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Neue Helden für den Nexus

Gerade wartet die Spielerschaft von Blizzards neuestem Spielschatz Heroes of the Storm auf den Skelettkönig Leoric, der bald veröffentlicht wird. Für mich ist das ein guter Moment, um mal zu spekulieren, wie es mit Heroes weitergeht.

Im Moment gibt es  mit Leoric 39 Helden, mit denen man auf acht Karten aufeinanderlosgehen kann. Im Vergleich zu den großen Mobas mit über 120 Champions wirken die knapp vierzig Helden recht überschaubar, und an manchen Stellen merkt man dem Gameplay auch stark an, dass es für bestimmte Aufgaben nur ein bis zwei Helden gibt – die dann natürlich dementsprechend umkämpft sind. Blizzard strebt einen Veröffentlichungsrhythmus von drei bis vier Wochen für neue Helden an, dementsprechend wird die Zahl recht flott größer, ohne in absehbarer Zeit die Nähe von Dota oder League of Legends kratzen zu können.

Held Nummer 40 wird ein bislang noch namenloser Mönch aus Diablo 3. Er wird samt einer neuen Karte der Abschluss der Content-Offensive mit dem Titel „Der ewige Konflikt“. Diese Offensive hat die ersten Karten, die direkt mit einer der Spielewelten Blizzards verbunden sind, gebracht. Danaben gibt es während des ewigen Konfliktes eine tägliche Quest, die hundert zusätzliche Goldstücke in die Kassen der Spieler spült – so nervig manchmal die Schatzgoblins werden, diese hundert Gold nimmt man doch sehr gern. Insgesamt gehören vier Helden zum ewigen Konflikt. Johanna, die allerdings ein paar Wochen zu früh ins Spiel kam, der Schlächter, Leoric und der Mönch – alle direkt mit Diablo 3 verbunden sind – zwei Heldenfiguren und zwei Bosse des ersten Aktes. Ja, ich weiß, der Schlächter hatte seinen ersten Auftritt schon im legendären ersten Teil von Diablo – „Ah, fresh meat!“

Relativ sicher kann man sich sein, dass es eine ähnliche Content-Offensive auch zur Veröffentlichung der Starcraft II-Erweiterung „Legacy oft he Void“ geben wird. Auf jeden Fall ist jedem Vorbesteller der Collector’s Edition ein Starcraft-Krieger versprochen. Ein weiteres Fortbewegungsmittel, dass die üblichen Pferde oder Zauberteppiche ersetzt, ist da auch angekündigt. Hat man bei Blizzard das Gefühl, dass thematische Content-Offensiven wie der ewige Konflikt eine sinnvolle Idee sind, wird man hier weiter machen. Der Starcraft-Krieger könnte übrigens Fenix sein, so weit man den Gerüchten glauben kann. Da die Legacy eine Erweiterung auf Protoss-Basis ist, können wir wohl auch davon ausgehen, dass man hier den Focus drauf legen könnte. Bei wiederum vier Helden sollten also zwei weitere Protoss dabei sein.

Bevor ich in völlige Spekulation abdrifte, mal kurz was noch relativ sicher ist: Man hat auf jeden Fall den Orkjäger Rexxar schon andeutungsweise gesehen, ein weiterer Warcraft-Held könnte ein Troll sein, zum Beispiel Zul’Jin. Ein Reittier, dass auf Diablo-Engel Malthael hindeutet, wurde gesichtet – aber da gehen wir schon ins Deuten von Eingeweiden über. Sicher ist sonst eigentlich angenehmerweise nichts.

Damit sich Blizzard seine Freiheiten behält, gehe ich stark davon aus, dass die Content-Offensiven nicht zum Dauerzustand werden, sich also nicht ohne Pause aneinanderreihen. Also kann man immer wieder ein bis vier Helden zwischen solch zusammenhängenden Themen rausbringen. Mit der ersten Offensive in Richtung Warcraft rechne ich erst nach Legay oft he Void, da bisher Diablo und Starcraft die sehr unterrepräsentierten Universen waren. Ziemlich sicher kann man sich auch sein, dass zur Veröffentlichung des gerade in der Alpha steckenden neuen Shooter Overwatch auch dieses Universum seinen Eintritt in den Nexus feiern wird.

Für Warcraft kann ich mir gut vorstellen, dass man Content-Offensiven schmiedet, die thematisch noch mal relativ eingeschränkt sind. Also zum Beispiel eines der Warcraft-Völker featuren, oder als eine Hommage an spezielle Raids oder Erweiterungen von WoW konzipiert werden. Man darf auch nicht vergessen, dass der Warcraft-Film in der Mache ist, auch der könnte in Heroes gefeatured werden – man muss zugeben, dass Blizzard da eine Möglichkeit der Crosspromotion geschaffen hat, die ihresgleichen sucht.

