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Quick – Von politischem Mut und seiner Verschwendung

Nun, eigentlich will ich ja nicht mehr über Piraten bloggen, sondern mich auf relevantere Themen stürzen. Aber manchmal geht es eben nicht anders.

Gestern ging der Landesparteitag in meinem Heimatbundesland NRW zu Ende. Und zum ersten Mal, seit der allergrößte Teil der linken Vordenkenden aus der Partei geputscht wurde – solltet ihr euch an dieser Stelle über meine Formulierung aufregen, dann tut mir das nicht leid -, gab es sowas wie politische Risikofreudigkeit, als der LPT einen Antrag annahm, dessen handwerkliche Qualität sicherlich nicht brutal gut war, aber der ein Signal setzen könnte. Piraten laden Kinder zwischen zehn und *hüstel* 16 Jahren dazu ein, einfach auf den Landesparteitagen zu erscheinen und mit ihnen als vollwertige Piraten Politik zu machen. Hätte man jetzt einfach mal feiern können. Ich persönlich habe es gefeiert. Schöne Idee, nicht so schöne Umsetzung, aber die Idee zählt nun mal mehr und ich fühlte einen kleinen Schimmer von dem Gefühl, dass mich mal zum Eintritt in diese Partei bewegt hat.

Und dann explodierte das Netz. Und obwohl ein Parteitag das mit Zweidrittelmehrheit beschlossen hatte, schäumte das Internet hauptsächlich gegen diesen Beschluss, der auf dem LPT wohl mit Begeisterung aufgenommen wurde. Dabei gab es verschiedene Reaktionen, die letztlich ähnlich wirkten.Aus dem linken Bereich wurde einiges kritisiert, hier und da ging der Antrag nicht weit genug, oder wurde als wirkungslos bezeichnet, oder aber, und da war ich ehrlich gesagt ein bisschen viel verärgert, es wurde gefragt, ob man Kindern denn nicht ihre Kindheit gönne. Meine Fresse, ich gönne ja gerne allen alles Mögliche, aber es geht ja nicht um eine Zwangsverpflichtung von Kindern zur Politik, sondern um das Ermöglichen von Mitsprache von denen, denen wir willkürlich jedes Recht auf politische Mitsprache verweigern. Das „Jetzt müssen sich Kinder schon mit Politik beschäftigen“-Argument gab es übrigens schon mal fast genauso … Beim Frauenwahlrecht. Herzlichen Glückwunsch!

Aber viel härter war natürlich das sofortige Anspringen der Hetzer und Bedenkenträger. Die, die grundsätzlich alles, von Asylpolitik bis BGE, was mal von Parteitagen mit großer Mehrheit verabschiedet wurde, so lautstark bekämpft haben, dass sich niemand mehr getraut hat, diese guten Politikansätze offensiv zu verkaufen. Konservative, die nie zugelassen haben, dass die Piraten wirklich die Politik verkauft haben, die sie verabschiedet haben. Bedenkenträger, die nie politisch genug gedacht haben, um in einer Partei Politik zu machen und es allen anderen auch verderben müssen, weil sie keine Risiken und keine frische Ideen zulassen können. Die mäkeln nicht völlig zu Unrecht am Wortlaut herum, sehen das mögliche Signal nicht, oder nur mit Schrecken, und versuchen mit Mailfluten auf den Listen und mit dem Anrufend es Schiedsgerichtes unbedingt die Mehrheitsentscheidung des Parteitags zu zerstören, wie sie das schon mit einigen anderen Mehrheitsentscheidungen gemacht haben. Das ist normal, Demokratie ertragen sie nicht.

Ja, diese Partei ist kaputt. Und ja, jedes Fünkchen von Politik wird in dieser Partei kaputt gemacht. Und nein, Hoffnung gibt es keine mehr.

