kunst sich dem Publikum anbiedert, es dem Publikum absichtlich einfach macht, dann ist der Kunststatus aberkannt und wird durch Kitsch ersetzt. Aber wir sind der Sache nahe, wie wäre es mit:

 

Kunst ist Emotion!

Oder noch besser:

 

Kunst ist das Wecken von Emotion!

Ja, das ist es wohl. Kunst ist Kunst weil sie Emotionen in uns weckt. Kunst ist erst Kunst, wenn sie in ihren Zuschauern, Zuhörern, Lesern die Seele zum Schwingen bringt. Kunst darf schön sein, und hässlich, darf erschrecken und soll trösten, zum Lachen und zum Weinen bringen – nur wenn das eintritt, spreche ich von Kunst. Kunst darf nicht gleichgültig zurücklassen, sie muss sich immer an die wenden, die sie wahrnehmen (wollen und sollen). Missachtung des Publikums sollte hart bestraft werden, und sie wird es auch mit jedem leeren Haus, jedem Buch, das in den Regalen stehen bleibt, jedem Kunstwerk, das nur einem kleinen elitären Kreis gefällt. Kunst muss Emotionen erwecken, sonst ist es keine Kunst.