Schau man sich die bisherigen Warcraft-Helden an, so sieht man, dass manchen Völker und Charakterklassen schlicht noch fehlen. Es gibt noch keinen Warlock, Jäger und Priester sind bisher nur in einer komischen Hybridversion namens Tyrande vorhanden. Auch ein reinrassiger Schurke wird noch vermisst. Andere Charakterklassen gibt es in klassischen Ausrichtungen, und dann gleich so klassisch, dass man andere Ausrichtungen vemrisst. Ein Arkanmage wäre gut, ein Feraldruide, Vergelter oder Tank-Palas, und die bisher nach Kriegern aussehenden Muradin und ETC haben keine er Krieger-Trademarks drauf.

In Sachen Völker ist es echt gemein: Es gibt noch gar keinen Gnom, keinen Worgen, keinen Schlumpf, ich mein Draenei. Auf Hordenseite fehlen Trolle noch völlig. Hier bietet es sich natürlich an, die Lücken noch zu schließen. Und wenn man da schon mal bei ist, alle Warcraft-Völker haben ihr eigenes typisches Mount, wir warten da noch auf Kodos und Elekks, auf Roboschreiter und Raptoren.

Meine Wünsche: Gibt es Helden aus dem Warcraft-Universum, auf die ich sehnsüchtig warte? Ja, unbedingt Hogger, der wäre ein Traum. Kel Thuzad wäre auch klasse. Und unbedingt einen Nesingwary – wie wäre es eigentlich mit einer Un’Goro Offensive? Oder Nagrand? Oder Schlingdorntal? Ich mochte die Wildnis-Kartenabschnitte immer besonders. Ich denke, wir haben alle unsere Lieblingsecken in Azeroth und den andere Kontinenten, solche Gegenden zu feiern, wäre ein feiner Zug – auch gerade dann, wenn es nichts mit einer neuen Erweiterung oder ähnlichem zu tun hat. Und nebenbei, also ich habe ja die Trollinstanzen geliebt. Zul Aman, Zul Farrak oder Zul’Gurub, ganz egal. Ich würde da eine Offensive genauso abfeiern – nicht nur in Heroes, sondern auch in Hearthstone – wie eine, die den meines Erachtens allerstimmungsvollsten Raid WoWs thematisiert – auf nach Karazhan!

Im Starcraft-Universum wartet man dringend auf einen Krieger, den es wohl mit Fenix dann irgendwann geben wird. Weitere Helden, von denen hier und da gemunkelt wird, sind Vater und Sohn Mengsk – auch wenn ich mir nicht so direkt vorstellen kann, wie solche Figuren in die Heldenrolle passen. Auch General Warfield wurde schon mal erwähnt. Allerdings werden Menschen und Zerg nicht die ersten Prioritäten sein, die Blizzard angeht, wenn es um Legacy oft he Void geht. Artanis oder Rohana, wichtige Figuren der Erweiterung, könnten eher zu Heroes passen. Vorazun oder ihre Mutter Raszagal wären auch interessante Namen – aber das Problem, dass hier ins Spiel kommt, ist, dass es mit Zeratul schon einen dunklen Templer gibt. Wie viel kann man aus dunklen Templern noch rausholen? Und ganz nebenbei: Auch Zerg sind eher unterrepräsentiert in Heroes, als alter Zerg-Spieler finde ich das bedenklich.

Eigene Wünsche? Mehr Zerg.

Das Diablo-Universum ist gerade gut bedient, so könnte man sagen. Allerdings kann man hier auch seine Phantasie sehr schön spielen lassen. Meistgewünschter Diablo-Charakter ist wohl Deckard Cain the Elder, der als Unterstützer vielleicht irgendwie in den Nexus gebracht werden könnte. Böse Zungen behaupten, er bekäme eine Ulti, die „Stay a while and listen“ heißt und das gewamte gegnerische Team betäubt – kleiner Gag für Diablo-Spieler der alten Schule. Von allen Spielercharakteren fehlt mir eigentlich nur der Totenbeschwörer aus Diablo 2. Naja, und vielleicht ein Hydras setzender Magier. Aber die großen Potentiale sehe ich bei Engeln und vor allem Dämonen. Gerade Duriel oder andere Bosse aus Diablo 2 wären eine wahre Pracht. Die Hexen Adria und Maghda wären weitere Ideen und vielleicht kann man auch aus einfach sehr ikonischen Monstern Sanktuarios mal einen Helden machen – hat ja mit Brightwing/Funkelchen auch funktioniert. Gab es nicht in Diablo 2 diese nervigen Dschungelbewohner, die eigentlich immer aus dreien bestanden? Sowas würde ich ja gern mal als Held spielen.

Ich denke, Heroes bleibt interessant. Schauen wir mal, was alles machbar ist.