Am Tage der Erinnerung …

… an die Opfer des Holocaust darf man sich ruhig fragen, ob wir gelernt haben? Wissen wir es heute wirklich besser? Ist die Ablehnung der Denkweisen der Nazis heute so umfassend, wie wir uns das gerne vormachen und vormachen lassen?
Mit Betroffenheit sehen wir, dass eine gar nicht so kleine Gruppe in Deutschland Zuwanderung als das größte politische Problem sieht. Angestachelt wird dies durch rassistische Kampagnen, die den alten nie ausgeräumten Hass gegen Sinti und Roma anstacheln – denn das ist gemeint, wenn sie „Bulgaren“ oder „Rumänen“ sagen. Die Nazis haben Sinti und Roma in die KZs verschleppt und umgebracht. Wir gedenken der Opfer.
Mit Beklemmung sehen wir, dass wir keine Geheimnisse mehr haben. Informationen werden erhoben, die Niemanden was angehen, unser Menschenrecht auf Intimsphäre wird mit Füßen getreten. Als die Nazis den Staat an sich rissen, war die GeStaPo das wichtigste Mittel, um eine sichere Herrschaft zu etablieren. Sie nutzten Informationen aus, um Menschen gefügig zu machen, nutzten alte Informationen – Stichwort „Rosa Listen“ – aus, um Homosexuelle zu verfolgen und zu ermorden.  Politische Gegner, vor allem Sozialdemokraten und Kommunisten, wurden kaltgestellt, und wenn das nicht reichte, ermordet. Wir gedenken der Opfer.
Mit Unverständnis sehen wir die Bilder der Gewalt gegen Demonstranten auf dem Taksim-Platz, aber auch in Frankfurt oder Hamburg. Eine Atmosphäre der Gewalt wird erzeugt, man muss befürchten, bei friedlichen Demonstrationen mit Wasserwerfern Bekanntschaft zu machen, oder auch mit Tränengas. Man kann sich nicht sicher sein, ob man nicht in einem Kessel landet oder von Polizisten mit dem Schlagstock angegriffen wird. Die Nazis nutzten für ähnliche Zwecke erst SA, dann SS und Polizei. Wer politisch aufbegehrte, wurde verprügelt und konnte sich seines Lebens nicht mehr sicher sein. Wir suchen eine Atmosphäre der Freiheit.
Mit Erschrecken sehen wir die zig Morde, die Nazis in den letzten Jahren begangen haben. Morde und Hetzjagden, die von der Polizei nicht verhindert werden, brutale Anschläge gegen Leib und Leben, bei denen „Fremdenfeindliche Hintergründe nicht ausgeschlossen werden können“. Das Relativieren, das Aufrechnen von zersplitterten Schaufensterscheiben mit Toten, die wegen der falschen Hautfarbe ihr Leben verloren. Bevor die Nazis an die Macht kamen, von Konservativen an die Macht gebracht wurden, wurden sie auch verharmlost, ihre Verbrechen mit dem halb geschlossenen rechten Auge übersehen. Am Ende davon stand Ausschwitz, waren Millionen Juden industriell ermordet. Wehret den Anfängen.
Erinnerung schmerzt. Aber sie ist so nötig. Der Kampf gegen Faschismus ist nicht vorbei, der gegen Rassismus und Nationalismus muss immer im eigenen Kopf anfangen. Auch das ist schmerzhaft, aber nötig. Wir müssen aus der Geschichte lernen, wir wollen nicht, dass diese Geschichte sich wiederholt.

Gastbeitrag: Von Zeit und Geld

Das ist ein totales Novum, zum ersten Mal veröffentliche ich hier einen Artikel eines anderen Autoren. Der Autor ist Marcus Müller, genannt Dülla, den man auch auf Twitter unter @MarcusDMueller finden kann. Wir sitzen am gleichen Piratenstammtisch und Marcus denkt erfrischend radikal. Ich hatte ihn gebeten, mal seine Gedanken aufzuschreiben. Jetzt hat er es getan, und ich veröffentliche das gerne und ungefiltert.

Sehr geehrte Energie-, Kommunikations-, Lebens- & Luxusmittel (Versorger / Produzenten), liebe Mitmenschen & Piraten (Politiker),
mir liegt schon länger etwas auf dem Herzen, welches ich hiermit endlich & endgültig loswerden will. Verzeiht mir bitte vorab meine kommunikativ begrenzten Möglichkeiten.

