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Quick – Radikalbahnhof

Ich hab da eben was gelesen, was mich einigermaßen angefressen hat … es geht um folgenden Blog: http://todamax.kicks-ass.net/blog/2010/krieg-in-stuttgart/
Jetzt interessiert mich kein Bahnhof in Stuttgart, das ist weit weg, betrifft mich nicht, auch wenn es sicherlich viele gute Gründe dafür und dagegen gibt. Aber ich bin betroffen, wenn das Grundrecht auf Demonstration mit Füßen getreten wird, wenn Kinder und alte Menschen mit der gleichen Gewalt angegangen werden, die man sich mal gegen widerwärtige Aufmärsche von Neonazis des Öfteren wünschen würde – und die mich an Wackersdorf oder Hamburger Hafenstraße erinnert. Das, was in dem oben gelinkten Blog steht, ist mindestens zweifach bedrückend – denn der erste Reflex sollte bei jedem denkenden Menschen sein: „Halloho! Habt Ihr sie noch alle? Keinen Krankenwagen? Herr Polizist, was ist Ihr Job? Zu riskieren, das ein Mann stirbt?“ – Und ich, der ich selten um Worte verlegen bin, hab keine Ahnung, wie ich ausdrücken kann, was ich am liebsten mit diesen Polizisten und diesem Menschen an der 112 machen würde. Und ohne heute deutlich sensibler zu sein als sonst, hatte ich sofort Tränen in den Augen, als ich mir das Video auf der Seite angesehen habe – da wird höchst bürokratisch Körperverletzung angeordnet, und alle stehen machtlos vor diesem verdammten LKW – zum Kotzen, ehrlich. Wenn ich einer der Pressefotografen gewesen wäre, hätte ich wahrscheilich kein Foto mitgebracht, sondern wäre dabei gescheitert, den Polizisten aus seinem Wasserwerfer zu zerren.
Andererseits bedrückt mich aber auch die Radikalisierung des Blogschreibers – nicht, weil ich ihn nicht verstehen könnte. Wenn ich das live miterlebt hätte, wäre ich in dem Moment und wahrscheinlich auch noch ne Woche später vermutlich ebenso radikal gewesen. Aber so gern ich radikal in der Kunst bin, so sehr halte ich Radikalität in der Politik für kontraproduktiv. Es führt ja doch immer nur zu der Gewaltspirale, in der nun mal Gewalt Gegengewalt erzeugt. Ich glaube nicht, dass eigene Gewalt irgendwas bewirken kann, ich glaube man muss aufrüsten, aber innerlich. Die Proteste in Stuttgart waren friedlich, die moralische Überlegenheit war hier ganz eindeutig auf der Seite der Demonstranten – und, ja, ich weiß, dass das weder Trommelfelle noch Augen wiederbringt – und nun sieht alle Welt, dass die Politik und die Polizei deutlich überreagiert haben, der schwarze Peter ist bei Mappus – und ich kann nur stark hoffen, dass man in BW daraus lernt und diesen Idioten nicht wiederwählt. In diesem Sinne hoffe ich, das auch weiterhin die Proteste friedlich bleiben. Und ich hoffe, dass alle Polizisten, die da die Hilfe verweigert haben, ihre Dienstmarke abgeben müssen – die haben nämlich offenbar ein paar Sachen über ihre Pflichten nicht verstanden. Wer so handelt, darf kein Polizist in diesem Staaate sein.
In diesem Sinne muss man sich jetzt zu Wort melden, den Polizeieinsatz deutlich verurteilen – aber Gegengewalt bringt uns nicht weiter.


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