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Quick – Blizzcon 2014 Tag I

Diese Nacht war der Beginn der Blizzcon, der Hausmesse des Computerspielgiganten Blizzard. Mit dem virtuelle Ticket war ich zeitweise direkt dabei, ein paar Sachen habe ich heute im Laufe des Tages nachgeschaut. Hier ein kurzer Bericht:
Opening:
(Man verzeihe mir, dass ich die Namen der Protagonisten nicht recherchiere, ich geb lieber weiter, was es so alles gab.) In der großen Zeremonie wurde natürlich zwanzig Jahre Warcraft und zehn Jahre World of Warcraft beschworen. Die vermutlich allgemein bekannteste Fantasyspielwelt überhaupt steht aber gar nicht so sehr im Mittelpunkt der diesjährigen Blizzcon, weil der vielfache beschworene vierte Teil von Warcraft nicht kommt – ein bisschen schade ist das schon – und weil in WoW das neue AddOn kurz vor der Tür steht, da gibt es also nichts so unbedingt Neues zu verkünden.
Nur im Kartenspielableger Hearthstone gibt es eine bald eintreffende Neuerung, die 120 neuen Karten von Goblins gegen Gnome, der ersten Erweiterung für Hearthstone. Das dazugehörende Kamingespräch habe ich aber noch nicht gesehen, kommt noch.
Interessant war, dass im Opening recht deutlich auf das Gamergate referiert wurde, dass klar gemacht wurde, dass Gamer sich auf die Gemeinsamkeiten und nicht auf das Trennende konzentrieren sollen, dass die widerlichen Verhaltensweisen, die das Gamergate ans Licht gebracht hat, von der Blizzardcommunity nicht geteilt werden sollen. Ich hätte mir das sogar noch ein bisschen deutlicher gewünscht – zumal sich ja auch Blizzard manchmal sehr testosterongesteuert gibt.
Die zweite eher kleine Ankündigung betrifft Starcraft II, das mit Legacy of the Void nun endlich zum Abschluss kommt. Dieser dritte Teil soll eine Protosskampagne spielbar machen, die mindestens so umfangreich wird, wie Heart of the Swarm – das aber aufgrund der fehlenden Länge auch hier und da kritisiert worden war. Die ersten Bilder aus Cutscenes und Kampagnenspiel waren auch schon sehr hübsch anzusehen. Blizzard hat in jedem Bereich wirklich gute Konzeptkünstler unterwegs und diese Legacy, dieser Abschluss der Serie wird ein Pflichtkauf. Allerdings geht das bisher gezeigte – die Neuerungen für Mehrspieler kommen erst diese Nacht – in eine Richtung, die sagt, dass wir genau das kriegen, was zu erwarten ist, eine gute Geschichte, einige gut Kampagnenmissionen, aber nichts sensationell Neues.
Für Diablo gibt es erst diese Nacht ein Panel, dort ist nicht mit zu viel Neuem zu rechnen.
Ein großes Ding ist natürlich im Moment Heroes of the Storm, das im Januar in die Closed Beta gehen soll. So closed wird die aber nicht sein, sind doch jetzt schon viele tausend Spieler in der Technical Alpha unterwegs – ich auch. In einem Trailer wurde neue Champions angekündigt, Warcraft schickt Jaina, Thrall und Sylvanas ins Rennen, und aus Blizzards Konsolenvergangenheit werden die Lost Vikings der erste Held, der aus drei Helden besteht. Dazu gibt es noch zwei bis drei neue Maps. Heroes kommt immer mehr ins Rollen. Dem geneigten Beobachter fällt allerdings auf, dass Starcraft und Diablo keine neuen Heroes bekommen.
Ach ja, und war da noch was? Genau, die ganz große Ankündigung war ja auch noch. Overwatch kommt! Blizzard macht jetzt auch in Shooter und das in einem neuen Franchise, denn Overwatch ist in einer relativ fantastischen Zukunft ungefähr in sechzig Jahren auf der Erde angesiedelt. Das Spiel soll rein auf PvP und 6er-Team-Maps ausgelegt werden. Besonderheit? Es gibt wie in Mobas sehr unterschiedliche Helden mit sehr unterschiedlichen Fähigkeiten, die über die Variationen, die bei Team Fortress oder ähnlichen Shootern bekannt sind, hinausgehen sollen. Mich betrifft dieses Spiel eher weniger, Shooter mag ich nicht sonderlich – aber zugegeben, der Cinematic Trailer ist beeindruckend und witzig gemacht, das Gameplay sieht natürlich schon enorm gut aus, scheinbar funktioniert ja eh alles, was Blizz so anpackt.
Nun gut, morgen mehr.

