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Quick – Carpe Noctem Podcast 3 – Von Nazis und so weiter:

Liebe Freunde der Nacht, wir haben einen neuen Podcast am Start, hier ist der Link!

 

Macht übrigens ziemlich viel Spaß, wir würden uns aber auch noch über mehr Rückmeldung freuen. Ansonsten: Bitte weiter verteilen 😉

Quick – Die unterirdische Frau Steinbach

Man glaubt es nicht, naja, oder zumindest nur kaum. Erika Steinbach, CDU-Politikerin aus dem ultrarechten Lager, letzte aufrechte Kämpferin für die Vertriebenen, von denen heute ja kaum noch welche Leben – ihre Nachkommen leben natürlich, aber die sind ja nicht mehr vertrieben, oder? Wenn doch hätte ich auch gerne eine Entschädigung, bin ich doch Halbvertriebener. Spaß beiseite. – die Frau Steinbach also twittert. Das ist ja erstmal nichts verwerfliches, das mach ich auch, mal mit mehr und mal mit weniger Verstand. Alle Twitterer haben mal bessere und mal schlechtere Tage – Frau Steinbach hat gestern auf jeden Fall einen ehrlichen Tag erwischt.

Sie twitterte gestern, dass die Nazis ja gar nicht rechts gewesen wären, man könnte sie ja anhand der Namensgebung als linke Partei erkennen, schließlich stehe das S von NSDAP ja für sozialistisch und das AP für Arbeiterpartei. Jeder, dessen politische Bildung nicht auf dem Stand eines minderbegabten Lippizaners stehengeblieben ist, weiß natürlich, das die Nazis sich so genannt haben, um mit ihrem Namen breite Schichten anzusprechen, besonders auch die ungebildeteren. Es war ja auch wirklich nur der Name. Ihre Politik hatte nichts sozialistisches und die Arbeiter waren auch nur Kanonenfutter – also nachdem man ihnen die Strukturen genommen hatte, nachdem man viele Menschen aus der Arbeiterbewegung in KZs hatte verrecken lassen. So viel zur Arbeiterpartei.

Jetzt kennen interessierte Beobachter Frau Steinbach als Nationalistin und Revanchistin, man kann schon viel Unsinn von ihr erwarten. Und das diese Frau für die CDU im Bundestag sitzt, lässt uns auch tief blicken – sie hat ja schon des Öfteren bewiesen, dass es gar nicht so unsinnig wäre, wenn der Verfassungsschutz sie beobachten würde. Aber da muss sie trotzdem gestern einen wirklich schwachen Moment gehabt haben, sie hat nämlich ihre Lebenslüge offenbart. Ich mein, ist ja klar, man kann ja schlecht rechts sein, und immer wieder auf Polen und Tschechen rumhacken, wenn man die eigene Politiklinie als schuldig am Holocaust identifiziert. So hat sich Frau Steinbach lange genug selbst erzählt, die Nazis seien Lnke gewesen, bis sie den offenbaren Unsinn selbst geglaubt hat. So kann sie ohne den Hauch eines schlechten Gewissens am trüben rechten Rand nach Wählerstimmen fischen. Jetzt könnte man fast Mitleid bekommen. Was muss das für ein Leben sein, wenn man sich so einen Dreck selbst ins Hirn kleistert, man könnte fast Mitleid bekommen.

Quick – ELDE-Haus

Da ich gerade mein Stück „Eisblumen“ über Widerstand im Dritten Reich neuinszeniere, war ich heute mit meinem Schülerensemble in Köln und habe eine Stadtteilführung geordert, die vom NS-Dokumentationszentrum im titelgebenden ELDE-Haus angeboten wurde.
Ein netter und kundiger Herumführer erzählte viele interessante Geschichten aus der Geschichte, wir haben gesehen, wo der Bunker war, an dem sich die Edelweißpiraten trafen, haben die Stelle gesehen, wo der Galgen stand, die Bilder und die Bronzetafel, die an die Jugendlichen erinnern, die auf offender Straße in Köln-Ehrenfeld gehenkt wurden. Wir haben ein bisschen vom Leben vor siebzig Jahren imaginieren können, und das ist schon wichtig, wenn man die Menschen von damals spielen will.
Und dann das ELDE-Haus, das Gestapo-Hauptquartier in Köln. Und dann steht man da im Keller schaut in die winzigen Zellen, in denen man kaum zu zweit sein möchte, und in denen bis zu zwanzig standen, dicht gedrängt, ohne Möglichkeit sich zu setzen, legen oder was auch immer. In dem es als Toilette nur einen Eimer gab. Und langsam werden alle still und ein bisschen bleich. Und es geht ein Fenster zur Straße raus, jeder in Köln-Zenrtum hat die Schreie hören können – und man fragt sich ein bisschen, ob man Köln immer noch so mag.
Es kommt wieder mal der Moment, in dem man fassungslos davor steht, dass das Nazi-Regime ja nicht irgendwo war, sondern direkt hier bei uns. Dass es unsere Vorfahren waren, die so unmenschlich waren, dass man schreien könnte, wenn man es sich nur kurzzeitig vor Augen hält. Das man jetzt einfach so eine Straße entlang geht, wo vor zwei Generationen noch Jugendliche aufgehängt wurden, wo man einen Teil der Bevölkerung in Gaskammern trieb.
Und wir haben nichts daraus gelernt. Die Rassisten ersetzen einfach Juden durch Muslime und fangen genauso an, die Nachfolger der Nazis reden davon, dass Links und Rechts gleich schlimm sind – und es fehlt einfach an den Beate Klarsfelds dieser Welt, die alle Ohrfeigen könnten, die auf diese Art so gedankenlos den Holocaust verharmlosen.
Wir müssen uns langsam aber sicher darüber klar werden, dass Leute wie Marcel Reich-Ranicki nicht mehr lange da sein werden, um so richtig zu dem Thema zu sprechen, wie er es gerade getan hat. Wir haben bald niemanden mehr, der dabei war. Wir müssen jetzt selbst den Arsch hoch kriegen und das Vergessen bekämpfen. Wenn wir es nicht tun, dann haben wir nichts gelernt, dann sind wir verantwortlich für die Taten unserer Kinder.