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Quick – Ich hab dich! Gotcha wird also verboten …

Ah, das Waffenrecht wird verschärft, und? Bekommen die Schützen endlich ihre Waffen abgenommen? Wäre doch eine sinnvolle Konsequenz nach Winnenden und Erfurt, wo es Waffen von Schützen waren, die quasi dutzendweise Opfer forderten.
Nein, es gibt weitere Auflagen und mehr Kontrollen – Bürokratie ist ja immer schön – und Paintball bzw. Gotcha wird verboten. Nun, ich habe solche Spiele noch nicht gespielt, es wäre wohl auch zu einfach, mich zu treffen, aber von allen, die mir vom Gotcha erzählt haben, habe ich nie gehört, dass sie nach dem Spielen den dringenden Wunsch gehabt hätten, Amok zu laufen. Wenn ich das richtig verstanden habe, ist Gotcha ein relativ normaler Sport, ein bisschen wie Völkerball, wo man halt Leute mit Farbe abschießt, statt mit einem Ball. Das zu verbieten, ist ungefähr so nachvollziehbar wie ein Verbot von Supersoakern, diesen Radikalwasserpistolen, die sind sicherlich ähnlich aggressionsfördernd.
Die Möglichkeit, mit großkalibrigen Waffen zu schießen, die Macht der Waffe zu fühlen, das ist sicherlich viel gefährlicher als mit Farbkügelchen um sich zu ballern. Aber werden diese echten Waffen verboten? Nein, da gibt es ja auch genug Lobby für. Ein Sport wird also kriminalisiert, der ungefährlicher ist als Boxen oder Fußball – warum? Doch nur, weil es hier keine Lobby gibt, weil hier junge Leute Spaß haben, und nicht Rechtsanwälte und Politiker ihren Traditionen nachgehen – und damit auch schön in die Lokalzeitung kommen, sich feiern lassen. Schützenfeste sind halt wichtiger, und das Bauernopfer ist ja schon gefunden. Na, dann herzlichen Glückwunsch und schön, dass die Politik wieder nichts tut – der nächste Amoklauf kommt, auch ohne Gotcha.

Quick – Ist das Leben kein Amoklauf?

„Ist es nicht erstaunlich, dass nicht viel mehr Menschen ausrasten?“ lässt Jan Weiler seinen seltsamen Psychologen in „Drachensaat“ fragen, und wenn ich über den gestrigen Tag, über den nächsten klassischen Amoklauf nachdenke, dann kehrt mein Gedanke immer wieder zu dieser Frage zurück … warum jemand hingeht und 15 Menschen erschießt? Nee, das ist keine Frage, wegen irgendeiner Verzweiflung, einer Leere im Leben, weil er noch Jungfrau war oder weil sich irgendwer über ihn lustig gemacht hat, der Gründe gibt es so viele, und wenn der Kopf auch sagt, dass das ja wohl kein Grund zu töten sei, kennt das Herz doch die Momente, in denen man gerne genau das tun wollte. Unter normalen Umständen macht man es nicht, klar, aber nicht jeder ist normal, zumal nicht in der Pubertät. Und natürlich sind hier die menschlichen Werte nicht im Gehirn angekommen – aber was erwartet man bei Eltern, die einen halben Zug bei der Bundeswehr bewaffnen könnten – Herzensbildung? Eine Ächtung von Gewalt? – Ja, klar, sehr lustig.
Jetzt kann man natürlich sagen, hey, sowas gab es doch früher auch nicht? Richtig, früher gab es auch mehr für Menschen mit entsprechenden Neigungen zu tun, zum Beispiel Exekutionen und Selektionen in Ausschwitz, oder auch eine steile Karriere bei der RAF, was das angeht … aber ebi aller Bestürzung, die nur natürlich ist, warum sind wir eigentlich nicht genauso bestürzt, wenn in den Kriegen rund um die Welt viel mehr Tote zu beklagen sind? Weil wir da ja nicht betroffen sind? Weil es nicht vor unserer Haustür stattfindet?
Aber zurück zu dern Anfangsfrage: Ist es nicht seltsam, dass nicht noch viel mehr Menschen ausrasten? Ich find das seltsam, schließlich wird der Druck doch immer höher. Die Medien machen uns Angst vor der Rezession, vor islamistischen Terrorbombern, vor amoklaufenden Schülern, immer nur Angst! Meine Güte, jetzt haben wir uns von den angstmachenden Religionen einigermaßen wegaufgeklärt, jetzt gibt es keine kommunistische Bedrohung mehr, jetzt müssen andere Ängste aufgebaut werden, damit das Volk schön regierbar bleibt – zum Kotzen! Und dazu Leistungsdruck und Zukunftsangst, und niemand sorgt mal dafür, dass Kinder und Jugendliche aus dieser Tretmühle auch mal raus können. Keiner kümmert sich, keiner schaut hinter die Kulissen … wie verdammt einsam muss jemand sein, der so einen Scheiß macht?

Dass die Eltern Beihilfe zum Mord leisten, in dem sie Waffe und Munition herumliegen lassen, das gehört dann natürlich ins Bild, wäre ja eigentlich nicht unbedingt nötig … und mit einem Messer wäre es schon viel schwieriger geworden, so viele zu erwischen. Dass die Waffe einfach vorrätig ist, ist natürlich noch keine Aufforderung zum Amoklauf, aber es vereinfacht die Angelegenheit ungemein. Ich habe keine Ahung, warum in Privathäusern Waffen herumliegen dürfen, ich halte das für grob fahrlässig, sogar in Tresoren, aber natürlich kann man mit einer Entwaffnung der Gesellschaft keine Amokläufe verhindern, aber sie erschweren. Und vermutlich wird nun die Diskussion um Computerspiele und Paintball wieder aufkommen – *gähn* – nein, diese Sachen sind nicht schuld, die meisten Amokläufer spielen Shooter, okay, aber Amokläufe gab es schon vorher, lange vor Counterstrike – und nebenbei, die meisten von ihnen gingen auch zur Schule – klingt für mich jetzt auch sehr gefährlich … so lange man in der Gesellschaft akzeptiert, dass Jugendliche den Sinn ihres Lebens in wochenendlichen Komasaufpartys sehen, so lange Castingshows und überspannte Ideale Vorbilder generieren, die allenfalls für die Mülltonne taugen, so lange werden Menschen austicken, so oder so … es ist nur seltsam, dass nicht noch viel mehr ausrasten.