SCII / Heart of the Swarm / Multiplayer / Blizzcon

Jaha, die Blizzcon läuft, und wahre Gamer sind natürlich live dabei, wenn auch nur im Livestream. Für alle, die sich nicht auskennen und immer noch lesen: Die Blizzcon ist die alljährliche Hausmesse des Spieleentwicklers Blizzard, der Schmiede, in der die wegweisenden Produkte aus den Universen Starcraft, Warcraft und Sanctuario (Diablo) zusammengehämmert werden. Und traditionell hebt man sich bei Blizzard alle wirklich wichtigen Neuerungen zur Blizzcon auf, um die Geeks dann gleich in der Eröffnungszeremonie total umzuhauen.

So auch in diesem Jahr. Neben der lang erwarteten endgültigen Preisgabe der neuen WoW-Erweiterung, war mit am heißesten erwartet, wie es denn in der Starcraft II-Erweiterung „Heart oft he Swarm“ (HotS) mit dem Multiplayer aussieht. Immerhin ist Starcraft II DAS E-Sports-Spiel, der Titel, der Menschen auf der ganzen Welt erfreut und für E-Sports begeistert – es ist sehr zuschauerfreundlich, sehr gut ausbalanciert und gebiert auch nach nun schon einiger Zeit des Spiels quasi wöchentlich neue Taktiken.

Im Vorfeld hatte man von Blizzardseite die Änderungen an den Einheiten zu HotS ziemlich heruntergespielt. Bei Terra würde sich nichts verändern, die anderen sollten je eine neue Einheit bekommen, so geisterte es durch das Netz. Das war gelogen. Es gibt im Moment einen ganzen Berg von Neuerungen, von denen auch noch nicht alle genau erläutert worden. Pro Rasse gibt es aber drei neue oder runderneuerte Einheiten – die dann mit der momentanen Einheit nicht mehr viel zu tun haben.

Bei Terra werden die Mechs neu aufgestellt, nur der Tank behält seine bisherigen Mechaniken, der Rest ist anders oder neu. Das Hellion, der nervige Flitzer, der so gerne Sammler grillt, bekommt eine zweite, neue Verwendbarkeit. Waren Hellions bisher fast eine reine Nerveinheit, bekommen sie nun eine Tranfsormer-Fähigkeit, mit der sie sich Mech-mäßig auf die Hinterbeine stellen, ihre Kotflügel als wuchtige Schilde nutzen und plötzlich viel mehr aushalten. Damit werden sie zu einer harten Einheit für Zerglinge und Berserker – gegen letztere ist diese Neuerung in erster Linie gedacht.

Die Warhounds werden die nächste Mechstufe. Deutlich kleiner, preiswerter und beweglicher als der Thor sind sie die neue Anti-Air auf Mech-Basis – Terra-Spieler werden sich jetzt wahrscheinlich denken: “Wozu? Ich hab doch Marines?“ Aber Blizzard nimmt den Thor fast aus dem Spiel und gibt seine Fähigkeit, mit Mutalisken und anderem Fluggetier fertig zu werden, den Warhounds. Außerdem werden die Mechs auch die einzige Einheit die besonders stark gegen andere mechanische Einheiten sind, also eine starke Waffe gegen Panzer, Hetzer und Unsterbliche.

Der Thor wird nicht vollständig abgeschafft, aber er wird eine mauerbrechende Supereinheit, die wie bisher das Mutterschiff der Protoss nur einmal gebaut werden kann. In die Luft kann der dann nicht mehr schießen, aber auf dem Boden wird er vermutlich eine halbe Armee ersetzen.

Der Shredder ist die größte Neuerung für die Terraner, weil hier ein völlig neues Spielprinzip eingeführt wird. Shredder sind erst mal wehrlose Mecheinheiten, die sich eingraben müssen, um Schaden zu machen, dann machen sie aber einen kreisförmigen AoE, der an mache Flächenschadentürme aus diversen Towerdefenses erinnert. Im Video brachten zwei oder drei Shredder einen ganzen Haufen Zerglinge problemlos um, die nur durchrennen wollten. Der kleine Nachteil: Sie schalten sich ab, wenn befreundete Einheiten in ihren Bereich kommen. Shredder helfen also gar nichts, wenn man mit seiner eigenen Armee in deren Gebiet kämpft. Heftige Änderung, und vielleicht eine etwas überpowerte Angelegenheit, denn mit diesen Dingern kann man seinen Gegner vermutlich sehr effektiv davon abhalten, Expansionen zu nehmen. Aber das kommt ja auch drauf an, wann Shredder ins Spiel kommen und wie teuer sie sind. Im Prinzip bekommt da Terra eine Möglichkeit, die Karte zu ändern, weil Wege für die Gegner völlig versperrt sind.