… Wo fange ich nur an? …

Okay, erst mal ein paar paar Worte zu meiner Person:
Ich bin gelernter Elektroinstallateur aus Leidenschaft. Strom, also der direkte Transport von Arbeit, bzw. das durchdachte Verlegen von Leitungen um dadurch einen möglichst großen Nutzen zu erzielen, hat mich schon von klein auf fasziniert.(Ebenso wie Licht & Farben, Sport & Musik & noch viele andere, an dieser Stelle, irrelevante Dinge.) Unabhängig davon, ob ich für meine Leistung eine entsprechende Gegenleistung erhalte. Ich finde es einfach zu wichtig, Dinge zu tun, um die Menschheit (also mein Umfeld & meine eigenen Fähigkeiten) weiter zu entwickeln & zu verbessern, statt NICHTS* zu tun. … Obwohl dies ja gar nicht möglich ist, schließlich ist ständige Produktion von Kohlendioxid ja auch „Arbeit“, genauso wie das Verdauen von Lebensmitteln & die Erzeugung von „Scheiße“! (Verzeiht mir meine Ausdrucksweise) xD

ABER: „Jedem das seine!“ ^^

Es ist mir relativ egal, wer sich mit welchen Statistiken seine Zeit vertreibt, solange man mich damit nicht belästigt. Es gibt da aber eine, die mir gewaltig auf die Nerven geht & die quasi allgegenwärtig ist. Geld. Also die Schuld von anderen. Unausweichlich wird man von fast allen Seiten dazu gezwungen an die verbriefte Schuld zu glauben & damit zu handeln.
Glaubensfreiheit, so wie mal mindestens eine offizielle Alternative? Fehlanzeige!

Einerseits glaube ich nicht an Schuld, schon gar nicht in Briefform & vor allem nicht, wenn diese so willkürlich beziffert wird. Wenn wenigstens jeder den(/die) gleichen Lohn(/Schuld) für seine Lebenszeit gutgeschrieben bekommen würde, könnte ich mich ja noch mit dieser Idee anfreunden, aber ich kann einfach nicht nachvollziehen, warum z.B. der Kloputzer viel mehr Lebenszeit aufbringen muss, als z.B. ein Bankangestellter, um sich die gleichen Möglichkeiten zu verdienen.  Durchaus Verständlich, wenn sich dieser Geringverdiener als schlechterer Mensch vorkommt, aber ist er es auch? Wer gibt dem Bankangestellten denn das Recht, mehr konsumieren zu dürfen als der Kloputzer, obwohl dieser einen entscheidenden Beitrag zur Hygiene der Gesellschaft leistet, während der andere nur sinnlose Statistik betreibt. Ich begreife einfach nicht, warum ich etwas besseres oder schlechteres sein soll, als jemand anderes. Warum könnte ich einen Stundenlohn von 19€ verlangen, & andere hingegen können froh sein, wenn ihnen jemand 7 gibt. Ich habe mir doch nicht ausgesucht, woran ich Interesse habe & wofür Talent.

(Ich kann durch dieses Wissen dieses Finanzsystem nicht länger mit meinem Gewissen vereinbaren, weshalb ich jeden bitten möchte über eine Alternative zu diskutieren. Ich bin bereit meine Zeit mit euch zu teilen & zu helfen wo ich kann, wenn ihr das überhaupt wollt.)

Andererseits gibt es einfach keinen gemeinsamen Nenner, um die Brüche der vielen verschiedenen Kulturen auf unserem Planeten addieren zu können. Außer die Zeit vielleicht, auch wenn Zeit, wie Geld (bzw. Schuld) auch nur ein Konstrukt unserer Fantasie ist. Was allerdings nicht heißen soll, das solchen Konstrukte nicht auch richtig (&) gut sein können. Organisation ist ja bekanntlich schon wichtig, damit komplexe Arbeiten möglichst effektiv ablaufen können, & das wäre ohne das Konstrukt der Zeit äußerst schwierig. Dazu kommt, dass eine Stunde überall auf dem Planeten auch eine Stunde lang dauert, bzw. eine Stunde auch eine Stunde wert ist, & nicht wie das beim Geld der Fall ist, dass jedes Land andere Preise hat, sogar trotz selber Währung. Zeit wäre eine Möglichkeit einem Produkt einen Wert zu geben. Arbeits-, bzw Lebenszeit ist nämlich immer, überall & für jeden unbezahlbar, womit ich diesen Wert als Tauschmittel eher als geeignet betrachte, als z.B. Geld. Obwohl ich eigentlich denke das wir Menschen überhaupt kein Tauschmittel bräuchten, wenn wir nicht zu dumm zum teilen wären, dennoch könnte ich mich auf den Zeit-Tauschen-Kompromiss zumindest übergangsweise & mit reinem Gewissen einlassen.

