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Gottschalk, Balder, Brüste

Gestern wurde Thomas Gottschalk 65 Jahre alt – herzlichen Glückwunsch auch von hier – und auf RTL lief eine wohl recht halbgare Sendung zu diesem Anlasse. Ich bin mir jetzt nicht so sicher, ob das an Gottschalks Stelle auch meine Wahl gewesen wäre, aber das kann ja jeder selbst machen, wie er mag. Irgendwelche Redakteure hatten sich dazu ein Spiel einfallen lassen, dass sie dann aufgrund von recht öffentlichem Shitstorm dann doch gelassen haben: Hugo-Egon Balder, ebenfalls 65 – auch dazu hier meinen Glückwunsch – sollte mit Gottschalk ein kleines Spiel durchführen, bei dem er zuvor gecasteten Hostessen den BH zerschneiden sollte. Die Reihe der weiblichen Brüste sollte Fläche für Bilder sein, zu denen Gottschalk dann Quizfragen beantworten sollte. So in etwa, war es aus der Jobbeschreibung herauszulesen, die gestern über Twitter lief und den Shitstorm befeuerte.

Disclaimer: Ich mag weibliche Brüste. Ich mag sie wirklich. Und wenn sie mir zur Liebkosung auf freiwilliger Basis bereitgestellt werden, bin ich durchaus begeistert. Auch nutze ich hier und da die Möglichkeiten, zur Betrachtung freigegebene Brüste eingängiger zu studieren. Ja, es passiert mir sogar hier und da, dass ich das eine oder andere Dekolleté so genau studiere, dass es an die Grenzen des Höflichen geht. Das tut mir meistens auch leid. Ihr kennt das Problem: Das Fleisch ist willig und so wird der Geist ganz schwach.

Jetzt find ich es gar nicht problematisch, dass Frauen in der Öffentlichkeit ihre Brust entblößen. Tun Männer auch, warum sollte das für das eine Geschlecht in Ordnung sein, für das andere aber nicht. Ist doch Unsinn. Es ist auch nicht schlimm, dass Frauen das in diesem Fall für Geld getan hätten. Es ist Showbiz. Wer ein Problem damit hat, etwas von sich zu zeigen, der ist in diesem Bereich nicht so gut aufgehoben. Und sollten mir Schauspielende oder andere professionell Auftretende sagen wollen, sie würden sich aber nicht prostituieren wollen, so würde ich zurückfragen, was noch mal ihr Job sei? Wer auf Bühnen sein Innerstes nach außen dreht, sollte mit der Veröffentlichung von Geschlechtsteilen auch nur noch bedingt Schwierigkeiten haben.

Noch mal in kurz: Keine Frau, die da mit gemacht hätte, hätte einen Grund gehabt, sich wegen der Haut zu schämen, die sie zeigt. Wäre es in Ordnung gewesen, die Show mitzumachen? Ethisch vielleicht problematisch, aber es füllt den Kühlschrank. So ist Showbiz. Aber es dürfen sich ruhig Leute schämen. Im Speziellen die Redakteure, die auf so eine bescheuerte Idee kommen.

Denn natürlich geht diese Nummer nicht.  Alte Männer haben das Recht, die BHs der Damen durchzuschneiden und ihre Brüste zu veröffentlichen, während die lächelnd da stehen und alles über sich ergehen lassen? Was ist denn das für eine dekadente Darstellung des männlichen Privilegs? Die Nummer ist widerlich, und ganz nebenbei auch noch unoriginell und dumm. Schlechtes Fernsehen halt. So, wie das Fernsehen jeden Tag ist. Schön, dass ein bisschen Empörung dagegen geholfen hat. Ist doch immerhin mal etwas.

Bauer sucht Frau

Wenn man sonntags vor dem Fernseher sitzt – ich weiß, das ist ein Fehler – dann kommt es mitunter dazu, dass man die Sendung sieht, die in der Überschrift angedeutet ist. Mir ist noch nicht wirklich klar, was der Anziehpunkt dabei ist, ich bin eigentlich die ganze Zeit dabei, zu spielen, mit dem Notebook auf dem Schoß, aber man bekommt halt doch einiges mit, wenn man dann so mit dem Augenwinkel drauf hält.

Was also haben wir da? Eine gute Mischung an Charakteren: da gibt es die sympathischen Jungbauern, die netten, bei denen man sich fragt, warum sie so was nötig haben – und dann die Volldeppen, so ein Heinrich, der saublöde Schäfer, oder ähnliches. Unsympathische und offenkundig dumme Menschen, die selbst gar nicht überschauen können, was sie da in der Öffentlichkeit tun. Fremdschämen soll der Grund sein, dass man das schaut. Ganz ähnlich sollen die Gründe dafür sein, dass manche Menschen die Nachmittagstalkshows sehen, oder Oliver Pocher … man schaut zu, was für schreckliche Menschen es doch gibt, und fühlt sich gleich viel besser.

Einer der Vorteile der Sendung ist die Musikauswahl. Es gibt offenbar sehr begabte Musikredakteure bei RTL, wirklich gute. Da werden die schönsten Schnulzen gespielt, immer gut abgestimmt, und natürlich dürfen auch einige musikalische Witzchen nicht fehlen, wenn die schlimmen Bauern plötzlich mit völlig überhöhten Hymnen bespielt werden.

Der größte Nachteil sind die schlecht gespielten Szenen. Szenen, bei denen man auf den ersten Blick sieht, dass der Regisseur eben gesagt hat, so, jetzt sagst du das, und du findest das ganz toll … Echt ist anders. Diese Pseudorealität ist total nervig. Ich frag mich, ob andere Zuschauer das nicht mitbekommen und meinen, da wäre nix gestellt … und da schafft es der stieselige Schweinebauer plötzlich, ein verdammt schickes Picknick im Grünen zu improvisieren – klar das man da an den Cateringservice des Filmteams denkt … aber das kann natürlich nicht sein.

Ich bin irgendwie dafür, so was mit guten Schauspielern zu besetzen, dass müsste man doch witziger und dramatischer gestalten können. Mit ein paar gut geschriebenen Texten kann man sicherlich auch weiterhin Leute so schrecklich erscheinen lassen, nur eben echter, weil man es gut spielt … vielleicht sollte man schnell mal eine Bewegung gegen schlechte Pseudoreportagen gründen, die vermüllen wirklich das Fernsehen immer mehr.