Wichtigste zusätzliche Änderung ist vermutlich, dass für die fast ungespielten Battlecruiser ein Upgrade erforschbar wird, mit dem sie kurzzeitig quasi sprinten können. So beschleunigt, könnten sie eine Alternative im Endspiel werden.

Bei Protoss fallen erst mal Einheiten weg. Es gibt keine Trägerschiffe mehr, auch das Mutterschiff, die wenig geliebte Protoss-Pizza wird eingemottet. Beides Einheiten, die eh schon kaum gespielt wurden. Und die wichtigsten Fähigkeiten werden anderweitig verteilt. Eine Fähigkeit des Mutterschiffes, der Rückruf, kann in Zukunft mit Nexusenergie vollzogen werden – und es gibt noch eine weitere Verwendungsenergie, die sehr speziell scheint: Man kann allen möglichen Gebäuden kurzzeitig die Fähigkeit von Photonenkanonen geben, es schießen also auf einmal  Pylonen und Robos.

Aber zu den neuen Einheiten. Es gibt einen Ersatz für die Träger: Der Tempest. Ein Riesenflieger, der einen bösen AoE-Schaden gegen Luft macht, und damit ganze Wolken von Mutalisken in einen Blutregen verwandeln kann. Daneben gibt er noch einen kräftigen Laserstrahl auf den Boden ab, womit er auf einen ähnlichen Schadensoutput kommen sollte, wie bisher Träger.

Der Tempest ist im Prinzip eine ganz normale Einheit, ab jetzt wird es unkonventionell: Der Replicant (aus der Robo)  kopiert gegnerische Einheiten. Kommt er nah genug an Gegner ran, so übernimmt er einfach deren Aussehen und Fähigkeiten. Man kann damit sogar gegnerische Arbeiter übernehmen und eigene Zerg- oder Terragebäude erschaffen. Aber auch sonst ist das ja nicht unspannend. Der Gegner kommt mit Ghosts und Panzern? Hab ich jetzt auch!

Nicht ganz so verrückt, aber eventuell extrem nervig könnte das Oracle werden. Ein kleiner fliegender Caster, der gar nicht Schaden anrichtet, oder besser gesagt, der nur indirekt Schaden anrichtet. Ähnlich wie bisher Overseer der Zerg, kann er Gebäude ausschalten – dazu gehören in diesem Fall aber auch Kanonen. Und dann blockiert er einfach einen großen Teil von Mineralfeldern. Die sind abgeschirmt und können nicht mehr abgebaut werden, bis die Fähigkeit ausläuft. Die erste Nerveinheit, die keine Arbeiter zerstört, sondern behindert. Ziemlich human, diese Protoss.

Für die Zerg ist die wichtigste Nachricht sicher, dass es neben dem Verseucher einen zweiten Caster geben wird. Die Viper ist ein Flieger, der zwei sehr interessante Zauberfähigkeiten hat:  Erstens können sie einen Nebel machen, der die Angriffsreichweite der Gegner auf Eins reduziert. Will man einen Ball als Zerg angreifen, verliert man momentan die halbe Armee, während man anstürmt, da wird die Viper helfen. Zweitens kann die Viper einzelne Einheiten an sich heranziehen – ein Schelm, wer an den Geißelstrang eines Todesritters denkt. Es sieht sehr eindrucksvoll aus, wenn zum Beispiel ein Collossus einfach aus seinem Einheitenball herausgezogen wird – wenn man jetzt noch überlegt, dass man dahinter ja durchaus Verseucher stehen haben kann, die die herausgezogene Einheit dann einfach übernehmen, scheinen da sehr schöne Taktiken mit spielbar. Die Viper ersetzt quasi auch den Overseer. Zwar ist er kein Detektor, aber er kann jede Einheit zu einem Detektor machen.

Bei Blizzard hat man sich überlegt, wie man eine Art Zerg-Artillerie bauen könnte, die zum Schwarm passt. Der Swarm Host ist da die Antwort. Ähnlich wie die früheren Lurker gräbt sich auch der Host ein. Der schießt aber nicht irgendwie unterirdisch, sondern er lässt alle paar Sekunden einen Schwarm kleiner Kerlchen los, die die Gegner überrennen. Quasi ein eingegrabener Broodlord. Sieht auch schön eklig nach Pilzwucherung aus -für den Schwarm, sage ich da nur!

Die dritte große Änderung ist eine Fähigkeit des Ultralisken, die neu ist und sehr eindrucksvoll aussieht: Die sonst immer sich gegenseitig blockierenden Dickhäuter – Achtung, die Logik setzt hier ein bisschen aus – macht einen Köpper in die Erde, bewegt sich mit fast Lichtgeschwindigkeit hindurch und taucht unter den Gegnern wieder auf. Rumms! Diese kleine Fähigkeit wird die Ullis so pushen, dass sie viel interessanter werden. Ich warte schon auf die One-Base-Ultra-All-Ins.