Ich danke euch erst mal, dass ich eure Zeit in Anspruch nehmen durfte. Des weiteren würde ich mich sehr freuen, wenn sich möglichst viele dazu durchringen könnten sich mal ernsthaft Gedanken über die Zukunft unseres Wirtschafts- & Finanzsystems zu machen (es sei denn ihr wollt das ALLES* so ungerecht bleibt, dann macht einfach so weiter). 😉

LG, Dülla (Prophet des Lichts)

*NICHTS gibt es nicht! / Wahnvorstellung! / Nie wieder HASS! / NIE WIEDER KRIEG!

*ALLES ist 1 / & du bist ein Teil davon! / sei LIEB(E)! 😉

Ein paar Gedanken über Herrschaft

Eigentlich wollte ich was ganz anderes schreiben, aber das Thema, an dem ich die letzten Tage rumdenke, ist noch nicht fertig, und wirft hier den zweiten Ableger, die Sache mit den Todsünden kam auch daher.

Nun also Herrschaft. Ein Thema, über das wir meiner Meinung nach zu wenig nachdenken. Wen wir Herrschaft vom Beginn an denken, dann sind wir irgendwo im Bereich der Gewaltherrschaft. Ich glaube, die muss sich in grauer Vorzeit mal entwickelt haben. Ein charismatischer Mensch mit Kraft, Intelligenz und weiteren Vorzügen, hat mal ein Stück Macht übertragen bekommen, und Strukturen geschaffen. Und vielleicht folgten alle freiwillig, vielleicht hat er oder sie alle immer überzeugen können, in einer eher kleinen Gruppe ist so was machbar. Aber irgendwann braucht man einen Nachfolger, irgendwann werden die Strukturen größer, und wie beherrscht man dann? In dem man anderen sagt, dass sie furchtbar in die Fresse bekommen, wenn sie nicht spuren. Ist bis heute ein mehr oder weniger gut funktionierender Ansatz in der Kinderaufzucht.

Nun wird Gewaltherrschaft allgemein als unzivilisiert angesehen. Diktaturen sind nicht gern gesehen, es sei denn, sie verkaufen zuverlässig Öl. Also hat man andere Wege gesucht und gefunden, wie man herrscht. Im Mittelalter vielfach praktiziert wurde Herrschen durch Religion. Eine Methode, die man im Altertum schon hier und da ausprobiert hatte, Pharaonen und Kaiser wurden vergöttlicht, aber das funktioniert nicht sehr gut. Denn wie göttlich sie auch sein mochten, manchmal hatten sie Fieber und flüssigen Stuhl, das kann man nicht immer verbergen, und dann ist religiöse Verehrung so eine Sache – obwohl ich mir nicht sicher bin, ob eine Exkrementprobe von Karol Wojtyla nicht unter der Hand manchem Katholiken eine Menge Geld wert wäre. Aber ich schweife ab.

So richtig gut funktionierte Herrschaft durch Religion erst mit dem Christentum, auch der Islam ist übrigens praktisch – aber ich bleibe erst mal in Europa, und so lange gehört der Islam ja noch nicht zu Deutschland, richtig? Das Christentum hat ein paar sehr gute Forderungen an den Menschen. Zum Beispiel Gewaltlosigkeit, Feindesliebe, Armutsgebot – und alles das ist sehr praktisch für die Machthaber, die sich an solche Sachen garantiert nicht halten. Das Überbleibsel davon ist das C, dass die Unionsparteien im Namen führen, und ganz in der Tradition verhaftet, sind die es auch, die die christlichen Werte, die sie nach außen hin vertreten, am gewissenlosesten mit Füßen treten. Spektakuläre Rücktritte und Rauswürfe der letzten Zeit haben das mal wieder eindrucksvoll uner Beweise gestellt.

Was machte das Christentum? Es indoktrinierte Bescheidenheit und Schwäche in die Menschen hinein. Es sprach von Sünde – und was könnte praktischer sein, als wenn die, die herrschen, erst alle Sünden gebeichtet bekommen, wegen derer sie später die Beherrschten von der Kanzel herab anherrschen können – ja, das schwache Wortspiel war gewollt. Besonders die Leib- und Sexualfeindlichkeit, die einige antike Religionen für exakt genauso hirnverbrannt gehalten hätten, wie sie denn sind, ist ein wenig subtiles Mittel der Herrschaft. Wenn man vieles, was Menschen Spaß macht, was Menschen Lust bereitet, verdammt – und das ist wörtlich gemeint -, wenn man also den Menschen erklärt, dass sie wegen dieser Lust und wegen diesem Spaß nach ihrem Tode in eine ewige Hölle kommen, dann erzeugt das Angst, es demütigt – und beides macht Menschen beherrschbar. Es ist nicht klar, ob die Erfinder des Christentums, also hauptsächlich Paulus, genau das vorhatte, aber man hat diese Religion sehr bald als Instrument zu nutzen gelernt, und wenn der gute Benedetto im Bundestag gegen Schwule predigt (hab ich drüber gebloggt, Erklärungen findet man da), dann funktioniert das immer noch bei einigen Menschen sehr gut.