Neben diesen Neuerungen gibt es noch ein Geschwindigkeitsupgrade für Hydralisken – na endlich – und einem Endspielupgrade, mit dem sich Berstlinge eingegraben bewegen können – das könnte für ganz schön viel Paranoia sorgen.

Und dann sitzt man so da und lässt sich die Änderungen durch den Kopf gehen … und ist sich plötzlich relativ sicher, dass einige dieser Änderungen noch einkassiert werden, oder zumindest noch mal stark beschnitten, denn gerade bei  den recht fantastischen neuen Protoss-Einheiten sehe ich große Balance-Probleme auf SCII zukommen. Aber keine Frage, Blizzard hat sich wirklich etwas einfallen lassen. Es wird einige Zeit dauern, bis man die neuen Möglichkeiten auch nur halbwegs ins Spiel integriert hat, aber es wird sein Gesicht ändern, und das ist dann nach gut anderthalb Jahren auch langsam mal nötig. Bisher ist SCII noch nicht langweilig geworden, aber Änderungen sind immer kleiner, neue taktische Ideen werden langsam seltener, da sind die Neuerungen doch wirklich ein Geschenk.

Das Phänomen HomerJ 2.0

Vor einigen Monaten schrieb ich hier mal über HomerJ, einen Caster von Starcraft II-Spielen, ich denke, es wird mal Zeit, das nochmal zu tun.

Begriffserklärung: HomerJ ist das Pseudonym von Sebastian Schenck, einem jungen Hamburger, der als Caster, also quasi Kommentator, bei Starcraft II-Spielen zuschaut, und seinen Kommentar abgibt. Jetzt mag es erst mal seltsam klingen, dass Menschen zuschauen, wenn andere Menschen Computerspielen – das liegt aber zum Teil sicherlich am Spiel – Starcraft II ist wie das erste Spiel seines Namens ein RTS – was heißen soll: Real-Time Strategy – also ein Strategiespiel, das in Echtzeit abläuft -, und ebenso wie der erste Titel das bisher erfolgreichste Spiel dieses Genres. Für Unbedarfte: Die Spieler haben eine Grundbasis und Sammler, müssen die erweitern, in dem sie mehr Sammler bauen, mehr Mineralien und Gas einsammeln, und weitere Gebäude bauen, die dann weitere Einheiten ermöglichen. Diese anderen Einheiten haben dann meistens diverse Möglichkeiten, Einheiten des Gegners zu einem frühen Beenden der virtuellen Existenz zu zwingen. Dabei gibt es drei sehr unterschiedlich zu spielende außerirdische Rassen, mit Einheiten, die nach dem Prinzip von Stein-Schere-Papier verschieden anfällig für die gegnerischen Einheiten sind. Das ist genauso anschaulich wie ein Fußballspiel, häufig spannender und laut irgendwem, dessen Namen ich nicht weiß, Schach auf Speed.

Die erste Nation, in der Starcraft im Fernsehen gezeigt wurde, war Südkorea – was dazu führt, dass es dort immer noch die meisten Profis gibt, Menschen, die davon leben, andere Menschen am PC zu besiegen. Durch das deutlich moderner anzuschauende Starcraft II ist der Hype immer mehr auch in Nordamerika und Europa angekommen, im Mittel sind die fernöstlichen Spieler immer noch die besten, von Europäern und Nordamerikanern gar nicht mehr so weit gefolgt.

Vor einem guten Jahr nun hat eben dieser HomerJ aka Sebastian Schenck angefangen, Spiele bekannterer Kombatanten zu kommentieren und bei Youtube hochzuladen. Damals gab es Starcraft II noch gar nicht zu kaufen, es war in einer Betaphase, an der eine Menge Spieler teilnahmen, die schon bei Starcraft oder Warcraft III gewisse Erfolge gefeiert hatten – HomerJ, der selbst ein besserer Spieler des ursprünglichen Starcraft war und zu vielen besseren Spielern guten Kontakt hatte, machte sich schnell einen Namen mit hamburgischer Kodderschnauze und gutem Spielverständnis. Und mit dem Veröffentlichungshype, den es hier gab, wie es nur bei Spielen von Blizzard geben kann – nicht umsonst ist diese Spieleschmiede die erfolgreichste der Welt – wurden auch die Casts von HomerJ immer populärer. Eine Homepage wurde zum Treffpunkt für tausende Spieler und Zuschauer – ja, es gibt eine Menge Menschen, die das Spiel gar nicht aktiv spielen, und trotzdem kein Spiel versäumen – und bei Liveübertragungen sprengte HomerJ mehrfach die Zahl von zehntausend Zuschauern im Stream – ein echtes Internetphänomen.