Als ich aufwuchs, war kein Mittelalter mehr, und obwohl die Gegend hier religiös infiziert ist, war das Christentum keine Möglichkeit mehr, die Menschen klein zu halten. Aber schon in der Grundschule habe ich verstanden, wie Atomwaffen so wirken, und wie viele es auf der Welt gibt und noch mehr gab. Und als der kalte Krieg keine Angst mehr einjagen konnte, da wurde Terror und die Angst vor dem Islam instrumentalisiert. Und dazwischen immer die Angst um Arbeitsplätze, die Angst vor Fremden, die Angst vor der Zukunft, vor der Zerstörung der Umwelt. ANGST!

„Angst essen Seele auf“, so heißt ein Film von Rainer Werner Fassbinder, und noch wichtiger ist die Erkenntnis, Angst macht beherrschbar. Und wenn man darüber nachdenkt, dann kommt man auch darauf, warum einige Sachen groß aufgebauscht werden, andere Sachen völlig egal sind. Es ist nicht nur so, dass tausende tote Kinder in Afrika eben in Afrika, also weit weg sind, und jeder Mord in Deutschland viel mehr zählt – also, wenn nicht gerade ein Dönerbudenbesitzer von Nazis erschossen wird -, weil es näher ist, nein, es geht auch immer um die Angst, die damit erzeugt werden kann.

Ja, das klingt gerade danach, als ob ich den Medien Absicht vorwerfe – nun, zum Teil mach ich genau das auch. Die Medienmacht wurde ein den letzten Jahren immer mehr auf einige wenige Konzerne konzentriert. Zweifel an manchen besonders wirtschaftlichen Dogmen, kommen überhaupt nicht mehr vor, obwohl namhafte Wissenschaftler anderes sagen. Ist irgendeinem etablierten Printmedium je aufgefallen, dass ESM grundgesetzfeindlich ist? Ist irgendwem aufgefallen, was man mit ACTA eventuell alles machen kann? Denkt irgendwer darüber nach, dass eine Schuldenbremse auch einen Investitionsstopp bedeutet? Welcher Redakteur schreibt denn so was freiwillig, und muss dann nicht befürchten, sein Hinterteil vor die Tür gesetzt zu bekommen?

Ja, ich bin mir relativ sicher, dass es eine Regierung neben der Regierung gibt – denn die regierende Koalition fragt doch nur danach, wie die Märkte reagieren. Es gibt Meinungsmacher in allen Medien, und und außerhalb der Bloggerszene gibt es wenige, die dagegen an schreiben. Und diese Meinungsmacher schüren immer wieder Angst, vor Krankheiten, vor wirtschaftlichem Niedergang, vor körperlicher Gewalt. Und man kann nur annehmen, dass das den Regierenden sehr gefällt.

Übrigens ist die Frage nach der Gewaltherrschaft auch nicht unspannend. Sieht man nämlich, wie teilweise maximal brutal „Sicherheits“-Kräfte zum Beispiel gegen Occupy vorgegangen sind, aber auch gegen S21-Aktivisten und viele mehr, dann weiß man, dass manche Demonstrationen mit staatlicher Gewalt so beendet werden sollen, dass auch hier Angst erzeugt wird. Ich wäre ja mal echt überrascht, wenn es ähnliche Einsätze gegen Nazidemonstrationen gäbe – aber die müssen ja immer vor den Gegendemonstranten geschützt werden.

Wir sollten dieses Herrschaftsgefüge, die Herrschaftsstrukturen, unbedingt im Auge behalten, etwas dagegen tun, wo immer wir können. Alle Gewalt sollte doch irgendwann mal vom Volke ausgehen, oder? Bleiben wir dran!

Wann haben wir uns so an Lügen gewöhnt?