Als ich zum ersten Mal über das Phänomen HomerJ schrieb, hatte Basti gerade seinen Job gekündigt, um nur noch von seinen Casts leben zu wollen. Ein radikaler Schritt, der sicherlich viel Bewunderung verdient. Die Erfolgsgeschichte ging aber nicht so steil weiter, wie es bis dahin geschehen war. Verschiedene Formate wurden unterschiedlich betrachtet, HomerJ wurde von der Community, die er ja quasi selbst geschaffen hatte, immer kritischer beäugt.

Der erste Vorwurf, der immer wieder geäußert wurde, war, er verstehe das Spiel nicht gut genug, da er nicht selbst spiele.  Sebastian Schenck hatte die Schlagzahl stark erhöht, war jede Woche mehrfach auf Sendung, hatte natürlich noch nicht mal Zeit, selbst zu spielen, und wollte es natürlich auch allen Recht machen – und verausgabte sich so stark, dass er im Januar eine lange Pause machte, mit sich selbst wieder ins Reine kam und danach auch die Qualität seiner Casts wieder deutlich erhöhte. Was ihm vor allem fehlte, war die Souveränität, die vorher seiner Lockerheit entsprang – nun musste Geld verdient werden, da ging die Lockerheit einigermaßen flöten. Bissig wehrte er sich immer wieder gegen die Vorwürfe, was ihn natürlich noch anfälliger machte – zeig den Leuten, dass du dich mit ihren mehr oder weniger qualifizierten Kommentaren beschäftigst, dass sie dich treffen, und sie werden sich geradezu einen Spaß daraus machen, in die Kerbe mit einzuhauen. Dass die Vorwürfe größtenteils Quatsch waren, bewies er eigentlich immer – aber Fehler, die jedem unterlaufen können, und die bei einem mehrstündigem Turniercast fast unausweichlich waren, häuften sich unter dem starken Druck und wurden natürlich umso mehr kommentiert.

Nach einer Denkpause, die er wohl auch nutzte, um private Angelegenheiten zu regeln – das war die offizielle Sprachregelung im Forum – ging er dann wieder auf Sendung, aber erstmal kaum mit SC II-Spielen. Er spielte plötzlich selbst ganz andere Spiele,  und kommentierte die dabei. Diese sogenannten Let’s-Plays, von denen es eine ganze Menge im Netz gibt, brachten ihn dann wieder zurück ins Rennen. Bald gab es auch wieder SC II-Replays auf Youtube und – deutlich seltener, dafür aber oft vom eigenen Team organisiert – Livecasts von Turnieren. Um von Werbung profitieren zu können, wurde eine eigene Videoabteilung auf der Homepage eingerichtet – wofür es einiges an Hardware geben muss – und nebenbei gibt es auch weiterhin Let’s-Plays – oft mit Teamkollege cyrez, der die Casts als Gegenpart belebt, aber auch zu Insidergags einlädt, was für die Zuschauer eher uninteressant sein muss – und zusätzlich einen wöchentlichen Podcast, in dem einige Menschen des Teams diverse Themen relativ unjournalistisch, aber durchaus unterhaltsam durchdiskutieren – der positive Nebeneffekt: der auch über Itunes erhältliche Podcast wurde von der HomerJ-Community gleich mal auf Itunes mit positiven Reaktionen so gepusht, dass er auf Rang eins der Hitparade lag, und damit die Seite weiter bekannt machte.

Momentan sind die „Einschaltquoten“ seiner Casts nicht mehr so hoch, wie sie in den besten Zeiten waren – kein Wunder, das Spiel ist fast ein Jahr alt und viele, die kurzzeitig interessiert waren, schauen wieder andere Sachen oder spielen selbst wieder mehr – kommen aber auf durchaus ansehnliche Zahlen immer über fünftausend Zuschauern, seine normalen Replay-Casts erreichen auf der eigenen Seite Klickzahlen von vier- bis elftausend – ein gesunder Grundstock ist also gelegt. Eigene Büroräume, ein „Studio“ sind in Planung, größere Turniere sind geplant und über einen eigenen Versand werden T-Shirts verkauft, auf denen Sprüche von HomerJ zu Motiven wurden. Sicher muss es in dem schnell wechselnden Metier immer schnelle Reaktionen auf Neuerungen geben, sicherlich kann es immer Momente geben, die für die junge Firma um Sebastian Schenck nicht so einfach sind, aber immer noch darf man durchaus sagen, dieser HomerJ ist ein Phänomen.

Das Phänomen HomerJ

Wie schon geschrieben, ich spiele momentan relativ regelmäßig, manchmal auch zu viel Starcraft II. Und plötzlich spiele ich nicht nur, ich schau auch! Und was schaue ich? HomerJ-Casts! Wer oder was ist HomerJ?