Alle reden über Lustreisen, ich nicht. Dass der Spiegel meint, die Berliner Piraten und ihre Reise nach Island in Grund und Boden zu schreiben, ist bedauerlich, aber letztlich nur ein Zeichen dafür, wie tief der Spiegel gesunken ist.

Aber was mich vielmehr interessiert, ist die Frage, die ich in der Überschrift gestellt habe. Gestern Abend habe ich mich wie fast immer größtenteils aus dem Thema Fernsehen rausgehalten, bekam dann aber ein Interview mit Gesine Lötzsch auf die Nase gebunden, nur weil ich nicht umhin konnte, danach „druckfrisch“ ansehen zu wollen. Und dieses Interview, das ein ganz normales Politikerinterview war, nichts Besonderes, sie antwortet nicht auf die Fragen, die ihr gestellt werden, sondern auf die, die ihr irgendwelche Stimmen im Hinterkopf stellen, dieses Interview ist der Auslöser, warum ich mir diese Frage stelle. Jedes Wort, das Frau Lötzsch aussprach war Taktik, das meiste davon auch noch mit einem Lächeln ausgestoßen, dass absolut falsch war. Nicht schlecht geschauspielt, aber auch nicht glaubhaft.

Ich will eigentlich gar nicht auf Frau Lötzsch einprügeln, sie tut doch nur, was alle machen. Wann hat man denn das letzte Interview gehört, in dem ein Politiker der Etablierten irgendwas gesagt hat, was ehrlich geklungen hätte? (Mit Sicherheit nicht bei Jauch, oder?) Alles ist Taktik, alles ist letztendlich Lüge. Fragen werden nicht beantwortet, und da hilft es auch nicht, wenn die Politiker der Grünen oder Linken es schon mal schaffen, eine gehörige Ironie in ihre Aussagen zu packen – sie lassen merken, wenn sie taktieren, statt einfach mit dem Taktieren aufzuhören. Man hat das Gefühl, dass es in der ganzen Welt keine Menschen mit weniger eigener Meinung gäbe, als deutsche Politiker. Wahrscheinlich auch, weil die Journalistendarsteller in weiten Teilen der BRD schon vor längerer Zeit aufgehört haben nachzudenken, und stattdessen jeden innerparteilichen Konflikt zu einer Geschichte aufbauschen, anstatt sich um die Inhalte zu kümmern. Kein Wunder, dass wir deswegen von einer Kanzlerin regiert wird, die andauernd ihr Fähnchen in den Wind hängt, das Land zu Tode langweilt, aber auf das Regieren weitestgehend verzichtet – und dafür gute persönliche Umfrageergebnisse bekommt.

Die Politk ist glatt und ölig, inhaltsleer, meinungsleer, weil man einfach beim Wahlvolk keine Stimmung gegen sich erzeugen will – man nimmt lieber hin, dass es gar keine Meinung mehr gibt, dass die Hälfte der Menschen einfach gar nicht mehr wählt, dass die Demokratie sich immer weiter aushöhlt – man hat sich so wunderbar mit den Lobbys eingerichtet, gibt die Verantwortung lieber an die Banken und Konzerne ab, dann braucht man selbst nicht denken, und wird wiedergewählt.

Ist es da ein Wunder, wenn man Pirat wird? Ist es ein Wunder, wenn Piraten gute Umfragewerte bekommen? Da sind die kleinen unterschwelligen Konflikte der anderen Parteien gleich Shitstorms, die Sprache gerne mal rau und direkt, und wenn man gefragt wird, was man zu einer Sache meint, dann sagt man seine Meinung – und kriegt von der Partei garantiert auf die Nase. Und wenn man nach Informationen gefragt wird, die man nicht weiß, dann sagt man, dass man sie nicht weiß … einfach so … geht auch, oder? Nein, die Piraten dürfen sich nicht professionalisieren, wir müssen für Ehrlichkeit stehen, wir dürfen auch mal schlecht aussehen, wir dürfen auch mal nicht weiterwissen, und wenn ein paar zukünftige Parlamentarier quasi embedded journalists auf eine Islandreise mitnehmen, dürfen sie sich auch noch wundern, dass sie von diesen dann in die Pfanne gehauen werden – hey, aus Fehlern lernt man. Und ich halte es einfach für richtiger, wenn man mit ehrlichen Antworten mal auf die Nase bekommt, als wenn man aalglatt ist, und nur weiter den Menschen zeigt, dass Politiker sich so weit von den Menschen entfernt haben, dass es einfach nur noch schmerzt.