HomerJ, soviel kann man wohl sagen, ist ein Phänomen. Ein junger Hamburger, der schon lange selbst ein bisschen was spielt, und seit der Starcraft II-Beta Casts online stellt. Will heißen, er zeigt uns hübsche Replays von SC-Spielen und kommentiert die. Klingt nicht aufregend? Falsch, kann sogar sehr aufregend sein. Und ungemein unterhaltsam. Basti aka HomerJ – so seine Vorstellung, die schon Kultcharakter bekommen hat – spricht, wie ihm der Schnabel gewachsen ist, sehr umgangssprachlich, aber selten unter einem gewissen Grundniveau, prägt ganz schnell Begriffe, arbeitet kreativ und humorvoll mit Sprache. Das kombiniert sich mit einer sehr großen Hingabe, mit sehr großer Leidenschaft. Man hat bei HomerJ eigentlich nie das Gefühl, er hätte nicht selbst am meisten Spaß an der Sache – und dabei bleibt er absolut bescheiden, verehrt die richtig guten Spieler, setzt den bekanntesten englischsprachigen Caster, den amerikanischen SC-Profi Day9, problemlos über sich. Das ist echtes Herzblut.

Die weitere Kombination ist die mit dem einfach großartigen Spiel Starcraft II. „Schach in Warpgeschwindigkeit“ ist eines der Zitate über dieses Spiel. Es gibt jede Menge Taktiken, jede Menge Ideen, die in diesem Spiel stecken, aber auch natürlich quasi handwerkliche Fähigkeiten, Instinkte, ein nicht allzu komplexes Wirtschaftssystem – das gibt es einerseits so viel zu lernen, das man lange spielen muss, um gut zu werden, andererseits ist es einfach genug, dass man viele Grundideen auch verstehen kann, wenn man selbst gar nicht spielt – und das ist auch wieder eine Sache, die zum Phänomen HomerJ gehören – es gibt viele Menschen, die schauen HomerJ, obwohl sie selbst gar nicht SCII spielen.

Auf der Homepage von HomerJ gibt es über fünftausend angemeldete User, über zwanzigtausend Youtube-Nutzer haben den guten Mann abonniert – zum Vergleich, der englischsprachige Master Caster Day9 hat etwa dreimal so viel, bei sicherlich deutlich mehr potentiellen Zuschauern. Inzwischen hat HomerJ schon über siebentausend Zuschauer bei Liveübertragungen gehabt – und damit erreicht er etwa so viel Zuschauer, wie sonst Livecasts von den absoluten Großveranstaltungen der E-Sports-Welt. Und folgerichtig geht er sogar den schweren Schritt in die Selbständigkeit, hat seinen sicheren Job gekündigt, das Motorrad verkauft und will davon leben. Das ist riskant, klar, aber auch wirklich richtig – wie heißt es in der „Unendlichen Geschichte“ – also dem Buch, nicht dem Bonbonkitschfilm: Tu, was du willst! – Will heißen, schau in dich, finde heraus, was du wirklich willst, und dann mach das! Finde ich einfach nur richtig, lebe schließlich selbst auch danach.

Und wie wird es weitergehen? Wie weit kann ein Internetphänomen wachsen? Und wann kommt die deutsche Mentalität und redet mal wieder alles kaputt, was erfolgreich ist?

(Ist gerade in Gamerkreisen unglaublich beliebt – speziell wie viele Menschen sich als total missgünstig outen, wenn sie in die Blizzard-Foren schreiben, ist wirklich unglaublich: Sie spielen Blizzard-Games, die durch die Bank in ihren Bereichen die erfolgreichsten sind, meckern aber mindestens dreimal die Woche in irgendwelche Threads rein, wie schlecht alles sei, früher wäre ja eh alles besser gewesen und das sie kein Bock mehr auf Blizzard haben – bleiben aber natürlich beim Spiel und suchen sich nicht einfach mal was anderes) – langer Einschub ist lang. Und das letzte da ist ein typisches Beispiel für die Sprache des HomerJ, die sehr schnell prägt – das nur so nebenbei.

Zurück zum Thema: Wie also sieht die Zukunft aus? Ich glaube, dass HomerJ richtig handelt, denn das Phänomen wird wachsen – vielleicht sind ja auch ein paar Menschen mal clever, zum Beispiel bei sport1, und geben ihm eine kleine Sendung irgendwo im Nachtprogramm – nein, nicht mit : „Ruf mich an!“, sondern mit spannenden SCII-Spielen – und ESports kann genauso zu einem Medienphänomen werden, wie das vor einigen Jahren mit Poker war. HomerJ ist auf jeden Fall ein richtig guter Unterhalter, und Matches in SCII sind fast immer spannender, als in der Fußballbundesliga. Von daher also: Bis nach Tarsonis und noch viel weiter!!


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